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Reviews: Nintendo DS

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Marvel Trading Card Game

Strategie

10.10.2007

Autor: René Schäfer

 

X-Man, Dr. Doom und die Fantastischen Vier

 

Diese Namen sind euch ein Begriff? Noch dazu kennt ihr Spiderman und „Das Ding“? Dann könnte Marvel Trading Card Game etwas für euch sein. Hierbei liegt die Betonung jedoch ganz stark auf „könnte“. Denn um dieses Spiel spaßig oder gar gut zu finden, müsst ihr noch einige andere Punkte für euch selbst erfüllen. Welche, lest ihr in den folgenden Zeilen.

 

Wie der Name des Spiels schon verrät, ist Marvel TCG ein im Marvel-Universum angesiedeltes Sammelkartenspiel. Charaktere wie X-Men, die Fantastischen Vier oder Spiderman sollte jeder kennen, aber auch eingefleischte Marvel Fans bekommen mit Dr. Doom oder den Avengers bekannte Gesichter zu sehen. Und hier liegt auch sofort der aller erste Kritikpunkt. Spieler, vor allem jüngere, die sich kaum oder gar nicht im Universum der Marvel Superhelden und Schurken auskennen, könnten sehr schnell das Interesse an dem Spiel verlieren, da nicht ein Wort über die Helden oder Bösewichte verloren wird.

 

Apropos Wörter verlieren. Auch hier tut sich das Spiel schwer und fordert regelrecht weitere Kritik. Keinerlei Sprachausgabe und dazu noch Bildschirmtexte, die vergeblich versuchen Atmosphäre rüber zu bringen. Wer sich jetzt fragt, warum ein Kartenspiel eine Sprachausgabe bräuchte, hat sich noch nicht wirklich mit einem vernünftigen Sammelkartenspiel auseinandergesetzt. Ein Regelwerk, welches in Buchform mindestens 10 Din A4 Seiten ausmachen würde, wird in kleinster Schrift auf dem Bildschirm des Nintendo DS präsentiert. Legt man das Spiel zum ersten Mal in seinen Handheld, sollte also mindestens 15 Minuten (schnelle Leser) bis ca. 30 Minuten (langsamere Leser) an Zeit mitbringen, um das Tutorial durchzulesen.

 

Bevor die Einleitung jetzt aber mit Kritik voll gestopft wird, gehen wir lieber weiter zum Spielprinzip.

 

 

Magic + Yu-Gi-Ho = Marvel TCG

 

Wie bereits erwähnt ist Marvel TCG ein mehr oder weniger klassisches Sammelkartenspiel, bei dem man sich zu Anfang entweder auf die Seite der Helden oder die der Bösewichte stellen kann. Je nach Ausrichtung setzt sich das erste Deck, welches man im Spiel bekommt anders zusammen. Sammelkartenspiel? Deck? Hier mal eine kleine Erklärung am Beispiel von Marvel TCG.

 

Zwei Spieler duellieren sich in einem Kartenmatch. Jeder Spieler hat dabei sein eigenes Deck, einen Stapel selbst gewählter Karten, mit denen er spielt. Das Deck setzt sich dabei aus verschiedenen Arten von Karten zusammen. Da wären zum einen die Helden oder Schurken, die als „Charaktere“ zusammengefasst werden, die Ereignisse, die einen im Kartentext beschriebenen Einfluss auf das Spielgeschehen haben und die Ausrüstungskarten.

 

Die Charaktere sind die Karten, mit denen man seinen Gegenspieler oder dessen Charaktere angreift, um ihm Lebenspunkte abzuziehen, ihn zu besiegen und so zu gewinnen. Als Beispiel für eine solche Karte könnte man den bereits erwähnten Spiderman nennen. Jeder Charakter hat andere Kampfwerte, die ihn von anderen unterscheiden. Für was diese Kampfwerte da sind, erkläre ich später.

 

Ereigniskarten sind immer unterschiedlich und selbsterklärend. Sie haben einen meist einmaligen Einfluss auf das Spiel und wandern dann auf den so genannten Ablagestapel, ein Stapel bereits verwendeter Karten, die irreversibel aus dem Spiel verschwunden sind.

 

Die letzte wichtige Gruppe der Karten sind die Ausrüstungskarten. Diese Karten werden „auf“ einen sich im Spiel befindenden Charakter gespielt und verstärken dessen Kampfwerte oder verleihen ihm Eigenschaften, die ihn spezielle Charaktere angreifen lassen, die er ohne diese Karte nicht hätte angreifen können.

 

Kommen wir jetzt zum Ablauf. Das klassische Sammelkartenspiel teilt sich in mehrere Phasen pro Spielzug auf. So ist es auch bei Marvel TCG. In der ersten Phase ziehen beide Spieler, egal welcher Spieler gerade am Zug ist, jeweils die obersten zwei Karten aus ihrem Deck. Darauf folgt die Bauphase. Hier kann der aktive Spieler Karten ausspielen. Meistens spielt man zuerst eine Karte aus seiner Hand verdeckt in die „Ressourcenreihe“. Das ist eine Kartenreihe vor jedem Spieler, die verdeckte Karten des jeweiligen Spielers beinhaltet. Diese verdeckten Karten stellen im Spiel die Ressourcen dar, mit denen man die Kosten für andere Karten bezahlt. Andere Karten sind zum Beispiel die Charakterkarten, die im darauf folgenden Schritt, dem „Rekrutierungsschritt“ gespielt werden können. Will man eine dieser Karten spielen, muss man auf die Kosten achten, die man für die Aktivierung dieser Karte bezahlen muss. Wie hoch diese Kosten sind, steht auf jeder Karte mit einer Zahl angegeben. Will man Beispielsweise einen Helden mit den Kosten 5 legen, muss man mindestens fünf verdeckte Karten, sprich Ressourcen, in seiner Ressourcenreihe haben. Hat man die Karten ausgespielt, die man ausspielen wollte, folgt der „Formationsschritt“ in dem man entscheiden kann, an welcher Stelle des Spielfeldes man seine Charaktere haben will. Die Position einer Karte ist im nächsten Schritt, der „Kampfphase“ genannt wird, wichtig.

 

Die Kampfphase ist mit das wichtigste eines Spielzuges. In diesem Schritt kämpfen die eigenen Karten und die Karten des Gegners gegeneinander. Ist man selbst am Zug, kann man entscheiden, ob und gegen wen die eigenen Helden oder Schurken angreifen sollen. Dabei sollte man immer auf die bereits erwähnten Kampfwerte einer jeder Karte achten. Diese Kampfwerte sind zwei Zahlen in der linken unteren Ecke auf der Karte. Die erste der beiden ist dabei der Angriffswert und sagt aus, wie viel Schaden die Karte verursachen kann. Die zweite Zahl vermittelt den Verteidigungswert einer Karte und sagt dementsprechend, wie viel Schaden die Karte aushalten kann bevor sie aus dem Spiel auf den Ablagestapel verschwinden muss.

 

Hat man sich nun entschieden, welche Karten gegeneinander antreten, werden diese beiden Werte der Karten verglichen und dementsprechend Schaden verursacht. Man kann natürlich auch direkt den gegnerischen Spieler angreifen. Dies geht aber nur, wenn dieser keine Charaktere im Spiel hat oder wenn ein so genannter „Durchschlagsschaden“ verursacht wird. Ein Durchschlagsschaden entsteht immer dann, wenn der Angriffswert einer Karte viel höher als der Verteidigungswert der anderen ist. Die Differenz dieser beiden Werte wird dann von den Lebenspunkten des Gegners abgezogen. Jeder Spieler hat zu Anfang eines Matches 50 dieser Lebenspunkte. Sollte die Anzahl an Lebenspunkten eines Spielers auf Null sinken, ist das Match entschieden.

 

Das sind die groben Züge des Regelwerks aus Marvel TCG. Die kompletten Regeln bekommt ihr, wie bereits gesagt, in einem zwar sehr ausführlichen, aber rein auf Text basierendem und äußerst schwer verständlichem Tutorial erklärt. Dieser Mangel wirkt sich auch auf die ersten Spielstunden aus. So lange braucht man nämlich, um den Ablauf eines Matches wirklich zu verstehen und durchstarten zu können.

 

„Gesteuert“ werden all diese Aktionen per Stylus und Touchscreen. Um dem ganzen ein bisschen mehr die Atmosphäre eines Comics zu verleihen, hält man den DS, wie bei Dr. Kawashima oder Hotel Dusk, senkrecht. Hierbei muss aber die Ungenauigkeit des Touchscreen kritisiert werden. Es kommt ziemlich häufig vor, dass etwas völlig anderes passiert als das, was man eigentlich angeklickt hat. Nach ein paar Spielstunden und Erfahrung stellt man dann fest, dass diese Aktionen eigentlich dann passieren sollten, wenn man den Button einen Zentimeter weiter links gedrückt hätte als den, den man tatsächlich berührt hat.

 

 

Comic-Feeling?

