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Reviews: Nintendo DS

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Pokémon Diamant & Perl

RPG

30.09.2007

Autor: Daniel Nicolin

 

Déjà-vu?

 

Nach den kläglichen Versuchen erzwungener Innovativität und Ausschlachtung des Qualitätssiegels „Pokémon“ (ich verweise hier dezent auf die Spin-offs „Ranger“ und „Mystery Dungeon“), besinnt man sich mit der Diamant-Edition endlich auf altbewährte Stärken in bester Tradition. Keine zufällig (und stets monoton dämlich) generierten Dungeons, keine epileptisch-wilden Kreiselbewegungen auf eurem Touchscreen mehr: Einfach Pokémon eben, wie man es kennen und schätzen gelernt hat. Ich verzichte deswegen auch weitestgehend auf die detaillierte Erklärung altbekannter Abläufe (Fangen, Kampfsystem etc.), die könnt ihr gerne in jedem anderen Pokémon-Bericht nachlesen (bzw. die sind euch garantiert eh’ schon bekannt).

 

Als 14jähriger angehender Pokémon-Trainer streift ihr erneut durch die Landen (diesmal die Welt Sinnoh, welche sich als größer als alles zuvor Dagewesene präsentiert) und versucht frei herumlaufende Pokémon einzufangen, nebenbei im Auftrag Professor Eibes den Pokédex zu vervollständigen und in den verschiedenen Städten in den obligatorischen Arenen zu bestehen und deren jeweilige Leiter in einem gnadenlosen Duell zu besiegen, um einen der begehrten acht Orden und eine neue Spezialfähigkeit (die auch den Weg zu einem vorher unzugänglichen neuen Bereich ermöglichen) zu erhalten. Als Rivalen stehen euch diesmal Team Galaktik gegenüber. Same procedure as every year, aber von einem Pokémon-Game hat man sich noch nie eine wirklich bahnbrechende Story oder innovative Neuerungen versprochen. Der unwiderstehliche Reiz liegt eben in anderen Bereichen, wie z.B. dem Sammel-Feeling (wer will sie nicht alle haben?) und dem Aufleveln respektive beim Entwickeln der Viecher zusehen.

 

 

Aus alt mach neu

 

Wieder einmal dürft ihr bis zu sechs Pokémon gleichzeitig mit euch rumschleppen, wovon in den rundenbasierten Kämpfen typischerweise meist ein Pokémon gegen ein gegnerisches antritt und diese sich ihre (Spezial-)Attacken um die Ohren schmettern dürfen, wobei natürlich wie gewohnt bestimmte Typen besonders effizient gegen andere Element-Klassen wirken (Wasser gegen Feuer usw.). Als Trainer selbst greift ihr nicht direkt ins Kampfgeschehen ein (die Drecksarbeit machen andere), dafür könnt ihr bei Bedarf heilende oder andere Gegenstände einsetzen. Gesteuert wird das Ganze wahlweise mit dem Steuerkreuz oder mit dem Stylus, beides funktioniert prächtig und intuitiv selbsterklärend. Außerhalb der Kämpfe jedoch habt ihr keine Wahl: Hier steht euch nur die Steuerung per Steuerkreuz zur Verfügung, da das Spielgeschehen nicht auf dem Touchscreen stattfindet. Dieser ist nämlich allzeit belegt mit dem so genannten Pokétch, einer der Hauptneuerungen des Games.

 

Der Pokétch ist ein multifunktionales Dingsbums, welches im weiteren Verlauf des Spiels noch eine Reihe von mehr oder weniger nützlichen Updates erfahren wird. Einige der Grundfunktionen umfassen bspw. die Anzeige der Uhrzeit (also die „echte“ Zeit, welche auf eurem DS eingestellt ist, gleichzeitig aber auch die Spielzeit, was auch ausschlaggebend sein kann, weil einige Pokémon nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Tageszeiten auftauchen), einen Taschenrechner, einen Schrittzähler (hilfreich um zu sehen, wann Eier schlüpfbereit sind), einen Notizblock, ein Item-Radar (um versteckte Items aufzuspüren) und viele weitere (nützliche, überflüssige und witzige) Funktionen mehr. Alles in allem ein äußerst gelungenes und kurzweiliges Feature, und neben dem „Untergrund“ wohl das auffälligste.

 

 

Pokémafia

 

Besagter „Untergrund“ ist die zweite große Neuerung: Mittels eines Forschersacks, den ihr im ersten Viertel des Spielverlaufs erhalten werdet, könnt ihr jederzeit in den Untergrund schlüpfen, der euch seine eigene große Welt bietet. Diese ist zwar weitläufig (ein unterirdisches Gängesystem eben), bietet jedoch auf den ersten Blick nicht sehr viele Interaktionsmöglichkeiten. Hier könnt ihr jedoch mit Hilfe von Hammer und Spitzhacke nach Schätzen unterschiedlichster Natur graben (Sphären, Fossilien, seltene Items), die ihr u.a. gegen Dekoration für eure Geheimbasis eintauschen könnt. Diese eure Geheimbasis dürft ihr nämlich ebenfalls im Untergrund errichten und sogar einrichten (Animal Crossing lässt grüßen), mit Tischen, Regalen, Teddies und was weiß ich noch alles. Zudem könnt ihr euch im Untergrund mit Freunden treffen und auch deren Geheimbasen aufspüren um Fahnen zu stibitzen, die ihr benötigt, um eure eigene Basis sauber zu halten (klingt bescheuert, ist aber so).

 

Die Spielzeit, die benötigt wird, um den Hauptstrang durchzuzocken, beläuft sich locker auf weit über 50 Stunden, kann sich aufgrund der vielfältigen Nebenbeschäftigungsmöglichkeiten auch ohne Weiteres verdoppeln, wenn man alles gesehen und getan haben will. Positiv anzumerken ist, dass trotz der hohen Spielzeit das Aufleveln der eigenen Truppe zum Bestehen des nächsten Arena-Kampfes fast wie von selbst abläuft, da die Wege zwischen den einzelnen Arenen gut überlegt gestaltet sind, ihr somit nicht plötzlich vor einem übermächtigen Gegner steht und dem reinen Aufmotzen eurer Party nochmals Stunden widmen müsstet. Über 100 neue Pokémon warten auf den potentiellen Sammler, inbegriffen neue Entwicklungsstufen auch älterer Pokémon. Obligatorisch und ausgereift (und ausgereizt) sind auch die Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Editionen: Mit den GBA-Versionen lassen sich in der Diamant-Version in bestimmten Bereichen verschiedene Pokémon freischalten, durch den Transfer bestimmter seltener Exemplare aus den Editionen „Rubin“ und „Saphir“ nach „Diamant“ gibt’s auch noch ein NOCH selteneres Pokémon, für das ultrarare Manavieh (oder Manaphy?) benötigt man sogar „Pokémon Ranger“ usw usf.

 

 

Technische Umsetzung & Wi-Fi

 

Die audiovisuelle Umsetzung ist in gewohnter Manier eher zweckmäßig und sticht weder durch wunderschöne Grafiken noch durch ebensolche Melodien hervor. Jedoch gibt es zumindest leichte Verbesserungen zu verzeichnen, was die grafische Präsentation angeht: Ein zartes 3D-Gefühl wurde der gängigen und in klassischen RPGs zweidimensionalen Vogelperspektive verliehen. Die Animationen der knuddeligen Taschenmonster gewinnen sicherlich ebenfalls keinen Schönheitspreis. Für DS-Verhältnisse ist dies insgesamt viel zu wenig (andere Spiele machen vor, zu was der DS fähig ist!), und so muss man sich erneut mit dem Mittelmaß zufrieden geben. Gleiches gilt für die soundtechnische Darbietung: Solide Durchschnittsware, was die musikalische Untermalung angeht: einige ganz nett anzuhörende Melodien, die Geräusche jedoch, die eure Pokémon von sich geben, wirken mal wieder wie aus allerfrühesten Gameboy-Tagen. Eher nervig als nostalgisch. Dafür trumpft das Game eben mit anderen Stärken auf, von denen einige bereits genannt wurden, einige noch zu nennen sind.

 

Ein weiteres unschlagbares Plus gegenüber allen vorherigen „echten“ Pokémon-Teilen ist die Wi-Fi Connection Unterstützung. Endlich könnt ihr euch kabellos und weltweit mit anderen Trainern messen, ohne euch im selben Raum (Schlagwort: Link-Kabel) mit ihnen zu befinden. Die Crux an der Sache: Leider braucht ihr, um überhaupt online gehen zu können, vorher einen Friend-Code von demjenigen Trainer, mit dem ihr kämpfen wollt. Einfach zufällig gegen andere unbekannte Herausforderer antreten ist also nicht! Während der Kämpfe könnt ihr zudem live per Voice Chat mit euren Gegnern plaudern bzw. diese beschimpfen *hüstel* (Mikrofon-Funktion). Desweiteren könnt ihr natürlich Pokémon tauschen (vorbildlich die jedermann jederzeit zugängliche Tauschplattform, wo ihr eigene Angebote machen und andere durchstöbern könnt!) oder versuchen, in diversen Ranglisten die oberen Plätze zu belegen.

 

Die Reihe der Neuerungen ist schier unendlich, doch sind diese oftmals so klein und fein, dass sie einfach in ihrer Gesamtheit betrachtet werden müssen. Neben bereits erwähnten Nova (vor allem Pokétch, Untergrund und Wi-Fi-Kompatibilität) gibt es noch Folgendes (nur eine kleine Auswahl!): Neue Attacken; neue Fähigkeiten; neue Pokébälle (Heilball, Finsterball etc.) mit nützlichen Eigenschaften; fünfstufiger Tageszeitenwechsel; dann habt ihr noch die Möglichkeit, eure Pokébälle individuell mit bis zu acht Stickern pro Ball zu gestalten; Pokémon-Wettbewerbe umfassen nun neben Kämpfen auch vorheriges Schminken (die Schminkutensilien gilt es überall zu finden) und Tanzen; und und und …

 

Wir bedanken uns bei Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Insgesamt bietet euch Pokémon Diamant-Edition die Möglichkeit so viel zu erforschen und zu entdecken wie kein anderer Pokémon-Ableger jemals zuvor. Wollt ihr wirklich jeden Winkel der recht ausgedehnten Welt erforschen, alle Aufgaben erledigen, die Katakomben im Untergrund unsicher machen, eure Basis ausbauen und euch den Multiplayer-Möglichkeiten widmen, so werdet ihr locker im dreistelligen Stundenbereich landen. Das Game als solches geht „back to the roots“, besinnt sich auf seine Stärken und streut Neuerungen nur insoweit ein, als sie der waschechte Pokémaniac auch verkraften könnte. Pokémon-Hasser lassen natürlich auch dieses Mal besser die Finger davon, denn wer Pokémon Blau oder Rot schon nicht mochte, der wird auch über eine Dekade später genauso wenig Gefallen an der Reihe finden. Technisch bietet man leider erwartungsgemäß maue Kost – zwar die beste bisher, jedoch immer noch auf GBA-Niveau - spielspaßmäßig jedoch präsentiert sich jedem Pokémon-Fan der in seiner Gesamtheit wohl beste Teil der Handheld-Serie. Bedenkenlos zuschlagen!

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

super

85%

Singleplayer

85%

Multiplayer

Release

27.07.2007

Developer

Pokemon Company

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-2

Anzahl Spieler (WLAN)

1-2


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