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Reviews: Nintendo DS

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Etrian Odyssey

RPG

01.07.2008

Autor: Mario Kablau

 

 

Das Labyrinth zu Yggdrasil

 

Das Labyrinth verschlang sie alle...

Unschuldige fielen ihm anheim,

Sünder und Verdammte verschwanden in den Tiefen.

Die Menschheit hatte ihre Allmacht verloren und Mutter Erde wandte sich ab.

Einzig der verfluchte König auf seinem Thron in der Tiefe kennt die wahre Geschichte.

 

Mit dieser Einleitung beginnt eines der wohl umfangreichsten Abenteuer auf dem Nintendo DS, obwohl das Ziel des Spiels schnell erklärt ist. In der Nähe der Stadt Etria befindet sich ein gewaltiges Labyrinth mit sechs unterirdischen Schichten und insgesamt 30 Etagen, die es zu erkunden gilt. Dort laufen je nach Etage verschiedene Monster herum, die dem Spieler das Leben zur Hölle und die Erreichung des Ziels unmöglich machen wollen. Aber mal langsam, denn zunächst muss man einen Truppe aufstellen.

 

Ist man das erste Mal in der Stadt, die durch ein Standbild dargestellt wird, hat man direkt die Auswahl, per Tastendruck an die verschiedenen Orte zu gehen. Beginnen sollte man mit der „Gilde der Abenteurer“, dem Ort, an dem man seine Truppe aufstellt. Bis zu fünf Figuren gleichzeitig kann man mitnehmen, wobei es sich jedoch anbietet, direkt die richtigen auszuwählen, denn es entwickeln sich natürlich nur die weiter, die auch mit auf Reisen gehen. Allerdings ist diese Wahl zu Beginn gar nicht leicht, da es neun unterschiedliche Klassen mit verschiedenen Stärken und Schwächen gibt, darunter zum Beispiel der Medicus, der magische Heilkräfte hat, der Fährtenleser, der einen Bogen im Kampf einsetzt, der Landsknecht, der mit Schwert und Axt besonders auf physikalische Angriffe setzt und der Alchemist, der vor allem durch magische Angriffe zu überzeugen weiß. Welche Klassen man genau wählt ist eigentlich egal, jedoch sollte die Gruppe ausgewogen sein, da man im Laufe des Spiels natürlich auch viele verschiedene Probleme stößt. Ein Medicus sollte aber immer dabei sein, denn Heilmagie ist einfach viel günstiger als Items.

 

Hat man eine Wahl getroffen und den Charakteren und der Truppe Namen gegeben, dann kann es auch fast schon los gehen. In den „Hallen zu Radha“ bekommt der Spieler danach eine Einweisung, was man genau tun muss. Ebenso kann man dort hoheitliche Aufträge annehmen und in die Liste der bereits entdecken Monster und Items blicken. Darüber hinaus gibt es noch eine Schänke, in der man lukrative Aufträge von anderen Dorfbewohnern annehmen kann, einen Laden für Waffen und Items, eine Apotheke für Heilgegenstände und ein Gasthaus zum übernachten und speichern. Zuletzt gibt es noch den Menüpunkt „Zum Wald“ über den man die erste Schicht des großen Labyrinthes betritt. Ist man endlich dort, dann kann es auch gleich losgehen.

 

 

Retro im 21. Jahrhundert

 

Im Labyrinth angekommen, geht es den Rest des Spiels eigentlich nur noch um zwei Dinge: Karten zeichnen und auf die nächste Etage gelangen, bis man dann am Ende angekommen ist. Auf dem unteren Bildschirm wird dabei stets die Karte der aktuellen Etage angezeigt, die zu Beginn völlig leer ist. Während man also die schmalen Gänge und großen Räume erkundet, muss man gleichzeitig mit dem Stylus die Wände einzeichnen, um später eine perfekte Karte zu haben, damit man sich nicht verläuft. Dazu kann man noch Sonderfelder, wie Schätze, Türen oder Fallen eintragen, Standorte von Monstern markieren und sich zu jedem Feld sogar Notizen machen. Die Karte wird entweder im Gesamtüberblick gezeigt, worauf man dann die gesamte Etage erkennt, oder im Zoom, so dass man nur einen Ausschnitt sieht und einfach mit dem Touchpen zeichnen kann. Hier und da gibt es auch Abkürzungen zu entdecken, die man dann besser auch direkt auf der Karte festhält, damit man sie beim erneuten Abstieg auch wiederfindet und nutzen kann.

