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Reviews: Nintendo DS

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Real Football 2008

Sport

13.10.2007

Autor: Mario Kablau

 

 

Real Football ohne Lizenz?

 

Schon seit vielen Jahren gibt es Fußball-Spiele auf Konsolen. Angefangen mit tollen Spielen in 2D auf dem NES wanderten die Simulationen mit der Generation N64 in die dritte Dimension. Mit den nächsten Generationen ging es dann hauptsächlich um grafische und spielerische Optimierungen, so dass die aktuellen Produkte auf den großen Konsolen schon extrem nah an der Realität dran sind. Große Namen in dem Bereich sind vor allen Dingen die Fifa-Reihe von EA und die PES-Reihe von Konami, die als einzige Titel Lizenzen von der Fifa haben.

 

Auf dem Nintendo DS gab es auch schon Umsetzungen der beiden Reihen, die sich grafisch in etwa auf dem Niveau der N64-Titel bewegen. Durch den Erfolg der Titel fühlten sich wohl auch Ubisoft und Gameloft angelockt und bringen nun mit Real Football 2008 ihr erstes Fußball-Spiel auf den Markt. Der Name impliziert zwar direkt, dass es sich bei diesem Spiel um einen Titel handelt, der über alle oder zumindest die meisten Lizenzen verfügt, das fehlende Fifa-Logo auf der Verpackung sollte allerdings früh genug vor diesem falschen Eindruck warnen. Real Football verfügt nämlich über gar keine Lizenzen, was zwar am Spiel an sich nichts ändert, aber für den Fan doch einige Einschränkungen zur Folge hat.

 

So heißen die Mannschaften zum Beispiel einfach Hamburg, Stuttgart oder München und benutzen nicht die originalen Logos der Vereine. Ebenso tragen die Ligen nicht die offiziellen Titeln, so dass es einfach platt Deutsche Liga heißt, statt Deutsche Bundesliga. Auch originale Stadien und echte Spielernamen sucht man im Spiel vergeblich.

 

Doch die Entwickler wussten sich zu helfen und haben auf allzu fremde Phantasienamen verzichtet, sondern wählten solche, die dem Original sehr ähnlich klingen. So spielen in der deutschen Mannschaft zum Beispiel die Spieler Lohmann, Ballacq, Schveinstein und Bodolski. Somit können Fans die Spieler direkt erkennen, ohne, dass eine Lizenz gebraucht wird. Allerdings ist auch klar, dass nicht die Lizenz das Spiel gut macht, sondern andere Dinge.

 

 

Fußball für unterwegs!

 

Das ein Fußball-Spiel „zum Mitnehmen“ nicht die grafische Qualität einer Heimkonsolen-Version haben kann, sollte klar sein, aber da liegt unterwegs auch gar nicht der Anspruch. Das Spiel sollte perfekt auf die zwei Bildschirme des Handhelds angepasst sein, sinnvoll die speziellen Fähigkeiten der Konsole nutzen und ausreichend Optionen bieten, um für genug Abwechslung zu sorgen. Eine gute Steuerung, die dazu führt, dass man auch in Bus und Bahn zocken, kann ohne gleich zu verkrampfen oder immer zu verlieren, sollte bei einem solchen Spiel auch Pflicht sein.

 

Real Football 2008 macht seine Sache in den meisten dieser Punkte sehr gut und setzt sogar noch einen oben drauf. Die zwei Bildschirme sind wirklich optimal genutzt: Oben ist das Spielgeschehen dargestellt und unten sieht man eine symbolische Darstellung des gesamten Feldes, auf dem man erkennen kann, wo die eigenen Spieler und die des Gegners sich gerade befinden und wo der Ball rollt. Somit kann man – selbst wenn die Sicht auf dem oberen Bildschirm mal nicht reicht, um zu erkennen, ob sich ein Gegenspieler im direkten Passweg zu einem Mitspieler befindet – immer sicher sein, dass ein Pass den Ball nicht direkt dem Gegner zuspielt.

