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Reviews: Nintendo DS

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Pokemon Mystery Dungeon

RPG

24.12.2006

Autor: Daniel Nicolin

 

Brave New World?

 

„Stell dir vor, du wachst eines Tages als Pokémon auf! Du bist plötzlich in einer vollkommen NEUEN Welt, in der du mit Pokémon redest und interagierst!“ Hey, wer hätte es gedacht: Das erste reinrassige Pokémon-Adventure, in dem man nicht als tüchtiger, züchtiger und züchtender Mensch durch die Lande streift, sondern höchstselbst in die Haut (oder das Fell) eines Pokémon schlüpft. Nun denn, soviel Innovation auf einmal, verträgt das mein Gemüt?

 

Um es gleich vorwegzunehmen: Das Unterfangen ging tüchtig in die Hose! Anhand einer kurzen Pseudo-Fragerunde zu Beginn, wie sie der ein oder andere bspw. aus der guten, alten Ultima-Reihe kennt, wird euer Poké-Charakter festgelegt. Diese Quizshow sieht überspitzt dargestellt folgendermaßen aus: Was ist euer Lieblingsessen? Wann wart ihr zuletzt auf dem Klo? Wer hat an der Uhr gedreht? Zack – ihr seid Glumanda! Noch schnell euren euch nicht mehr von der Seite weichenden Partner ausgesucht und auf geht’s ins Abenteuer.

 

 

Was zuallererst und deutlich negativ ins Auge fällt, ist die wahrlich bescheidene Grafik. Diese erreicht nicht einmal mittleres GBA-Niveau, ist gerade in den Dungeons dermaßen undetailliert und lieblos mit den immer gleichen Texturen gestaltet, dass es eine wahre Frechheit ist. Auch die Animationen hinterlassen einen faden Eindruck, die gesamte visuelle Präsentation erinnert, um ehrlich zu sein, an GBC-Zeiten. Lediglich die lebhaften und geradezu farbenfrohen Bereiche um den Pokémonplatz, den Mittelpunkt des Handeltreibens, den Dreh- und Angelpunkt des Dialogführens und Aufträgeergatterns, sind recht hübsch anzusehen. Hier gilt es die, aufgrund der viel zu geringen Inventargröße, im Überfluss erhaschten Items zu verkaufen oder neue Partnerareale käuflich zu erwerben, in welchen ihr befreundeten Pokémon ein Zuhause gewähren könnt. Dies ist unerlässlich, wenn ihr auf euren Missionen von bis zu zwei weiteren Mitstreitern begleitet werden wollt, denn nur in diesen Arealen könnt ihr die Überläufer nach gewonnen Kämpfen abholen – wenn sich denn das ein oder andere Monsterlein gnädigerweise eurer rechtschaffenen Party angeschlossen haben sollte.

 

 

Unterirdisches Geplänkel

 

Das Leben eines Söldners ist hart: Jeden Morgen erwacht ihr mehr oder minder gut gelaunt in eurer Hütte und checkt euren Briefkasten, der, neben halbwegs interessanten Informationen jedweder Art, meist prallgefüllt mit neuen Aufträgen aufwarten kann. Diese stellen sich jedoch schon nach allerkürzester Zeit als leider immer gleicher Natur heraus: Finde Person A in Etage B des Dungeons C und bringe ihr Item D. Oder begleite Person A zu Person B in Etage C des Dungeons D.

 

Ziemlich langweilig, zumal auch die (zumindest farblich) unterschiedlichen Dungeons (bzw. der EINE immer wieder neu und zufällig generierte Dungeon) überhaupt nicht gefallen können: Keine clever konstruierten Irrwege erwarten euch, keine liebevoll designten und verzwickten Höhlenlabyrinthe, sondern lediglich völlig rätselfreie und stupide aufgebaute Endlosgänge mit den immergleichen Gegnertypen, die zudem auch noch zufällig und immer wiederkehrend aus dem Nichts erscheinen.

