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Reviews: Nintendo DS

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Pokémon Silberne Edition - SoulSilver

RPG

27.05.2010

Autor: Martin Küpper

 

 

Die gute alte Zeit…

 

Das Zimmer schaut noch fast genauso aus wie damals. Nur die aufpolierte Optik und die Wii neben dem Fernseher zeugen davon, dass neun Jahre vergangen sind. Ich seufze, ist es normal, dass man mit 20 Jahren anfängt, von der guten alten Zeit zu schwärmen? Als ich dieses Zimmer das erste Mal betreten habe war ich 11, hatte die Grundschulzeit und deren Pokémon-Wahn hinter mir gelassen und fühlte mich eigentlich zu alt, um weiter Taschenmonster zu jagen. Hätte mir damals jemand erzählt, dass ich dieses Zimmer auf einem Handheld mit zwei Bildschirmen, Touchscreen, Onlinefunktionen und 3D-Grafik in neun Jahren wieder besuchen würde, ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Doch hier sitze ich nun, mit dem DSi in der Hand und Pokémon Soulsilver im Modulschacht. Ich fühle mich als wäre ich wieder 11 – ein tolles Gefühl.

 

Auf den ersten Blick hat sich in der Spielwelt Johto nicht viel getan. Das Abenteuer startet nach wie vor im verschlafenen Dorf Neuborkia. Bei Professor Lind gilt es sich für das erste Pokémon zu entscheiden, das einen fortan als treuer Gefährte begleiten wird. Karnimani, Feurigel oder doch Indivie? Hat man sich schließlich für eines der drei Pokémon entschieden, kann das Abenteuer beginnen!

 

 

Pokémon Crashkurs

 

Moment! Du kennst Pokémon noch gar nicht? An dieser Stelle folgt ein Crashkurs in die Welt der Pokémon, alt eingesessene Fans können den folgenden Absatz also getrost überspringen.

 

Pokémon sind Wesen, die schon seit vielen Generationen in völliger Harmonie mit den Menschen existieren. In hohem Gras lassen sich viele wilde Pokémon finden, die man mit einem Pokéball fangen kann. Bis zu sechs gefangene Pokémon kann man mit sich führen, die anderen werden in einer Box verstaut, können aber ins Team getauscht werden. Die mitgeführten Pokémon können im Kampf gegen wilde Pokémon oder in Trainerkämpfen eingesetzt werden. Dabei ist der Typ des Monsters ein entscheidender Faktor, da das Spiel auf das bekannte Stein-Schere-Papier-System setzt. Das heißt Wasser ist effektiv gegen Feuer, Feuer gegen Pflanze und Pflanze wiederum gegen Wasser. Für jeden gewonnenen Kampf bekommen die eingesetzten Pokémon Erfahrungspunkte. Ist eine gewisse Anzahl erreicht, steigen sie einen Level auf und werden stärker. Manche Pokémon können sich sogar in eine neue Form entwickeln. Das lässt sich gut mit der Entwicklung einer Raupe zum Schmetterling vergleichen.

 

Das Ziel des Spiels ist es, möglichst alle Pokémon zu sammeln und der beste Pokémon-Trainer des Universums zu werden. Größenwahn² und dementsprechend nicht einfach zu bewerkstelligen. Viele Pokémon sind überaus selten und nur sehr schwer zu fangen. Auf dem Weg nach ganz oben, gilt es, sich mit unzähligen Konkurrenten zu messen und in speziellen Arenen Orden zu verdienen, um schließlich gegen die Top 4 und den absoluten Champion anzutreten.

 

 

Ich will der Allerbeste sein!

 

Wie üblich startet das Spiel recht gemütlich und nimmt sich viel Zeit, den Spieler in die Welt einzuführen. Wer den letzten Abschnitt also Kopf kratzend gelesen hat, dem sein versichert, dass der Einstieg sehr leicht fällt. Alteingesessene Fans kann der ruhige Beginn hingegen etwas nerven, doch wer die ersten Stunden hinter sich gebracht hat, der wird feststellen, dass dieser sanfte Einstieg nötig ist, um die Geschichte zu erzählen. Das Gefühl, als kleiner Niemand zu beginnen und gegen Ende Alles und Jeden besiegen zu können, könnte ja kaum vermittelt werden, wenn man direkt in den ersten Minuten gegen die Top 4 antreten würde. Das würde die Motivation, zum Besten der Besten aufzusteigen, einfach nicht fördern. Jedoch ist die erste halbe Stunde wirklich deutlich zu langatmig und zäh wie Kaugummi.

