Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo DS

< zurück

Harvest Moon - Mein Inselparadies

Simulation

13.04.2009

Autor: René Schäfer

 

 

Aufbruch zu neuen Ufern

 

Eines der bekanntesten und schon am längsten lebenden Spielereihe aus dem Genre Simulation ist die Harvest Moon aus dem Hause Marvelous, die in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag feiert. Mit nur einem und dazu doch ziemlich schlechten und erfolglosen Vertreter auf dem Nintendo DS nutzt die Spieleschmiede diesen Anlass, um seinen Fans und potenziellen Neu-Fans einen weiteren Teil zu präsentieren.

 

Harvest Moon - Mein Inselparadies heißt das aktuellste Handheld-Werk und verlangt von euch sowohl Übliches als auch Neues. So müsst ihr in diesem Teil nicht nur euer bestes geben, um eure eigene Farm auf Vordermann zu bringen und zum Erfolg zu führen; eine ganze Insel will froh, glücklich und gesund bewohnt werden.

 

 

Motiviert geht‘s ans Werk

 

Das Spiel startet ihr wahlweise als männlicher oder weiblicher Kreuzfahrtschiffpassagier, der sich eines sonnigen Morgens am Strand einer vermeintlich einsamen Paradiesinsel wiederfindet. Nach einigen Minuten in völliger Unklarheit laufen aber doch ein paar recht zivilisiert aussehende Menschen vor euch auf. Diese Familie sind, so klären sie euch auf, genau wie ihr, Überlebende eines großen Schiffunglücks. Gestrandet seid ihr alle auf dieser verlassenen Insel mitten im Ozean. Schnell steht euer Schicksal fest: weg kommt ihr da so schnell nicht.

 

Den Kopf vollkommen hängen lassen wollt ihr aber auch nicht. So nimmt der Vater der Familie schnell das Ruder in die Hand und weist jedem Aufgaben zu. Der Plan: die Insel in ein kleines attraktives Paradies zu verwandeln, das immer mehr und mehr Menschen anlockt. Dazu muss einiges getan werden. Und weil ihr als selbstständiger junger Mensch ordentlich fit seid, bekommt ihr die schwerste Aufgabe von allen aufgebrummt. Ihr sollt die Farm im Norden der Insel leiten, die Insel mit wichtigen Gütern wie Nahrungsmittel und Rohstoffen versorgen und möglichst vielen (Nutz-) Tieren ein glückliches Leben bereiten. Nebenbei aber selbst auch glücklich und gesund leben, eine Frau für‘s Leben finden und bestenfalls mit allen Bewohnern der Insel gut befreundet sein.

 

Große Ziele folgen auf einem langen Weg. Und dieser beginnt in Harvest Moon - Mein Inselparadies mit einer Farm, die eher die Bezeichnung „zusammengefallene Gartenhütte vor verwilderter Wiese“ verdient. Damit ist euer erster Tag auf der Insel vorbestimmt. Nach ein bisschen Unkrautjähen und Umsehen wird es schon dunkel und ihr legt euch in euer bescheidenes Bettchen in eurem kleinen Haus.

 

Schon am nächsten Tag trifft der erste neue Bewohner auf der Insel ein. Der Verkäufer von Werkzeugen, Saatgütern und Nahrungsmitteln. Mit dem Verkauf von auf der Insel eingesammelter Blüten (die ihr aber auch essen und damit Energie gewinnen könnt) verdient ihr euer erstes Geld, welches ihr natürlich sofort wieder in die wichtigsten Werkzeuge und ein paar Tüten Saatgut investiert. Frisch motiviert und gut ausgerüstet geht‘s gleich wieder auf zu eurer kleinen Farm wo ihr erste Quadratmeter umgrabt und bepflanzt. Gegossen werden wollen die neuen Sprösslinge auch, weswegen ihr zum am Feld gelegenen Fluss laufen und die Gießkanne auffüllen und diese dann über den Pflänzchen wieder entleeren solltet.

 

So vergehen eure ersten Wochen auf der Insel ziemlich spannend. Beinahe jeden Tag entdeckt ihr neue kleine Orte und lernt neue zugezogene Inselbewohner kennen. Deren Fähigkeiten interessieren euch aber erst mal nicht. Ihr seid viel zu sehr mit dem Gießen und Pflanzen von den verschiedensten Nutzpflanzen sowie dem Einsammeln von auf der Insel verstreuten Rohstoffen in Form von Holz und Erz beschäftigt. Diese stellt ihr dann den anderen Bewohnern der Insel zur Verfügung und macht damit ein kleines Vermögen.

 

 

Die Zeit vergeht, der Alltag kehrt ein

 

Nach den ersten zwei bis drei Spielstunden (je nach Organisation durch den Spieler variiert die Zeit zum Erreichen einiger Ziele) legt sich die anfängliche Motivation und Freude aber.

