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Reviews: Nintendo DS

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Scribblenauts

Sonstiges

15.10.2009

Autor: Mario Kablau

 

 

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

 

Stell dir vor, du bist in einer Welt, in der dir jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird. Alles, was du haben willst, kannst du einfach erscheinen lassen. Du kannst jede dir gestellte Aufgabe so lösen, wie du es willst. Alles ist möglich! Wäre das nicht toll?

 

So oder so ähnlich muss wohl der Ansatz gewesen sein, als die Jungs und Mädels bei 5th Cell die Idee für Scribblenauts hatten. Nachdem sie sich vor allem mit Lock’s Quest auf dem DS schon einen Namen gemacht hatten, wollten sie wohl etwas auf die Beine stellen, was es vorher noch nicht gegeben hat. Herausgekommen ist ein Rätselspiel, bei dem es völlig dem Spieler überlassen ist, wie er die gestellten Aufgaben lösen will.

 

Die Spielfigur heißt Maxwell und befindet sich in einer Welt, in der ihm diverse, voneinander komplett unabhängige Aufgaben gestellt werden. Bei jeder Aufgabe ist das Ziel, den Starite, der im Level zu finden ist, zu ergattern, indem man die gestellte Aufgabe löst. Doch auf welchem Weg das Ziel erreicht wird, hängt voll und ganz von der Kreativität des Spielers ab. Denn der Clou an dem Ganzen ist, dass man über eine Bildschirmtastatur jeden nur erdenklichen Gegenstand eintippen kann, der dann sogleich in der Spielwelt erscheint und eingesetzt werden kann, um das Ziel zu erreichen.

 

Dafür haben die Entwickler tausende Gegenstände in das Spiel eingebaut und ihnen jeweils auch noch mitgegeben, wie sie mit der Umwelt zu interagieren haben. Ein Beispiel: Wünscht man sich ein Flugzeug, dann kann man damit natürlich auch fliegen, braucht aber eine Startbahn, um abzuheben. Dahingegen kann ein Hubschrauber natürlich senkrecht starten. Wenn man nun einen Gegenstand mit dem Fluggerät transportieren will, dann verbindet man ihn einfach zum Beispiel durch ein Seil damit und schon kann es losgehen. Ebenso gibt es auch Umwelteinflüsse, die auf verschiedene Gegenstände unterschiedlich einwirken und wenn Personen oder Tiere im Spiel sind, dann können die sogar verschiedene Eigenschaften haben. Ein Hund kann also zum Beispiel entweder angriffslustig sein oder die Menschen gegen andere Gefahren verteidigen. Ebenso kann ein Mensch als Gauner unterwegs sein oder aber als hilfsbereiter Retter. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

 

 

Und worum geht’s genau?

 

Nachdem der Spieler in den ersten Übungsleveln mit den Interaktionsmöglichkeiten und der Steuerung vertraut gemacht wurde, beginnt das eigentliche Spiel. Es gibt jeweils 10 Gebiete mit 22 Aufgaben, die es zu lösen gilt. Die Aufgaben sind dabei pro Gebiet in zwei Gruppen unterteilt. Bei der einen Hälfte geht es im Aktionsmodus darum, den Starite zu erreichen, der irgendwo im Level herumliegt. Die andere Hälfte der Aufgaben im Rätselmodus wird gelöst, in dem man eine ganz bestimmte Aufgabe meistert, also zum Beispiel ein defektes Auto repariert oder den König zu seinem Schloss zurückbringt. Hat man den Auftrag erfüllt, erscheint der Starite und der Level ist geschafft.

 

Doch es einfach nur zu schaffen ist nicht genug, wenn man wirklich eine perfekte Lösung will. Spielt man ein Level nach dem ersten Durchgang erneut, dann kann man sich einer besonderen Herausforderung stellen. Die liegt darin, dass man die Aufgabe dreimal in Folge lösen und dabei jedes Mal auf komplett andere Gegenstände zurückgreifen muss. Hier wird die Kreativität also nach der Holzhammer-Methode erzwungen. Doch diese Herausforderungen muss man natürlich nicht alle bestehen, um im Spiel weiterzukommen. An dieser Ecke ist das Spiel sowieso sehr genügsam.

