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Reviews: Nintendo DS

Award für Innovation

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Lunar Knights

RPG

17.02.2008

Autor: Daniel Nicolin

 

Es ist der wohl älteste und einer der immerwährenden Konflikte in der Geschichte der Menschheit – der Kampf Gut gegen Böse. Doch selten sind beiden Seiten so klar auszumachen wie im Kampf der Spezies Mensch gegen die Spezies Vampir. Unzählige Ableger quer durch alle Medien wissen davon zu berichten seit Bram Stoker - nach einem Alptraum verursacht durch eine Magenverstimmung - mit seiner Schöpfung, dem edlen Vampirgrafen „Dracula“, einen Klassiker der Horrorliteratur geschaffen hat, deren bösartiger Protagonist damit gleichzeitig zu einer zeitlosen Ikone des Horrorgenres geworden ist. Und spätestens seit der Castlevania-Reihe hat sich die Untotenjagd (Perspektivenwechsel: Menschenhatz) auch auf heimischen Videospielkonsolen etabliert.

 

Lunar Knights erzählt die Geschichte vom vampirischen Versuch der totalen Machtübernahme des Planeten - mit extraterrestrischen Mitteln wie der Kastenrüstung und einem überdimensionalen Sonnenschirm (kein Witz!) - und der vollständigen Unterwerfung der Menschheit. Nur ein paar tapfere Recken scheinen genug Mumm in den Beinen (oder in der Flasche) zu haben, um den Untoten unbeugsamen Widerstand zu leisten. Klingt nach nix bahnbrechend Neuem (okay, `ne Spur verrückter klingt’s schon) verspricht aber – vorausgesetzt gut umgesetzt – vergnügliche Stunden auf eurem DS. Übrigens wurde das Spiel von den renommierten Kojima Productions, also der Schmiede von Mastermind und Metal Gear Erfinder Hideo Kojima entwickelt.

 

 

Zwei wie Pech und Schwefel

 

Ihr schlüpft dabei in die bläulich blasse Haut des zwielichtigen, egoistisch-sarkastischen Antihelden Lucian, um den Vampiren das Handwerk zu legen, getrieben jedoch keineswegs von der ehrbaren Motivation, die Menschheit zu retten, sondern aus reiner Rachsucht – was es damit auf sich hat, solltet ihr selbst erfahren. Relativ früh im Spielverlauf gesellt sich noch der junge, aufstrebende Vampirjäger Aaron dazu, dessen unverbrauchter Idealismus und dessen ungezügelte Impulsivität zu einigen kontroversen, mitunter auch komisch anmutenden Auseinandersetzungen mit eurem fatalistischen „Byronic Hero“ Lucian führt. Dennoch habt ihr ab sofort jederzeit die Möglichkeit, zwischen den beiden Charakteren zu wechseln, und euch somit die Vorteile von Lucians angriffstarken Nahkampfwaffen und Aarons Fernangriffen situationsabhängig zunutze zu machen.

 

Im Laufe eurer Killerkarriere sammelt ihr rollenspieltypisch fleißig Erfahrungspunkte, um euch so stetig Level für Level nach oben zu arbeiten. Bei jedem Levelaufstieg erhaltet ihr wiederum so genannte Statistikpunkte, die ihr nach Lust und Laune auf die Werte Vitalität, Geist und Fähigkeit verteilen könnt, um euch so mehr Lebensenergie zu verschaffen, eure Magieleiste (oder Energieleiste) zu erweitern oder eure Angriffskraft zu erhöhen. Zweitgenannte ist hilfreich, wenn ihr Lucians Waffe mithilfe der euch begleitenden kleinen Elementargeister (so genannte „Terrennials“, unter anderem natürlich ein Feuervieh, ein Eisgeist, ein Windwatz, ein Lichtlulatsch, ein Pflanzenfatzke …) verstärken wollt – Aarons Schusswaffenarsenal (nicht riesig, aber immerhin ist alles dabei von zielsuchenden Raketen über Granat- und Flammenwerfer bis hin zu einer MP-artigen Schnellfeuerwaffe) ist sogar komplett auf den Einsatz der Elemente angewiesen, denn ohne diese und somit ohne Energieverlust ist Aaron nicht in der Lage, auch nur den kleinsten Angriff zu starten. Zudem kostet es einen kleinen Teil Energie, wenn ihr euch spurtend über den Bildschirm bewegen wollt, was mitunter ganz nützlich sein kann.

