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Reviews: Nintendo DS

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Inazuma Eleven

Sport

27.03.2011

Autor: Martin Küpper

 

 

Es hat viel zu lange gedauert, aber jetzt ist Inazuma Eleven ja da. Seit August 2008 ist das Spiel in Japan erhältlich und seit dem habe ich auf diesen Tag geduldig gewartet, gehofft und gebangt. Wieso ich über zwei Jahre sehnlichst auf einen Europatermin gewartet habe? Nun, der Titel kommt von Level 5 - dem derzeit vielleicht besten Entwicklerstudio in ganz Japan - und kombiniert mit Fußball und Rollenspiel zwei Dinge, die ich absolut liebe. Aber der Hauptgrund ist der Anime-Look, der mich sofort an meine Kindheit, die Kickers und Captain Tsubasa erinnert hat. Wie gesagt, nun ist Inazuma Eleven endlich auch in Europa erhältlich und jetzt wollen wir doch mal schauen, ob sich das Warten überhaupt gelohnt hat!

 

 

Aufstehn! Aufstehn! Rauf auf den Rasen!

 

Das allererste was mir Inazuma Eleven nach mehr als zwei Jahren Warterei entgegen wirft, ist ein deutsches Intro. Und wie sich das für ein Anime Intro gehört, ist der Text purer Blödsinn und die Stimme klingt grauenhaft. Nintendos Übersetzungseifer ist buchstäblich schrecklich nett, also lassen wir das Intro besser schnell hinter uns und stürzen uns ins eigentliche Spiel.

 

Doch bevor es wirklich rauf auf den Rasen geht, müssen wir uns erst durch einige lange Dialoge quälen, die uns die missliche Lage des Fußballclubs der Jr. High näher bringen. Sportlich läuft es seit geraumer Zeit schlecht – so schlecht, dass die Verantwortlichen darüber nachdenken den Club zu schließen, um den guten Ruf der Schule nicht zu gefährden. Die einzige Möglichkeit die Entscheidungsträger noch umzustimmen ist ein Sieg im nächsten Spiel. Doch da wartet ausgerechnet die übermächtige Royal Academy, die als nahezu unbesiegbar gilt. Um diese Aufgabe zu stemmen greifen wir dem Kapitän der Mannschaft, dem jungen Torhüter Mar Evans, unter die Arme. Zunächst gilt es die Mannschaft zu vervollständigen, damit überhaupt erstmal elf Spieler auf dem Platz stehen können. Wahlweise per Touchscreen oder per Digi-Kreuz erkunden wir das Schulgelände auf der Suche nach Fußballbegeisterten Schülern, doch die sind hier dünn gesät. Und so laufen wir rum, reden mit Schülern und fragen uns, wann sich zum Rollenspiel Aspekt endlich auch ein wenig Fußball gesellt. Das Spiel will einfach nicht in Fahrt kommen - auch mit dem Spiel gegen die Royal Acadamy nicht. Erst danach entfaltet sich das Spielkonzept… so langsam zumindest.

 

Auch die Steuerung auf dem Platz ist zunächst nicht wirklich komfortabel. Hier wird man an den Touchscreen gezwungen – zeichnet Laufwege, tippt wo der Ball hin soll und wählt Spezialaktionen. Das wirkt zunächst hektisch und unhandlich. Das die Spieler anfangs nichts auf dem Kasten haben hilft auch nicht. Doch mit der Zeit werden die Spieler immer stärker, setzen sich öfters durch und haben mehr Spezialaktionen im Repertoire. Und mit den Spielern werden auch wir immer besser und plötzlich ist es kein Problem mehr, mit der eingangs als unhandlich verfluchten Steuerung tolle Kombinationen auf den Rasen zu zaubern und die Gegner zu umtanzen.

 

 

Taktik? Nö.

 

Aber wie funktioniert Inazuma Eleven auf dem Platz denn nun genau? Auch hier hat ein Rollenspielelement einen großen Einfluss: Alle Spieler haben Statuswerte, die auf dem Platz darüber entscheiden wie hoch die Chancen sind sich in einer Situation gegen einen Gegenspieler durchzusetzen. Je mehr Spielpraxis die Spieler haben, desto mehr Erfahrungspunkte sammeln sie. Das wiederum resultiert im Levelaufstieg, der die Satuswerte der Spieler erhöht. Dazu gesellt sich ein Stein-Schere-Papier-System, das ähnlich wie bei Pokémon dafür sorgt, dass gewisse Spielertypen einen Vorteil gegenüber anderen haben. Leider sind die Auswirkungen dieses Systems so gering, dass es eigentlich gar keine Rolle spielt. Darüber hinaus können alle Spieler bestimmte Spezialtechniken lernen, die ihnen in Zweikämpfen einen entscheidenden Vorteil verschafften oder einen Torschuss nahezu unhaltbar machen – außer der Torhüter kontert mit einer entsprechenden Technik.

