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Infinite Space

RPG

11.06.2010

Autor: Gunnar Schreiber

 

„Der Weltraum. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer von Captain Yuri und seiner Crew. Er dringt dabei in Galaxien vor, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat."

 

 

Die Geschichte

 

An sich ist es sehr passend das Review mit dem bekannten Star Trek Zitat zu beginnen, umschreibt es doch genau, worum es in dem Spiel eigentlich geht. Yuri ist zu Anfang des Spiels ein Jugendlicher, der bis auf seine Schwester Kira, alle Verwandte verloren hat. Er lebt auf dem Planeten Ropesk, hat aber allergrößte Sehnsucht nach den Sternen. Also beschließt er ein Zero G Dog zu werden, also jemand, der ungezwungen und frei von Galaxie zu Galaxie reist. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn dummerweise erlaubt der Herrscher von Ropesk nicht, dass seine Gefolgsleute unerlaubt den Planeten verlassen und schon mal gar nicht, wenn sie das für immer tun wollen.

 

Deshalb kontaktiert er Nia Lochlain, ein Spezialistin und erfahrene Weltraumfahrerin, die gegen Geld sich genau um solche Leute wie Yuri kümmert, sie von ihren Planeten holt und ihnen ein erstes Schiff besorgt. Als sich Nia aber Ropesk nähert, wird sie entdeckt und abgeschossen. Schwer beschädigt kann sie gerade noch nahe des mit Yuri vereinbarten Treffpunkts notlanden. Glücklicherweise hat Yuri seinen Unterhalt in einem Raumhafen verdient und kennt sich mit Reparaturen aus. Sehr bald merken Nia und Yuri, dass sie ziemlich auf einer Wellenlänge liegen, so dass schnell klar wird, dass sie ihn nicht wie geplant nach den ersten Schritten im All wieder verlassen wird.

 

Natürlich bekommt auch Kira Wind von der Sache und beschließt ebenfalls mitzukommen. Kaum haben sie die Umlaufbahn des Planeten verlassen, werden sie von Regierungstruppen aufgegriffen. Da Yuri auf keinen Fall zurück will, eröffnen sie das Feuer und legen sich wenig später auch noch mit Weltraumpiraten an. Von nun ist klar, dass die Geschwister nie mehr in die Heimat zurückkehren können. Sie sind nun Zero G Dogs, erkunden gemeinsam viele Galaxien, treffen auf Piraten, auf vereinte und befeindete Nationen, erforschen Asteroiden und und und. Nebenher versucht Yuri das Geheimnis des Etipaths zu entschlüsseln, das er einst von seinem Vater erhalten hat. Die Legende besagt, dass der derjenige, der die Etipaths beherrscht, die Galaxien für immer verändern wird.

 

Und tatsächlich wird Yuri sich auf seiner Reise viel mehr einmischen, als es ihm eigentlich lieb ist. Denn in jeder Sektion des Alls gibt es Probleme und nicht selten hängt es von der Entscheidung des Helden und somit von eurer Entscheidung ab, ob und wie eine Nation in den Krieg zieht. Es entwickelt sich eine spannende Geschichte und eine epische Reise, die bis zum Ende, je nach Spielweise, locker zwischen 40 und 80 Stunden dauern wird.

 

 

Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen

 

Infinite Space ist eine Mischung aus Rollen- und Strategiespiel. Und gleich vorneweg: Das Spiel ist ein Monster. Die Entwickler von Platinum Games – bekannt durch Mad World - scheinen Spaß daran zu haben, den Spieler immer wieder vor bockschwere Aufgaben zu stellen. Vor allem wird man ziemlich wenig an die Hand genommen. Es kommt regelmäßig vor, dass man in mühsamer Kleinarbeit selbst herausfinden muss, was als nächstes zu tun ist, wie man sein Schiff am besten ausrüstet und seine Crew einteilt. Es kann auch durchaus geschehen, dass man bei einer Weggabelung nur links und rechts gehen kann und egal welchen Weg man wählt, in einer Grube samt Game Over Bildschirm landet. Das Spiel ist oldschool pur, aber irgendwie dennoch extrem motivierend, was ich im Folgenden versuchen möchte zu verdeutlichen.

 

Bei eurer Reise durch den Weltraum sind die Crew eures Schiffes sowie dessen Ausstattung und Klasse von entscheidender Bedeutung. Zu Anfang startet ihr mit nur einem Schiff, am Ende dürft ihr bis zu fünf kommandieren. Es gibt dabei Raumschiffe unterschiedlicher Klassen: Während beispielsweise „Carrier“ kleine „Fighter“ der feindlichen Flotte entgegen schicken können, sind „Battleships“ besonders im Nahkampf geeignet. Die richtige Zusammensetzung der Flotte ist extrem wichtig. Aber das ist erst der Anfang.

