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Reviews: Nintendo 3DS

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Fantasy Life

RPG

14.10.2014

Autor: Lukas Strübig

 

 

Lebenssimulationen sind zur Zeit stark im Kommen. Hatten Harvest Moon und Rune Factory schon immer ihre Fanbases, hat doch der letzte Erfolg von Animal Crossing: New Leaf eine wahre Lawine an Veröffentlichungen im Westen los getreten. Nun bekommen wir also nach Tomodachi Life das etwas RPG-igere Fantasy Life.

 

 

Arbeit=Leben

 

Okay, ich sage es sofort frei heraus: Dies wird eines dieser Reviews, in denen ich mich total gegen den Mainstream stellen muss, und das tue ich wahrlich nicht gerne. Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich dieses Review schreiben konnte, immerhin ist das Spiel schon seit zwei Wochen raus und ich habe das Testmuster noch länger. Allerdings wollte ich unbedingt heraus finden, warum es so sehnlich erwartet und so positiv aufgenommen wurde. Und das habe ich nicht.

 

Also steht es für mich fest: Fantasy Life ist ein langweiliges Rollenspiel mit einer leblosen Spielwelt.

 

Fantasy Life spielt in Reviera, einer Welt mit einer recht fragwürdigen Moral. Zu Beginn des Spiels kann man sich einen von zwölf Berufen aussuchen, allerdings nennt man diese „Leben“, und in der Kultur von Reviera hat dies sogar praktisch eine religiöse Bedeutung. Das ist ein wenig gruselig, aber ich kann verstehen, dass sich ein Spiel namens „Fantasy Work“ wohl nicht so gut verkauft hätte.

 

Der Haken ist hier, dass man jederzeit frei zwischen diesen Berufen wechseln kann, wodurch nicht nur die kulturell tief verankerte Bedeutung dieser, sondern auch der Wiederspielwert von Fantasy Life in den Staub getreten werden. Warum sich auch festlegen und damit einschränken? Skyrim hat ja gezeigt, dass der moderne Gamer alles und sofort haben will. Heute bin ich Paladin, morgen Magier, aber halbtags Schreiner. Das ist konsequentes Game Design! Halt, nein; ist es nicht, da man selbst als Zaubertrankbrauer oder Näher nicht der Konfrontation mit Wolfsrudeln, Riesenaffen oder Drachen entgehen kann. Wozu braucht es überhaupt Paladine oder Söldner, wenn sich jeder Hans ganz gut selbst verteidigen kann?

 

Das Hauptproblem dabei allerdings ist, dass man diesem System kaum entgehen kann. Man muss Berufe wechseln, denn ständig bekommt man Side Quests, welche genau dies voraussetzen, ohne dass man überhaupt informiert wird, dass und zu welchem Beruf man wechseln muss. Es wäre sehr viel angenehmer gewesen, wenn man Quests auch nur dann sieht, wenn man den richtigen Beruf für sie hat. So muss man ständig an immer derselben Denkwolke vorbei laufen, weil man jetzt gerade wirklich keine Lust hat, Angler zu werden.

 

Die Side Quests sind aber eh kaum der Rede wert. Fantasy Life ist dahingehend sehr MMOig. Was für mich gleichbedeutend mit stinklangweilig ist. Meistens wird man gebeten, zehn Wölfe zu töten oder einen Schild mit +Stärke herzustellen. Nur selten rankt sich überhaupt eine Geschichte um die Aufgaben. „Bitte bring mir fünf Milchflaschen von meinem Konkurrenten.“- Oh super, ich bin ja wirklich gespannt wie das ausgeht. Am Ende verbringt man also die meiste Zeit auf dem Feld um Viecher abzugrinden mit einem Kampfsystem, das sich sehr stark an den 2D Zeldas orientiert, nur dem Spieler auch immer brav Schadensberechnungen ins Gesicht wirft, um so zu tun als wäre es tiefer als das.

 

Für bestandene Quests bekommt man dann meistens Gulden, für die man sich dann weitere Ausrüstung und Möbel kaufen kann. Moment, Möbel? Ach ja, richtig! Fantasy Life will ja auch eine Lebenssimulation sein. Ja, nur leider ist es eben keine.

 

Lebenssimulationen sind einfach mehr als ein Haus, das man möblieren kann. Das hat das Team hinter Fantasy Life aber anscheinend nicht verstanden. Lebenssimulationen sind eigentlich ein einziger, riesiger Algorithmus. Es sind Konstrukte aus zufällig erstellten Figuren, die zufällig interagieren und aufgrund ihres Status und den äußeren Gegebenheiten Geschichten erzählen. In Animal Crossing ziehen zufällig Charaktere in dein Dorf und reagieren basierend auf ihrer Persönlichkeit anders auf den Spieler, in Tomodachi Life heiraten Figuren wenn ihre Art kompatibel ist, sie bekommen Kinder deren Aussehen aus den Attributen ihrer Eltern zusammen gewürfelt werden und dann trennen sie sich wieder weil der allmächtige Algorithmus eben genau dies entschieden hat.

