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Reviews: Nintendo DS

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Apollo Justice - Ace Attorney

Adventure

10.06.2008

Autor: Mario Kablau

 

 

Ein neuer Stern am Anwaltshimmel!

 

Die Ace Attorney Reihe gibt es bereits seit dem Jahre 2001 in Japan. Damals erschien die ursprüngliche Trilogie für den Gameboy Advance, hat aber nie den Weg aus Japan in die USA oder gar nach Europa gefunden. Erst mit dem Nintendo DS wurden die Spiele neu aufgelegt und auch auf westlichen Märkten veröffentlicht. Während wir hierzulande zwar noch auf den dritten Teil der Geschichte von Phoenix Wright warten (Review zur US-Version), hat sich Nintendo schon an den Anfang der zweiten Reihe getraut, in der Apollo Justice die Hauptrolle übernimmt.

 

Sieben Jahre sind vergangen, seitdem Phoenix Wright das letzte Mal vor Gericht stand. Durch einen Kapitalfehler verlor er seine Anwaltsmarke und ist jetzt ein Klavierspieler in einer Bar, obwohl er das Instrument gar nicht spielen kann. Und wie es der Zufall (oder auch nicht) so will, passiert dort eines Nachts ein Mord und er ist der Hauptverdächtige, da er am Tatort war und offensichtlich sogar ein Motiv hat. So lernt er Apollo Justice kennen, den Mann mit den eisernen Stimmbändern, der ganz heiß darauf ist, seinen ersten Fall zu gewinnen. Der Spieler selbst schlüpft also in die Rolle des Neulings und bekommt von Phoenix nur wenige Informationen zu den Hintergründen, muss es aber dennoch schaffen, seine Unschuld zu beweisen, um sich danach durch drei weitere Fälle zu kämpfen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben...

 

Doch natürlich ist es das Ziel des Spiels, der Geschichte von Phoenix ein würdiges Ende (oder auch keins) zu spendieren, weshalb sich am Ende natürlich die meisten Handlungsstränge treffen werden und es zu einem sehr unerwarteten und überaschenden Ende kommt. Doch ich will hier nicht zu viel verraten. Wichtig zu wissen ist bloß, dass man den hier noch nicht erschienenen abschließenden Teil von Phoenix Wright nicht unbedingt vorher gespielt haben muss, da die Geschichten außer Phoenix selbst keine Schnittpunkte haben.

 

 

Worum geht es hier eigentlich?

 

Ich hab jetzt schon fleißig die Geschichte beschrieben, aber für alle, die nicht wissen, worum es bei Ace Attorney eigentlich geht, jetzt mal eine kurze Zusammenfassung des Spielprinzips. Wie schon erklärt, spielt man den Strafverteidiger Apollo Justice und muss in vier spannenden Fällen die Unschuld seines Mandanten beweisen und einen Freispruch erwirken. Dazu hat das Spiel zwei grundverschiedene Phasen.

 

Zunächst muss (bis auf im ersten Fall) gründlich ermittelt werden. Dazu werden zum Beispiel Zeugen befragt und der Tatort durchsucht. Daneben muss man versuchen, andere wichtige Dinge herauszufinden, um so entscheidende Beweise zu sammeln. Dieser ganze Teil läuft recht statisch ab. Auf dem oberen Bildschirm wird die Umgebung angezeigt, in der man sich aber nicht frei bewegen kann. Der Touchscreen wird zur Kontrolle benutzt. So kann man sich von einem Ort zum anderen Bewegen, Zeugen Fragen stellen oder die Umgebung nach Hinweisen durchsuchen. Hat man alles Relevante gefunden, dann schließt dieser Teil und es geht vor Gericht weiter. Später gibt es dann auch mehrere Ermittlungsphasen.

 

Vor Gericht hat der Richter mehr oder weniger das sagen. Strafverteidiger Apollo trifft dabei auf seinen „Feind“ Staatsanwalt. Sein Hauptgegner in diesem Spiel ist Kantilen Gavin, der gleichzeitig auch noch Frontmann einer Rockband ist. Mit diesem Gegner setzen die Macher erstmals darauf, dass es keine echte Abneigung zwischen Anklage und Verteidigung gibt, sondern dass beide einfach nur die Wahrheit finden wollen. Somit ist der wahre Feind in diesem Spiel ein neuer: eine Person, die ich aber jetzt nicht beim Namen nennen werde... Die Anklage ruft Zeugen auf, die eine Aussage abgeben und die Verteidigung muss die Widersprüche dort im Kreuzverhör finden. Das macht man ganz einfach, indem man bei einem Statement auf „Angreifen“ tippt oder die linke Schultertaste drückt und schon wird der Zeuge ein wenig ausgepresst. Hat man einen Widerspruch gefunden, dann muss man nur an der richtigen Stelle einen entsprechenden Beweise präsentieren und so nach und nach die Wahrheit herausfinden.