 

Immer und immer wieder laufen die Tage gleich ab. Aufstehen, die Insel abgrasen, Pflanzen gießen, ernten, pflanzen, schlafen gehen. Wieder aufstehen, wieder die Insel abgrasen, wieder Pflanzen gießen, ernten, pflanzen, wieder schlafen gehen. Zwar schalten sich mit der Zeit einige neue Bereiche frei, mehr Menschen finden ihren Weg auf die Insel, die immer mehr zu einem kleinen Paradies wird und auch Tiere finden ihren Weg auf eure einigermaßen schöne Farm. Die Jahreszeiten vergehen und die verschiedensten kleinen Feiertage werden erfunden. Pflanzen blühen und verblühen, die Sonne geht auf und unter, Ebbe und Flut, arbeiten und schlafen.

 

Die einzige Abwechslung, die das Spiel zu bieten hat, besteht aus dem Erobern eines Frauenherzens (oder Männerherzens, wenn ihr selbst weiblich seid). Die Liebe eures Lebens will gefunden werden und um dieses Lebensziel zu erreichen stehen euch vier Kandidaten zur Verfügung, die ihr dann durch Gespräche und kleine Aufmerksamkeiten (in Form von materiellen Geschenken) für euch gewinnen könnt. Am Ende entscheidet man sich aber dann doch nur für eine/einen, und diese/dieser sich bestenfalls auch für euch.

 

Nach gefühlten 1.000 Stunden Spielzeit (in Wirklichkeit sind es um die 15), kehrt der Alltag erneut ein. Man entdeckt weder Neues noch wird das Alte spannender. So ernüchternd und verurteilend dieser Satz jetzt auch klingen mag, darf man das allerdings nicht als allzu vernichtendes Urteil verwenden, denn Harvest Moon - Mein Inselparadies ist wie alle Harvest Moon Teile zuvor auch ein Lebens- und Aufbausimulationsspiel, bei dem es darum geht, das eigene Leben und die eigene Farm so erfolgreich wie möglich zu führen. Und im Leben eines Farmers passiert nun mal nicht so viel Aufregendes wie im Leben eines Geheimagenten für die Britische Krone. Deswegen ist es okay, dass man nach ca. 15 Spielstunden einen soliden Betrieb aufgebaut und sich die Liebe seines Lebens geangelt hat. Dann beginnt der Alltag, in dem es darum geht, sich halten zu können. Und das muss ja auch nicht für jeden langweilig sein. Nicht-Fans und Neueinsteiger müssen aber aufpassen, dass sie nicht zu viel erwarten.

 

 

Ohne Koff… ähm… Ohne Spaten keine Competition!

 

Einen richtigen Onlinemodus bietet Harvest Moon - Mein Inselparadies zwar nicht, ganz ohne den Nutzen der Nintendo Wi-Fi Connection kommt es aber auch nicht daher. In weltweiten Ranglisten ist es jedem Farmer möglich, sich mit seinen Kumpanen in den unterschiedlichsten Kategorien zu vergleichen. Die Ergebnisse werden wöchentlich aktualisiert und der Erstplatzierte räumt „große Preise ab“ (verspricht die Verpackung, erleben durfte ich es auf Grund meiner miesen Fähigkeiten als Bauer nicht).

 

Neben den Ranglisten bietet das Spiel aber auch eine VoiceChat Funktion, bei der ihr euch mit anderen Harvest Moon Besitzern gemütlich über Gott und die Welt unterhalten könnt. Vorausgesetzt ihr habt eure Freundescodes ausgetauscht!

 

Einen Mehrspielermodus in Echtzeit werdet ihr also vergeblich suchen. Schade, da ein paar kleine Minispiele die man on- oder auf offline hätte gegeneinander ausfechten können dem Spielspaß sicher keinen Abbruch getan hätten. Eher das Gegenteil wäre der Fall gewesen.

 

 

Can‘t touch this!

 

Um es gleich vorweg zu sagen: die Steuerung des zweiten Harvest Moon DS-Teils ist mies; richtig mies. Zwar versuchen die Entwickler etwas mehr oder weniger Neues, schaffen es aber durch die Wahl des Berührens des Touchscreens als einziges Steuerungsmittel den Spieler zur Weißglut zu treiben.

 

Wie in Animal Crossing oder auch Zelda Phantom Hourglass steuert ihr euren kleinen Character durch antippen des Touchscreens eurer Konsole. Hier gilt auch die Regel, je weiter ihr von eurem Charakter entfernt ihr den Bildschirm berührt, desto schneller läuft dieser. Jedenfalls sollte diese Regel so gelten. In Wirklichkeit ist es aber so, dass der Charakter anscheinend willkürlich schnell oder langsam läuft. Oder auch gar nicht.

