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Reviews: Nintendo DS

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Panzer Tactics

Strategie

07.04.2008

Autor: Daniel Nicolin

 

Reinrassige Strategiespiele sind seit jeher mehr oder weniger Privilegien der PC-Zockergemeinde – gewesen! Dass dem nun nicht mehr so ist, stellt jetzt erneut Nintendos Doppeldecker unter Beweis: Nach „Age of Empires“, „Die Siedler“ und „Anno dazumal“ gesellt sich nun eine weitere PC-Umsetzung eines Klassikers aus den 90er Jahren hinzu (ja, UMSETZUNG! – auch, wenn mich die Entwickler von Sproing jetzt vielleicht wegen der Wortwahl lynchen werden). Panzer Tactics weist nämlich eine so frappierende Ähnlichkeit zu der Panzer General-Reihe auf, dass ich nicht mehr guten Gewissens nur von Anleihen sprechen kann. Was aber keine Minuspunkte bringen soll, denn besser gut geklaut als schlecht erfunden und gut portiert ist eh halb gewonnen. Von daher keine Beschwerden meinerseits, und um es kurz zu machen: Das Unterfangen kann getrost als geglückt betrachtet werden.

 

Eine derartige Spieltiefe in Sachen strategischer Kriegsführung hat sich nämlich bis dato weder auf Handheld, noch auf eine andere Heimkonsole schleichen dürfen. Um die 150 verschiedenen Einheiten (zu Luft, zu Wasser und zu Land) dürft ihr vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs hinter feindliche Linien schicken, um die insgesamt 33 historisch durchaus authentischen Missionen - eingeteilt in 3 Kampagnen (Deutsche, Russen, Alliierte) mit steigendem Schwierigkeitsgrad - zu bewältigen, nachdem man auf Wunsch in einem Tutorial behutsam an die Funktionsvielfalt des Games herangeführt wurde. Habt ihr alle Vorbereitungen abgeschlossen und werft euch ins Geschehen, so gilt es, vorrangig die primären Missionsziele zu erreichen (meist bestimmte Städte einnehmen) und das Ganze möglichst schnell zu erledigen, denn umso besser fällt die finale Bewertung eures Manövers aus. Auf jeden Fall solltet ihr das gesetzte Zeitlimit nicht überschreiten, denn sonst gilt die Mission als gescheitert. Lasst euch also nicht zu viel Zeit beim Vorpreschen und haltet euch auch nicht zu lange an der Erfüllung sekundärer Ziele auf (die ihr erledigen könnt, um besondere Belohnungen für die nächste Mission zu erhalten, etwa die Möglichkeit, verbilligte Einheiten zu erwerben o.ä.). Das sollen jedoch nur einige der wirklich unzähligen zu berücksichtigenden Faktoren sein. Daneben gibt es noch so feine Nettigkeiten (auf die ich jedoch nicht näher eingehen werde) wie z.B. verstecken im Wald, Artillerie-Feuerunterstützung aus der Ferne, Spezialfähigkeiten der einzelner Einheiten und und und …

 

Neben den netten optionalen sekundären Missionszielen kann auch das System mit den Core-Units begeistern, derer ihr eine bestimmte Anzahl besitzen dürft, und die euch – sofern sie nicht zerstört werden – durch alle Missionen begleiten. Diese Einheiten erhalten durch Kämpfe nach und nach Erfahrungspunkte und werden damit zu wertvolleren und stärkeren Streitern eurer Armee. Zusätzlich könnt ihr euren Einheiten noch Offiziere zuweisen, wenn ihr genügend Kohle angespart habt und euch diese leisten könnt. Diese geben den jeweiligen Einheiten bestimmte Modifizierungen an die Hand und mit auf den Weg, etwa verstärkte Angriffskraft oder erweiterte Reichweite für eure Artillerie. Als weitere erwähnenswerte Komponenten seien die Auswirkungen der verschiedenen Terrains (Wald, Ebene, Straßen, Städte, Hügel, Berge, Flüsse etc.) zu nennen, die ihr wahrlich nicht unterschätzen solltet, und deren spezieller Einfluss auf die unterschiedlichen Einheiten (bspw. Sichtweitenmodifikationen, starke Geschwindigkeitseinbußen und entscheidende Angriffs- und Verteidigungsboni bzw. malusse), wohlbedacht werden muss.

 

Auch das Wetter spielt eine tragende Rolle, und so solltet ihr stets den Wetterbericht für die nächsten zwei Tage genauestens studieren, sonst kann es sein, dass euer geplanter großflächiger Fliegerangriff wegen heftiger Unwetter kurzfristig und unerwartet abgesagt werden muss und eure Bodentruppen derweil gnadenlos aufgerieben werden. Wie ihr seht, gilt es viele Faktoren zu berücksichtigen und so kann es eine ganze Weile dauern, bis ihr jede einzelne eurer Einheiten wohlüberlegt manövriert habt, ohne sie dem Feind schutzlos ausgeliefert zu haben. Und nicht vergessen: Auch immer brav darauf achten, dass eure Truppen genügend Munition mit sich führen und einen gefüllten Tank haben!