 

 

Gammelfleisch und Müll

 

Wenn ihr euch mal nicht im Kampfgetümmel in einer der neun teilweise - und natürlich vor allem im späteren Spielverlauf - sehr weitläufigen Stages aufhaltet, könnt ihr in Kramläden hilfreiche Items erwerben oder euch in einigen heruntergekommenen Spelunken die Zeit vertreiben, indem ihr den dort ansässigen Gestalten mal mehr und mal weniger nützliche Informationen aus der Nase zieht oder euch den mittlerweile obligatorischen Katalog aller bisher gesehenen Feinde und Gegenstände zu Gemüte führt. An Gegenständen, die ihr käuflich erwerben könnt oder die eure insgesamt über 70 verschiedenen Feinde nach ihrem Ableben hinterlassen, ist alles dabei von traditionellen Heil- und Magietränken über außergewöhnlichere Köstlichkeiten (so bspw. verschiedene Lebensmittel wie Früchte, Schokolade oder Fleisch - die allerdings, wie im echten Leben, nach einiger Zeit verfaulen, wenn ihr sie nicht verzehrt - über Schnelligkeits- und Unsichtbarkeitswässerchen, bis hin zu solchem Stuff, der euch für kurze Zeit Dinge erkennen lässt, die euren Augen ansonsten verborgen blieben (nein, liebe Kinder, keine Drogen!). Ebenfalls finden und sogar kaufen könnt ihr Müll. Ja, richtig: Müll. Soll’s ja auch im echten Leben zu kaufen geben, heißt da aber meistens nicht Müll, sondern verbirgt sich hinter Pseudonymen wie bspw. Bushido oder Sido, ist aber im virtuellen Lunar-Knights-Leben zumindest zu etwas nütze: Ihr könnt hiermit eure Waffen aufwerten lassen. Fünfzehn verschiedene Müllsorten könnt ihr finden, darunter Profanitäten wie Eisen, Stahl und Leder, mystische Besonderheiten à la Adamant, Mithril, Meteorit oder Mondstahl, aber auch wirklich bescheuerten Kram wie Zahn, Gashebel oder Linse. Habt ihr eine ausreichende Menge von den jeweiligen Zutaten gefunden, könnt ihr eure Waffen upgraden lassen, was euch neben einer verbesserten Angriffskraft auch einige neue Angriffstechniken verschafft.

 

 

Und nun die Wettervorhersage …

 

Als weiteres Feature könnt ihr nach und nach das vorherrschende Klima euren Wünschen entsprechend in fünf verschiedenen Stufen verändern, um euch somit Zugang zu besonderen Bereichen in bestimmten Stages zu verschaffen. Kalt-arktisches Klima lässt bspw. die Temperatur unter den Gefrierpunkt fallen, so dass ihr euch über vorher unzugängliche, jetzt aber gefrorene Wasserflächen bewegen könnt, tropisches Klima mit seinem reichhaltigen Niederschlag sorgt dafür, dass die Pflanzen sprießen und ihr euch an diesen zu einigen abgelegenen Orten hangeln könnt. Feucht-kontinentales Klima hingegen sorgt für heftige Winde, so dass ihr den einen oder anderen Segelflug über große Abgründe erfolgreich bestreiten könnt. Überhaupt nehmen Temperatur und Wind- und Wetterbedingungen in vielfältiger Weise Einfluss auf das Spielgeschehen. Wie ihr seht, der Möglichkeiten sind viele. Da ihr das Klima nicht IN den Areas selbst, sondern nur VOR dem Betreten derselben ändern könnt, ist natürlich erforderlich, dass ihr einige Levels mehrmals besucht, wenn ihr wirklich alle Geheimnisse ergründen wollt.

