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Reviews: Nintendo DS

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English Training

Training

22.10.2006

Autor: Daniel Nicolin

 

 

Neue Spiele braucht das Land! Und nicht nur Spiele, sondern auch Programme, welche, mitunter als Spiel getarnt, die Menschheit vor der totalen Verdummung schützen sollen. So oder so ähnlich lässt sich wohl der sich abzeichnende Trend erklären, welcher gleichsam die Entstehung von Software wie bspw. der „Big Brain Academy“ oder dem äußerst erfolgreichen „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ gefördert hat. Aus wirtschaftlicher Sicht gar nicht mal so dumm einen Schritt in diese Marktnische zu wagen, können Eltern ihren PISA-geplagten Schützlingen doch endlich einmal guten Gewissens ein Modul für ihren Lieblingshandheld aufschwatzen und/oder selbst Hand anlegen und Hirn einschalten.

 

Das jüngste Produkt in Nintendos fast ebenso junger Lern-Software-Geschichte im Zuge der Touch Generations schimpft sich „English Training“ und ist laut Verpackungstext geeignet für „Leute, die ihr Englisch verbessern wollen“. Schon der vielsagende Name macht unmissverständlich klar, was den  lernwilligen Probanden erwartet: Englisch Pauken ohne wenn und aber! Nicht mit Rohrstock im Rücken sondern mit dem Touchpen in der Hand, aber ansonsten hat sich nicht viel geändert an den didaktischen Methoden der alten Schule.

 

Wollen wir dem Herrn Professor doch mal auf den Zahn fühlen. Hält das Programm wirklich, was es verspricht?

 

 

Trial and Error

 

Nachdem Uhrzeit und Datum korrekt eingestellt wurden, man sich ein selbstkreiertes Logo zugelegt hat und nach nochmaliger Selbstkontrolle sein Geschlecht festgelegt hat, folgt eine Erklärung, wie die Eingabe des eben gehörten Wortes/Satzes funktioniert. Die Schrifterkennung erfolgt Buchstabe für Buchstabe, wobei ein korrekt erkannter und niedergeschriebener Buchstabe sofort im oberen Screen erscheint. Eine falsche Eingabe hat lediglich eine unbegrenzte Anzahl an erneuten Versuchen zur Folge.

 

Anschließend, quasi als erster richtiger Einstieg in die Sprachwelt der Weltsprache, gibt’s ein Diktat unter Zeitdruck zur Überprüfung des aktuellen Leistungsniveaus. Gleich nach der Einstufung des aktuellen Kenntnisstandes (auf einer zehnstufigen Skala) eröffnet sich uns fast die gesamte Bandbreite der verschiedenen Lernmodi, die das Programm zu bieten hat: Diktate (ohne Zeitlimit) in jeder erdenklichen Variation bilden dabei unübersehbar den Kern des Ganzen. Hierbei gilt es, je nach gewähltem Level, einzelne Wörter,  kurze Sätze oder deren längere Verwandte zu verstehen (zumindest akustisch) und das Gehörte schriftlich auf den Touchscreen zu bringen. Das Repertoire reicht hier beispielsweise von kurzen Begrüßungsfloskeln („Hi.“, „Hello.“ etc.) über verschiedene Lobesbekundungen („Good.“, „Nice.“, „Great.“...) und dem typischen Fehlerschwerpunkt Präpositionen bis hin zum ebenfalls übungswürdigen „False friend“-Flaggschiff idiomatische Redewendungen (was war doch gleich der Unterschied zwischen „to look for“ und „to look after“?).

 

 

Diktatur gefällig?