 

Nachdem man eine Aufgabe erfolgreich beendet hat, bekommt man Ollars. Diese Währungseinheit kann man dann dazu einsetzen, neue Gebiete freizuschalten oder um im Shop 30 zusätzliche Level oder Hintergründe und Musikstücke zu kaufen. Dabei reicht das Geld zum Freischalten des nächsten Gebietes meist schon deutlich bevor man alle Aufgaben des aktuellen Gebiets gelöst hat. Man kann also durchaus auch bestimmte Levels zurückstellen, wenn man auf keine Lösung kommt.

 

Die genaue Anzahl Ollars, die man erhält, hängt von vielen Dingen ab. Zum einen ist die Zeit wichtig, die man für die Aufgabe gebraucht hat und zum anderen der Weg, den man zum Ziel genommen hat. So hat jeder Level zum Beispiel einen „Par-Wert“, also eine vorgegebene Anzahl an Gegenständen, die man einsetzen sollte. Je weiter man darunter bleibt, umso mehr Bonus bekommt man. Außerdem gibt es extra Punkte, wenn man besonders kreativ ist, auf Waffeneinsatz verzichtet oder Gegenstände zum ersten Mal einsetzt.

 

Als kleinen Bonus kann man auch selbst Levels im Editor bauen. Dazu wählt man einfach eine Vorlage für den Hintergrund aus und setzt die Gegenstände so auf den Bildschirm, wie es einem passt. Zusätzlich kann man Menschen und Tieren noch eine Aufgabe geben, also zum Beispiel sagen, dass der Junge dem Mädchen nachlaufen soll, dass das Mädchen Angst vor dem Dieb hat oder dass der Goldfisch den Hai angreift. Diese Level kann man dann per drahtloser DS-Verbindung oder über die Wi-Fi Connection mit Freunden tauschen. Ein von den Entwicklern geprüftes oder unterstütztes Angebot gibt es an dieser Stelle aber leider nicht, das Tauschen geht nur mit Freunden.

 

 

Grafik und Sound!

 

Grafisch bewegt sich das Spiel nicht gerade auf einem besonders hohen Level, allerdings ist das auch verständlich, da man ja zigtausende Gegenstände unterbringen musste. Dafür sehen die Hintergründe und Figuren ganz nett aus und durch perspektivische Spielereien entsteht sogar ein gewisser 3D-Effekt. Dennoch ist der sehr stark überzeichnete Stil sicherlich nicht Jedermanns Sache, seinen Zweck erfüllt er aber auf jeden Fall.

 

Musikalisch ist das Spiel ein wenig besser, denn es gibt viel Auswahl und Variation bei den diversen Musikstücken. Da man sich zusätzlich noch weitere im Shop kaufen kann, fehlt es hier nur an wenig. Die Soundeffekte sind auch ganz gelungen, wenn sie auch teilweise sehr stark im Hintergrund bleiben. Aber die schiere Masse an Gegenständen, die Geräusche von sich geben, macht das auch nicht leicht.

 

 

Kreativ oder nicht kreativ?

 

Was ich bisher beschrieben habe, klingt ja eigentlich ausnahmslos positiv. Der Spieler bekommt alle Freiheiten, es gibt zahllose Level sowie ein Belohnungssystem und die Abwechslung dürfte auch nicht zu kurz kommt. Doch leider ist nicht alles Gold was glänzt und da ist auch Scribblenauts keine Ausnahme.

 

So schön die mögliche Kreativität auch ist, gibt es dennoch ein paar unschöne Folgen daraus. So kann vor allem der Schwierigkeitsgrad so extrem variieren, dass man leicht frustriert wird. Es gibt nämlich teilweise Aufgaben, die eine einfache und glasklare Lösung haben und dagegen andere, die auf den ersten Blick so komplex sind, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Okay, man kann argumentieren, dass ja genau das der Sinn des Spiels ist, allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass man als Spieler in der Lage sein muss, außerhalb der üblichen Muster zu denken, wenn man in Scribblenauts erfolgreich sein will. Der scheinbar logische Weg funktioniert nämlich leider nicht immer, da es doch einige Gegenstände nicht im Spiel gibt, die man hier und da gebrauchen könnte und weil die Gegenstände an sich total unflexibel sind. So hat eine Leiter immer dieselbe Größe, ein Seil immer dieselbe Länge und eine Brücke immer dieselbe Breite. Da das Spiel jedoch explizit als Kreativitätstrainer vermarktet wird, wollte ich an der Stelle nur darauf hinweisen.