 

Leider ist das ganze System weitaus weniger taktisch, als sich das vielleicht anhört. Da man nie weiß wann der Gegner welche Spezialtechnik einsetzt, kann man auch nicht entsprechend reagieren. Man muss also beispielsweise raten, ob es bei einem gegnerischen Torschuss nötig ist Marc Evans Spezialtechnik einzusetzen, oder ob die Optionen Fangen und Fausten ausreichen. Denn verschwenderisch darf man mit seinen Spezialtechniken nicht umgehen, sie verbrauchen schließlich Energie und können nur begrenzt eingesetzt werden. Unterm Strich spielt Taktik also eine verschwindend geringe Rolle und somit kommt es nur auf euer Können auf dem Platz an. Und leider fehlen Inazuma Eleven auch die spielerischen Möglichkeiten um das wieder wett zu machen.

 

 

Abseits des Platzes

 

Neben den großen Spielen, in denen ihr klassisch mit Elf gegen Elf spielt, gibt es Zufallsbegegnungen in denen auf jeder Seite drei Feldspieler plus Torhüter auf dem Platz stehen. Hier gilt es als erstes ein Tor zu schießen, den Ball zu erobern oder ein Gegentor zu verhindern. Leider schreibt euch das Spiel vor wer Marc im Laufe der Story begleitet und somit auch wer in den Zufallskämpfen auf dem Platz steht. Wollt ihr also bestimmte Spieler trainieren müsst ihr ins Trainingcenter gehen, ein Spezialtraining absolvieren (das steigert nur einen bestimmten Statuswert wie Schnelligkeit oder Ballgefühlt) oder aber ihr organisiert ein Match gegen einen der Gegner, die ihr im Spielverlauf bereits besiegt habt.

 

Aber ist das wirklich nötig? Ab einem gewissen Zeitpunkt im Spiel hatte ich zumindest nicht mehr das Gefühl als würde mich das Spiel groß fordern. Jeden Gegner habe ich mit Leichtigkeit und mindestens drei Toren Unterschied nach Hause geschickt. Hinzu kommt, dass das Trainieren einfach keinen Spaß macht, wo euch die Zufallsbegegnungen doch schon zur Genüge auf Trab halten.

 

Unter einem ähnlichen Problem leidet auch ein weiteres Spielelement. Ihr könnt eueren Kader ganz im Stile von Felix Magath immer weiter ausweiten und zahlreiche neue Spieler ins Team holen. Dabei könnt ihr entweder einen Spieler gezielt nach euren Wünschen suchen oder einen Spieler aus einer anderen Mannschaft abwerben. Am interessantesten ist es aber, die neuen Vereinskollegen über Bekannte zu suchen. Dabei hat man eine Art Freundesnetz, das sich immer weiter ausbreitet, da man im Spielverlauf neue Kontakte knüpft. Das Ganze hätte wirklich potential gehabt, denn das Sammeln motiviert ist seit Pokémon nun wirklich kein Geheimnis mehr. Aber wieso soll ich sie mir alle schnappen, wenn mein Team sowieso jeden Gegner an die Wand spielen kann?!

 

 

Heilsbringer Mehrspielermodus?

 

Entkräftigen könnte diese Probleme allerdings der Mehrspielermodus. Spielt ihr gegen einen Freund, sind gut trainierte Spieler unabdinglich. Folglich ist man gleich viel motivierter ein wenig zu trainieren, um einen übermächtigen Rivalen aus dem Freundeskreis endlich zu besiegen. Außerdem ist es möglich mit Freunden lokal Spieler auszutauschen. Das fördert im Idealfall auch den Anreiz neue Spieler im Storymodus anzuwerben. Wie gesagt, im Idealfall. Hat man gleich mehrere Freunde, die sich gegenseitig anstacheln und zu Höchstleistungen treiben, ist nicht nur der Mehrspieler ein Vergnügen. Auch die Motivation im Einzelspieler dürfte kräftig angekurbelt werden. Die Frage ist nur, wer hat schon gleich mehrere Leute im Freundeskreis, die sich für Inazuma Eleven begeistern können?

 

Ach, hätte das Spiel doch einen Online Modus. Wenn der halbwegs gescheit wäre, hätte man jeden Spieler, der sich mit anderen messen möchte, besser animieren können. Die Option sich noch mehr Spieler zu laden ist zwar ganz nett, verkommt so aber wieder zum trivialen Feature, das die wenigsten reizen dürfte.

 

 

Wir danken Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Inazuma Eleven kommt zu Beginn nicht so wirklich in Gang und erschlägt einen förmlich mit Dialogen und seinem System. Das wäre alles zu verzeihen, wenn man zur Belohnung hinter all dem eine packende Handlung und ein durchdachtes Konzept entdecken könnte. Tut man aber nicht. Ist Inazuma Eleven deshalb ein schlechtes Spiel? Nein, denn den Spielspaß hat man nicht komplett ausgesperrt. Die großmäuligen Gegner auf dem Spielfeld zu vernichten und es den Kritikern des Clubs zu beweisen weiß durchaus zu motivieren. Und eines ist Level 5 wirklich geglückt: Der Anime Charme ist perfekt einfangen! Die Story, die Charaktere, die herrlich übertriebenen Spezialschüsse – das erinnert mich alles an die Kickers und Captain Tsubasa.

Grafik

gut

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

ok

70%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

28.01.2011

Developer

Level 5

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (WLAN)

1-4


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