 

Die speziellen Fähigkeiten des DS werden auch gut genutzt. Foult man einen Gegner, dann kann man ins Mikrofon schreien, um den Schiedsrichter zu besänftigen. Allerdings kann eine solche Aktion durchaus auch nach hinten losgehen, wenn man den Unparteiischen zu sehr anbrüllt. Der Touchscreen wird bei Strafstößen verwendet: Dem Torwart gibt man die Richtung vor, in die er springen soll und der Schütze nimmt Richtung und Stärke des Schusses ebenso über den Touchpen auf.

 

Die zahllosen Ligen und Cups sorgen für ausreichend Langzeitmotivation, obwohl sich viele Dinge sehr ähnlich sind. Es ist eigentlich irrelevant, ob man die italienische, die spanische, die englische oder die deutsche Liga spielt, denn das Spielprinzip ist ja immer dasselbe. Neben den Ligen gibt es auch noch ein paar Cups, wie zum Beispiel die EM 2008 inklusive Qualifikation, eine Weltmeisterschaft und andere internationale Meisterschaften.

 

Natürlich sind auch einfache Trainingsspiele möglich. Ebenso kann man das Elfmeterschießen üben und in einem Trainingsmodus die Steuerung Schritt für Schritt erlernen.

 

 

Mehrspieler

 

Natürlich hat Real Football auch einen Mehrspieler-Modus, mit dem man zu zweit, zu dritt oder zu viert gegeneinander antreten kann. Allerdings geht das nur lokal und auch nur, wenn jeder Spieler eine eigene Karte hat. Die Optionsvielfalt des Spiels geht dann leider auch total verloren, denn man keine Cups oder Ligen gemeinsam bestreiten, sondern lediglich ein einfaches Match austragen.

 

Dafür ist es aber möglich, die Spieler beliebig auf die Mannschaften zu verteilen, so dass man also 2 gegen 2, 3 gegen 1 oder 4 gegen KI spielen kann. Ebenso hat man alle Aufstellungsoptionen, wie auch im Einzelspieler-Modus. Man kann also die Taktik ändern, Spieler auswechseln, die Länge des Matches vorgeben, ein Stadion wählen und die Farbe der Trikots festlegen. Den Schwierigkeitsgrad kann man auch beeinflussen, allerdings ist der Einfluss auch hier kaum messbar.

 

Zu viert macht das Spiel auf jeden Fall deutlich mehr Spaß als alleine, was auch daran liegt, dass dann der Einfluss der KI gesteuerten Figuren nicht mehr ganz so groß ist. Die Verbindung ist stabil und das Spiel läuft flüssig. Im Vergleich zum Einzelspieler-Modus gibt es keine wahrnehmbaren Unterschiede.

 

Der Stein der Weisen ist das Spiel allerdings auch mit mehreren menschlichen Spielern nicht, denn dafür sind die Mängel – auf die gehe ich später noch genauer ein – einfach zu gravierend. Es ist aber auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung, den Spielspaß auf jeden Fall verlängert. Ein Online-Modus wäre natürlich genial gewesen, aber damit tun sich Entwickler in letzter Zeit irgendwie sehr schwer. Schade eigentlich!

 

 

Fußball ist komplex!

 

Beim Fußball gibt es unzählige Möglichkeiten, mit dem Ball umzugehen: Man kann normal laufen oder sprinten, kurze, lange, hohe oder niedrige Pässe spielen, Gegner angreifen und foulen, mit dem Ball dribbeln oder eben auf das Tor schießen.

 

Um die Steuerung etwas übersichtlicher zu machen, ist sie davon abhängig, ob man gerade Angreifer oder Verteidiger ist. Als Angreifer hat man über die diversen Tasten die Möglichkeit, den Ball zu lang oder kurz passen, normal zu laufen oder zu sprinten und auf das Tor zu schießen. In der Verteidigung kann man Gegner angreifen, den eigenen Spieler wechseln und dem Torwart sagen, dass er aus dem Tor herauslaufen soll, um einen Spieler abzufangen.

