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WarioWare: D.I.Y.

Party

20.05.2010

Autor: Mario Kablau

 

 

WarioWare zum Selbermachen!

 

Seit ich das erste Mal WarioWare gespielt habe, bin ich von dem Konzept fasziniert. Die Entwickler setzen nun schon viele Jahre auf jeder Konsole gekonnt die Stärken eben dieser in einem Spiel, das aus vielen winzigen Spielen besteht, ein. In einem bunten Mix aus Aufgaben, die jeweils maximal fünf Sekunden in Anspruch nehmen, muss man schnell erkennen, was verlangt ist und das dann im Zeitlimit in die Tat umsetzen. Neben dem Klassiker, in einer Nase zu popeln, befinden sich in jeder Version dutzende Aufgaben, die perfekt an das System angepasst sind. So setzt die DS-Version auf Berührungen, eine GBA-Version dank Tilt-Modul auf Drehungen, die Wii-Version auf das Posen mit der Wii-Fernbedienung und die DSiWare-Version auf Steuerung mittels des eigenen Gesichts.

 

Doch all das verblasst neben den Möglichkeiten, die man in D.I.Y., also „Do It Yourself“ hat. Zwar gibt es auch hier wieder einige Dutzend Spiele, die sich per Touchpen meistern lassen, jedoch liegt der Fokus ganz klar darauf, selber Spiele zu bauen. Daher ist das Kernstück der extrem umfangreiche und vielseitige Editor, mit dem man wirklich alles im Spiel selbst gestalten kann, aber dazu komme ich später noch im Detail. Eine Schattenseite der neuen Version ist, dass nur noch eine Geste erkannt wird, nämlich eine Berührungen mit dem Touchpen. Rubbeln, ziehen, schleudern, drehen und die ganzen weiteren, die man aus „Touched“ kennt, gibt es nun nicht mehr. Doch wie ihr gleich verstehen werdet, ist diese Entscheidung durchaus nachvollziehbar, denn auch mit nur einer Geste ist die Programmierung unglaublich vielseitig. Außerdem bietet Nintendo auch noch eine Version für WiiWare an, auf der man die mit dem DS erstellten Spiele dann auch spielen kann und die einzige Gemeinsamkeit von Stylus und Wiimote ist nunmal antippen, bzw. anklicken. Aber kommen wir zum Wesentlichen...

 

 

 

Ein Editor (fast) ohne Grenzen!

 

Nach dem Start des Spiels landet man zunächst auf einer Karte, die zu den verschiedenen Gebieten des Spiels führt. Zu Beginn ist die WarioWare, Inc. das wichtigste Ziel, denn hier bekommt man in verschiedenen Tutorials sehr ausführlich erklärt, wie man Spiele, Musik und sogar eigene Comics selbst erstellt. Unterstützt wird man dabei von Wario höchstpersönlich, der durch seine Art, einerseits alles selber machen zu wollen aber andererseits total faul zu sein, für viele Lacher sorgt. Und um die Komplexität und Vielseitigkeit zu erläutern, gebe ich euch einfach mal ein komplettes Beispiel. Gebaut werden die Spiele im Studio.

 

Ein Spiel braucht immer zuerst eine Idee. Ihr müsst wissen, was der Spieler später machen soll, um das Ziel zu erreichen. Anfangs war ich hier etwas unkreativ, aber nachdem man das Tutorial beendet und die Zusatzhilfen gespielt hat, sollten genug Ideen vorhanden sein. Der erste Schritt in der eigentlichen Erstellung des Spiels ist dann der Hintergrund. Dieser lässt sich in einem Zeicheneditor ganz einfach selbst erstellen. Entweder, man greift auf einfache Werkzeuge, wie Pinsel, Spraydose oder bestimmte Formen zurück oder man nutzt die zahllosen Hilfsmittel, um zum Beispiel komplexere Objekte (z.B. Super Mario, Kugelwilli etc.) in den Hintergrund einzubauen. Und wenn einem die vielen Texturen nicht reichen, macht man sich einfach selber welche. Auch das geht per Touchpen kinderleicht von der Hand.

 

Wenn der Hintergrund fertig ist, benötigt man als nächstes Objekte, mit denen der Spieler irgendwas machen soll. Diese Objekte können in verschiedenen Größen auch komplett selbst gezeichnet und mit Texturen und Farben belegen werden. Dabei muss alles, was sich im Spiel verändern oder bewegen können soll, als Objekt erstellt werden, alles andere gehört zum Hintergrund. Und da reglose Objekte relativ langweilig sind, lassen sich auch Animationen erstellen. Ein Objekt besteht aus maximal vier Animationsphasen, die in unterschiedlicher Geschwindigkeit ablaufen können, um eine Animation zu erzeugen. Zusätzlich dazu besteht jedes Objekt aus maximal vier Grafiksets, so dass es sich durch Aktionen im Spiel auch optisch verändern lässt.