 

Eine richtige Story bietet das Spiel nicht. Am Anfang bekommt man kurz erklärt, wie sinnlos der Planet Erde ist und dass es sich eigentlich gar nicht lohnen würde, diesen zu erobern. Die Bösewichter wollen sich aber trotzdem mit den so genannten „Helden“ auf dem Planeten duellieren. Und aus diesem Grund bekommt man dann, egal ob man sich für die gute oder die böse Seite entschieden hat, den ganzen Storymodus hindurch immer wieder kleine Häppchen unspannender Dialoge vorgesetzt, die im Grunde nur dazu da sind, ein Match mit dem anderen zu verbinden. Zwar unterscheiden sich die Storywege je nachdem, ob man sich als Held oder als Bösewicht durch das Spiel schlägt und bieten pro Szenario eine richtig lange Spielzeit, jedoch kommt diese fast auch nur durch längere Dialoge, das häufige Wiederholen von verlorenen Matches und das Sammeln besserer Karten für das eigene Deck zustande.

 

Eine Oberwelt wie aus Spielen wie „Pokémon TCG“ für den Nintendo GameBoy gibt es gar nicht. Die Dialoge werden auch nur durch Sprechblasen und Standbilder bzw. Zeichnungen im typischen Comic Stil dargestellt. So ist das Spiel nichts weiter als eine Aneinanderreihung von mehreren Matches, die zwar immer schwerer, aber nicht unbedingt aufregender werden und ein Sammeln von Karten, um sein Deck aufzurüsten und stärker zu machen.

Auf der einen Seite mag das ja ganz gut sein, da eine Kartenspielumsetzung nicht zwangsläufig mehr bieten muss, auf der anderen Seite stellt sich dann aber Frage nach dem Sinn einer solchen Umsetzung, wenn keine Story dahinter steckt.

 

Grafik und Sound sind in dem Spiel auch eher schlecht als recht und passen in das getrübte Gesamtbild. In den Kämpfen sieht man auf der linken Seite immer eine Großansicht der zuletzt berührten Karte und auf der rechten Seite das teilweise interaktive Spielfeld. Animationen sind auch rar gesät und stellen keinen Augenschmaus dar. GameBoy Advance lässt Grüßen! Die „Zwischensequenzen“ bestehen aus einfachen Bildern und ein paar Sprechblasen mit klein dargestelltem Text und ohne Sprachausgabe. Hier sollte man meinen, dass diese Bilder wenigstens anständig und auf dem Niveau eines Nintendo DS sind. Aber ein zweites mal weit gefehlt. Die recht pixelige Darstellung ist richtig unschön und rechtfertig auch nicht das Dasein auf einem Handheld der neusten Generation.

 

Der Soundtrack des Spiels ist grottenschlecht. Ungefähr zwei bis drei Melodien, die sich aber so ähnlich sind, dass man sie nur nach mehrmaligem genauen zuhören voneinander unterscheiden kann. Soundeffekte? Falsche Adresse! Die wenigen, die es gibt, sind auch schon seit der Zeit des Super NES veraltet.

Leider kann man diese Kategorie auch nur mit „schlechtes Mittelmaß“ betiteln.

 

 

Zu zweit...

 

...macht alles mehr Spaß! Auch diese Aussage trifft bei Marvel TCG nur bedingt zu. Der Multiplayer-Modus bietet genau das, was der Einzelspieler-Modus auch bietet. Selbst alle Fehler wurden komplett übernommen und dazu noch die Auswahl an spielbaren Karten gekürzt! Ein (Alb-)Traum!

 

Die Unterstützung des Nintendo Wi-Fi Modus ist zwar gut gemeint und lässt Hoffung aufblühen, wurde aber auch nicht besonders gut umgesetzt und erschlägt allen Hoffnungsschimmer nach dem ersten Onlinematch. Neben dem Problem des Findens eines Mitspielers bietet das Spiel auch hier die altbekannten Mängel der anderen Modi und überzeugt kein Stück. Schade!

 

Vielen Dank an Konami für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Marvel Trading Card Game macht so gut wie alles falsch, was eine Sammelkartenspielumsetzung falsch machen kann. Viel zu lange Texte, keinerlei Sprachausgabe, nerviger Soundtrack und keine richtige Story. Hinzu kommt eine ungenaue Erkennung der Eingabe per Touchscreen und keine Möglichkeit die Tasten des Handhelds zu nutzen. Selbst wenn man die wenigen positiven Aspekte, wie die große Kartenansammlung, übersichtliche Menü- und Kartendarstellung und die Länge von knappen 10 Stunden Spielzeit pro Szenario (Gut und Böse) des Spiels zusammenzählt, kann die Bewertungen nicht höher ausfallen.

Grafik

schwach

Sound

sch...

Steuerung

schwach

Spielspaß

schwach

25%

Singleplayer

20%

Multiplayer

Release

26.07.2007

Developer

Konami

Publisher

Konami

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (WLAN)

1-2


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