 

Auf dem oberen Bildschirm wird das Labyrinth aus der Ego-Ansicht dargestellt. Bewegen kann man sich nur in rechten Winkeln, also per Steuerkreuz vorwärts oder rückwärts gehen und sich jeweils 90 Grad nach links oder rechts drehen. Während man kartographierend durch die Gänge läuft, trifft man zufallsbedingt auf Gegner. Dann wechselt das Geschehen auf dem Topscreen und zeigt zwischen einem und fünf Gegner. Über ein einfaches Menü führt man dann Angriffe aus, wehrt ab, setzt Items oder Zauber ein oder versucht zu fliehen. Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei jedoch alle Charaktere am Stück eine Wahl treffen müssen. Das heißt, man legt also zunächst fest, welche Figur was machen soll und dann wird die Runde ausgekämpft. Dieses System hat natürlich den Nachteil, dass man nicht auf die Angriffe des Feindes reagieren kann und da man außerdem nicht weiß, in welcher Reihenfolge die eigenen Abenteurer ihre Aktionen ausführen, was Glück zu einer wichtigen Komponente werden lässt. So ist es zum Beispiel gut möglich, dass ein Charakter angegriffen wird, man ihn in der nächsten Runde heilen will, aber der zweite Angriff des Gegners vor der Heilung kommt und die Figur getötet wird.

 

Sterben ist zwar nicht ganz so schlimm wie im echten Leben oder wie bei Fire Emblem, aber da man zu Beginn nur im Dorf wiederbelebt werden kann, muss man nach einem Totschlag eben zunächst zurück, damit die Truppe stark bleibt und nicht zu viele Erfahrungspunkte verloren gehen. Wobei sie nicht wirklich verloren gehen, da die gesammelten Punkte immer gleichmäßig auf alle beteiligten Charaktere verteilt werden. Später, wenn man auch den Tod heilen kann, ist das nicht mehr so tragisch, weil dann die teils lange Rückwege entfallen können.

 

Hat man die erste Etage vollständig kartographiert, ist der erste Auftrag erfüllt und man kann in die Stadt zurück. Ab sofort wird man auch in tiefere Ebenen gelassen und kann endlich anfangen, die restlichen 29 zu erkunden. Aber vorher sollte man eine Runde schlafen, um Kraft zu tanken, dann speichern und die gefundenen Items verkaufen. Letzteres gibt nicht nur dringend benötigtes Geld, sondern bringt auch neue Waffen und Items in die Läden. Erst wenn man ganz bestimmte Gegenstände gefunden und verkauft hat, können die Händler daraus neue Waren herstellen. So verbessern sich nicht nur die Abenteurer an sich, sondern durch Waffen und Rüstung auch die Möglichkeiten, was dringend nötig ist, denn die Monster im Spiel haben sich echt in sich.

 

Ein weiterer Punkt in der Entwicklung der Truppe sind Fähigkeitspunkte. Zu Beginn erhält jede Figur drei davon als Startkapital und bei jedem Levelanstieg kommt ein weiterer hinzu. Diese kann (und sollte) man dann dazu einsetzen, die Figur individuell anzupassen. So kann man zum Beispiel die Kraftpunkte weiter erhöhen, die Abwehr verbessern oder Zauber lernen. Insgesamt hat jede Figur etwa 10 – 15 solcher Fähigkeiten, die man nach und nach erlernt und perfektioniert. Je mehr Punkte man auf eine Fähigkeit setzt, desto stärker wird sie. Allerdings können einmal verteilte Fähigkeitspunkte nicht wieder zurück genommen werden. Man muss sich seiner Sache also sehr sicher sein.