 

Jedes Schiff hat bestimmte Grundwerte, die sich zum Beispiel in der Angriffsreichweite, im Verteidigungswert, der Mobilität etc. zeigen. Die Werte lassen sich aber modifizieren, indem ihr weitere Module integriert. Jeder Raumgleiter verfügt dabei um eine bestimmte Anzahl an leeren Slots. Diese könnt ihr nun gegen Geld mit Modulen auffüllen. Allerdings sind die teilweise sehr unpraktisch geformt und es gibt deutlich mehr davon als man Platz hat, so dass man sich sehr genau überlegen muss, was man wie und wo integriert. Es kann dabei auch durchaus Sinn machen, je nach bevorstehendem Kampf, die Module vorher im nächsten Raumhafen anzupassen – zum Beispiel mehr Luftabwehr einzubauen, wenn auch der Gegner mit vielen Abwehrjägern agiert.

 

Darüber hinaus gibt es eine bestimmte Zahl an Waffenslots. Auch hier gilt es die richtige Wahl zu treffen, da natürlich die Geschosse unterschiedliche Reichweiten, Ausrichtungen und Stärken haben.

 

Aber was wäre ein Schiff ohne Besatzung? Nichts! Auch Yuris Mannschaft besteht neben hunderten von Namenlosen, aus festen Charakteren, die die Führungsaufgaben übernehmen. Das Spiel bietet dabei dutzende Positionen und Jobs - von Waffencommandern über Forscher bis hin zu Ärzten. Jeder Charakter hat Grundwerte, die im Laufe des Spiels durch Erfahrungspunkte, die man genretypisch nach geschafften Kämpfen erhält, aufsteigen. Allerdings verbessern sie sich besonders in dem Bereich, wo sie gerade stationiert sind. Zusätzlich haben manche Crewmitglieder noch Spezialfähigkeiten, die beim richtigen Job zum Tragen kommen. Fungiert Kira beispielsweise als Yuris Assistentin, dürft ihr fortan eure Schiffe während eines Kampfes geringfügig heilen.

 

Über lange Zeit eurer Reise werdet ihr aber weniger Crewmitglieder haben als verfügbare Jobs. Aber wenn ihr fleißig mit Charakteren redet, die Bars und Gilden auf diversen Planeten besucht und Nebenaufgaben erledigt, wird sich euer Schiff nach und nach füllen.

 

 

Das Kampfsystem

 

Habt ihr eure Schiffe richtig ausgerüstet und die Crew eingeteilt, könnt ihr das All erkunden. Eure nächste Station wählt ihr auf einer Galaxiekarte aus. Einfach die Route bestimmen, einen Planeten auswählen und schon fliegen die Schiffe von alleine in Richtung Ziel. Attackieren plötzlich feindliche Schiffe, wechselt das Geschehen in einen Kampfbildschirm, der ziemlich abstrakt ist. Auf dem oberen Bildschirm seht ihr wahlweise eure Flotte oder die des Feindes. Außerdem befindet sich dort ein horizontaler Balken, auf dem beide Formationen mit einem Pfeil schematisch dargestellt sind. Nähern sie sich, so tun dies auch die Pfeile auf der Leiste. Die Anzeige dient hauptsächlich dazu die Entfernung bestimmen. Liegen die Feinde innerhalb der Waffenreichweite, heißt es zu feuern.

 

Doch auch hier kommt eine weitere Leiste ins Spiel, die vertikal angeordnet und in einen grünen, gelben und roten Bereich unterteilt ist. Je nach Fähigkeiten der Flotte füllt sich diese von unten nach oben mal schneller und mal langsamer auf. Als erstes wird der grüne Bereich komplettiert. Jede Farbe ermöglicht dem Spieler neue Manöver. So kann man mit einem vollen grünen Teil entweder die Luftabwehr aktivieren oder ausweichen. Ist die Leiste bis einschließlich dem roten Teil gefüllt, lassen sich die stärksten Angriffe oder Spezialmanöver wie Kiras Heilfähigkeit triggern. Doch Vorsicht: Sobald eine Aktion ausgeführt wurde, ist die Leiste wieder leer und muss erst wieder gefüllt werden. Nach einem eigenen verheerenden Angriff kann es also sein, dass man direkt den Gegenschlag über sich ergehen lassen muss, weil man selbst noch nicht ausweichen kann.

 

Deshalb ist es so wichtig seine Aktionen immer genau vorauszuplanen und dabei auf die Waffenreichweite der feindlichen Schiffe zu achten.

 

Neben den Luftkämpfen bietet Infinite Space aber auch Melee-Kämpfe, bei denen eine bestimmte Anzahl der eigenen Crewmitglieder denen des Widersachers gegenüberstehen. Solche Kämpfe geschehen entweder auf Planetenoberflächen, aber auch manchmal bei Luftkämpfen, wenn man selbst ein feindliches Schiff entert oder geentert wird. Die Melee Scharmützel erfolgen nach einem Stein, Schere, Papier Prinzip. Ihr wählt eure gewünschte Aktion auf dem Touchscreen aus und hofft, dass der Gegner seinerseits was wählt, das eurem Manöver entgegen kommt. Nach wenigen Sekunden dürft ihr eure Aktion wechseln, so lange, bis entweder bei euch oder beim Feind die Anzahl der Crewmitgleider auf null gesunken ist.

