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Reviews: Nintendo DS

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Resident Evil DS

Action Adventure

26.04.2006

 

 

Autor: Gunnar Schreiber

 

Wie alles begann...

 

Meine Passion für die Resident Evil Reihe begann auf dem N64. Eigentlich als PlayStation Serie gestartet, hatte Capcom doch die Güte Resident Evil 2 für das Nintendo 64 umzusetzen. Ich hatte bis dato noch nie ein Spiel des Horror Genres gespielt. Also traf ich mich regelmäßig mit einem Freund, um zusammen mit meinem Bruder im völlig abgedunkelten Raum das Spiel nach und nach durchzuzocken. Dann eines Abends kam der Moment, den ich durchaus als meine intensivste Erfahrung mit einem Videospiel bezeichnen würde.

 

Wir zockten wieder einmal im völlig dunklen Raum. Draußen war ein heftiges Gewitter, Blitze zischten und erhellten in unregelmäßigen Abständen den Raum. Der Regen prasselte so laut gegen die Scheibe, dass wir den Fernseher besonders laut stellen mussten. Wir hatten gerade ein Rätsel gelöst und rechneten mit einem Zombie oder sonst einer Kreatur, die uns nun an die Kehle springen möchte. Aber es geschah zu unserer Überraschung nichts. Totenstille. Keine Musik oder sonstige Geräusche. Erleichterung machte sich breit. Wir waren sicher in dem Raum, keine Scheibe oder eine Bretterwand, wo jemand durchbrechen konnte. Wir gingen in Richtung Tür und dann PENG!!brach plötzlich die Kampfmaschine Mr. X mitten durchs massive Mauerwerk! Damit hatten wir nicht rechnen können. Noch nie war ein Gegner durch eine Wand gesprungen! Wir haben uns so erschrocken, dass mein Kumpel den Controller wegwarf und wir uns ein halbes Jahr nicht mehr trauten, das Spiel anzupacken!

 

 

Resident Evil Deadly Silence im Kontext der Serie...

 

Vielleicht mögt ihr euch jetzt fragen, warum ich so weit aushole und was das alles mit Resident Evil Deadly Silence zu tun hat? Nun, ich wollte damit nur zeigen, dass die alten Teile der Serie also Resident Evil Zero, Resident Evil 1, Resident Evil 2, Resident Evil 3 Nemesis und Resident Evil Code Veronica im Gegensatz zum neuesten Abenteuer Resident Evil 4, welches vielleicht manche von euch als einziges Spiel der Reihe kennen, sehr von der dichten, mit Schockern gespickten Atmosphäre leben. Alle Games der Serie spielen bis auf Teil 4 fast ausschließlich in Racoon City und die Handlung findet binnen weniger Tage statt. Die ausgetüftelte Story über das biochemische Unternehmen Umbrella, das durch gezielte Manipulation der Medien, des Staates, aber der ins Krisengebiet geschickten Spezialeinheiten, denen der Spieler auch angehört, erschafft ein Szenario, was beklemmend ein Bild der Apokalypse zeichnet. Durch einen Unfall in der Forschungsabteilung von Umbrella ist der gefährliche T-Virus entfleucht, der Menschen zu Zombies werden und manch andere Lebewesen zu Monstern mutieren lässt. Auf diese Weise werden aus kleinen Spinnen riesige Monster-Achtbeiner oder aus Schoßhündchen blutrünstige An-die-Kehle-Springer.

 

 

Resident Evil Deadly Silence ist kein neuer Teil der Serie, sondern eine Umsetzung des ersten Teils von der PlayStation. Nachdem man sich das spannende, aber auch leicht trashige Introvideo mit echten Schauspielern angesehen hat, bekommt der Spieler die Auswahl zwischen dem Classic Mode, dem Rebirth Mode und dem Multiplayer. Letztere Option ist selbst erklärend und werde ich später behandeln. Der Classic Mode ist eine eins zu eins Umsetzung des originalen PlayStation Teils.

 

Interessant wird es vor allem für Kenner des ersten Teils im Rebirth Modus, den ich aber auch allen Neueinsteigern ans Herz legen möchte, weil es einfach das bessere Spiel ist. Hierbei handelt es sich quasi um eine Neuarrangierung des klassischen Abenteuers unter Einsatz des Touchscreens und des Mikrofons. Ich werde mich deshalb im folgenden Test auf die neue Version des Abenteuers beschränken.