 

Die grafische Umsetzung ist zweckmäßig und nahezu durchgängig in simplem 2D gehalten – wobei auch das nicht negativ ins Auge fällt, denn alles andere wäre over the top und hätte der Übersichtlichkeit geschadet. Das Hauptspielfeld präsentiert sich somit mehr oder minder als eine simple Landkarte mit unterschiedlichem Terrain, unterteilt in hexagonal angeordnete Spielfelder. Dennoch wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Auf dieser relativ statischen Karte bewegt ihr eure Einheiten, die sich leider nicht immer auf den ersten Blick unterscheiden lassen, so dass ein Anklicken mitunter notwendig ist. Habt ihr Feindkontakt, so kommt es zum kriegerischen Geplänkel: Die gerenderten, nett animierten und prinzipiell immer gleichen Kampfsequenzen wirken durchaus realistisch und sind eigentlich ganz nett anzuschauen, sind jedoch mit der Zeit und in der Häufigkeit störend, weil monoton und für den Spielablauf eigentlich überflüssig. Da sie jedoch auf Wunsch abgestellt werden können, ist das kein Negativpunkt.

 

Die Soundeffekte – meist Kampfgeräusche, wer hätte das gedacht? - sind klar und relativ zahlreich, zudem allesamt passend und sie wirken auch durchaus realistisch, so dass es hier nix zu meckern gibt. Leider gibt es im gesamten Spiel nur einen einzigen Song, der euch in einer Endlosschleife (und bis in die tiefsten Träume!) verfolgt. Ist zwar ganz nett anzuhören, hält sich dezent im Hintergrund und weiß das Geschehen gekonnt zu untermalen, kann aber verständlicherweise keine hohen Wertungen im Soundbereich einfahren.

 

Die Steuerung funktioniert tadellos, ob mit Stylus oder ohne. Klar, das Spielfeld und das Genre an sich sind prädestiniert für Maus- bzw. Stylussteuerung, aber auch die Steuerung per analogem Steuerkreuz und per Buttons funktioniert prächtig, da ihr praktischerweise mit den Schultertasten zwischen euren zu bewegenden Einheiten switchen könnt, so dass ihr eigentlich keine Einheit versehentlich auslassen könnt.

 

Der Multiplayer-Modus bietet einige Varianten: So bspw. den offline Hotseat-Mode, spielbar sogar mit nur einem Modul, wobei der DS an den jeweils anderen Spieler weitergereicht wird, nachdem ein Zug beendet wurde. Bei einer großen Karte und vielen Einheiten kann da der ein oder andere Tag ins Land ziehen, ehe das Spiel ein Ende findet. Das Ganze präsentiert sich damit in etwa so langatmig wie eine exzessive Schachpartie, bei der die Kontrahenten jede Unwägbarkeit vorherzusehen versuchen. Die Möglichkeit, die Runden zeitlich zu limitieren, kann da zwar Abhilfe schaffen, führt aber zu ungewollt unkontrollierten Aktionen, was ja auch nicht im Sinne des Spiels sein kann. Das Online-Gaming wiederum wirkt vom Start weg unbeholfen: Allein die seltsame Idee, nur die Spieler, welche die exakt gleiche Konfiguration gewählt haben (gleiche Karte, gleiche Rundenzeit etc.), zu vernetzen, lässt die Stirn runzeln, so dass die Zufalls-Einstellung die einzig sinnvolle Möglichkeit ist, ein Online-Game ans Laufen zu bringen – mit den Einstellungen muss man sich dann halt abfinden. Insgesamt schwächelt der Multiplayer-Modus im Vergleich zur gelungenen Singleplayer-Kampagne und wirkt unausgereift.

 

Wir danken 10TACLE für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Panzer Tactics ist im Prinzip „Panzer General to go“, erinnern doch nicht zuletzt der Look und eine unübersehbare Vielzahl spielerischer Elemente stark an den oldschool PC Klassiker aus den 90er Jahren. Fügt man nun noch eine leichte Prise Advance Wars dazu, so erhält man die Ausgewogenheit eines Panzer Tactics, welches in Sachen Spieltiefe in rundenbasierten Strategiegames unzweifelhaft Maßstäbe für DS-Verhältnisse zu setzen weiß – und das nicht nur, weil das vielfach unterschätzte Game in seinem Genre noch relativ allein auf weiter Flur steht. Als „erwachsenere“, komplexe Alternative zu Advance Wars kann ich eine klare Empfehlung für alle geduldigen Hobbygeneräle aussprechen: Aufgrund der Vielzahl zu berücksichtigender taktischer Faktoren ist es durchaus möglich, dass um die 100 Spielstunden zusammen kommen, ehe ihr alle 33 Missionen glorreich besteht. Da das Game zu motivieren weiß, stetig schwieriger aber niemals unfair wird, sollte das die Hardcore-Strategen unter euch jedoch nicht abschrecken.

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

50%

Multiplayer

Release

21.11.2007

Developer

Sproing

Publisher

10tacle

USK Freigabe

12+


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