 

Abgesehen von den hier vorgestellten Besonderheiten, ist das Spiel ein ganz normales RPG. Die Charaktere werden immer stärker, die Aufgaben immer härter, die Geschichte (mehr oder weniger) immer spannender und die Spielzeit will scheinbar niemals enden. Je nachdem, wie gut man trainiert ist, braucht man für eine Etage schon mal mehr als eine Stunde, um sie komplett begangen zu haben. Dazu kommen dann noch die so genannten FOEs und Endgegner. Beide kann man, anders als die normalen Gegner, auf der Karte in Form von leuchtenden Kreisen sehen und ihnen also auch aus dem Weg gehen. Allerdings verlangen manche Aufträge, dass man bestimmte von ihnen findet und aus dem Weg räumt. Spätestens dann wird es knackig, denn die meisten sind zu stark für die aktuelle Leistungsfähigkeit der Truppe, wenn man in normalem Tempo vor geht. Entweder mogelt man sich mit Glück durch oder sammelt mehr Erfahrung, um es dann leichter zu haben.

 

 

Technik, Steuerung und Umfang

 

Wie eingangs schon erwähnt, findet das gesamte Geschehen aus der Ego-Ansicht statt. Man sieht den Wald, der wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit komplett rechtwinklig gestaltet ist, also immer aus derselben Perspektive. An sich ist das nicht schlimm, jedoch merkt man dadurch, dass es ziemlich wenig Abwechslung gibt. Während der ersten fünf Stunden Spielzeit, in denen man sich in der ersten Schicht aufhält, bekommen die Augen daher Null Abwechslung geboten. Die anderen Schichten bekommen dann zwar ein anderes Design, aber das Grundproblem bleibt bestehen. Dazu kommt noch, dass die Weitsicht nicht gerade hoch ist, so dass sich der Hintergrund durch Popups ständig verändert. Steht man also zum Beispiel 5 Felder von einer Tür entfernt, sieht man sie nicht und einen Schritt näher baut sie sich dann plötzlich unübersehbar auf.

 

Weiterhin sind sämtliche Figuren im Spiel nur durch Standbilder dargestellt. Selbst die Monster bewegen sich bei ihrem Angriff kein Stück. Wenn sie hingegen angegriffen werden, dann sieht man eine Schlagbewegung oder eventuell einen Zauber und die Monster werden ordentlich durchgeschüttelt, ohne jedoch ihre Haltung in irgendeiner Form zu verändern. Dafür sehen die Zauber-Animationen aber ganz ordentlich aus. Dieser Look zieht sich durch das gesamte Spiel, so dass alles sehr statisch wirkt. Da man außerdem die eigenen Figuren nur im Menü abgebildet zu Gesicht bekommt, kann man sich nicht wirklich mit ihnen identifizieren.

 

Sound und Musik sind ähnlich altbacken. Die Kampf- und Bewegungsgeräusche wiederholen sich schneller als man „Mir ist langweilig“ sagen kann. Ebenso gibt es je Schicht nur ein Musikstück und darüber hinaus eine Hand voll Titel für die Kämpfe, so dass man auch hier schnell die Ohren voll hat. Das ist vor allem deshalb nervig, weil man durch die Länge des Spiels noch mehr Abwechslung erwarten würde.

 

Um das Spiel von vorne bis hinten durchzuspielen dürfte man mindestens 40 Stunden brauchen. Genau sagen kann ich es jedoch nicht, da es keinen Zähler gibt. Gefühlt könnten es durchaus auch 80 sein. Man kann sicher auch durchhetzen und nicht sämtliche Etagen komplett erkunden, aber das macht schon alleine deshalb wenig Sinn, weil man erstens die Erfahrung später sowieso braucht und zweitens viele Schätze verpassen könnte. Auf jeden Fall bekommt man fürs Geld eine ganze Menge Spiel geboten, was aber leider nicht alles ist, denn Spaß machen sollte die Zeit ja schon...

