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Reviews: Nintendo DS

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Phoenix Wright Justice For All

Adventure

07.09.2007

Autor: Gunnar Schreiber

 

Der Anwalt Phoenix Wright ist wieder zurück auf dem Nintendo DS. Eigentlich ist er das schon seit März, aber leider hat sich unser Test ein wenig verzögert. Aber vielleicht gibt es ja auch Leute, die jetzt erst auf die gelungene Mischung als Gerichtssaalsimulation und Point & Click Adventure aufmerksam geworden sind und nach einem Test suchen, der entweder eine Kaufempfehlung ausspricht oder ablehnt. Schon jetzt sei verraten, dass auch die Fortsetzung kein bisschen schlechter als der auch von uns hoch gelobte erste Teil auf dem DS ist.

 

In Phoenix Wright übernimmt man die Rolle eines jungen Anwalts namens Phoenix. Er hat im Vorgänger die Praxis seiner Chefin übernommen, als diese im ersten Teil ermordet wurde. Seitdem ist die Schwester seiner Chefin namens Maya Fey an seiner Seite und hilft ihm bei der Arbeit aus. Maya, wie auch ihre Schwestern, hat eine Besonderheit und zwar ist sie ein Medium und kann deshalb mit Verstorbenen reden, was ziemlich hilfreich sein kann.

 

 

Beweise sammeln und im Gerichtssaal vorlegen

 

Das Spiel teilt sich auf in mehrere Episoden, die wiederum in Kapitel unterteilt sind. In jeder Episode werden andere Fälle behandelt, die aber dennoch alle in einem Zusammenhang stehen. So hat man als Spieler das Gefühl ein zusammenhängendes Abenteuer zu zocken.

 

Grundsätzlich kann man die Arbeit von unserem Anwalt Phoenix in zwei Aktionen aufteilen. Entweder sammelt Phoenix Beweise, um seine Verteidigung aufzubauen und zu stützen oder er befindet sich im Gerichtssaal, wo er dann seine Ergebnisse und Erkenntnisse einsetzt. Das Sammeln von Beweisen erinnert dabei stark an die klassischen Point & Klick Adventures. Der Spieler wechselt von einem festen Standbild zum nächsten. Mit einem Cursor kann man dann die jeweilige Umgebung, die auf dem Touchscreen dargestellt wird, untersuchen. Dazu bewegt man den Cursor auf ein gewünschtes Objekt und wählt dann die Option „untersuchen“. Nun gibt das Spiel die gewünschten Informationen, wenn welche verfügbar sind, preis. Handelt es sich sogar um ein Objekt, was in der Beweisführung vor Gericht wertvoll sein kann, dann wird dieses in der Gerichtsakte gespeichert. Diese enthält alle Beweismittel, die Phoenix gesammelt oder zugetragen bekommen hat. Natürlich kann man die Beweise in der Gerichtsakte genauer ansehen.

 

Leider liegen die meisten brauchbaren Objekte nicht einfach am Tatort herum, zumal die Polizei oft ganze Arbeit geleistet hat und alle relevanten Beweise von der Spurensicherung bereits mitgenommen wurden. Da aber der zuständige Inspektor Gumshoe ein kleiner, durchaus liebevoller Trottel ist, verrät er in den Gesprächen mit Phoenix manchmal ungewollt hoch brisante Details. Somit wären wir auch schon bei der zweiten Methode des Faktensammelns. Durch Gespräche mit involvierten Personen wie Angeklagten oder Zeugen erfährt Phoenix teilweise Dinge, die die Polizei und die Staatsanwaltschaft nicht mitbekommen haben. Dabei ist zu beachten, dass der Spieler manchmal selbst ein wenig den Verlauf der Gespräche beeinflussen kann, in dem man richtige oder falsche Fragen und Antworten auswählt. Neu gegenüber dem Vorgänger ist, dass manche Personen Geheimnisse haben, die sie nicht so einfach herausrücken. Diese werden durch mentale Schlösser gekennzeichnet, die Phoenix sehen kann, indem er einen von Medien wie Maya genutzten magischen Stein anwendet. Versucht Phoenix die Schlösser zu knacken, muss er in Gesprächen Beweise vorlegen und richtig kombinieren und so die Geheimnisse entlocken.

 

Ebenfalls neu in Phoenix Wright ist, dass man nun auch Profile zu Personen in der Gerichtsakte hinterlegt bekommt. Es können also durchaus auch Personendaten und Aussagen relevant sein.

 

Die Untersuchung der Tatorte etc. findet meistens an mehreren Tagen statt, so dass es sich immer wieder lohnt die unterschiedlichen Bereiche erneut zu besuchen oder Charaktere ein weiteres Mal zu befragen. Denn teilweise erscheinen Objekte erst dann als relevant, wenn man zuvor bestimmte Dinge herausgefunden hat. Dies hat natürlich auch einen Einfluss auf die Gespräche, da Personen anders reagieren, wenn sie zum Beispiel plötzlich selbst im Fokus der Ermittlungen stehen.

 

Hat man die entscheidenden Beweise gefunden, beginnt der Tag des Prozesses. Das heißt, dass man quasi nie völlig unvorbereitet in den Gerichtssaal gehen kann, da dieser erst getriggert wird, wenn man bestimmte Aufgaben zuvor erfüllt hat.

 

Im Gerichtssaal steht Phoenix seiner größten Widersacherin im neuen Teil, Staatsanwältin Franziska van Karma gegenüber. Brisant daran ist, dass Phoenix im Vorgänger ihren Vater quasi als unbesiegbaren Staatsanwalt demontiert hat und die Tochter nun Rache will. Franziska ist Deutsche und so wird natürlich mit dem Klischee der harten Frau gespielt, die im Gerichtssaal sowohl die Zeugen, als auch den Richter und Phoenix mit einer Peitsche einschüchtert. Das ist schon mal für den einen oder anderen Schmunzler gut.