 

Bewegt man sich dann mal zu seinem Ziel und versucht Aktionen auszuführen (mit Jemandem reden, eine Pflanze gießen oder ernten, etwas aufheben, melken) muss man auf das gewünschte Objekt tippen. Dann sollte euer kleiner „Held“ die passende Aktion ausführen. Ihr ahnt es schon: hier liegt die Betonung auf „sollte“. Leider passiert das Ausführen aber genau so willkürlich wie das Laufen. Oft scheint es so, als sei man als Spieler einfach nur zu blöd, die 4x4 Pixel große Pflanze zu treffen, aber auch bei 6x6 Pixel großen Steinen tritt dieser Bug auf.

 

Diese beschädigte Steuerungsmöglichket zu der man durch das Fehlen einer Alternative gezwungen wird ist einfach nur nervig und nach nun mehr 5 Jahren Nintendo DS unnötig fehlerhaft. Wir wissen ja dank unter anderem oben genannter Titel, dass es auch richtig und richtig gut geht, Marvelous.

 

 

In einem kunterbunten Land

 

Bunt ist es in eurem kleinen Paradies. Und das nicht zu knapp. Teilweise sogar so bunt, dass man auf der auf dem Topscreen dargestellten Karte kaum noch erkennen kann, worum es sich bei diesem lila-blauen Fleck handelt.

 

Tatsächlich ist die Idee einer Karte auf dem oberen Bildschirm gar nicht schlecht. Man sieht sogar wo sich die Bewohner aktuell auf der Insel aufhalten. Repräsentiert werden sie durch ein kleines Bild ihrer Köpfe in der jeweiligen Regionen der Insel. Leider ist dieser Status statisch, was bedeutet, dass ihr nicht seht, wie und wo sich ein Bewohner gerade hinbewegt. Was schonmal dazu führen kann, dass er von dem Ort wieder verschwunden ist, bis ihr angekommen seid. Denn die Karte wird immer dann aktualisiert wenn ihr einen Bereich der Insel verlasst und einen neuen betretet.

 

Neben diesem netten „Gimmick“ der Übersichtskarte ist zur grafischen Umsetzung leider nicht mehr wirklich was positives zu sagen. Sicherlich hat man versucht über das GBA Niveau des Vorgängers heraus zu kommen und das ist zumindest teilweise gelungen, jedoch nicht besonders gut. Die Charaktere und wichtigsten Gegenstände sind zwar dreidimensional gestaltet, „detailreich“ und „präzise“ scheinen den Entwicklern aber Fremdwörter zu sein. Grafikmatsch ist das Ergebnis dieser Schluderei.

 

Nicht vergessen und loben will ich hier aber noch die schöne Umsetzung der vier Jahreszeiten, die man nicht nur grafisch sondern auch musikalisch super voneinander unterscheiden kann. Hier haben sich die Entwickler offensichtlich Mühe gegeben, wenigstens das nett umzusetzen. Gelungen ist es ihnen, auch wenn die immer gleichbleibende Musik während einer Jahreszeit nach zehn Minuten so gewaltig nervt, dass man den Ton seines DS ausschaltet. Lohnen tut es sich eh nicht, da eine Sprachausgabe oder Soundeffekte leider völlig fehlen.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Was unterm Strich rauskommt ist euch sicherlich klar. Harvest Moon - Mein Inselparadies ist ein Nachfolgetitel der Reihe, der zeigen wollte, was die Serie auf dem Nintendo DS zu Stande bringen kann. Dieser Plan scheint in der Entwicklungszeit aber ordentlich aus den Köpfen der Entwickler verschwunden zu sein, denn rausgekommen ist ein weiterer, beinahe unnötiger Titel der einst so erfolgreichen Simulationsserie.
Neueinsteigern in dieses Genre ist der Titel absolut gar nicht zu empfehlen, da er den Eindruck und die Möglichkeiten die hinter einer solchen Idee stecken sofort so vertrübt, dass man nie wieder Lust haben wird, sich einen anderen Titel anzusehen. Schnell einkehrende Eintönigkeit, kein Mehrspielermodus, schnell nervige Musik und eine lieblose grafische Gestaltung sowie die fehlerhafte Steuerung machen das Paradies zu einer Hölle für alle Gamer. Wer sich überlegt ins Genre einzusteigen oder einen neuen Titel dieses Genres sucht sollte zu Rune Factory greifen und diesen Harvest Moon Titel von ihrer Liste streichen. Die einzigen die über diese ganzen Makel hinwegsehen können sind wahrscheinlich nur die Sammler und absoluten Fans der Harvest Moon Reihe. Schade; Potenzial war da!

Grafik

ok

Sound

schwach

Steuerung

sch...

Spielspaß

ok

50%

Singleplayer

9%

Multiplayer

Release

12.12.20008

Developer

Marvelous Entertainment

Publisher

Rising Star Games

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (WLAN)

1-2


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes