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Dragon Quest IX: Hüter des Himmels

RPG

22.07.2010

Autor: Mario Kablau

 

 

Die Hüter des Himmels

 

Bei einer RPG-Serie, die großen Wert auf Traditionen legt, ist es für mich von entscheidender Bedeutung, dass die Geschichte fesselt, denn gerade bei Rollenspielen habe ich schon viele Stunden mit demselben Gameplay verbracht. Deshalb bin ich positiv überrascht als ich auf der Rückfahrt von Nintendos Post E3 Event das Spiel erstmals in meinen DS einlege und feststelle, dass ich einen Hüter spiele. Hüter sind in der Spielwelt so was wie Engel, die auf die Menschen der normalen Welt aufpassen. Jeder Hüter trägt die Verantwortung für ein Dorf und muss dafür sorgen, dass es den Menschen gut geht. Dafür danken sie dem Hüter mit Gebeten, wodurch Benefizit entsteht, das sämtliche Hüter ins himmlische Reich zum großen Weltenbaum Yggdrasil bringen. Der Legende nach blühen am Baum Fyggen, sobald genug Benefizit gebracht wurde und die Engel dürfen dann in die nächste Welt ziehen.

 

Doch bevor es los geht, erstelle ich meine Spielfigur, die passender weise den Namen Mario bekommt. Nachdem ich mich für das Geschlecht entschieden habe, kann ich noch verschiedene Details auswählen und so einen Charakter bauen, der meinen Vorlieben entspricht. Es gibt jeweils diverse Auswahlmöglichkeiten bei Körperform, Gesicht, Haaren, Augenform- und Farbe sowie der Kleidung. Wenn das abgeschlossen ist, erfahre ich, was meine Aufgabe ist.

 

Ich befinde mich aktuell noch in der Ausbildung und soll nun nach dem Willen von Apus Major, dem Ältesten unter den Himmlischen, ein eigenes Dorf zugeteilt bekommen. Mein Vorgänger Aquila, der sich zunächst weigerte mich überhaupt auszubilden, zieht sich daraufhin zurück und wie von Geisterhand ändert sich der Name an der Statue im Dorf, die die Erdlinge anbeten, von Aqulia zu Mario. Da die Himmlischen kurz vor dem Ziel stehen, genug Benefizit gesammelt zu haben, stürze ich mich gleich in die Arbeit und helfe den Leuten im Dorf, schütze sie vor Monstern und erledige Dinge, die Verstorbene daran hindern, selbst in das himmlische Reich zu gelangen. Relativ schnell ist das Ziel erreicht und ich kehre zurück in die Welt jenseits der Wolken. Doch als der Baum die Früchte endlich trägt, gibt es ein Erdbeben und sie stürzen hinab. Auch ich falle herunter und wache kurze Zeit später in dem Dorf wieder auf, das ich eigentlich schützen soll.

 

Doch auf einmal können mich die Menschen sehen. Und mein Heiligenschein und die Flügel sind auch noch weg?! Oje, ich bin wieder ein Sterblicher ohne Weg zurück. Zu allem Überfluss ist auch noch der Sternenexpress abgestürzt, der mich, wäre ich ein Himmlischer, zurück bringen könnte.

 

Also ist es nun zunächst mein Ziel zu erfahren, was eigentlich passiert ist und dann zurück in den Himmel zu kommen. Doch mit der Lösung dieser Probleme fängt das Abenteuer erst so richtig an. Die abgestürzten Fyggen haben nämlich in der Welt der Menschen nichts verloren, sind sie doch viel zu mächtig und damit gefährlich...

 

 

Göttliches Gameplay?

 

Soweit, so gut. Die Geschichte konnte mich schon mal von Anfang an fesseln, es geht direkt zur Sache und die typische Ruhe kurz nach der Einleitung fehlt zum Glück völlig. Stets passiert irgendwas. Allerdings muss man sagen, dass das auch daran liegt, dass man quasi mehrere Einzelepisoden spielt. In jedem Dorf gibt es neue Charaktere, die Probleme haben und auf Hilfe angewiesen. Das Sammeln der Fyggen ist der rote Faden, der alles zusammen hält. Und gerade weil die Geschichte so strukturiert ist, wird es nicht langweilig.

 

Auch gefällt mir, dass die Entwickler hin und wieder mal wichtige Charaktere sterben lassen. Das ist aber auch nötig, schließlich dreht sich die Geschichte um Dies- und Jenseits.