 

Als Neuerung im Spielprinzip gibt es ein mysteriöses Armband, das Apollo trägt und das ihm dabei hilft, zu erkennen, wann ein Zeuge lügt. An bestimmten Stellen kann man es einsetzen und dann konzentriert sich der Held ganz besonders auf eine spezielle Aussage, die in Zeitlupe abläuft. Auf dem unteren Bildschirm sieht man eine Nachaufnahme des Zeugen, die man per Stylus verschieben kann. Ziel ist es, „etwas“ bei einem gewissen Teil der Aussage zu finden. Sei es, dass der Zeuge im Moment der Lüge schluckt oder zu schwitzen beginnt. Ist der Moment gefunden, haut man das dem Zeugen um die Ohren, untermalt es eventuell zusätzlich mit Beweisen und schon ist der Widerspruch gefunden. Diese Suche ist eine sehr gute Idee, die die vorher recht eintönigen (spielerisch, nicht inhaltlich) Gerichtsverhandlungen deutlich auflockert und spannender macht.

 

Das Mantagma, mit dem Phoenix in den Ermittlungs-Phasen psychische Blockaden knacken musste hat Apollo nicht, aber dennoch kommt es später im Spiel noch zum Einsatz und das nicht zu knapp. Auch das Armband hat natürlich eine ganz wichtige Bedeutung, die man irgendwann durchsteigen wird, wenn man die Zusammenhänge zwischen den Fällen begreift. Wann das soweit ist, hängt vom Spieler ab, denn Andeutungen gibt es massenweise, aber bis zur Erkenntnis dauert es vermutlich eine Weile. Spätestens dann begreift man auch den Schicksalsschlag, den Phoenix getroffen hat...

 

 

Technik und Umfang

 

Die größte Kritik an den Vorgängern war, dass es GBA-Umsetzungen waren, die technischen kaum aufpoliert wurden. Dieser Teil ist der erste, der speziell für den DS gemacht wurde, was man auch deutlich spürt. So gibt es zu jedem Fall ein schickes Introvideo (vorher gab es nur Standbilder) und während der Ermittlungen und vor Gericht die eine oder andere Videosequenz. Die früher noch zweidimensionalen Tatorte morphen in Echtzeit in 3D, so dass man einen besseren Überblick bekommt und verstehen kann, was eigentlich genau passiert ist. Dazu sind die Hintergrundgrafiken bedeutend schöner, was der folgende Vergleich ausreichend aufzeigen sollte:

 

 

Die Animationen der Figuren sind besser, die Umgebungen schönen und es gibt deutlich mehr Abwechslung. Auf Sprachausgaben müssen wir aber leider immer noch verzichten. Vermutlich wäre es einfach zu teuer, da das Spiel von seiner komplexen Geschichte und daraus folgenden Vielzahl an Dialogen kaum komplett mit Sprache unterlegt werden könnte. In den Videosequenzen hätte ich mir das aber schon gewünscht. Schade ist auch, dass man Phoenix´ markanten „Einspruch“ nur sehr selten zu hören bekommt. Gerade auf Deutsch kann Apollo da nicht mithalten:

 

Phoenix: Nimm Das / Apollo: Nimm Das

 

Phoenix: Moment Mal / Apollo: Moment Mal

 

Phoenix: Einspruch / Apollo: Einspruch

 

Die Musik ist gewohnt gut, ja sogar noch einen Tick besser als die der drei Vorgänger. Zum einen hat sich die Qualität hörbar verbessert und zum anderen gibt es jetzt noch mehr Abwechslung. Einzig die immer noch völlig fehlende Sprachausgabe verhindert hier die Höchstnote. Es gibt sehr viele spannende Themen und es ist nur ein einziges dabei, das komplett aus den Vorgängern übernommen wurde. Die anderen sind entweder komplett neu oder deutlich weiter entwickelt. Bravo, Capcom!