 

Das Kampfsystem ist im Prinzip rundenbasiert, auf jede eurer Aktionen folgt die Reaktion des Gegners bzw. der Gegner. Hierbei müsst ihr jedoch stets weise wählen zwischen dem Bewegen eurer Truppe oder dem Starten eines Standard- oder Spezial-Angriffs, denn die Kämpfe finden, quasi fließend ins Spielgeschehen integriert, in Draufsicht aus der Vogelperspektive statt. Dadurch gestaltet es sich mitunter recht nervig, eure Truppe in eine geeignete und taktisch halbwegs kluge Position zu bringen, denn eure Mitstreiter folgen im Normalfall exakt dem Laufweg des von euch gesteuerten Protagonisten; ihr habt also keinen direkten Einfluss auf die Aktionen eurer Folgschaft. Ihr könnt lediglich das Verhalten der computergesteuerten Gefährten ändern (bspw. „dem Gegner hinterher“), was ihr aber tunlichst vermeiden solltet, denn sonst machen sich eure Anhängsel auf unkontrollierbare Irrwege in die Weiten des Dungeons oder sie führen andere, unerwartet dämliche Aktionen aus. Als Konsequenz dessen beschränken sich die Kämpfe auf ein stupides Ausführen des immer gleichen, wirksamen Angriffs, ohne dass auch nur der Funke eines Anflugs von strategischen Überlegungen angestellt werden müsste. Soviel Monotonie auf einmal wird nur noch von den Dialogen, die ihr auch mit euren Mitstreitern führen könnt (wenn ihr wollt!), getoppt: Jede Figur hat EINEN Spruch drauf. Wow! Beispiel gefällig? „Ich frage mich, was uns erwartet! Ich finde das alles sehr spannend!“ - Mag sein, ich dagegen find’s einfach nur öde!

 

 

Auch gibt es keine wirkliche Oberwelt, auf der ihr euch fortbewegen könnt. Die auf der Weltkarte angezeigten Stationen (allesamt übrigens logischerweise Dungeons oder Partner-Areale) lassen sich nämlich nur per Auswahlmenü bereisen. Ihr wählt beim Verlassen eures Dorfes also nur, in welches Dungeon es euch als nächstes verschlägt. Ziemlich schade, denn von Höhle zu Höhle (die sich noch nicht einmal grundlegend unterscheiden) oder zum x-ten Male zum einzigen Dorf zu reisen, ist mehr als trist und gibt dem Entdeckerdrang eines jeden Zockers einen gehörigen Dämpfer.

 

 

Steuerfahndung

 

Die Steuerung lässt sich wahlweise auf die traditionelle Art mit dem digitalen Steuerkreuz und den allseits beliebten Knöpfen vollziehen, auf Wunsch könnt ihr bei der DS Version aber auch jederzeit eure Gang mit dem Stylus durch die Wüste jagen. Menüs lassen sich auf diese Weise kaum einen Tick besser bedienen und Gegner lassen sich mit einem zarten Hauch von imaginärer Action bespringen. Die in der Anleitung angepriesene „klick auf eine Stelle und dein Pokémon läuft zu dieser Stelle“-Steuerung funktioniert nicht reibungslos, denn tauchen verwinkelte Wege auf (naja, EIN Winkel genügt manchmal schon) so bleibt euer Schlauberger an der nächsten Ecke hängen – gut, das kann man auch als Pinkelpause eures Protagonisten interpretieren, wie er so verloren dasteht. Letztendlich ist es ein bedauernswertes Armutszeugnis, das die Steuerung per Touchscreen so kläglich versagt, und so bleibt der Stylus brav in seinem Slot stecken und euer Screen vor Kratzern verschont. Auch nicht schlecht. Der zweite Screen ist übrigens reichlich ideenlos und in diesem Falle überflüssigerweise nur als Selbstzweck denn als Nutzen bringende Charakteranzeige eingesetzt.

 

Als wäre dieses Spiel ganz versessen darauf, dem Spieler mit unzähligen Schönheitsfehlern den Nerv zu rauben, trägt auch das völlig monoton dahineiernde Gedudel seinen Teil dazu bei. Nach nur wenigen Minuten, das verspreche ich euch, werdet ihr genervt die Segel streichen und den Sound ausschalten. Weitere Schönheitsfehler gefällig? Gerne! Ihr müsst für das leibliche Wohlergehen eurer gefräßigen Monster sorgen und ihnen hin und wieder gefundenes Essbares vor die Füße werfen. Ganz toller Einfall! Das Menü-Wirrwarr ist sondergleichen mies gelungen, so dass es mitunter schon als dilettantisch zu bezeichnen ist: Muss ich wirklich erst eine heilende Beere aus meinem Inventar auswählen, einem meiner bedürftigen Begleiter geben (der wiederum, weil er nur ein einziges Item halten kann, sein Kraftband aus der Pfote legen muss), dann das Item-Menü wieder verlassen, besagtes Pokémon anwählen, es sein neues Item (die Beere) benutzen lassen, damit es ein paar KP mehr hat? Nicht zu vergessen, dass ich nun erneut ins Item-Menü darf, um meinem Kleinen sein Kraftband wiederzugeben! Auch, dass ich jeden Morgen nach einer erfolgreich abgeschlossenen Mission meine Truppenmitglieder immer neu in ihren jeweiligen Arealen abholen muss, ist mehr als überflüssig, zeitaufwändig und einfach nur idiotisch. Richtig übel wird es dann, wenn ihr erst im Dungeon bemerkt, dass ihr nur zu zweit unterwegs seid; denn aus den zufällig generierten Dungeons gibt es auch keinen direkten Ein-/Ausgang. Wenn ihr also nicht mit nur zwei Pickelmonstern durch die Gänge streifen wollt, so wäret ihr in diesem Falle dazu verteufelt, entweder ein Flucht-Item zu verschwenden oder den Spielstand erneut zu laden.