 

Massig Wertungspunkte kostet jedoch die absolut unzureichende Steuerung. Dadurch das Maxwell immer zu dem Punkt läuft, den man auf dem Bildschirm antippt – wenn man keinen Gegenstand antippt – führt das am laufenden Band zum Scheitern. Verklickt man sich nämlich nur um einen Pixel, dann könnte Maxwell sich eine Sekunde später in einen Abgrund stürzen und man muss von vorne anfangen.

 

Ihr dürft euch das aber nicht als gelegentliches Problem vorstellen, sondern als andauerndes. Dazu kommt noch, dass das Bild nach 2 Sekunden immer wieder auf Maxwell zurück springt, so dass man dauernd in der Vorbereitung gestört wird. Tippt man nun im genau falschen Moment einen Gegenstand an, führt auch das oft zum scheitern. Da sich darüber hinaus einige der Gegenstände auch noch laufend bewegen, wird das Ganze noch mal schlimmer.

 

So genial das Konzept an sich auch ist und so toll die Umsetzung der kreativen Möglichkeiten des Spielers, diese einfach nur grottenschlechte Steuerung macht das fast komplett zunichte. Dazu ein Vergleich aus der echten Welt: Was nützt einem ein erstklassiges Auto, wenn es sich nicht lenken lässt? Richtig, gar nichts. Ganz so schlimm ist das bei Scribblenauts zwar nicht, denn bei bestimmten Aufgaben ist es egal, wenn man mal an eine falsche Stelle läuft oder einen Gegenstand im Eifer des Gefechts fallen lässt, um in der Analogie zu bleiben: auch mit einem Auto ohne Lenkrad kann man geradeaus fahren. Aber sobald man auf eine Kurve zu fährt, kommt man in Probleme. Und da Scribblenauts per Definition ein „kurvenreiches“ Spiel ist, braucht man zwingend ein Lenkrad, also eine gute Steuerung, um es richtig genießen zu können. Das haben die Entwickler leider total in den Sand gesetzt und somit eine Traumwertung verhindert.

 

Man kann dennoch hoffen, dass das tolle Grundkonzept nicht aufgegeben wird und sich die Macher für den Nachfolger etwas Besseres einfallen lassen werden. Ebenso wäre es super, wenn man, nachdem man einen Level komplett beendet hat, auch die Planlösung der Entwickler sehen könnte. Nicht zuletzt um zu sehen, ob es so was überhaupt gegeben hat, manchmal bezweifele ich das nämlich!

 

 

Vielen Dank an Warner Bros. Entertainment für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Scribblenauts ist wohl das kreativste Spiel aller Zeiten. Die Idee ist schlicht genial und an sich auch gut umgesetzt. Der Spieler kann machen was er will, um die zahlreichen Aufgaben zu lösen und bekommt somit reichlich Abwechslung und langen Spielspaß geboten. Allerdings ist es leider nicht immer Spaß, da die Steuerung leider so verhunzt ist, dass nicht wenige Levels alles andere als lustig sind. Nüchtern betrachtet kann man diesen Mangel einfach nicht ignorieren, weshalb die eigentlich verdiente Traumnote für das tolle Konzept und den großen Umfang sehr stark beschnitten werden musste. Nur wer resistent gegen Frustanfälle und dazu noch sehr kreativ ist, dem kann ich den Titel uneingeschränkt empfehlen, alle anderen dürften nur wenig Spaß damit haben.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

sch...

Spielspaß

ok

75%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

09.10.2009

Developer

5th Cell

Publisher

Warner Bros. Entertainment

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2

Anzahl Spieler (WLAN)

2


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