 

Die Steuerung ist gewohnt gut und wurde im Vergleich zu den Vorgängern noch leicht verbessert, so dass es jetzt absolut einwandfrei funktioniert. Man kann dabei sowohl klassisch per Tasten und Steuerkreuz das gesamte Abenteuer bestehen oder sich vollständig auf den Touchscreen verlassen. Natürlich ist auch wieder ein bisschen Spracherkennung dabei. So kann man vor Gericht „Einspruch“ oder „Moment mal“ ins Mikrofon rufen, um eben selbiges im Spiel auszulösen.

 

Am Umfang gibt es kaum etwas zu bemängeln, wie auch schon bei den Vorgängern. Zwar sind es leider nur vier Fälle, aber die sind dafür auch sehr umfangreich. Vor allem die letzten beiden haben es inhaltlich echt in sich, während spielerisch besonders der letzte auffällt (aber ich will nicht zu viel verraten). Es gibt dort auf jeden Fall ein völlig neues Spielelement, das dazu beiträgt, die ganze Geschichte zu verstehen. Außerdem verändert sich das Rechtssystem im Spiel deutlich... Aber zurück zum Thema. ;-) Insgesamt wird man bestimmt 20 Stunden brauchen, um das Spiel zu beenden, je nachdem, wie clever man sich anstellt. Viel schneller ist es auf jede Fall nicht möglich. Allerdings ist danach dann auch die Luft raus und man wird es kaum erneut in den DS einlegen, sobald man die Geschichte und die Fälle vollständig begriffen hat.

 

 

Meckerecke

 

Im Vergleich zu den Vorgängern gibt es wesentlich weniger zu meckern. So bleiben die sonst so gefürchteten Phasen des „einfach mal Ausprobierens“ meistens aus, da die Geschichte viel geschickter erzählt wird und man so meistens versteht, was gemeint ist, ohne zu viel Hilfe zu bekommen. Das könnte zwar auch daran liegen, dass ich in den letzten sechs Wochen drei Spiele der Reihe durchgespielt habe und jetzt fast schon mein erstes Staatsexamen machen könnte, aber insgesamt sind mir in „Apollo Justice“ einfach deutlich weniger logische Unklarheiten aufgefallen.

 

Ein großer Kritikpunkt ist jedoch die Übersetzung, die mich wirklich erschreckt hat. Scheinbar hat sich Nintendo nicht gerade Mühe gegeben, denn es gibt eine ganze Menge Tippfehler. So sind manchmal Wörter zu viel, Wörter falsch geschrieben (Eas statt Das, oder Diel statt Viel etc.), was einfach nicht passieren darf, vor allem nicht in diesem Umfang. Das ist besonders deshalb erschreckend, weil mir in den Vorgängern bisher nicht ein Fehler aufgefallen war. Die höchste Priorität besitzt die Reihe also bei NoE wohl nicht gerade. Noch ärgerlicher ist das, weil es erstmals keine englischen Texte mit auf dem Modul gibt, sondern nur französische. Ich hätte sonst gerne umgeschaltet und mir diese Fehlersammlung lieber erspart...

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Apollo Justice ist Neuanfang und würdiger Abschluss zugleich. Einerseits wird ein neuer Held erfolgreich eingeführt (der leider nicht ganz so sympathisch ist wie Phoenix) und andererseits wird die Geschichte von Phoenix zu Ende erzählt (oder auch nicht). Die Technik ist endlich an die Möglichkeiten des DS angepasst und die Steuerung wurde weiter optimiert. Sprachausgabe gibt es leider immer noch nicht. Der größte Schandfleck ist die lieblose Übersetzung, was sich durch viele Fehler im Text bemerkbar macht. Hier bin ich von Nintendo deutlich mehr gewohnt und erwarte einfach mehr. Wem die Vorgänger gefallen, der kann bedenkenlos zuschlagen, auch wenn er oder sie den dritten Teil von Phoenix Wright noch nicht gespielt hat. Wer noch nie einen Teil gespielt hat, der sollte jedoch besser mit Phoenix Wright anfangen, da die Geschichte insgesamt einfach besser ist, wenn man eng mit der Figur verbunden ist. Für mich ist dies der beste Teil der Reihe und daher hoffe ich, dass Capcom so weiter macht und Teil 5 nicht allzu lange auf sich warten lässt.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

gut

91%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

09.05.2008

Developer

Capcom

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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