 

Neben den klimatischen Bedingungen hat – wie schon im Vorgänger „Boktai“ - natürlich wieder einmal die Tageszeit Einfluss aufs Spielgeschehen. Dieses Mal wirkt sich allerdings nicht die echte Sonneinstrahlung aus, da das Modul nicht über einen Sonnensensor verfügt, sondern nur ein virtueller Tag- und Nachtwechsel, wie man ihn bspw. aus Zelda – Ocarina of Time kennt. So kann Lucian, als Held mit dunkler Aura, seine Energieleiste im Mondlicht auffüllen, wohingegen Aaron, der Sonnenkämpfer, seine Energie aus dem Sonnenlicht beziehen kann – was in Dungeons und Verliesen jedoch nur möglich ist, wenn ihr ein Fenster oder Loch findet, durch welches Licht ins Innere des Gemäuers durchdringt. So könnt ihr es euch hin und wieder ersparen, energieauffüllende Items einzusetzen. Sehr nützlich, da ihr nur Platz für 16 Items in eurer Tasche habt, und die können manchmal recht schnell aufgebraucht sein.

 

 

Steuerung

 

Die Steuerung funktioniert einwandfrei, ob per Stylus und Touchscreen oder auf traditionellem Wege per digitalem Steuerkreuz, wobei ich sogar letztere bevorzuge. Nur in den sehr raren, kurzen und knackigen 3D-Weltraum-Action-Szenen, in denen ihr die besiegten Vampirbosse der direkten Sonneneinstrahlung aussetzen und sie somit mit einer Rakete ins Weltall befördern müsst, bleibt euch keine Wahl: Hier müsst ihr den Touchpen geschickt und vor allem flink verwenden, um die heranfliegenden gegnerischen Abfangjäger aus dem Weg zu räumen. Die Tastenbelegung ist intuitiv, sei es das perfekte Anvisieren der Feinde per R-Taste oder ein schneller Waffenwechsel per L-Taste, bei dem fairerweise sogar das Spiel kurzzeitig angehalten wird – alles wirkt durchdacht und aufeinander abgestimmt und geht dem Spieler schon nach kurzer Zeit ins Blut über (lasst es euch also nicht von den Vampiren abzapfen!).

 

 

Auge und Ohr

 

Grafik und Sound präsentieren sich auf einem relativ hohen Niveau. Klar, der DS kann mehr, aber ein gutes Spiel ist auch ohne technische Brillanz durchaus in der Lage, in der oberen Liga mitzuspielen, wenn die technische Umsetzung „nur“ gut ist. Und gut ist sie allemal! Die Animationen der Hauptcharaktere und Gegner sind flüssig, die Umgebungen abwechslungsreich und stimmungsvoll gestaltet. Ist die Ingame-Grafik „nur“ gut, so sind die einzigartigen Anime-Sequenzen hingegen das Non-Plus-Ultra und außerhalb jeglicher Konkurrenz! Allein deshalb lohnt schon der Kauf des Games! Die musikalische Untermalung passt sich perfekt den jeweiligen Situationen an, ob nun orchestrale, düstere Klänge die opulenten Schlossbereiche akustisch beschallen, oder ob stilistische Elemente des Film-Noir unterstrichen werden sollen (die Musik kann mit ihren mitunter sogar jazzig-bluesigen Tönen echte Kneipenatmosphäre erzeugen, oder die dreckigen und dunklen Gassen eines New York der 40er/50er Jahre zum Leben erwecken). Die Soundeffekte sind allesamt passend, sogar einige wenige Sprachsamples gibt es – die hätte man sich allerdings sparen können, handelt es sich doch um ein Dutzend immer wiederkehrender Wendungen (bspw. im Kramladen: „How can I help you?“, oder Aarons Standardspruch: „May the sun be with you!“). Okay, ganz nett, aber ohne sie wäre das Spiel nicht schlechter gewesen.

 

 

Sonstiges Erwähnenswertes

 

Als Schmankerl, welches wirklich mit der Zunge schnalzen lässt, präsentiert euch das Game eine Reihe von qualitativ hochwertigsten Anime-Sequenzen, die bestimmt die Hälfte des Budgets ausgemacht haben müssen ;-) Einzigartig und unbedingt sehenswert!