 

Beim Gameplay jedoch machen sie nicht allzu viele Experimente, Dragon Quest IX ist ein ganz klassisches Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen, Erfahrungspunkten und jeder Menge Extras. Doch eins nach dem anderen:

 

Neben dem eben selbst erstellten Held kann man maximal drei weitere Gefährten in sein Team holen, dies ist jedoch nicht in die Geschichte eingebunden. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel gibt es ein großes Gasthaus, das quasi als Zentrale für viele Dinge im Spiel fungiert, der Weg dahin zurück lohnt sich so gut wie immer. Hier kann man sich unter anderem neue Gefährten aus einer gegebenen Menge direkt aussuchen oder auch Anfragen stellen, wenn man jemand Spezielles, zum Beispiel einen Dieb, sucht. Zu empfehlen ist das auf jeden Fall, denn es macht die einzelnen Kämpfe wesentlich leichter. Schwer ist das Spiel allerdings grundsätzlich nicht, wer eine größere Herausforderung will kann es einfach mit weniger Figuren probieren.

 

Die Charaktere im Team entwickeln sich natürlich durch Erfahrungspunkte, die man nach gewonnenen Kämpfen erhält, automatisch weiter. So wird man immer stärker, was im Spiel sehr gut ausgewogen ist. Man muss selten „leveln“, um einen Boss zu schaffen, wenn man auf den Wegen zwischen den einzelnen Stationen nicht gerade jedem Kampf ausweicht. Neben der Erfahrung hilft natürlich auch die Ausrüstung. RPG typisch kann man in diversen Shops neue Kleidung und Waffen kaufen, was die Werte der Figuren, z.B. Angriff oder Verteidigung, aber auch Geschick oder Flinkheit verbessert.

 

Weitere wichtige Elemente sind die zahllosen Items. Mit ihnen kann man zum Beispiel verwundete Figuren heilen, Statuseffekte löschen oder sich von einem Ort zum anderen teleportieren. Doch man kann sowohl Items als auch die Ausrüstung nicht nur gegen Bares in den Läden der Welt erwerben, sondern sie auch selbst herstellen. Im eben schon erwähnten Gasthaus befindet sich später im Spiel ein Alchemie-Kessel, mit dem sich viele Dinge herstellen lassen. Dazu braucht man natürlich zunächst Zutaten und Rezepte. Erstere findet man in Schatztruhen oder erhält sie von besiegten Gegnern, letztere verstecken sich in den Bücherregalen, die in beinahe jedem Haus herumstehen.

 

Wie eben schon erwähnt, kann man Kämpfen, die außerhalb der Dörfer stattfinden, auch ausweichen. Man sieht nämlich auf der Karte, wenn ein Gegner erscheint und der Kampf startet nur, wenn man diesen dann berührt. Später ist man auch auf dem Wasser unterwegs, hier kommen dann wieder Zufallskämpfe zum Einsatz. Das ist eine echte Neuerung in der Serie, die ich sehr begrüße. Aus dem Weg gehen ist also möglich, allerdings nimmt hin und wieder auch mal ein Monster die Fährte des Spielers auf und jagt ihn dann. Entkommen ist in diesem Fall nicht immer möglich, man sollte also stets zum Kampf bereit sein, wenn man ein Dorf verlässt.

 

Ist man es dann doch einmal nicht oder trifft man auf einen Endgegner, der eine Nummer zu groß ist, dann ist der Tod auch nicht das Ende. Zwar kann man bei Dragon Quest, anders als in den meisten anderen RPGs, gestorbene Gruppenmitglieder nicht einfach so wiederbeleben, dafür ist der einzige Preis den man für den Tod der ganzen Gruppe bezahlt, die Hälfte des im Besitz befindlichen Geldes. Gott braucht es offenbar. Später bekommt man zwar auch Items oder Zauber, die gestorbene Charaktere wiederbeleben können, diese sind aber extrem selten und funktionieren auch nicht in jedem Fall. Sicher ist da nur die Kirche.