 

Für gewonnene Kämpfe – egal ob Luft- oder Bodenschlacht – bekommt ihr Erfahrungspunkte und Geld. Letzteres ist immens wichtig, um all die Schiffe, Module, Waffen und Crewmitglieder bezahlen zu können. Da das Ganze gar nicht so einfach ist, müsst ihr ab und zu auch mal ein Schiff verkaufen und vor allem nach Nebenaufgaben Ausschau halten. Die bekommt ihr vorzugsweise vom Barkeeper einer Taverne, die es glücklicherweise auf fast allen Planeten gibt. Diese Nebenaufgaben beinhalten kleinere Tätigkeiten wie bringe das Paket X zum Planeten Y oder besiege ein paar lästige Piraten. Darüber hinaus bekommt man natürlich auch für erledigte Hauptmissionen Geld.

 

Neben Tavernen gibt es je nach Planet noch andere Orte, die man besuchen kann. Zum Beispiel warten diverse Hauptquartiere und Stützpunkte der Armeen darauf von Yuri erkundet zu werden. Ab und zu mal begegnet ihr auch einem Piratennest, was ausgehoben werden will oder ihr besucht einen Bazar, auf dem es nützliche Sachen zu kaufen gibt. Vor allem nach Geschäften die Blaupausen für Schiffe, Module und Waffen verkaufen, müsst ihr unbedingt Ausschau halten. Denn ohne Blaupausen, stehen diese nicht zur Verfügung. Alle Locations haben eines gemeinsam: Man bewegt niemals Yuri direkt, sondern meistens findet die Handlung vor Standbildschirmen statt oder allenfalls muss man auswählen, ob man automatisch weitergehen möchte.

 

 

 

Eine galaktische Atmosphäre

 

Obwohl das Spiel sehr viel Detailarbeit erfordert und manchmal aufgrund der eingangs geschilderten Gründe sehr frustrierend sein kann, wird man, solange man einen Faible für Weltraumgeschichten hat, schnell in den Bann gezogen. Das liegt vor allem an der guten Geschichte und den tollen, authentischen Charakteren.

 

Das Spiel ist zwar laut USK ab 12 Jahren freigegeben, ist aber eigentlich eher was für Erwachsene. So nehmen die Charaktere kein Blatt vor den Mund, fluchen, schimpfen nach Belieben. Die Dialoge, wenn auch nicht vertont, sind größtenteils sehr gut geschrieben und passen toll zur Atmosphäre. Aber auch die Themen im Spiel sind nicht wirklich kinderfreundlich, zumindest nicht in den Passagen, wo es um Sexsklaven und Menschenhandel geht. Auch muss man sich darauf gefasst machen, dass nicht jeder Charakter das Ende der Reise sehen wird.

 

Da sich das Abenteuer über viele Jahre erstreckt, hat man tatsächlich das Gefühl eine epische Reise mitzuerleben.

 

 

Die Meckerecke

 

Neben der Tatsache, dass das Spiel teilweise echt schwer, unfair und unkomfortabel ist, bleibt eigentlich nur ein Kritikpunkt: So hat Sega komplett auf eine Lokalisation verzichtet. Das gesamte Spiel ist in Englisch und die Anleitung, obwohl in deutsch, ist nur sehr knapp gehalten. Wer also der Sprache nicht mächtig ist, wird arge Probleme haben, weder der Geschichte zu folgen, noch überhaupt zu verstehen, was zu tun ist.

 

 

Der Multiplayer

 

Darüber hinaus bietet Infinite Space auch einen Multiplayermodus, bei dem zwei Spieler, die das Modul besitzen lokal gegeneinander antreten können. Dazu braucht ihr nicht euer Abenteuer verlassen, sondern müsst lediglich den nächsten Planeten ansteuern und dort den Modus auswählen. Nun tritt die Flotte des Spielers gegen die eines Freundes an. Das ist durchaus spaßig, solange beide Spieler einen etwa gleichen Entwicklungsstand haben. Liegen dazwischen aber mehrere Stunden Spielzeit, hat zwangsläufig einer nicht den Hauch einer Chance.

 

 

Wir bedanken uns bei Sega für die Bereitstellung des Testmusters!

 


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Fazit

Infinite Space ist eine epische Reise durch ferne Galaxien. Es bietet eine interessante Geschichte, tolle Charaktere, sehr gute Dialoge und eine einzigartige Atmosphäre. Es ist aber auch ein Umfangsmonster mit extrem vielen Modifizierungsmöglichkeiten, die alleine schon Stunden in der Summe in Anspruch nehmen. Dabei wird der Spieler leider viel zu wenig an die Hand genommen. Wer aber ein Faible für Weltraumsagas hat und gerne an seinem Schiff und der Crew rumtüftelt, der hat mit Infinite Space genau sein Spiel gefunden.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

70%

Multiplayer

Release

26.03.2010

Developer

Platinum Games

Publisher

Sega

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (WLAN)

2


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