Besonders lobenswert ist auch die übersichtliche Map-Funktion, die mehr zu bieten weiß, als herkömmliche Kartenvarianten. Sie hilft euch wirklich außerordentlich dabei, nie die Orientierung zu verlieren. Löblich ist auch (gerade für Einsteiger), dass ein Speichern des Spielstandes auf einem der vier Slots überall möglich ist. Außerdem gibt es einen Multiplayer-Modus für bis zu vier Spieler gleichzeitig, die allerdings alle ein Lunar Knights-Modul besitzen müssen. Der Modus ist aus meiner Sicht jedoch nicht weiter erwähnenswert, beschränkt er sich doch leider auf ein gegenseitiges Bekämpfen ohne jegliche Varianten. Ein Coop-Modus hätte mit Sicherheit länger gefesselt. Als Extra-Bonbon wird allen Boktai-Besitzern noch die Gelegenheit geboten, beide Games gleichzeitig in die beiden Slots des DS zu stecken, und somit den echten Sonnensensor des Vorgängers mit zu nutzen, was einige weitere Optionen bietet und sogar zusätzliche Gegenstände beinhaltet. Ein Plus, aber kein Muss. Nur am Rande: Witzig ist auch die Namensgebung der feindlichen Gegenspieler: Neben Baron Stoker taucht u.a. auch ein Herr Polidori auf, beides natürlich namentliche Anspielungen auf die Begründer des Vampir-Genres aus dem 19. Jahrhundert, denen wir letztendlich spannende Geschichten wie diese zu verdanken haben.

 

Negativ ins Auge gefallen sind vor allem die doch recht häufigen orthographischen Schnitzer, die sich die deutsche Version leistet. Ist die Übersetzung als solche insgesamt doch recht gut gelungen, so wirkt es einfach störend, wenn sich hin und wieder ein Rechtschreibfehler einschleicht. Und derer gab es bestimmt ein Dutzend! Das verwundert, gerade weil das Gesamtwerk sich als mit Liebe zum Detail kreiert erweist und sehr ausgefeilt erscheint. Ein weiteres Manko ist, dass es fast unmöglich erscheint, an (sehr wohl existierende!) Nebenquests zu gelangen, selbst wenn man es gerne möchte. Meine krampfhaften Versuche sind bislang allesamt gescheitert, es werden bei allen 14 Aufgaben bisher nur Fragezeichen angezeigt, so dass ich nicht einmal weiß, um was es sich handelt. Schade. Aber vielleicht bin ich ja auch einfach zu blöd. Ein ums andere Mal hätte ich mir noch mehr und kniffligere Rätsel und Dungeonpuzzeleien gewünscht, weil diese doch sehr rar gesät sind und sich zudem eher auf profane Schalter- und Schlüsselsuchen beschränken. Ist aber wohl Geschmackssache. Dies sollen jedoch – neben der leider relativ knappen Spielzeit von durchschnittlich ca. 15 Stunden (wenn man unbedingt durchrushen will sogar deutlich weniger!) – die einzigen wirklichen Mankos sein.

 

 

Wir danken Konami für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Auch wenn das Game bereits einige Monate auf dem Markt ist und dieses Review demzufolge etwas verspätet erscheint: Auf jeden Fall ein Must-Have für alle DS-Besitzer, die actionlastigen Hack n’ Slay- Adventures mit massig RPG-Elementen nicht abgeneigt sind. Das Sammelflair eines Diablo (ja, der Vergleich musste jetzt kommen!) kommt leider nicht ganz auf, dafür gibt es einfach zu wenige Waffen und Gegenstände, aber hin und wieder ertappt man sich doch dabei, nur auf Monsterjagd zu gehen, allein um die Waffen verbessern zu können. Viele tolle Ideen paaren sich mit einer gelungenen technischen Umsetzung und erzeugen ein äußerst atmosphärisches und in sich stimmiges Gesamtbild. Die Story scheitert leider knapp an dem Versuch, epische Ausmaße annehmen zu wollen, weiß aber dennoch zu gefallen (was mit Sicherheit auch an der guten Ausarbeitung der Charaktere liegt), und birgt sogar die ein oder andere Wendung. Für mich – trotz der erwähnten Mankos (die wahrscheinlich gerade deshalb auffallen, weil der Rest so perfekt ist!) - ein absoluter Pflichttitel! Kaufen! Und nicht vergessen: May the sun be with you! ;-)

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

super

90%

Singleplayer

40%

Multiplayer

Release

28.03.2007

Developer

Kojima Productions

Publisher

Konami

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (WLAN)

1-4


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