 

Gott spielt eine ganz entscheidende Rolle bei Dragon Quest. Nicht nur die Geschichte des neunten Teils dreht sich um ihn und seine Engel, auch auf der Welt der Sterblichen benötigt man ihn als Spieler dringend. Speichern geht nämlich nur per Beichte in der Kirche, doch zum Glück gibt es eine solche in jedem Dorf. Auch nur dort lassen sich gefallene Kämpfer – gegen eine kleine Spende – wiederbeleben. Dem Herrn sei Dank! ;-)

 

 

Die Kämpfe sind übrigens, wie schon erwähnt, rundenbasiert. In einer Runde darf jeder Charakter einmal eine Aktion ausführen, die Reihenfolge hängt von den Eigenschaften aller Beteiligten ab. Wer also besonders flink ist, darf zuerst angreifen und ist somit im Vorteil, da er seinen Gegner besiegen kann, bevor dieser überhaupt einmal zuschlagen durfte.

 

Insgesamt ist Dragon Quest also extrem klassisch, wer also moderne Features sucht, der wird das hier eher vergeblich tun. Jedoch haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen, damit es auch für RPG-Veteranen nicht allzu langweilig wird. Aber dazu später mehr, zunächst ein paar Worte zur Steuerung.

 

 

Tasten oder Touchpen – oder beides?

 

Gesteuert wird das Spiel in erster Linie klassisch per Steuerkreuz und Tasten. Man bewegt seine Spielfigur so über das Feld, fängt Gespräche an und wählt die gewünschte Attacke im Kampf aus. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, es auch mal per Touchpen zu versuchen, hätte mir das nicht eine Figur im Spiel nahe gelegt („Man kann das Spiel auch mit dem Touchpen steuern. Welches Spiel? Keine Ahnung!“). Außerhalb der Kämpfe steuert man seine Figur dann wie in Zelda auf dem DS auch, Figuren müssen nur kurz angetippt werden, wenn man mit ihnen sprechen will und im Menü lässt sich auch alles per Touchpen bedienen. Jedoch finde ich den klassischen Weg einfach besser, vor allem, weil ich mit dem DSi XL spiele und die Konsole lieber mit beiden Händen halte, das ist unterwegs einfach praktischer.

 

Jedoch sind die Entwickler auf jeden Fall dafür zu loben, dass sie beide Optionen eingebaut haben und sie auch sehr gut funktionieren. Jeder findet also die Möglichkeit, die ihm am besten gefällt.

 

 

 

Megamäßiger Multiplayer

 

Wie es sich für ein gutes Rollenspiel heutzutage gehört, bietet auch Dragon Quest IX einen Online-Modus. Zum einen kann man im DQVC, das ist eine Art Online-Shop, Items kaufen, die es sonst nur teurer oder auch gar nicht zu erwerben gibt. Das Angebot ändert sich laufend, so dass es sich lohnt, immer wieder in die Gaststätte zu gehen und nachzuschauen. Doch nicht nur aus diesem Grund verpassen Leute, die einfach schnurstracks durch das ganze Abenteuer marschieren, eine ganze Menge.

 

Im selben Gasthaus befindet sich nämlich auch der Zugang zur großen Online-Welt. Am Tresen richtet man eine Verbindung zur Wi-Fi Connection ein und kann dann entweder als Gast oder als Gastgeber auftreten. Es sind Partien mit bis zu vier Spielern möglich, die dann das Abenteuer des Gastgebers vorantreiben. Dabei kann sich jeder Spieler in der Welt vollkommen frei bewegen und tun und lassen was er will. Man muss also nicht zusammen durch die Welt ziehen, sondern kann sich auch aufteilen. Es geht durchaus, dass einer gerade gegen einen Boss kämpft und zwei andere noch im Dorf einkaufen. Natürlich lässt sich jedoch auch alles gemeinsam bestreiten.

 

Wirklich etwas bewegen darf allerdings ausschließlich der Gastgeber, es ist ja immerhin seine Welt. Aber Ereignisse, die er angestoßen hat, können dann von allen gemeinsam oder einzelnen Mitspielern erlebt werden. Damit ist Dragon Quest IX eindeutig das bisher durchdachteste Mehrspieler-RPG auf dem Nintendo DS. Man hat sowohl alle Freiheiten, kann aber auch die Geschichte zusammen erleben. Lediglich Voice Chat fehlt, der hätte das Erlebnis perfekt gemacht.

 

Für die Spieler, die eine fremde Welt besuchen, haben die Handlungen dort nur die Auswirkung, dass man Erfahrungspunkte sammelt und Gegenstände erhalten kann. Die eigene Geschichte wird nicht beeinflusst. Der Gastgeber kann sogar, wenn er nur einen oder zwei Gäste empfängt, andere Mitglieder seiner Gruppe mitnehmen. Es dürfen eben immer nur maximal vier Charaktere unterwegs sein, um Chaos zu vermeiden.

