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Reviews: Nintendo 3DS

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Fifa 12

Sport

23.10.2011

Autor: Martin Küpper

 

 

Ab auf den Rasen!

 

König Fußball ist wieder da! Die neue Bundesliga Saison ist schon in vollem Gange und auch international sind die ersten Partien gespielt. Höchste Zeit also, dass EA die jährliche Portion Fifa auf sämtliche Konsolen und Handhelds verteilt, die nicht im passiven Abseits stehen. Da ist es wenig verwunderlich, dass die Serie dieses Jahr auch ihren Einstand auf dem 3DS feiert. Ob das tatsächlich ein Grund zum Jubeln ist, wollen wir in unserem heutigen Testbericht klären.

 

Wie heißt es so schön? Das Spiel wird auf dem Rasen entschieden. Das trifft auch auf Fußball Spiele überaus treffend zu, denn egal wie umfangreich das Aufgebot an Lizenzen und Spielmodi auch sein mag, wenn das Gameplay auf dem Rasen nicht stimmt, ist eine deftige Klatsche nicht mehr zu verhindern. Daher werfen wir zunächst mal einen Blick auf die Steuerung, die KI und das allgemeine Spielgefühl.

 

 

11 Mann, jede menge Tasten und trotzdem die volle Kontrolle?

 

Wenn man bedenkt, dass Fifa so ziemlich jede Eingabemöglichkeit des 3DS nutzt und darüber hinaus noch Tastenkombinationen nötig sind um das Spiel wirklich komplett zu kontrollieren, könnte man den Eindruck bekommen, die Steuerung sei hoffnungslos überladen. Ist sie aber nicht. Genau wie auf den HD Konsolen, ermöglicht die Steuerung viele Feinheiten, wie etwa die Möglichkeit einen Doppelpass einzuleiten (L-Taste + B-Knopf). Selbstverständlich braucht es etwas Eingewöhnungszeit um das volle Potential der Steuerung auszuschöpfen, doch die wesentlichen Spielaktionen (Pass, Schuss, fairer Zweikampf, Grätsche…) gehen schnell von der Hand und alles andere lernt man mit der Zeit. Entweder ihr steigt direkt in einen Wettbewerb ein und lernt von Spiel zu Spiel dazu, oder ihr nimmt euch die Zeit und eignet euch die Feinheiten der Steuerung vorher im Trainingsmodus an.

 

Neben den Tasten, kommt übrigens auch der Touch-Screen zum Einsatz. Während ihr auf dem oberen Bildschirm das Spielgeschehen verfolgt, bietet sich ein Blick auf den unteren Bildschirm an, um euch mit dem dort angezeigten Radar einen besseren Überblick zu verschaffen. Kommt ihr aber in die Nähe des 16-Meterraums, also in Schussreichweite, wechselt die Ansicht auf dem unteren Bildschirm zur einer Toransicht. Mit einem einfachen Fingerdruck könnt ihr nun einen zielgenauen Schuss abfeuern. Das klingt im ersten Moment furchtbar – denn eine solch genaue Platzierung des Balls, würde ja fast jeden Schuss zum Treffer machen. Aber keine Sorge, so einfach ist es auch wieder nicht. Zunächst einmal entscheidet die Position des Ballführenden Spielers darüber, aus welchem Winkel euch das Tor angezeigt wird. Aus spitzem Winkel ist es also realgetreu nicht so einfach den Ball ins Netz zu schieben. Darüber hinaus entscheidet neben der Qualität des Spielers auch die länge des Drucks darüber, ob der Ball tatsächlich da ankommt, wo er hin soll. Mich hat diese Schuss-Steuerung nach anfänglicher Skepsis wirklich überzeugen können, vor allem weil sie einen Aspekt des realen Fußballs wunderbar einfängt. Es ist nahezu unmöglich das Spielgeschehen im Auge zu behalten, während man in Ruhe zielt. Wenn ihr von Gegenspielern umringt seit, ist demnach eine ganz andere Hektik gegeben, als wenn man völlig alleine aufs Tor zu läuft. Ein schneller Schuss, den ihr ohne genau hinzusehen abfeuert, ist oft zu ungenau um im Netz zulanden. Mit der Zeit werdet ihr aber sicherer, bekommt im wahrsten Sinne des Wortes den Stürmerinstinkt. Ihr wisst wo das Tor steht und wo euer Finger hinschnellen muss. Das ist wirklich ganz große Klasse!

 

Wenn ihr im Gegensatz zu mir kein Fan der Steuerung per Touchscreen werdet, steht es euch aber natürlich auch frei weiterhin mit der A-Taste zu schießen. Leider lässt sich der Wechsel der Ansicht auf dem unteren Bildschirms aber nicht abstellen. Das heißt egal ob ihr die Steuerung nutzen wollt oder nicht, in Torreichweite fehlt euch das Radar. Das ist gerade dann wirklich ärgerlich, wenn man eine Flanke in den 16-Meterraum schlagen will. Eine Kameraperspektive mit großer Spielübersicht wird daher quasi zum Muss.