 

Über die vier Aktionstasten in Kombination mit L, R und dem Steuerkreuz braucht man eine ganze Weile, um es wirklich zu beherrschen und die ersten wirklich schönen Spielzüge auf die Reihe zu bekommen. Wenn man es jedoch einmal raus hat, dann geht es sehr leicht von der Hand, wobei sich dann ganz andere Probleme offenbaren, dazu aber später mehr.

 

Die Grafik ist sehr gut gelungen, auch wenn sich die Spieler nicht wirklich voneinander unterscheiden. Die einzige Merkmale, die abweichen können, sind Haut- und Haarfarbe sowie in gewissem Maße die Frisur. Erkennen kann man also keinen Spieler, aber das wäre ohne Lizenz ja eh nicht möglich. Die Bewegungen der Spieler sind extrem gut gelungen, auch wenn sie teilweise ein wenig zu monoton sind. So sieht ein Foul zum Beispiel immer gleich aus, egal aus welcher Richtung und mit welcher Geschwindigkeit der Angreifer attackiert. Die Bewegungen mit dem Ball wirken jedoch sehr gut für ein Spiel dieser Art auf dem Nintendo DS. Technisch braucht sich Real Football 2008 vor den direkten Konkurrenten auf keinen Fall zu verstecken.

 

Die Stadien sehen auch ganz okay aus. Die Zuschauer sind zwar nur eine einzige farbige Textur, aber ein paar dreidimensionale Fahnen lockern das Bild wesentlich auf. Die 9 Arenen unterscheiden sich auch gut voneinander, so dass man hier ausreichend Abwechslung geboten bekommt. Die Wetter-Variationen (Sonne, Regen, Schnee) sowie die Möglichkeit tagsüber oder nachts zu spielen, erweitern die Optionen zusätzlich. Positiv fällt auf, dass sich die Bewegungen der Spieler und des Balles je nach Wetterlage tatsächlich realistisch unterscheiden.

 

Die Soundkulisse in den Stadien ist ok, allerdings mangelt es ganz klar an Abwechslung. Fünf verschiedene Fan-Gesänge sind einfach zu wenig und auch das generelle Jubeln könnte etwas mehr Varianten vertragen. Auf einen Kommentator muss man leider ganz verzichten. Die Musik ist unter aller Kanone. Insgesamt gibt es drei Songs (Menü, Halbzeitpause und nach dem Spiel), was einfach viel zu wenig ist. Dazu sind die Songs an sich auch noch nicht wirklich toll, wobei vor allen Dingen der Gesang im Hauptmenü nach 5 Minuten bereits anfängt zu nerven.

 

 

Meckerecke

 

Bis jetzt klingt das Spiel ja eigentlich nach einer recht guten Wahl, allerdings relativiert sich das Ganze ein wenig, da es einige gravierende Mängel gibt, auf die ich jetzt mal näher eingehen werde.

 

Die KI der Spieler ist quasi nicht vorhanden. Alles was Figuren machen, die nicht vom Spieler gesteuert werden, ist, an ihrem Platz zu stehen und zu warten, bis sich ihnen ein Gegner nähert, um dann einen Versuch zu starten, ihm den Ball abzunehmen. Das hat zwar auch Vorteile, aber für hohen Realismus sorgt es jedenfalls nicht. So kommt es nicht selten vor, dass man einem Gegner, der den Ball führt, hinterher rennt und durch eine fehlplatzierte Grätsche den Anschluss verliert. Nun kann man theoretisch den Spieler mit der linken Schultertaste wechseln, um es mit einem besser positionierten Spieler erneut zu versuchen. Da die aber in der Regel eher vom Ball weg laufen als sich Gegnern in den Weg zu stellen, geht das meistens in die Hose.

 

Darüber hinaus wechselt das Spiel den gesteuerten Spieler gerne mal selbst. Spielt der Gegner zum Beispiel einen Pass, dann steuert man selbst ab sofort den Spieler, der dem Ball jetzt am nächsten steht. Am nächsten heißt aber nicht immer auch am besten. Rennt man zum Beispiel einem Spieler hinterher und der passt den Ball nach außen. Dort steht ein Spieler auf der anderen Seite des Balls näher. Da man nie so genau weiß, wohin die Steuerung springt, passiert es nicht selten, dass man in die falsche Richtung läuft und dann nichts mehr unternehmen kann, um den Gegner zu stoppen.