 

Da sich aber jeder unabhängig von dem anderen bewegen kann, erlebt jeder das Spiel aus seiner Sicht. Sind also beispielsweise alle auf dem Feld unterwegs, dann sieht man, wenn sich ein Mitspieler in einem Kampf befindet und kann, wenn man das möchte, einfach dazu stoßen und ihm helfen. Stirbt ein Spieler, dann kann er sich entweder selbst in der nächsten Kirche wiederbeleben oder auf die Hilfe von einem Freund warten, dabei verliert man kein Geld. Wird jedoch die gesamte Gruppe ausgelöscht, dann ist die Hälfte des Geldes weg.

 

 

Für mich sind an dieser Stelle fast keine Wünsche offen geblieben, weshalb ich das Spiel auch nach dem Durchspielen noch genießen kann, indem ich einfach anderen Leuten helfe. Gemeinsam spielen macht bei Dragon Quest IX auf jeden Fall noch deutlich mehr Spaß als alleine. Man merkt, dass die Entwickler hier den Schwerpunkt gesetzt haben, so dass alles, was alleine möglich ist, auch mit mehreren Leuten geht. Natürlich geht es sowohl per Wi-Fi Connection als auch über die drahtlose DS-Verbindung.

 

 

Die technische Seite

 

Grafisch braucht sich Dragon Quest IX auf keinen Fall zu verstecken; okay, die FFCC-Spiele auf dem DS sehen noch eine Spur hübscher aus, jedoch ist das generell eine sehr hohe Latte. Der Comic-Stil gefällt mir gut, man bekommt genügend Abwechslung, das Gegnerdesign ist toll und die Figuren sehen größtenteils ordentlich aus. Einzige Ausnahme sind Randfiguren, bei denen sieht man in den Nahaufnahmen deutlich, dass sie wesentlich weniger Details haben. Das wirkt manchmal in Dialogszenen etwas komisch, wenn eine Figur auch aus der Nähe noch scharf wirkt, die andere aber wie zu nah heran gezoomt. ;-) Auch die teilweise sehr oft eingesetzten Charaktermodelle von bestimmten Figuren in unterschiedlichen Rollen sind mir negativ aufgefallen.

 

Die Musik ist in Ordnung, für mich gibt es jedoch eine Spur zu wenig Abwechslung, viele Stücke werden zu oft wieder verwendet. So hört man in vielen Dörfern dasselbe, die Kämpfe werden durch einen zwar guten, aber zu kurzen Hintergrund-Thema vertont und auch sonst hätte es einfach ein bisschen mehr sein können. Den Vogel abgeschossen haben die Entwickler aber mal wieder mit den Soundeffekten. Ich weiß, viele der Dragon Quest Fans lieben die Serie für die ganzen Retro-Elemente, aber mich stört es einfach. An nicht wenigen Stellen werden Sounds eingesetzt, die noch aus der 8-Bit-Zeit stammen und die aus meiner Sicht einfach nur lächerlich klingen. Grundsätzlich habe ich gegen Retro ja absolut nichts auszusetzen, aber ein solches Element in einem ansonsten (technisch) modernen Spiel wirkt einfach nur deplaziert.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Dragon Quest IX: Hüter des Himmels hat mich wirklich überrascht. Die Geschichte fesselt von der ersten Minute und wird auch zwischendurch nur selten langweilig. Dazu ist das sehr klassische Gameplay nahezu perfekt umgesetzt, was hohen Spielspaß garantiert und der Umfang ist mit etwa 30-40 Stunden auch mehr als in Ordnung. Für Sammelfreunde gibt es eine ganze Menge zu entdecken und durch die Alchemie auch zu erforschen. Dazu kommt der für mich beste RPG-Mehrspieler-Modus auf dem DS, bei dem alles mit bis zu vier Personen möglich ist, was man auch alleine machen kann, per W-LAN und auch online. Das ist absolut vorbildlich. Die Technik ist in Ordnung, als wirklich störend empfinde ich nur die deplazierten Retro-Soundeffekte. Also: Wer auf klassische RPGs steht, der kann bedenkenlos zugreifen, Freunde von moderneren, epischeren Aufgaben werden leider nicht so viel Spaß damit haben, außer sie stehen auf umfangreiche Online-Komponenten.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

gut

80%

Singleplayer

88%

Multiplayer

Release

23.07.2010

Developer

Level 5

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2-4

Anzahl Spieler (WLAN)

2-4


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