 

Anders als bei Kaugummi nimmt der Geschmack, respektive der Spielspaß, aber nicht ab, sondern kontinuierlich zu. So werden zwei Aspekte, die in anderen Spielen eher nerven zur Hauptmotivation. Die Rede ist vom Sammeln und Trainieren der Monster. Klar, auch in Pokémon gibt es Situationen, in denen man sich wünschte, man könne die Zeit vorspulen, um das Trainieren der eigenen Monster zu beschleunigen. Doch jedes Level Up ist Motivation genug, um den Spieler bei der Stange zu halten, zumal man mit der richtigen Taktik und vielen heilenden Items, auch ohne stundenlanges Training gut vorwärts kommt. Wer wirklich alles sehen möchte und auch den härtesten Brocken (Rot, den Held aus dem Vorgänger) besiegen möchte, kommt nicht herum, Stunden in das Spiel zu investieren. Wie lange man an Pokémon hängt? Das können bis zu 100 Stunden sein, wenn nicht gar mehr. Es kommt eben ganz darauf an, wie viel man vom Spiel sehen und ob man wirklich alle Pokémon fangen möchte.

 

So einfach wie im Crashkurs beschrieben ist das Fangen nämlich nicht immer. Einige Pokémon kann man nur bei bestimmten Ereignissen fangen, andere tauchen im Spiel erst gar nicht auf und können nur per Tausch erhalten werden (dazu später mehr). Durch den Tag- und Nachtwechsel des Spiels, der sich nach der Uhr des DS richtet, tauchen manche Pokémon auch nur zu bestimmten Tageszeiten auf, mansche sogar nur an bestimmten Tagen. Durch diese, an Animal Crossing erinnernde, Zeit-Einbindung wird das Erlebnis Pokémon über den Bildschirm hinaus transportiert. Wenn man beispielsweise ein Lapras fangen möchte, dann muss man an einem Freitag zu einem bestimmten Platz im Spiel reisen und das dementsprechend planen. Alternativ kann man natürlich auf die Uhr des DS umstellen, aber ihr wollt doch nicht das Zeitkontinuum in Gefahr bringen! Nachher wird aus Hillvalley noch Hellvalley.

 

 

Was ist neu?

 

Jetzt aber mal Butter bei die Fische! Was ist denn nun neu am Remake? Die offensichtlichste Änderung habe ich eingangs ja schon angesprochen. Das Spiel erstrahlt dank aufpolierter Optik in neuem Glanz. Okay, Glanz ist vielleicht etwas hoch gegriffen, denn der aus Diamant, Perl und Platin bekannte Grafikstil ist nach wie vor Geschmackssache und ganz sicher nicht mal ansatzweise das, was der DS maximal leisten könnte, aber es schaut doch recht nett aus. Gleiches gilt übrigens auf für den Sound, der natürlich aus typischem „Pokémon-Gedudel“ besteht. Nett anzuhören, aber einen Oskar gibt es auch hier für nicht.

 

Eine weitere Neuerung ist, dass euch – ähnlich wie in der gelben Edition – ein Pokémon auf Schritt und Tritt folgt. Das ist nett anzusehen, hat spielerisch aber nicht sonderlich viel Einfluss. Hin und wieder findet es ein Item, das war es aber auch schon. Interessanter ist da schon die verbesserte Bedienung. So ist zum Beispiel der Pokécom auf dem Touchscreen um einiges leichter zu bedienen. Anstelle ewig durch Menüs zu scrollen, tippt man sich hier schnell zu den gewünschten Optionen. Ein wahrer Segen ist die Option Laufschuhe, mit denen man schneller unterwegs ist, bequem auf dem Touchscreen zu aktivieren. Damit wird das stetige Drücken der B-Taste überflüssig.