 

Manchmal kommt es auch vor, dass der eigene Spieler in die „blocken“ Position wechselt, damit der Gegner nicht so leicht vorbei kommt. Dumm ist nur, dass das auch gerne mal passiert, wenn man hinter einem Gegenspieler her rennt. Dann hilft diese Haltung nicht gerade, vor allem, weil man in ihr viel langsamer rennt. Es ist völlig unverständlich, wie so etwas passieren kann. Wenn die Reihenfolge auf dem Feld ist: Eigenes Tor -> Gegenspieler mit Ball -> eigener Spieler. Dann gibt es keinen Grund, den Gegner von hinten blocken zu müssen. Auch so kassiert man einige Tore, weil man dadurch den Ball nicht mehr erreichen kann bevor er im Tor ist.

 

Greift man selber an, dann ist diese Macke auch mal hilfreich. Passt man zum Beispiel den Ball an einen äußeren Mittelfeldspieler und rennt am Rand in Richtung Tor, dann wird man von einem Gegner grundsätzlich nur bis kurz vor dem Strafraum verfolgt und steht dann frei vor dem Tor. Dies ändert sich auch nicht, wenn man den Schwierigkeitsgrad auf „schwer“ stellt.

 

Einmal ist es mir sogar passiert, dass einer meiner Spieler außerhalb des Feldes stand. Da man das auf der Übersichtskarte nicht so genau erkennen konnte, habe ich ihm den Ball zugespielt und dann bekam der Gegner natürlich Einwurf... Vor der KI des Torwartes schreibe ich hier besser erst gar nichts, denn der kriegt wirklich nichts gescheit auf die Reihe.

 

Diese ganzen Mängel sorgen dafür, dass das Spiel schon nach kurzer Zeit kaum mehr Spaß macht, da man die Taktiken der Gegner sehr schnell durchschaut und somit leicht Tore schießen kann. Im Gegenzug ist man zwar manchmal gegen Angriffe des Gegners machtlos, aber das wirkt nicht ausgleichend, sondern total willkürlich. Komisch ist auch, dass die eigenen Spieler, wenn sie auf dem Elfmeterpunkt frei vor dem Tor stehen nur etwa jedes dritte Mal wirklich das Tor treffen. Und damit meine ich nicht, dass der Torwart im Weg steht, sondern sie schießen einfach wild durch die Gegend.

 

Als letzten Punkt möchte ich noch anmerken, dass man bei jedem Start die Spracheinstellungen erneut festlegen muss. Das ist einfach nicht zeitgemäß und nervig ohne Ende. Warum hat denn die Konsole eigene Spracheinstellungen, wenn man sie nicht nutzt. Dies ist vor allem dann ärgerlich, wenn man sich einmal vertippt, denn das Spiel zu starten dauert etwa 30 Sekunden, da man die Logos und Texte zu Beginn nicht wegdrücken kann.

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters


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Fazit

Der erste Eindruck von Real Football 2008 ist wirklich gut, denn sowohl Steuerung als auch Grafik überzeugen. Nach kurzer Zeit fallen dann jedoch die Mängel immer stärker ins Gewicht, so dass man irgendwann kaum noch Spaß am Titel hat. Der Mehrspieler-Modus ist ein netter Zusatz, vor allem wegen der Möglichkeit, mit vier Spielern beliebige Teams zu bilden, aber durch die benötigten vier Module wird man nur selten in den Genuss kommen. Ein Online-Modus hätte hier sicher ein paar Wertungspunkte wieder gut machen können. Echte Fußballfans sollten also eher auf Fifa oder PES umsteigen oder auf die 2009er Version warten, die hoffentlich den Großteil der Mängel nicht mehr haben wird.

Grafik

gut

Sound

schwach

Steuerung

gut

Spielspaß

schwach

59%

Singleplayer

59%

Multiplayer

Release

09.10.2007

Developer

Gameloft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (WLAN)

2-4


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