 

In Fantasy Life fehlt genau dieses Element. Die NPCs sind allesamt nur Quest Geber, Ladenbesitzer, Story Elemente oder Dekoration. Man kann seine Wohnung aufhübschen, aber nie wird jemand zu Besuch sein, um sie kommentieren. Und daher hat sie keinen Wert.

 

Nebenher versucht Fantasy Life übrigens, eine Geschichte zu erzählen. Dies tut sie aber in der langgezogensten Weise, die nur möglich ist. Ständig wird das Gameplay durch viel zu lange Dialoge unterbrochen, in denen die Figuren auf die lahmste Art und Weise immer wieder ausschweifen weil die Autoren wohl dachten, sie bekommen so eine Persönlichkeit und natürlich muss jeder neue Charakter den man trifft kommentieren, wie seltsam ein sprechender Schmetterling (übrigens, man wird von einem sprechenden Schmetterling begleitet) ist. Die Story an sich nimmt sich sogar Großes vor, sogar das Schicksal der ganzen Welt steht auf dem Spiel, nur leider kommt keine Weltuntergangsstimmung auf, wenn in einem Dialog durchgehend dasselbe, fröhliche Gedudel läuft.

 

Gut, ende ich auf etwas Positivem: Neben den Quests bekommt der Spieler noch zwei andere Kategorien von Aufgaben: In der einen sind Aufträge, die sich im Spielverlauf praktisch von selbst lösen, wenn man Dinge tut, die dem eigenen Job entsprechen. Ist man ein Paladin soll man zum Beispiel zwanzig Bergschlangen töten. Das macht man eh, ob man es sich nun vornimmt oder nicht. Durch diese Quests bekommt man Punkte, die einen in der Gilde im Rang aufsteigen lassen.

 

Die anderen Aufgaben sind Dinge, die einen in der Story voran bringen. Nicht nur hat man so einen guten Anhaltspunkt, wo man als nächstes hingehen könne, man bekommt dafür auch „Wonne“ Punkte. Steigt man ein Wonne Level kann man sich Spielerboni aussuchen, die einem erlauben mehr Gepäck zu tragen, oder sich mehr Haustiere zu kaufen. Das ist ein wirklich schönes und dynamisches System, das ich gerne öfter in anderen Rollenspielen sehen würde.

 

 

Fürs Auge und fürs Ohr

 

Grafisch ist Fantasy Life so eine Sache. Von der Qualität her stellt das Spiel genau da, was es darstellen will. Alles sieht so aus, wie es aussehen soll. Und der Stil ist schön und erlaubt vor allem den Spieler, seinen Charakter äußerlich sehr individuell zu gestalten.

 

Der Teufel liegt hier wohl in der Musik. Ja, Fantasy Life nimmt sich nicht allzu ernst, doch ist die musikalische Untermalung ein andauerndes Understatement. Die allgemeine Vertonung hört sich an als würde man auf einem Schützenfest spazieren gehen, und selbst größere Momente wie zum Beispiel das Bestehen einer Quest werden nicht von einem großen Orchester gefeiert, sondern viel mehr von einer heroischen Entenpfeife begleitet, als würde sich das Spiel selbst darüber lustig machen wie klein und unbedeutend dieser Erfolg war. Und das in einer Geschichte um böse Meteoriten die friedliche Wesen in aggressive Monster verwandeln. Sehr stimmig.


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Fazit

Ich muss sagen, ich bin kein Fan. Fantasy Life ist ein langweiliges JRPG und eine nicht existente Lebenssimulation. Doch so wenig ich den Hype verstehen kann, so wenig kann ich auch verneinen, dass er existiert. Es scheint irgendetwas zu geben in diesem langweiligen Kampfsystem und diesem uninspirierten Questdesign und diesem inkonsequenten Konzept, das bestimmte Leute fesselt. Ich kann Fantasy Life allerdings schon empfehlen. Wenn man die Frage „Findest du Questen und Leveln in MMOs spannend?“ mit „Ja“ beantworten kann, wird man mit Fantasy Life viel Spaß haben.

Grafik

ok

Sound

schwach

Steuerung

gut

Spielspaß

schwach

55%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

24.09.2014

Developer

Level-5

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-3

Anzahl Spieler (WLAN)

1-3



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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