 

Hat man die gewollten Objekte erzeugt, die man übrigens auch aus anderen Mikrospiele importieren kann, sogar aus den 90, die schon dabei sind, geht es an die Logik des Spiels. Man legt die KI der einzelnen Objekte fest, sagt ihnen also im Wesentlichen, wann sie was tun oder lassen sollen. So kann eine Berührung mit dem Stylus zum Beispiel eine Animation auslösen, die Kollision mit einem anderen Objekt einen Sound erzeugen oder das Erreichen eines bestimmten Zeitpunktes zu einer Bewegung führen, die vorgegeben oder zufällig sein kann. Es gibt jede Menge Aktionen, die ebenso viele Reaktionen nach sich ziehen können. Durch gekonnte „und“ bzw. „oder“ Verknüpfungen lassen sich wirklich komplexe Spiele erzeugen. Wichtig ist auch, dass man die Siegesbedingungen festlegt, denn es muss ja schließlich klar sein, wann das Spiel geschafft ist.

 

 

Dazu ist ein Spiel ohne Musik natürlich nicht besonders spaßig. D.I.Y. bietet drei Möglichkeiten, die eigenen Kreationen mit Musik zu unterlegen. Die einfachste ist es, ein Stück aus einem anderen Mikrospiel zu importieren. Auch hier darf man auf das gesamte Repertoire des Titels zurückgreifen. Alternativ gibt es einen eingebauten Komponisten, der Stücke nach den Vorgaben des Spielers – zum Beispiel „fröhlich“ – erstellt. Darüber hinaus kann man die Musik auch noch komplett selbst komponieren. Dies geht sehr leicht im Tonstudio, wo man fünf Tonspuren und eine Rhythmus-Spur mit Inhalten füllen kann. Die Auswahl an Instrumenten ist recht groß, der Kreativität sind also auch hier fast keine Grenzen gesetzt.

 

Danach sollte man das Spiel abschließend testen und schon kann man es selbst genießen, Freunden schicken oder online für alle zur Verfügung stellen. Auf denselben Wegen darf man sich natürlich auch an den Kreationen anderer Spieler erfreuen. So viele Möglichkeiten bot WarioWare noch nie. Und übrigens gibt es neben dem Tutorial auch noch ein Dojo, in dem man 20 fast fertige Aufgaben vollenden muss. Hier lernt man extrem viele Tricks für Fortgeschrittene, die für abwechslungsreiche Spiele unerlässlich sind.

 

Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch einen Editor für Musik und einen zum Erstellen von eigenen Comics. Ersterer macht es möglich, lange Musikstücke mit bis zu 24 Phasen zu komponieren, der Editor für Mikrospiele erlaubt nur zwei davon. Im Comic-Kreativator zeichnet man Comics mit bis zu vier Bildern, allerdings ohne Farbe. Auch diese beiden Typen von Eigenkreationen lassen sich mit anderen Spielern tauschen und natürlich gibt es auch hiervon ein gewisses Grundgerüst direkt im Spiel, um sich Inspiration zu holen. Vor allem der mehrteilige Helden-Comic ist wirklich gut gelungen!

 

Zuletzt ist noch der D.I.Y. Shop erwähnenswert, denn hier lassen sich die mitgelieferten, die eigenen und die herunter geladenen Mikrospiele entweder einzeln oder in einem bunten Mix spielen.

 

 

Eine kreative Welt!

 

Will man Spiele mit Fremden oder Freunden teilen oder sich von anderen erstellte Spiele herunterladen, dann hilft dabei die Versandzentrale. Hier legt man zuerst fest, ob man sich drahtlos mit einem anderen DS oder einer Wii verbinden will oder sich per Wi-Fi Connection der Welt öffnen möchte. Auf einer Wii-Konsole können die Spiele jedoch nur gespielt werden, wenn man auch die dazugehörige Software hat, die 800 Punkte kostet.

 

Die Möglichkeiten hier sind recht vielseitig und mich wundert es ehrlich gesagt ein wenig, dass man so ohne Weiteres alles online stellen darf. Normalerweise ist Nintendo da sehr viel härter. Gerade weil man hier Hintergründe und Objekte komplett selbst erstellt, könnten Spiele schon mal jenseits von Gut und Böse liegen. Aber gut, ich will mich über so viele Freiheiten nicht beschweren, sondern freue mich darüber.

 

 

Wer keinen DS hat, kann sich die WiiWare-Version übrigens auch gerne herunterladen, denn natürlich kann man auch damit auf die Inhalte anderer Spieler zurückgreifen. Spiele selbst zu erstellen ist jedoch nur auf dem DS direkt möglich, auf der Wii geht es nur ums Spielen, weshalb ich 800 Punkte auch deutlich zu teuer finde. Ein Download-Coupon für Käufer des Hauptspiels wäre in meinen Augen Pflicht gewesen, damit kreative Köpfe motiviert werden, sich auch auszutoben. Im Prinzip ist das Spiel auf der Wii ja eh nur ein Auszug aus dem Hauptspiel. Aber was soll’s.

