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Reviews: Nintendo DS

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Carcassonne

Strategie

06.12.2009

Autor: Mario Kablau

 

 

Ein Abenteuer in Carcassonne!

 

Neuerdings ist es irgendwie in Mode gekommen, dass bekannte Brettspiele auf Konsolen umgesetzt werden. Neben Klassikern wie Monopoly sind jetzt auch immer mehr eher unbekannte Spiele mit dabei, die sich allerdings durchaus für eine solche Digitalisierung eignen können. Als großer Fan des Strategiespiels Carcassonne war es für mich eine gute Nachricht, dass es nun auch für den DS erhältlich ist. Also habe ich mir das Muster geschnappt und mich in die digitale Welt des Spiels entführen lassen. Doch zunächst ein paar Worte über das Spielprinzip.

 

In Carcassonne geht es darum, möglichst viele Punkte zu machen, um am Ende als Sieger hervorzugehen. Punkte sammelt man durch das Legen von Spielkarten und das Setzen von Figuren. Im ursprünglichen Spiel gibt es auf den quadratischen Spielkarten die vier verschiedenen Bereiche Straße, Wiese, Stadt und Kloster. Der Reihe nach ziehen die Spieler jeweils eine Karte und legen diese an. Dann, und nur dann, kann man eine Spielfigur auf die soeben gelegte Karte setzen, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. So kann pro Straße nur ein Wegelagerer platziert werden, jede Stadt nur von einem Ritter besetzt sein, in einem Kloster nur ein Mönch hausen und auf jeder Wiese nur ein Bauer liegen.

 

Eine einmal gesetzte Spielfigur bleibt an Ort und Stelle, bis der jeweilige Bereich abgeschlossen ist. Ist die Stadt also komplett von Mauern umgeben, dann bekommt der Spieler, dem die Stadt gehört, Punkte dafür und erhält die Figur zurück. Der Besitzer ist derjenige, der die meisten Ritter in der Stadt hat. Aber halt, habe ich nicht gerade geschrieben, dass nur ein Ritter pro Stadt möglich ist? Ja, das habe ich, jedoch ist es nicht ganz so einfach. Es kann nämlich durchaus passieren, dass eine Karte zwei bisher getrennte Städte zu einer werden lässt. Wenn nun in den ehemaligen Einzelteilen jeweils eine Figur von zwei Spielern steht, dann gehört die Stadt bei Vollendung beiden gemeinsam und sie bekommen jeweils Punkte. Hat ein Spieler zwei Figuren und der andere nur eine, dann gibt es wieder einen klaren Gewinner. Dieses Prinzip gilt bei alle anderen Bereichen auch, wobei eine Straße durch Kreuzungen oder Stadttore abgeschlossen wird und ein Kloster, wenn alle acht Felder um es herum mit Karten belegt sind. Wiesen geben erst am Ende des Spiels Punkte, so dass es hier keine Abschlüsse gibt.

 

Mir ist durchaus bewusst, dass diese Erklärung vermutlich nicht 100%ig erschließen lässt, was das Spiel alles bietet, aber dazu ist es einfach zu komplex. Die Möglichkeiten der Interaktion sind extrem vielseitig und die strategische Komponente quasi Dauergast, da man nicht nur die gezogene Karte sinnvoll ablegen, sondern auch noch planen muss, wo man am besten eine Figur abstellt. Da man nur sieben Männchen hat, gilt es darüber hinaus auch noch aufzupassen, dass man stets handlungsfähig bleibt.

 

Als Brettspiel bereitet mir Carcassonne schon seit Ewigkeiten sehr viel Spaß, vor allem, weil man es ohne Weiteres auch nur zu zweit spielen kann. Auf dem DS ist es nun sogar alleine möglich, was für mich den besonderen Reiz des Titels ausgemacht hat. Doch obwohl das Spiel an sich gut umgesetzt wurde und sogar ein Erweiterungspaket (Fluss) enthält, ist es leider doch nicht das, was ich mir davon versprochen habe. Warum?

 

 

Ein Strategiespiel erfordert eine Strategie...

 

Das Brettspiel macht mir besonders viel Spaß, weil ich im Laufe der Zeit diverse Strategien entwickelt habe, mit denen ich meinen Gegenspielern auf vielfältigen Wegen gegenübertreten kann. Für meine häufigen Gegner gilt das genauso, so dass unsere Spiele immer extrem spannend und ergebnisoffen sind. Es gibt so viele Möglichkeiten, Carcassonne zu gestalten, dass es einfach nie langweilig wird. Lediglich, wenn man neue Spieler dazu nimmt, wird es anfangs etwas öde, weil man eine ganze Weile braucht, um das Prinzip zu verinnerlichen und wirklich zu spielen. Anfangs versteifen sich viele nämlich hauptsächlich darauf, die Gegner zu stören, also zu reagieren, statt selbst zu agieren. Und blöderweise machen die Gegner im DS-Spiel genau dasselbe.