 

Der Pokécom selbst hat einige wirklich nützliche Funktionen, ihr könnt Radio hören, die Weltkarte aufrufen und mit dem Handy telefonieren. Viele Charaktere im Spiel fragen euch nach eurer Nummer, um in Kontakt mit euch zu bleiben. Leider haben diese Charaktere nur selten etwas zu sagen, etwa dass sie ein Item für euch haben. Das wäre ja gar nicht schlimm, wenn sie euch nicht andauernd mit Anrufen terrorisieren würden und euch von langweiligen, total belanglosen Dingen erzählen würden. „Ich habe neulich fast ein Knofensa besiegt!“ Wen interessiert das? So wird die gute Idee schnell nervig, so dass man die Anrufe schnell nicht mehr entgegen nimmt. Natürlich dürft ihr nun auch online Pokémon tauschen und gegen andere Trainer kämpfen. Das ging bei den Vorgängern auf dem Gameboy Color natürlich nicht. Der Multiplayer-Aspekt wird so weiter verstärkt und merklich aufgewertet.

 

Die beste Neuerung ist meiner Meinung nach aber der Pokéthlon. Nördlich von Dukatia City könnt ihr mit euren Pokémon in einem Sportturnier antreten und tolle Preise gewinnen. In den fünf Turnieren Tempo, Kraft, Technik, Ausdauer und Sprung, die aus jeweils drei Disziplinen bestehen, kommt der Touchscreen zum Einsatz. Die Disziplinen wie Hürdenlauf, Schneeballschlacht, Fußball oder das Zerschmettern von Steinplatten, machen eine Menge Spaß. Hat man ein Turnier beendet, bekommt man sogenannte Athletenpunkte, die man dann im Shop gegen Preise eintauschen kann. Leider wechseln die Preise täglich, so dass es manchmal einfach nichts gibt, für das man sich interessiert und man muss bis zum nächsten Tag warten. Ebenfalls schade ist, dass der Pokéthlon nicht besser in die Story eingebunden worden ist oder zumindest Auswirkungen auf die Pokémon haben würde. Eine gelungene Abwechslung ist der Wettkampf aber auch so.

 

 

Der PokeWalker

 

Dann gibt es da natürlich noch das mitgelieferte Gerät namens PokeWalker, das stark an ein Tamagochi erinnert. Man kann ein Pokémon aus dem Spiel auf den PokeWalker übertragen, durch den eingebauten Schrittzähler erhält man nun Watt, wenn man das Pokémon mit sich rum trägt. 20 Schritte ergeben 1 Watt. Mit dieser Währung kann man nun verschiedene Dinge anstellen, so etwa versuchen, Pokémon zu fangen oder Items zu bekommen. Zusätzlich gewinnt das Pokémon, das man mit sich rum trägt, Erfahrung (1 Erfahrungspunkt pro Schritt). Leider kann es aber maximal nur ein Level aufsteigen, eine sehr merkwürdige Regelung, die man durch umständliches hin und her tauschen zwischen DS und PokeWalker umgehen kann. Insgesamt ist das Gerät eine nette Dreingabe, die durchaus Sinn macht, aber vermutlich nicht Jeden begeistern wird.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Pokémon SoulSiver und HeartGold haben noch immer das immense Suchtpotential von damals und bieten mit insgesamt 16 Orden und zwei Regionen (Johto und Kanto) das wohl umfangreichste Pokémon-Abenteuer. Mir tun Leute wie Mario leid, die Pokémon nicht mehr faszinieren kann. Wer sich zu alt für Pokémon fühlt, der verpasst eines der komplexesten, umfangreichsten Spiele in der gesamten DS-Bibliothek. Hinter der kindlichen Präsentation verbirgt sich ein gigantisches Abenteuer für kleine wie große Spieler. Wer Silber/Gold verpasst hat, sollte definitiv zuschlagen und selbst wenn ihr eine der Episoden schon auf dem Gameboy Color gespielt habt, lohnt sich ein Kauf. Es hätte zwar gerne mehr Neuerungen geben können, doch alleine die verbesserte Bedienung, die aufpolierte Präsentation und der Online-Modus rechtfertigen den Kauf in meinen Augen. Aufgrund des größeren Umfangs und des PokeWalkers gibt es sogar drei Prozentpunkte mehr als für Diamant & Perl.

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

super

Spielspaß

super

88%

Singleplayer

85%

Multiplayer

Release

26.03.2010

Developer

Nintendo

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2-5

Anzahl Spieler (WLAN)

2-5


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