 

 

Wir betreten das Mansion...

 

Hat man sich für einen Modus entschieden, kann man zwischen Jill Valentine und Chris Redfield wählen. Für Einsteiger ist Jill die einzig richtige Wahl, da bei ihr der Schwierigkeitsgrad etwas geringer ist und sie 2 Itemplätze mehr hat. Die Anzahl der Itemplätze gibt vor, wie viele Dinge ein Charakter mit sich rumschleppen kann. Jill hat 8 Itemplätze, jeder Gegenstand, ob Heilspray, Schlüssel oder Waffe etc. verbraucht einen Itemplatz. Sind keine Slots mehr frei, kann man keine Items mehr aufnehmen. Allerdings findet man in Speicherräumen meistens Kisten, in denen man sein Inventar verstauen kann. Glücklicherweise kann man bei jeder Kiste des Spiels alle verstauten Objekte abrufen. Gespeichert wird wieder an Schreibmaschinen. Aber anders als zuletzt in Resident Evil 4 braucht man in den alten Spielen der Serie aber noch extra Farbbänder, man kann also nicht so oft speichern, wie man möchte.

 

Was beim ersten Spielen sofort auffällt, ist die ungewohnte Steuerungsweise. Durch festgesetzte Kameraperspektiven, die nicht immer für die beste Übersicht sorgen, hat sich Capcom für eine vordefinierte Steuerung entschieden, d.h. drückt man auf das Steuerkreuz nach oben, dann geht der Charakter immer vorwärts, egal, ob man nun von der Kamera wegläuft oder ihr entgegenkommt. Links und rechts lassen den Charakter auf der Stelle drehen und drückt man „B" während man sich vorwärts bewegt, läuft der Protagonist /-in schneller. Das ist im ersten Moment ziemlich verwirrend, aber man gewöhnt sich tatsächlich dran.

 

Zum Glück hat Capcom einige nette Ideen von Resident Evil 4 und dem auf GameCube erschienenen Remake übernommen. So kann man jetzt eine schnelle 180° Drehung machen oder nachladen, ohne dafür ins Menü gehen zu müssen. Ferner hat man nun im Gegensatz zum Original, sobald man die „L" Taste gedrückt hält, das Messer jederzeit zur Hand. Das Messer spielt überhaupt eine richtig große Rolle im Rebirth Modus. Denn eine der größten Neuerungen sind die „Egoschnetzeleien". Recht häufig, wenn man einen Raum betritt, lädt das Spiel in die Egoperspektive. Der Charakter kann dann nicht bewegt werden und ist nur mit einem Messer ausgerüstet. Nun greifen Gegner wie Zombies, Hunde etc an, die alle mit dem Messer weggeschnetzelt werden müssen, in dem man entsprechende Bewegungen mit dem Finger oder Stylus auf dem Touchscreen macht. Je näher die Gegner kommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines kritischen Treffers. Jeder Feind braucht dabei die richtige Taktik. Hunde zum Beispiel heulen erst einmal auf, bevor sie zur Attacke ansetzen. Manche Zombies spucken giftige Galle. Bläst man allerdings rechtzeitig ins Mikrofon, dann kann man deren Kotze zurück zum Absender schicken. Diese Schnetzeleinlagen sind zwar wirklich nicht einfach, machen aber dennoch sehr viel Spaß, und manchmal wird man nachher auch mit nützlichen Items belohnt.

 

 

Die Kräuterpolizei...

 

Das Geschehen läuft auf dem Touchscreen ab. Auf dem oberen Screen wird praktischerweise die Karte eingeblendet. Bis man die komplette Karte gefunden hat, werden nur Räume angezeigt, wo man schon gewesen ist. Ferner zeigt der obere Screen auch die Lebensenergie des Charakters durch Färbung des Hintergrundes an. Dies ist ebenfalls eine sehr praktische Neuerung gegenüber dem Original, denn früher musste man ins Menü gehen, um seinen Status zu erkennen. Wird die Lage kritisch, blinkt der obere Screen rot auf; höchste Zeit ein Heilitem zu nutzen. Das Heilsystem war immer schon eine Besonderheit der Resident Evil Games. Man hat zur Auswahl Heilsprays, die die komplette Lebensenergie wieder auffüllen und zusätzlich drei Arten von Kräutern: grüne, rote und blaue. Blaue sind gegen Vergiftung, grüne geben ein wenig Energie zurück. Richtig toll werden die Kräuter aber erst, wenn man sie mischt. Eine rot-grün Mischung ergibt zum Beispiel eine Komplettheilung.