 

Den Hauptaspekt bildet jedoch ein in sechs Level (und nochmal jeweils drei Unterlevel – also insgesamt 18 Level) unterteiltes, jederzeit frei anwählbares Diktatemenü. Ihr müsst euch also nicht gezwungenermaßen von unten nach oben – sprich: von einfach nach schwierig – durcharbeiten, ihr könnt auch gleich auf dem höchsten Niveau euer Können zum Besten geben. Um jedoch jedes Level und damit das Programm komplett zu meistern, bleibt euch zwangsweise keine andere Wahl, als euch durch jede einzelne Aufgabe zu quälen. Hierbei werden vorrangig solche Sätze und Worte geübt, die im Prinzip die alltäglichen Smalltalks mit flüchtigen (Un-)Bekannten ermöglichen und darüber hinaus ein gutes Zurechtfinden im täglichen Leben mit praktischen Problemen sicherstellen sollen (bsp. Fragen nach/Informationen über Zeit, Weg, Preis usw.). Dabei könnt ihr wählen, ob die deutsche Übersetzung euch gleich als Hilfestellung mitgeliefert wird, oder ob sie erst nach erfolgreicher Hör- und Schreibarbeit auf dem Bildschirm erscheinen soll. Zusätzlich wird der richtig erkannte Satz selbstständig in seine Satzteile untergliedert, welche dann farblich entsprechend unterlegt sind (Subjekt = blau, Prädikat = rot usw.). Zudem ist es möglich, auf Wunsch bestimmte Aufgaben vorzumerken, um diese im Bereich „Intensiv“ zu wiederholen. Im Prinzip also nichts anderes, als die traditionelle Vokabelkarte wieder in das Fach mit den zu lernenden Vokabeln zu stecken. Euer Fortschritt wird regelmäßig automatisch auf einem der vier zur Verfügung stehenden Speicherplätze gespeichert

 

 

Vertane Chancen

 

Leider gibt es ein kleines Manko: Viele der zu übersetzenden Phrasen neigen dazu, immer wieder aufzutauchen, ungeachtet der Tatsache, welche Lernstufe gerade angewählt ist. Und wäre dies noch zu verschmerzen, so wünscht man sich doch zumindest irgendwann, es würden endlich einmal anders geartete Aufgaben als das bloße Aufschreiben der gehörten Worte ihren Weg auf den Bildschirm finden. Dieses (zumindest bei mir) dringende Bedürfnis nach Abwechslung beim Lernen (und ich habe Diktate eigentlich immer gemocht!) stellt gleichzeitig das wohl größte Manko des Programms dar: Die Bezeichung „English Training“ hält nicht im eigentlichen Sinne, was sie verspricht. Hierbei handelt es sich genaugenommen um einen reinrassigen Vokabeltrainer mit der Anmerkung, dass sich durch die wirklich gelungene und tadellose Aussprache des akzentfreien British English, mal von einer weiblichen und mal von einer männlichen Stimme angenehm vorgetragen, ein positiver Zusatzeffekt beim Lernen einstellt.

 

Doch auch hier gibt es einen harschen Kritikpunkt: Zwar lässt sich der gesprochene Text beliebig oft anhören, jedoch ist es hierbei bedauerlich, dass versäumt wurde, Sprachgeschwindigkeitsstufen anzubieten. So stellt sich das Gesprochene leider oftmals als zu schnell fließend heraus – gerade für Neu- bzw. Wiedereinsteiger in die Sprache sehr schade, denn für diese ist das Programm ja letztendlich konzipiert. In diesem Fall bleibt oftmals keine andere Wahl als zur nächsten Aufgabe zu skippen, was als Konsequenz eine falsch gelöste Aufgabe in der Statistik mit sich bringt, oder wildes drauflos probieren, bis die richtigen Buchstaben zufällig erwischt werden.

 

 

Spielend lernen

 

Natürlich lassen sich standardmäßig durch erfolgreiches Absolvieren der Prüfungen viele zusätzliche Extras freispielen. Diese wiederum reichen von reinen Hörübungen aller 3000 in allen Aufgaben befindlichen Wörter, über mehr oder weniger simpel animierte Vokabelspiele in Diktatform (mit Zeitlimit) bis hin zu leider nur zehn Kreuzworträtseln mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.

 

Darüberhinaus gibt es als Belohnungen auch so überflüssige Extras wie z.B. ein anderes Stempellogo, mit welchem euer maximal ein Mal täglich zu absolvierender Englisch-Test (ihr erinnert euch an die erwähnte Einstufung eures Niveaus zu Beginn des Reviews? Diese könnt ihr ab sofort täglich vornehmen) auf einem Kalender bestätigt wird.

