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Reviews: Nintendo DS

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Last Window: Das Geheimnis von Cape West

Adventure

27.09.2010

Autor: Mario Kablau

 

 

Das Abschiedsgeschenk von Cing!

 

Neben Little King’s Story haben sich die Entwickler aus dem Hause Cing in den letzten Jahren vor allem durch Another Code und Hotel Dusk einen Namen unter Spielern gemacht. Die beiden Point & Click Adventures der etwas anderen Art konnten nämlich sehr überzeugen. Während Another Code zwar noch einige Mängel aufwies, wurden diese bei Hotel Dusk weitestgehend ausgemerzt. Nachdem im letzten Jahr bereits der Nachfolger von Another Code für die Wii erschienen ist, gibt es seit Mitte September 2010 nun auch endlich einen Nachfolger von Hotel Dusk. Im ersten Spiel waren ja am Ende durchaus noch eine Menge Fragen offen geblieben.

 

Dieses Spiel wird vielleicht das letzte des Unternehmens sein, denn Cing musste Anfang 2010 Insolvenz anmelden. Das wundert mich ehrlich gesagt nicht, denn völlig unverständlicherweise unterstützt Nintendo die Spiele so gut wie gar nicht. Bei Last Window trifft das wieder zu, sogar mich hat es überrascht, das Spiel im Briefkasten zu finden. Gutes Marketing sieht anders aus. Aber zum Glück habe ich es angefunden und kann euch heute davon erzählen, damit ihr eventuell doch ein bisschen Geld in die Firma investiert. Oder auch nicht...?

 

 

Das Leben des Kyle!

 

Bevor ich auf die Geschichte eingehe, zunächst ein paar Worte zum Vorgänger. Wer den nicht gespielt hat, muss das nicht unbedingt tun, um Last Window zu genießen. Die relevanten Details werden im Nachfolger noch mal kurz angerissen, so dass man auch ohne Kenntnisse der Vergangenheit von Protagonist Kyle Hyde gut folgen können sollte.

 

Ein Jahr ist vergangen seit der Ex-Cop aus L.A. im Hotel Dusk eine schlaflose Nacht verbracht hat, um den Verbleib seines ehemaligen Partners Bradley zu klären. Damals hatte er es mit der verbrecherischen Organisation NILE zu tun, hinter der sich jedoch mehr verbirgt, als man damals erfahren hat. Doch nicht nur die unmittelbare Vergangenheit quält ihn. Auch der Mord an seinem Vater vor 25 Jahren, der noch immer nicht aufgeklärt ist, macht ihm zu schaffen.

 

Das Jahr, das seit den Geschehnissen im Hotel Dusk vergangen ist, hat er weiter für die Firma Red Crown gearbeitet, für die er allerhand Alltagsgegenstände vertreibt. Nicht gerade der Traumjob für einen Menschen wie Kyle, der nicht gerne mit anderen Menschen zu tun hat. Und genau das sorgt dafür, dass er eine Woche vor Weihnachten seinen Job verliert. Obwohl sein Boss Ed eigentlich 1.000 Geduldsfäden nur für Kyle hat, reißen die irgendwann alle und er setzt ihn vor die Tür. Zu allem Überfluss erfährt er am selben Morgen auch noch, dass die Vermieterin das Haus, in dem er wohnt, verkauft hat und es abgerissen werden soll; Auszug vor Ende des Jahres. Kurz gesagt: Kyle ist am Boden und wird sich schwer tun, wieder aufzustehen.

 

Doch zum Glück wird er kurz darauf wieder motiviert durch einen dubiosen Auftragsbrief. Das Haus in dem er wohnt und das früher mal ein Hotel war, soll ein Geheimnis haben. Etwas, das enger mit Kyle verbunden ist, als er es zu dieser Zeit auch nur ahnen kann. Dennoch macht ihn der Brief neugierig und er beginnt seine Nachforschungen. Ein Jahr wohnt er schon in dem Haus, aber erst mit diesem Auftrag beginnt er, seine Nachbarn kennen zu lernen. Und wie es sich für eine spannende Geschichte gehört, sind die auch nicht alle das, was man an der Oberfläche zu erkennen glaubt. Auf Kyle warten neun Tage voller Fragen und Nachforschungen, bevor er dem Geheimnis auf die Spur kommt... Für den Spieler bedeutet das ungefähr 15 Stunden Spielzeit.

 

 

Ein Buch zum Spielen!

 

Schon der Vorgänger Hotel Dusk war eigentlich kein reinrassiges Spiel, sondern eher eine Mischung aus Buch, Film und Spiel. Im Wesentlichen liest man die Handlung, bekommt dabei natürlich unterstützend jede Menge Bilder gezeigt und nimmt das Ruder bei Befragungen und Durchsuchungen immer wieder selbst in die Hand. Als Spieler wird man teilweise sehr eng geführt und hat kaum Freiheiten, da die Rahmenhandlung genau vorgibt, wann man was tun muss. Dennoch ist es nicht so, dass man eigentlich nur zuschaut, denn es kommt am laufenden Band vor, dass man sich Dinge selbst zusammen reimen muss, um die Geschichte voran zu treiben.

 

Man hält den DS wie ein Buch mit dem Touchscreen auf der Seite, in der man den Touchpen hat. Über den sonst unteren Bildschirm steuert man Kyle nicht nur auf einer Karte durch das Haus, sondern nutzt ihn auch, um die Umgebung zu erforschen, Gegenstände zu untersuchen und Befragungen durchzuführen. Auf dem anderen Bildschirm ist die Umgebung des Hotels in 3D dargestellt, bzw. werden Gegenstände oder Personen eingeblendet, wenn man sich zum Beispiel unterhält.

 

 

Am Anfang liest man zunächst eine ganze Weile nur, um in die Geschichte eingeführt zu werden, bevor man Kyle dann auch selbst steuern darf. Danach geht es darum, dass was man gerade gehört hat zu verarbeiten und daraus den nächsten Schritt für den Helden abzuleiten. Man läuft also mit Kyle durch das Haus, befragt Bewohner, sucht Beweise und löst Rätsel, was die Story immer weiter voran treibt.

 

Getrennt werden die einzelnen Kapitel und Unterkapitel durch gewisse Meilensteine. Innerhalb derer kann man sich relativ frei im Haus bewegen und mit Leuten sprechen. Es gibt aber immer fest definierte Dinge, die man erledigen muss, um das nächste Unterkapitel zu erreichen. Wie schon bei Hotel Dusk sind diese durch fixe Uhrzeiten getrennt. Jedoch sind die Zeitfenster jetzt nicht mehr nur 30 oder 60 Minuten lang, sondern oft mehrere Stunden. Die 10 Hauptkapitel spielen bis auf das letzte jeweils an einem eigenen Tag.

 

Diese Methode führt mich gleich zu meinem ersten von leider sehr vielen Kritikpunkten. So bekommt man teilweise nur Mini-Hinweise, was man als nächstes tun sollte, was dazu führt, dass man oft eine halbe Ewigkeit durch das Haus läuft, bevor man sein nächstes Ziel findet. Vor allem, wenn man gar keine Ahnung hat, was als nächstes ansteht, muss man wörtlich jeden Stein umdrehen, bis man durch Zufall den entscheidenden Hinweis findet. Das Problem besteht hauptsächlich in der ersten Hälfte des Spiels, da man dort lange Zeit gar nicht weiß, worum es eigentlich genau geht. Aber dazu später mehr.

 

Wenn man dann mal weiß, was als nächstes zu tun ist, dann stellt sich dem Spieler die Steuerung zum Glück absolut nicht in den Weg, im Gegenteil! Die Bedienung per Touchpen funktioniert einwandfrei. Objekte, die man untersuchen kann, werden optisch hervorgehoben, wenn man über den Bildschirm streicht und auch die Bedienung in den einzelnen Rätseln ist stets vorbildlich. Oft ist es jedoch etwas nervig, weil man Rätsel nicht nur logisch sondern auch praktisch lösen muss. Dazu gilt es herauszufinden, was man mit dem Stylus machen muss. Das kann man jedoch nicht der Steuerung ankreiden, denn wenn man die Lösung einmal gefunden hat, geht es perfekt von der Hand. Zusätzlich lässt sich Kyle im Hotel auch per Tasten bewegen, was aber nicht wirklich nötig ist.

 

 

Grafik und Sound!

 

Technisch hat sich seit dem Vorgänger kaum etwas getan. Die Umgebung wird immer noch in hübschem 3D dargestellt, das jedoch nur aus der Ferne wirklich überzeugen kann. Für Nahansichten gibt es zum Glück jeweils neue Hintergründe, so dass man alles stets gut erkennt. Die Gestaltung der Figuren ist in meinen Augen erstklassig. Zwar werden sie nur durch zweidimensionale Zeichnungen dargestellt, diese passen allerdings perfekt in die Spielwelt. Gerade die Tatsache, dass sie in schwarzweiß sind, während die Umgebung mehr Farbe zu bieten hat, macht das Spiel optisch einmalig. Na ja, eher zweimalig, denn bei Hotel Dusk war es ja schon genauso. ;-)

 

 

Zu meckern habe ich eigentlich nur, dass es zu wenige bewegte Sequenzen gibt. Die Szenen, in denen der Spieler keinen Einfluss nehmen kann, werden auch oft nur durch leicht bewegliche Standbilder dargestellt. Hier und da wäre ein echtes Video jedoch nicht verkehrt gewesen. Ein echter Grund zur Klage ist das jedoch nicht, das Spiel wirkt wie aus einem Guss und macht optisch einen wirklich guten Eindruck.

 

Akustisch ist es ebenso gut. Die jazzigen Melodien haben mich schon beim Vorgänger schnell in ihren Bann gezogen, ein Kritikpunkt bleibt jedoch bestehen: Die Wechsel zwischen den Stücken sind mir zu abgehackt. Dennoch gibt es mehr als genug verschiedene Songs und jeder einzelne erfüllt seinen Zweck. Der Spieler wird dadurch gut in den Bann gezogen.

 

 

Meckerecke

 

Bevor ich zu meiner abschließenden Wertung komme, muss ich leider noch eine ganze Menge meckern. Ich tue das an dieser Stelle, weil es eine geballte Ladung ist, die ich auch ganz klar rüberbringen will.

 

Obwohl die Geschichte an sich spannend ist, haben die Entwickler es dennoch größtenteils versäumt, sie auch richtig spannend zu erzählen. Während der ersten sechs Kapitel hat man eigentlich kaum eine Ahnung, worauf das Ganze hinausläuft und was Kyle eigentlich motiviert, der Sache nachzugehen. Hätte ich das Spiel nicht getestet, sondern einfach nur gespielt, wäre mir spätestens im vierten Kapitel deswegen die Lust vergangen.

 

Zum Glück durfte sie das aber nicht, denn zum Ende hin wird es dagegen richtig spannend. Sobald die Story einmal Fahrt aufgenommen hat und sich die einzelnen Themen immer mehr zusammenführen, kann man den DS kaum noch aus der Hand legen. Das ist jedoch kein wirklich überzeugendes Argument dafür, die ersten Kapitel so schwach zu gestalten. In ein solches Spiel muss man vom ersten Moment komplett hineingezogen werden. Und wenn man dann auch noch an einer Stelle planlos herumirrt, weil der entscheidende Hinweis fehlt, steigt die Motivation auch nicht gerade.

 

Außerdem hat mich echt zur Weißglut getrieben, wie leicht man im Spiel den Game Over Bildschirm zu Gesicht bekommt. Gibt man nur einmal bei einer Befragung an einer entscheidenden Stelle etwas Falsches von sich, kann das Spiel schon vorbei sein. Man muss das Gespräch dann noch mal ganz von vorne beginnen, was bei bis zu 15 Minuten pro Unterhaltung schon ziemlich auf den Zeiger gehen kann. Ganz schlimm ist das, wenn man an einer Stelle mehrere Optionen hat, sich an die richtige Aussage aber nicht mehr erinnert, weil es schon so lange her ist. Auch die vielen Charaktere verwirren dabei nicht selten, nicht zuletzt, weil einige auch noch mehrere Namen haben. Vertut man sich einmal und muss von vorne anfangen, ist es schon ärgerlich. Hat man aber an der gewissen Stelle drei Optionen und keine Ahnung, dann bekommt man spätestens beim dritten Durchgang echt Frust.

 

An einer Stelle relativ am Ende geht es sogar soweit, dass man ein Gespräch anfangen kann, dass immer zu einer Sackgasse führt, weil es sich schlicht um den falschen Gesprächspartner handelt. Da man sonst aber immer nur mit Leuten wirklich intensiv reden kann, wenn sie der Richtige sind, kommt man gar nicht auf die Idee, dass es an der Person liegen könnte. Ich habe an dieser Stelle lange frustriert herumprobiert, bevor ich den sehr gut versteckten Hinweis gefunden habe, dass ich ganz woanders suchen muss. So was muss echt nicht sein.

 

Insgesamt machen diese zwei großen Kritikpunkte zusammen mit den weiter oben schon erwähnten kleineren Problemen das Spiel deutlich schlechter als den Vorgänger. Hotel Dusk hat mich von Minute 1 an gefesselt und ich konnte logisch viel besser folgen. Daher hatte ich das Game Over Problem dort so gut wie gar nicht. Schade.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Obwohl Last Window eine an sich spannende Geschichte mit guter Steuerung und solider Technik bietet, bleibt doch ein sehr fader Beigeschmack. Die Story kommt viel zu langsam in Fahrt und kann erst im letzten Drittel wirklich fesseln und es gibt leider jede Menge Kritikpunkte. Insgesamt betrachtet macht der Titel zwar auf jeden Fall Spaß, vor allem der Kapitel für Kapitel frei geschaltete Roman kann den Kauf rechtfertigen, meine Erwartungen waren jedoch deutlich höher. Unterm Strich ist es inhaltlich ein deutlicher Rückschritt gegenüber Hotel Dusk. Nichtsdestotrotz kann ich den Kauf allen Fans des Vorgängers empfehlen, nicht zuletzt um die offen geblieben Fragen zu klären. Alle anderen greifen besser zum ersten Teil und entscheiden sich danach für oder gegen Last Window.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

ok

72%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

17.09.2010

Developer

Cing

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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