 

Natürlich sind viele Räume in dem Mansion und auch Außenbereiche nicht gleich zugänglich. Um alles sehen zu können, muss man Rätsel lösen, die dann meistens wichtige Schlüssel oder ähnliche Objekte preisgeben. Diese Rätsel wurden im Rebirth Modus ein wenig umarrangiert und nutzen nun teilweise auch den Touchscreen oder das Mikrofon. So müssen dann auch mal mittels Mikrofon Kerzen ausgeblasen oder bei einem gefallenen Kameraden durch Mund zu Mund Beatmung Wiederbelebungsversuche durchgeführt werden. Diese neuen Elemente, zusammen mit den Egoschnetzeleien, machen das Spiel auch für Resi Veteranen interessant.

 

 

Die Technik...

 

Grafisch gesehen gibt es nicht viel zu meckern. Die Umgebungen sind detailliert dargestellt. Es gibt viele Objekte und unterschiedliche Texturen zu sehen. Die Gegner sind Furcht einflößend modelliert und animiert. Sicherlich wäre teilweise mehr drin gewesen, vor allem wenn man bedenkt, dass die grafische Qualität durch die festgesetzten Kamerawinkel erkauft wird. Der Sound ist größtenteils super. Die Schussgeräusche sind knackig, die Gegner schreien authentisch und die Hintergrundmusik trägt sehr zur Atmosphäre bei. Die Sprachausgabe ist technisch gesehen von hoher Qualität, was man leider nicht immer von den trashigen Dialogen behaupten kann.

 

 

Was gibt es zu meckern?...

 

Bevor ich nachher noch separat den Multiplayer behandele, möchte ich zunächst das Soloabenteuer abschließen, indem ich die negativen Punkte des Abenteuers anspreche. Leider gibt es auch in dieser Umsetzung ein paar Dinge, die das Spiel nicht in die höchsten Wertungsregionen vorstoßen lässt.

 

Da wäre zum einen das altbackende Spielkonzept. Festgesetzte Kameraperspektiven und die damit verbundene Steuerung sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Capcom hat mit dem vierten Teil selbst bewiesen, wie man es besser machen kann. Das alte System führt einfach viel zu oft zu Situationen, wo man in Gefahr gerät, weil man nicht die beste Übersicht hat.

 

Außerdem hat Capcom im Rebirth Modus den Schwierigkeitsgrad gewaltig angehoben. Ab etwa der Hälfte des Spiels wird man mit locker drei Mal so vielen Gegnern konfrontiert als im Original, so dass man öfters unter Munitionsmangel und fehlenden Heilitems leidet. Hinzu kommen noch die immer wieder kehrenden Egometzeleien, die selbst bereits gesäuberte Bereiche immer wieder zur Gefahrenzone werden lassen.

 

Besonders ärgerlich finde ich aber, dass man die Helligkeit der Screens nicht einstellen kann. Das Spiel ist nämlich teilweise so dunkel, dass man nur sehr wenig sehen kann und man sich sehnlichst einen Nintendo DS lite wünscht.

 

 

Die wesentlichen Unterschiede zwischen Rebirth und Classic Modus...

 

  1. Einsatz des Touchscreens bei Rätseln inklusive neuer Rätsel
  2. wieder kehrende Egoschnetzeleien mittels Touchscreen
  3. Einsatz des Mikrofons während Egokämpfen und bei wenigen Rätseln
  4. Items und Rätsel teilweise neu positioniert
  5. Gegner teilweise neu positioniert, deutlich mehr Gegner als im Original!

 

Der Multiplayer...

 

Bis auf die auf Multiplayer spezialisierten Resident Evil Outbreak Teile auf PlayStation 2, waren bisher Capcoms Horrorepisoden alles Soloabenteuer. Um so willkommener ist die Entscheidung, auch dem DS Remake des ersten Teils einen Multiplayer zu verpassen. Leider funktioniert dieser nur, wenn jeder Spieler eine Cartridge besitzt. Auch eine Nintendo Wi-Fi Connection Unterstützung hat Capcom nicht implementiert.