 

 

Jetzt mal ganz langsam…

 

Leider ist das Gameplay nicht ganz so souverän wie die Steuerung. Der wohl größte Kritikpunkt ist das langsame Spieltempo. Über eine Designentscheidung von EA Sports, die Fifa „realistischer“ machen soll, reden wir hier übrigens nicht. Nein, das Problem ist einfach die unglaublich miese Bildrate. Je nach Kameraperspektive und der Spieleranzahl auf dem Bildschirm, wird das Spiel immer langsamer und langsamer. Das ist insbesondere bei Ecken und Freistößen ein Problem, wo sich erwartungsgemäß viele Spieler auf engem Raum tummeln. Das zerstört das Spiel natürlich nicht komplett, ist aber doch ein Dorn im Auge und ein Mangel, den EA Sports nächstes Jahr dringend beheben sollte!

 

Nachbessern sollte man auch bei der KI. Ein Totalausfall ist die sicher nicht, gerade in der Abwehr verhalten sich die Spieler einigermaßen intelligent, aber einige Mängel machen sich doch hin und wieder bemerkbar. So ist es etwa sehr ärgerlich, wenn man an der Seitenlinie läuft und eine Flanke vors Tor schlagen will, sich aber keiner der Spieler dorthin bequemen will. Selbst wenn man manuell einen Spieler in den Raum schicken will, ist das Ergebnis oft schlicht bekloppt. Statt in den Sechzehner, läuft der Stürmer doch glatt zum Ballführenden Spieler. Und dann während da noch die teils unnötigen Animationen, etwa wenn der Spieler einen Fehlpass spielt. Es ist schon vorgekommen, dass der Ball vom Gegner wieder direkt vor die Füße meines Spielers prallt, der aber gerade zu sehr damit beschäftigt ist zu Gestikulieren, anstelle sich um den Ball zukümmern. Das muss doch nun wirklich nicht sein.

 

 

Spielmodi

 

Trotz dieser Mängel macht es aber meistens Spaß eine Runde in Fifa 12 zukicken. Der Titel eignet sich perfekt für Zwischendurch, etwa wenn man mal eine Halbzeitpause oder die lästige TV Werbung überbrücken möchte. Aber der Titel bietet durchaus auch einige Spielmodi, die den Spieler länger an die beiden Bildschirme fesselt. In der Karriere könnt ihr euch wie gehabt als Manager beweisen. Neben den eigentlichen Spielen kümmert ihr euch hier um die Kaderzusammenstellung oder das Aufwerten von Trainerstab, Trainingsobjekten, Stadion etc.

Gerade die Spielerentwicklung weiß zugefallen. Mit jedem Einsatz auf dem Platz sammeln eure Spieler an Erfahrung, durch die eine Leiste visualisiert wird. Ist die Leiste voll verbessert sich der Spieler in der Gesamtwertung um einen Punkt. Es macht also tatsächlich Sinn sein Geld in junge Talente zu investieren. Ein Aspekt der mir bei Fifa bislang meist zu kurz gekommen ist. Einige Fragen beschäftigen mich hingegen weiterhin. Wieso bietet der Karieremodus nicht den richtigen Spielpan? Warum spielt im ersten Jahr keine Mannschaft in den internationalen Wettbewerben?

 

Neben der Kariere stehen euch außerdem die unterschiedlichsten Turniere zur Auswahl. Interessant dabei ist vor allem, dass ihr auch Straßen- bzw. Hallenfußball spielen könnt. Selbstverständlich tritt man hier nicht mit 11 Mann an, sondern spielt Fünf gegen Fünf. Das Spielfeld und die Tore sind kleiner, statt dem Aus gibt es das Spiel mit der Bande… eben genauso wie man sich Straßen und Hallenfußball vorstellt. Das stellt eine sehr gelungene und spaßige Abwechslung zum „normalen“ Fußball dar.

 

Auch im „Be a Pro“ Modus, tretet ihr zunächst als Straßenfußballer in die Welt des Fußballs. Nach einer Saison wechselt ihr dann in den Profifußball. Die Entwicklung eines Spielers wird hier im Ansatz ordentlich umgesetzt. Während man auf den HD Konsolen bestimmte Leistungen erfüllen muss um seinen Pro zu verbessern, sammelt ihr hier mit jedem Spiel Erfahrungspunkte, die ihr völlig frei in die verschiedenen Kategorien, wie Schuss, Dribbling oder Zweikampf, investieren könnt. Eure Erfahrungsausbeute im Spiel könnt ihr zusätzlich durch optionale Ziele erfüllen, die ihr vorher auswählt. Doch ihr sammelt nicht nur Erfahrung, sondern auch Rum. Klingt alles sehr fein? Da wäre nur ein Problem. Man verbessert sich viel zu schnell! Schon in meiner ersten Saison als Profi hatte ich fast eine Gesamtwertung von 90! Auch bei der optischen Gestaltung eures Pros gibt es Verbesserungspotential. Während ihr euch auf den HD Konsolen mit zahlreichen Optionen ein Ebenbild erschaffen könnt, sind die Mittel hier eher begrenzt und das Ergebnis demnach nicht wirklich treffend.