 

Als außergewöhnliche Ereignisse, die den routinierten Lernalltag auflockern sollen, treten zufällig an bestimmten Tagen besondere Aufgaben hervor, die es zu bewältigen gilt. Sei es das Malen nach Gehör (weit weniger spektakulär als der Name vermuten lässt) oder eine speziell zum Datum passende Tageslektion. Als besonderes Schmankerl stellt sich euch hin und wieder Barbara in den Weg, die euch mit besonders kniffligen Sätzen malträtiert und deren gesondert anwählbares Icon ihr mittels beständiger Lösung von Übungen auch freischalten könnt.

 

 

Beziehungstauglich?

 

Als zweite Hauptmethode neben der Diktatübung erscheint im späteren Verlauf des Trainings hin und wieder das so genannte Sprachlabor. Hier gilt es nicht korrekt zu schreiben, sondern das Gesprochene möglichst genau zu wiederholen, die Klänge zu imitieren. Das Mikrofon des DS erfasst hierbei eure Aussprache und speichert sie. Die zweipolige „gelungen“ oder „durchgefallen“ Bewertung, die durch eine simple Animation im oberen Screen symbolisiert wird (bspw. ob ein Pärchen zusammenfindet oder aneinander vorbeispaziert, passend zum nachzusprechenden Satz „I love you.“) ist leider nicht immer 100%ig vertretbar. Zumindest lassen sich einige bewusst herbeigeführte definitiv falsche Aussprachevarianten als korrekt am Professor vorbeischleusen. Jedoch sind sowohl die Spracherkennung als auch die Schrifterkennung insgesamt als sehr gelungen zu bezeichnen.

 

Auf einer Leistungskurve bzw. einem Balkendiagramm könnt ihr anhand des Kalenders jederzeit Einblick nehmen in eure Entwicklung in allen Bereichen und euch eurer erreichten Resultate rühmen. Hierbei seht ihr zum Einen euer Niveau im Zeitverlauf und zum anderen die Anzahl richtiger und falscher Antworten.

 

Natürlich wurde dem Programm auch eine Multiplayeroption für bis zu acht menschliche Kontrahenten verliehen. Der sogenannte Wettkampf-Modus ist leider in lediglich zwei verschiedene Modi unterteilt, und zwar in „Vokabeltest“ und in den „Diktatlauf“. Beide sind sich im Prinzip sehr ähnlich und es gilt innovationsloserweise nur, die vorgebenen Vokabeln in möglichst kurzer Zeit übersetzt auf den Touchscreen zu bringen. Der Schnellste gewinnt dabei.

 

Vielen Dank an Nintendo of Europe für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Insgesamt handelt es sich bei „English Training“ um ein hilfreiches Programm, eben wirklich „für Leute, die ihr Englisch verbessern wollen“, mit zweckmäßiger Grafik und unspektakulärem Sound. Ohne zumindest rudimentäre Grundkenntnisse der englischen Sprache zu besitzen, lohnt sich eine Anschaffung jedoch nicht, denn grundlegende Kenntnisse über die Basis des Englischen, über bestimmte Regeln, die Grammatik, die phonetisch korrekte Aussprache usw. vermittelt „English Training“ leider so gut wie gar nicht. Letztendlich fußt der Lernerfolg somit auf dem bloßen Auswendiglernen und Nachahmen der gelernten Redewendungen. Ob jedoch das Verständnis für die Sprache geschult wird und ob das eigenständige Formulieren sinnvoller Sätze gefördert wird, ist fraglich. Da der Preis für besagte Zielsetzung und -gruppe durchaus als fair zu betrachten ist, gibt es insgesamt eine Empfehlung unter Vorbehalt. Vor dem Kauf also unbedingt antesten.

Grafik

sch...

Sound

sch...

Steuerung

gut

Spielspaß

ok

65%

Singleplayer

40%

Multiplayer

Release

13.10.2006

Developer

Nintendo

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (WLAN)

2-8


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