 

Bevor Phoenix mit der Verteidigung seiner Mandanten beginnen kann, startet der Staatsanwalt die Verhandlung mit dem Eröffnungsplädoyer, wo auch die Anklagepunkte vorgetragen werden. Danach machen diverse Zeugen ihre Aussagen. Nach einer Zeugenaussage kommt das Kreuzverhör und die große Stunde von Phoenix beginnt. Phoenix hat nun quasi die Möglichkeit nach jedem Satz der Zeugenaussage zu intervenieren. Er kann dann entweder den Zeugen verbal angreifen oder direkt einen Beweis vorzeigen. Die verbale Attacke ist aber im ersten Durchlauf - jede Zeugenaussage kann mehrmals ins Kreuzverhör genommen werden - die bessere Methode. Denn oftmals werden die Zeugen nervös, wenn sie unter Druck gesetzt werden, was dann wiederum zu Widersprüchen in deren Aussagen führen kann. Außerdem kann Phoenix nicht unendlich viele Beweise aufspielen, um so den richtigen zu finden. Mit jedem Vorzeigen eines Beweises zum falschen Zeitpunkt reduziert sich ein Balken. Ist die Anzeige aufgebraucht, hat Phoenix den Prozess verloren. Je bedeutender die Situation ist, desto mehr steht auf dem Spiel und bei falscher Antwort reduziert sich der Balken deutlich schneller. Deshalb empfiehlt es sich vor jeder kniffligen Frage zu speichern (man kann quasi jederzeit speichern) und dann gegebenfalls bei einer falschen Antwort einfach neuzuladen.

 

Also muss man sich ganz genau überlegen, wann man seine Beweise präsentiert. Je nach Komplexität der Fälle werden mehrere Zeugen aufgerufen und Verhandlungen auch mal vertagt, so dass zwischendrin Zeit bleibt weitere Nachforschungen anzustellen.

 

Sowohl die Detektivarbeit vor und zwischen den Verhandlungen als auch die Auftritte vor Gericht sind sehr spannend, was vor allem auch an der tollen Eindeutschung der Texte liegt, die sehr humorvoll und kreativ daher kommt.

 

 

Die Steuerung:

 

Die Steuerung ist vorbildlich gelöst. Der Spieler hat die Wahl, ähnlich wie zum Beispiel in Another Code, den Titel komplett mit dem Stylus und dem Touchscreen zu spielen oder das Steuerkreuz für Bewegungen und die Tasten für Aktionen zu nutzen. Obwohl beide Arten einwandfrei funktionieren, empfehle ich doch das Spiel mit dem Stylus und dem Touchscreen zu steuern, denn gerade bei der Detektivarbeit wirkt diese Methode viel intuitiver.

 

 

Die audiovisuelle Darstellung:

 

Phoenix Wright besticht nicht durch aufwendige 3D Grafiken. Fast alles ist starr und das gesamte Spiel ist in 2D. Allerdings sind sowohl die Charaktere als auch die festen Hintergründe sehr schön und detailliert gezeichnet. Die Charaktere im Spiel haben zusätzlich noch rudimentäre Animationen und Mimiken spendiert bekommen, die sehr zu der jeweiligen Situation passen und auch einige Mal zum Schmunzeln anregen. Der Sound beschränkt sich auf wenige Hintergrundmusiken und einigen Effektgeräuschen, die aber allesamt passend sind und nie stören. Besonders witzig sind die beiden kleinen Sprachsamples „Einspruch“ und „Moment mal“, die immer wieder während einer Verhandlung in den Saal gerufen werden.

 

 

Die Langzeitmotivation:

 

Phoenix Wright hat keinen Multiplayer-Modus. Insofern ist alleine der Einzelspielermodus für die Langzeitmotivation verantwortlich. Diese ist aber auch durchaus gegeben. Denn zum Durchspielen braucht man locker 15 Stunden und mehr, zumal es anscheinend unterschiedliche Enden zu bewundern gibt.

 

 

Was gibt es negatives?

 

Eigentlich habe ich an Phoenix Wright kaum etwas zu bemängeln. Sicherlich wäre bei der audiovisuellen Darstellung deutlich mehr drin gewesen. Es stört aber nicht.

Den einzigen wirklichen Kritikpunkt, den ich vorzubringen habe, ist, dass das Spiel sich an einen sehr strikten Ablauf hält. So kommt es manchmal vor, dass man während einer Verhandlung schon weiß, welcher Beweis eigentlich alle Widersprüche auf einmal aufdecken und die Verteidigung in einen Vorteil versetzen würde. Nur meistens lässt einen das Spiel diesen Beweis erst dann präsentieren, wenn es so vorgesehen ist. Das kann schon mal ein wenig nervig sein, weil manchmal auch mehrere Möglichkeiten logisch erscheinen, aber dennoch nur eine funktioniert.

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters!

 

 


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Fazit

Auch der zweite Ableger der Phoenix Wright Serie auf dem Nintendo DS dürfte sowohl Fans von Gerichtssendungen im Fernsehen als auch von klassischen Point & Klick Adventures gleichermaßen begeistern. Die Story ist spannend, die Spielbarkeit sehr gut und perfekt an die Fähigkeiten des Nintendo DS angepasst. Die audiovisuelle Darstellung ist solide. Hier wäre aber sicherlich mehr drin gewesen. Wer also auf die genannten Genres steht und mal eine Runde Detektiv und Anwalt spielen möchte, dem können wir Phoenix Wright Ace Attorney Justice For All nur wärmstens empfehlen.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

87%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

16.03.2007

Developer

Capcom

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung


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