 

Jedenfalls ist das Angebot schon kurz nach dem Launch des Titels relativ groß und auch einige VIPs haben Spiele bereit gestellt, darunter zum Beispiel auch der Smash Bros. Chef Sakurai. Zusätzlich zu den 90 Mikrospielen, die bereits enthalten sind, findet man hier also zahllose weitere und kann sich auch ohne eigene Kreativität immer wieder neu versorgen.

 

 

Die technische Seite

 

Technisch war WarioWare ja noch nie das Nonplusultra auf der jeweiligen Konsole und auch bei D.I.Y. trifft das zu. Außerdem schränkt die Tatsache, dass sämtliche Hintergründe und Objekte auch vom Spieler selbst editiert und damit auch reproduziert werden können, alles auf die Möglichkeiten des Editors ein. Das bedeutet, dass die Anzahl Farben ebenso eingeschränkt ist wie die Instrumente bei der Musik. Eigene Fotos oder Songs lassen sich also nicht verwenden, was allerdings auch grundsätzlich schon daran scheitern würde, dass der Titel keine DSi-Fähigkeiten unterstützt, was wirklich schade ist. Es wäre doch echt cool gewesen, sich selbst in ein Spiel bringen zu können.

 

 

Jedenfalls hat die Technik aus den genannten Gründen leider einen kleinen Rückschritt gemacht, allerdings bekommt man dank dieser Einschränkungen so viele Spiele wie noch nie zuvor. Und auch mit den Werkzeugen im Spiel kann man schon recht hübsche Dinge selber basteln, man muss nur die Muße dazu haben. Die Entwickler haben bei den eingebauten Spielen jedenfalls gezeigt, dass es möglich ist.

 

Sound und Musik sind gewohnt gut. Die mitgelieferten Stücke überzeugen und passen gut zu den Spielen. Viel geboten bekommt man leider nicht, dafür kann man aber jeden Song selbst in den Editor importieren und nach Lust und Laune verändern.

 

 

Meckerecke

 

Einige Kritikpunkte habe ich im Test zwar schon genannt, aber ich will dennoch ein paar weitere Worte dazu verlieren. Die für mich größte Schwäche des Titels ist die eingeschränkte Steuerung. Dass man nur durch eine Geste (antippen) mit Objekten interagieren kann hat WarioWare eigentlich schon lange hinter sich gelassen, hier muss man aber wieder damit Vorlieb nehmen. Das ist wirklich schade, denn viele meiner Spielideen lassen sich damit einfach nicht umsetzen. Allerdings kann ich die Entscheidung auch nachvollziehen, vor allem, weil es sonst sehr kompliziert geworden wäre, ein gut funktionierendes Spiel selbst zu erstellen.

 

 

Darüber hinaus finde ich die quantitativen Einschränkungen im Editor manchmal etwas zu eng. Für Objekte hat man insgesamt nur 256 Punkte zur Verfügung, die extrem schnell verbraucht sein können. Ein Objekt benötigt, je nach Größe, zwischen 1 und 16 Punkte für jedes Frame. Eine Animation, die aus vier Bildern besteht, benötigt also die Objektpunktzahl gleich viermal. Hat nun ein großes Objekt vier Grafiksets mit jeweils vier Bildern, dann sind die 256 Punkte (= 16 x 4 x 4) schon verbraucht. Man muss sich also auf jeden Fall immer vorher Gedanken machen, wie viele Objekte man für das Spiel braucht und sich die Punkte dann gut einteilen. Die 12 maximal möglichen Objekte insgesamt sind dagegen nur selten eine Einschränkung.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

WarioWare D.I.Y. ist auf jeden Fall das bisher größte Spiel der Reihe. Es sind zwar nur 90 Mikrospiele fertig dabei, durch die umfassenden Möglichkeiten des Editors und der Wi-Fi Connection lassen sich jedoch unzählige hinzufügen. Der Editor ist ein absolutes Meisterwerk, so einfach und doch vielseitig habe ich das bisher nicht erlebt, vor allem, weil man tatsächlich alles beeinflussen kann. Auf der anderen Seite erkennt das Spiel in den Aufgaben nur eine Geste, was Vielfalt und Abwechslung stark einschränkt, doch insgesamt überwiegen die Vorteile auf jeden Fall. Die eher schwache Grafik ist dagegen ein Teil des Konzepts und stört nicht. Für Selbermacher und kreative Köpfe ist D.I.Y. der „Must Have“ auf dem Nintendo DS schlechthin, für WarioWare Fans wegen des umfassenden Angebots an Mirkospielen allerdings auch, wenn man sich damit abfinden kann, dass man eben nur die Geste „antippen“ verwendet.

Grafik

schwach

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

super

85%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

30.04.2010

Developer

Intelligent Systems

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1

Anzahl Spieler (WLAN)

1


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