 

 

Lizenzen, Optik und Sound

 

Im Gegensatz zur direkten Konkurrenz bei Pro Evolution Soccer bietet Fifa fast alle wichtigen Lizenzen. Alle wichtigen und einige unwichtige Ligen sind komplett dabei. Mir fehlt höchstens noch die japanische Liga, die ich schon seit Jahren fordere. In der Bundesliga sind demnach natürlich auch alle Vereine und Spieler lizenziert. Doch die Umsetzung der Lizenzen ist ein ganz anderes Thema. Für meinen Geschmack erkennt man viel zu wenige Spieler wirklich wieder. Bei „meinem“ FC Schalke etwa nur Raúl und Huntelaar. Selbst Höwedes und Jefferson Farfán sehen ihren Vorbildern nicht gerade Ähnlich. Und Schalke ist hier wirklich kein Einzelfall.

 

Darüber hinaus ist die Optik aber in Ordnung. Nicht mehr nicht weniger. Auch der 3D Modus ist nicht mehr als eine nette Dreingabe, der das Spielgefühl in meinen Augen kaum beeinflussen kann. Der Sound ist hingegen eine Frechheit. Bei den Kommentaren war EA hier Faul wie nie, hat (soweit ich das beurteilen kann) ausschließlich auf bereits vorhandene Aufnahmen zurück gegriffen. Als Ergebnis nerven die Kommentatoren fast noch mehr als ohnehin schon. Leider ist es nicht möglich die Kommentatoren auszuschalten oder gar auf Englisch zu wechseln. Und ansonsten? Die Fans machen sich nur selten bemerkbar, meistens durch ein kurzes Raunen, das einem schnell auf die Nerven geht. Insbesondere dann, wenn das Raunen kurz hintereinander ausgelöst wird und ineinander verschwimmt. Dann wäre da noch die Spieler, die hin und wieder ein Kommentar ablassen, bei dem man sich ungläubig an den Kopf fassen muss. Dass ein Spieler etwa hämisch lacht, wenn er einen Gegner ausgetrickst hat, mag ja zum Straßenfußball noch passen, aber zu Profis? Nein! Zum krönenden Abschluss ist auch der Soundtrack nicht wirklich gelungen. Über die Qualität der ausgewählten Songs kann man sich ja streiten, aber die Quantität ist ein Witz. Da der Soundtrack auf dem 3DS nur wenige Lieder umfasst, werden diese schnell wiederholt und gehen einem nach kurzer Zeit nur noch auf die Nerven.

 

Insgesamt schafft es Fifa auf dem 3DS nicht im Ansatz die Emotionen des Fußballs zu vermitteln. Um das zu Bestätigen, zeigt euch das Spiel nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft wohl auch die emotionsloseste Meisterschaftsfeier aller Zeiten.

 

 

Der ganze Rest

 

Unter diese Kategorie fällt traurigerweise der Multiplayer. Ihr könnt drahtlos gegen einen Freund antreten. Das war es auch schon. Kein Online, kein Streetpass, kein Zwei gegen Zwei (oder gar mehr Spieler), keine Möglichkeit Turniere zu bestreiten. Nichts. Da weiß man wirklich nicht ob man Lachen oder Weinen soll.

 

Aber lasst uns diese Kritik doch mit einem positiven Aspekt abschließen. Löblich ist, dass ihr euch neue Kaderupdates und Trikotsätze herunterladen könnt. Wie regelmäßig EA hier Neues anbieten wird, bleibt aber natürlich abzuwarten.

 

 

Vielen Dank an Electronic Arts für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Fazit

Fifa schafft auf dem 3DS für Solisten einen durchaus ordentlichen Einstand. Die Steuerung ist super gelungen, das Schuss-System wirklich Klasse und der Umfang eine Wucht. Auf der anderen Seite trüben zahlreiche Mängel, wie die schlechte Bildrate, das Vergnügen und auch bei der Präsentation ist noch reichlich Luft nach Oben. Unterm Strich wäre Fifa 12 trotzdem keine schlechte Wahl, wenn man portablen Fußball sucht, wenn da nicht der unglaublich abgespeckte Mehrspielermodus wäre. So kann ich den Titel nur absoluten Fifa Fans empfehlen. Alle anderen sollten sich ein Jahr gedulden, denn dann wird EA Sports wohl hoffentlich zumindest den Multiplayer ordentlich aufbessern.

Grafik

ok

Sound

schwach

Steuerung

super

Spielspaß

ok

70%

Singleplayer

50%

Multiplayer

Release

29.09.2011

Developer

EA Sports

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (WLAN)

1-2



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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