 

Also musste ich bis zur NCON warten, um mich dank Ben der Baer und RoccoGelb doch gesellig gruseln zu dürfen.

 

Grundsätzlich stehen 2 Spielmodi zur Auswahl, „Kontra" und „Koop". Im Kontra Modus versuchen bis zu 4 Spieler aus dem Level zu entkommen und dabei die meisten Punkte zu sammeln, die dann am Ende eines Levels in einer Gesamtabrechnung präsentiert werden. Für jeden besiegten Gegner gibt es zum Beispiel Punkte. Es werden aber auch Boni vergeben, zum Beispiel für die Zeit, die ein Spieler braucht, um eine Stage zu beenden. Zu Anfang hat man in beiden Spielmodi die Wahl zwischen drei Levels, die jeweils einen Part des Soloabenteuers repräsentieren. Ferner kann der Spieler zwischen Jill und Chris wählen, die natürlich ihre aus der Einzelmission bekannten Stärken und Schwächen mitbringen. Weitere spielbare Charaktere sind freispielbar, indem man das Soloabenteuer durchspielt.

 

 

Zu Beginn starten alle Charaktere in demselben Raum. Von nun an läuft die Zeit ab und jeder Mitspieler versucht möglichst schnell das Ziel zu erreichen. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn jede Menge Gegner stellen sich einem in den Weg und kleinere Rätsel wollen gelöst werden. Erschwert wird die Sache durch einen Munitions- und Heilitemmangel in den Levels. Deshalb ist es wichtig vor anderen Spielern bestimmte Bereiche zu erkunden, um ihnen besondere Items vor der Nase wegzuschnappen. Capcom hat aber noch weitere Elemente eingebaut, um die Rivalität zu steigern. Tötet man zum Beispiel einen gelb leuchtenden Gegner, so wird dieser für die Gegenspieler rot und deutlich schwieriger. Eliminiert man einen Violetten, so ist dieser danach für die anderen kaum mehr zu besiegen. Dann heißt es, wie auch bei chronischem Munitionsmangel, möglichst weglaufen!

 

Richtig gut gelungen ist aber der Koop Modus! Auch hier hat der Spieler die Wahl zwischen den drei Stages und den anfangs anwählbaren Charakteren. Der wesentliche Unterschied ist aber, dass alle Spieler lebendig das Ziel in einer gewissen Zeit erreichen müssen, um zu gewinnen. Was den Koop Modus zu herausstechen lässt, sind die schon aus Zelda Four Swords bekannten Motivationen. Zu wissen, dass man nur gewinnen kann, wenn man kooperiert, aber dennoch in der Lage zu sein den anderen tolle Items wegschnappen zu können, sorgt für ungemeine Laune! Besonderer Kniff dabei ist, dass alle Mitspieler nur eine Energieleiste haben. Wenn also jemand den Rambo raushängen lässt und dann in aussichtslose Situation gerät, müssen auch seine Partner darunter leiden. Zusammenzubleiben ist aber auch deshalb gut, weil es Angriffsboni gibt, wenn mehrere Mitspieler gleichzeitig einen Gegner attackieren.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Multiplayer Resident Evil Deadly Silence überraschend stark aufwertet. Sehr leicht hätte dieser ziemlich perfekt werden können, wenn es nicht drei große Haken gäbe:

 

1. Andere Spieler werden auf dem eigenen Screen nur als Sterne dargestellt.

2. Nur drei auswählbare Arenen sind zu wenig.

3. Es gibt keine Nintendo Wi-Fi Connection Unterstützung.

 

Vielen Dank an Nintendo of Europe für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Resident Evil Deadly Silence ist eine wirklich gelungene Adaption des Klassikers für Nintendos Handheld. Vor allem der sehr gelungene Rebirth Modus und der Multiplayer, der leider zu wenig Umfang hat, machen das Spiel nicht nur für Neueinsteiger, sondern gerade auch für Veteranen interessant. Größtes Manko ist, neben der leicht veralteten Steuerung, vor allem die viel zu dunkle Darstellung des Spiels. Man sehnt sich regelrecht in manchen Passagen nach dem DS Lite! Außerdem hat Capcom den Schwierigkeitsgrad im Rebirth Modus unnötig stark angehoben.

Grafik

gut

Sound

super

Steuerung

ok

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

80%

Multiplayer

Release

31.03.2006

Developer

Capcom

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

18+

Anzahl Spieler (WLAN)

2-4


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