 

 

Meckerecke

 

Eines der größten Probleme des Spiels abseits der Präsentation, die eben einfach nicht Jedermanns Sache ist, sollte auch das zweite große Problem bereits klar geworden sein: Etrian Odyssey bietet einfach viel zu wenig Abwechslung, so dass man bereits nach wenigen Stunden das Gefühl hat, alles bereits gesehen und erlebt zu haben. Natürlich werden die Aufgaben schwerer und verändern sich leicht und auch die generell nicht so stark ausgeprägte Geschichte kommt nach und nach in Fahrt, aber unterm Strich verändert sich nichts Grundlegendes im gesamten Spiel, was bei 40-80 Stunden Spielzeit natürlich auf Dauer extrem monoton ist und nicht viele bei der Stange halten dürfte.

 

Dazu kommt, dass man nur im Dorf und an ganz wenigen Stellen im Labyrinth Kraft tanken kann, so dass man sehr oft dort hin zurück muss. Auf Ebene 1 oder 2 einer Schicht ist das kein Problem, aber spätestens auf der dritten wird es dann nervig, ganz zu schweigen von der anderen Richtung. Zum Glück gibt es alle fünf Ebenen, also am Anfang jeder Schicht ein Feld, mit dem man direkt in die Stadt zurück kommt. Allerdings sind in meinen Augen fünf Etagen eine zu viel, denn ich hatte immer die meisten Probleme, wenn ich einen Boss am Ende einer Schicht besiegen musste, aber schon vorher durch den weiten Weg bis dorthin ziemlich viel Kraft gelassen hatte. Blöd sind die lange Wege auch deshalb, weil man nur 60 Items tragen kann und die sind schnell erreicht, so dass man nicht selten einiges von dem wegschmeißen muss, was man nach den Kämpfen erhält. Für den schnellen Rückweg kann man außerdem zum Glück auch Items kaufen oder später einen Zauber lernen, damit man sich zumindest eine Strecke sparen kann. Das Item dazu ist besonders am Anfang wichtig, wenn man durch die wenigen Kraft- und Technikpunkte schnell das Ende der Fahnenstange erreicht.

 

Neben dem monotonen Gameplay und der wenig abwechslungsreichen Darstellung nerven darüber hinaus noch einige Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass man den meisten Gegnern nicht aus dem Weg gehen kann und somit auch dann dauernd kämpfen muss, wenn die Monster weder eine Gefahr noch viele Erfahrungspunkte bedeuten. Das ist zwar bei den meisten RPGs mit Zufallskämpfen so, hier aber besonders schlimm, da man nicht umhin kommt, durch die Bereiche mit schwächeren Gegnern immer wieder durch zu müssen. Seltsam finde ich auch, dass die Übernachtung jeden Tag teurer werden.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.

 


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Fazit

Etrian Odyssey ist mit Sicherheit kein schlechtes Spiel, aber ein sehr spezielles. Wer sich von den grafischen und spielerischen Schwächen nicht gestört fühlt, der kann extrem viel Spaß mit dem Titel haben. Alle anderen dürften, auch wegen dem extrem hohen Schwierigkeitsgrad, schnell die Lust verlieren und wohl nie das Ende erreichen. Fakt ist jedoch: Man bekommt selten für so wenig Geld ein Spiel, mit dem man sich so lange beschäftigen kann. Wären die technischen Schwächen nicht vorhanden und viele der anderen Kleinigkeiten anders gelöst worden, dann wäre es mit Sicherheit eines der besten Spiele auf Nintendos Handheld. So ist es für eine ganz kleine Zielgruppe geeignet und sollte von dieser auch auf keinen Fall übergangen werden!

Grafik

schwach

Sound

schwach

Steuerung

super

Spielspaß

ok

74%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

06.06.2008

Developer

Atlus

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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