 

Mittels der drahtlosen Datenübertragung ist es möglich, mit Freunden Items zu tauschen, Freunde um Hilfe zu bitten oder ihnen selbst uneigennützig zu Hilfe zu eilen („Freundrettung“). Leider stellt sich diese Option nicht als Multiplayer-Spaß heraus, sondern vielmehr muss der Beauftragte auf seinem Handheld zu der gleichen Stelle latschen, wo die Versagertruppe besiegt wurde. Und schwupp – seid ihr wiederbelebt und der Einsatz eures Retters ist auch schon zu Ende. Anschließend bietet sich euch noch die unglaubliche Möglichkeit, euren Dank per Brief eurem Schutzbefohlenen kundzutun. Freunde, eine knackige Multiplayeroption im Coop-Modus hätte die Dungeonhatz ja mitunter noch ganz spaßig werden lassen können, aber dieser Pseudo-Mehrspielermodus passt auf keine Kuhhaut mehr. Und wo liegt bitte die Freude darin, mich im Versus-Mode mit den importierten Pokémon meiner Freunde und Feinde im Makuhita-Dojo zu messen, wenn diese dann ausschließlich vom Computer gesteuert werden???

 

 

Mein Team sieht Rot (GBA Version)

 

Für Hardcore-Sammler und Poké-Fanatiker, die alles, was auch nur nach Poké riecht, besitzen wollen, ist es sicherlich zum Schwarzärgern: Die rote Edition ist im Prinzip identisch mit der blauen Edition, also quasi das Gleiche nur in grün. Die Unterschiede sind wirklich marginal: Es gibt sechs Pokémon, die in der jeweils andersfarbigen Edition nicht enthalten sind. Die bei der DS-Version ohnehin bescheiden umgesetzte Touchscreensteuerung und der bei der GBA-Version fehlende Einsatz des Dual-Screens sind aus den im Test bereits erwähnten Gründen zu verschmerzen. Sound und Grafik sind 100%ig identisch mit der DS-Version und auch das Spielgeschehen respektive Inhalt laufen nahezu gleich ab, worauf Nintendo gnädigerweise auf der Rückseite der Verpackung auch hinweist. Die Vernetzung mit anderen Pokémon Mystery Dungeon Games erfolgt logischerweise entweder per GBA-Link-Kabel (zwei GBA) oder per Passwort-System (GBA mit DS).

 

Wir danken der Firma Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Alles in allem ist das Game für mich als großer Reinfall zu bezeichnen, dem gerade einmal echte Pokémon-Fans etwas Positives abgewinnen könnten – vielleicht aber auch sind gerade jene besonders enttäuscht. Nicht nur für die kaufkräftige Zielgruppe der Heranwachsenden stellt sich das Spiel zudem aufgrund der viel zu spärlich gesäten Erklärungen und einer völlig missratenen Menüführung als kaum vernünftig spielbar heraus. Selbst das Trademark eines jeden Pokémon-Abenteuers, nämlich das typische Sammelfeeling, kommt nicht auf. Grafik, Sound und Spielbarkeit sind fast durchweg unteres Mittelmaß. Der Multiplayer-Modus verschenkt leider einen Großteil seines Potenzials. Auch die nette Spielidee und einige zu erahnende gute Ansätze können das Gesamtbild nicht mehr retten. Insgesamt also, gerade im Hinblick auf viele großartige Vorgänger, ein schmerzhafter Ausrutscher der sonst durchweg gelungenen Handheld Pokémon-Reihe.

Grafik

schwach

Sound

schwach

Steuerung

schwach

Spielspaß

schwach

45%

Singleplayer

35%

Multiplayer

Release

19.11.2006

Developer

Chunsoft

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung


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