 

Spiel man im Abenteuer-Modus, dann wird man zunächst langsam an das Spielprinzip herangeführt und lernt so nach und nach die verschiedenen Karten, Figuren und Möglichkeiten kennen. Sobald man das drauf hat, beginnt es spannend zu werden, auch wenn die Rahmenhandlung drum herum eher nicht erwähnenswert ist. Das Problem ist jedoch, dass die gegnerischen Spieler ihre Karten immer so platzieren, dass sie bei einem den größtmöglichen Schaden anrichten. Sie legen ihre Karten also immer so ab, dass man selbst angefangene Bereiche nur noch schwer abschließen kann. Bietet sich hingegen durch eine gute Karte eine viel bessere Möglichkeit, dann greifen sie doch stets den menschlichen Spieler direkt an. Somit hat man einzig die Möglichkeit, dieselbe Strategie zu verfolgen und gleichzeitig daran zu arbeiten, möglichst kleine Städte und kurze Straßen zu vollenden, um Punkte zu sammeln.

 

Was also anfangs für Neulinge vielleicht noch spannend sein könnte, ist für Spieler, die bereits das Brettspiel kennen, schnell extrem nervig. Man bekommt nie die Möglichkeit, eine Strategie zu entwerfen und an die jeweiligen Karten anzupassen, sondern spielt Level für Level nach dem gleichen Muster. Das wird dann natürlich zum einen langweilig und zum anderen auch frustrierend, weil dabei fast ausschließlich das Glück beim Ziehen der Karten über den Ausgang der Partie entscheidet. Ich war schon am Ende des ersten Kapitels so genervt, dass ich eigentlich keine Lust mehr hatte, aber die Neugier hat mich dann doch noch weiter getrieben. Das Ende der vier Kapitel umfassenden Geschichte habe ich jedoch nicht erreicht, da mir nach dem 50. Durchgang nach dem selbem Muster dann doch endgültig der Spaß am Abenteuer vergangen ist. Dagegen hilft auch die Schnellspiel-Option nicht viel, denn obwohl man Anzahl und Stärke der Gegner selbst definieren kann, ist die Strategie hier immer noch stets dieselbe.

 

Einzig der Mehrspieler-Modus ist eine wirkliche Alternative zum Original, da man mit nur einer DS-Karte zu fünft Carcassonne ohne viel Platzbedarf spielen kann. Es wird also auch im Zug oder im Auto eine echte Option. Hat jeder Spieler eine DS-Karte, wird es etwas komfortabler, weil sich die Ladezeiten dadurch natürlich deutlich verkürzen. Gäbe es einen Online-Modus, dann wäre ich vermutlich gar nicht zum schreiben dieses Testberichtes gekommen.

 

 

Technik und Steuerung

 

Grafisch ist der Titel erwartungsgemäß keine Augenweide. Zwar bieten die drei Zoomstufen einen guten Überblick über das mehr als ausreichend große Spielfeld, jedoch vermisst man Details und die speziellen Eigenarten eines Videospiels. Es wurden lediglich die Karten programmiert, weshalb alles absolut platt aussieht. Lediglich herumfliegende Vögel (im Wesentlichen kleine Pixelhaufen mit Schattenwurf) sorgen für etwas Abwechslung. Es ist wirklich schade, dass die Entwickler nicht die Möglichkeit genutzt haben und die Welt dreidimensional erscheinen zu lassen. So bleibt auch hier der Eindruck bestehen, dass der Titel eher „mal eben so“ programmiert wurde. Ähnliches gilt für die musikalische Untermalung. Hier gibt es quasi keine Abwechslung und Soundeffekte abseits des „Flup“, wenn man eine Karte ablegt, sucht man vergeblich.

 

Dagegen ist die Steuerung absolut einwandfrei umgesetzt. Die Karten lassen sich einfach per Touchpen vom Stapel ziehen und anlegen; gedreht werden sie per Schultertasten. Nachdem man eine Karte abgelegt hat, zeigt das Spiel automatisch an, wo man eine Figur setzen könnte. Klickt man einen dieser gelben Punkte an, dann ist das Männchen da und der Zug kann abgeschlossen werde. Über die „zurück“ Funktion lässt sich alles vor Abschluss des Zuges noch einmal rückgängig machen. Vorbildlich ist an der Stelle auch, dass angezeigt wird, wo man die aktuelle Karte anlegen kann, was den Einstieg für Neulinge etwas einfacher macht.

 

 

Vielen Dank an Koch Media für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Als ich Carcassonne für den Nintendo DS entdeckt habe, war die Freude groß, denn das Brettspiel macht mir schon lange Spaß. Allerdings haben die Entwickler es leider versäumt, den an sich umfangreichen Abenteuer-Modus spannend zu gestalten, da die Gegner nur eine immer gleichbleibende Strategie verfolgen, was auf Dauer sehr langweilig ist. Auch technisch wurde die Chance vertan, dem Spiel Leben einzuhauchen. Lediglich die optimal umgesetzte Steuerung und der gute Mehrspieler-Modus, der Carcassonne jetzt auch ohne viel Platzbedarf und mit nur einer DS-Karte genießbar macht, sorgen dafür, dass ich Fans des Originals eine Empfehlung geben kann. Allerdings nur, wenn man Freunde hat, die auch Willens sind, es auf dem DS zu spielen, denn einen Online-Modus gibt es leider nicht.

Grafik

schwach

Sound

schwach

Steuerung

gut

Spielspaß

schwach

49%

Singleplayer

72%

Multiplayer

Release

23.10.2009

Developer

Independent Arts

Publisher

Koch Media

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (WLAN)

2-5


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