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Reviews: Nintendo DS

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Anno 1701

Simulation

10.11.2007

Autor: Mario Kablau

 

 

Lang lebe die Königin!

 

Lange Zeit bevor wir das Licht dieser Welt erblickt haben, war Großbritannien noch eine ganze Ecke größer als heute. Durch ihre unglaublich starke Marine hatten sie Kolonien überall auf der Welt und genau darum geht es in Anno 1701 auf dem Nintendo DS: Kolonien bauen und entwickeln. Das Spielprinzip ist also ähnlich wie Sim City, bloß dass es hier neben der Entwicklung der Kolonie auch um die Entwicklung des Volkes geht. Außerdem beschränkt sich das Geschehen nicht auf ein großes zusammenhängendes Gebiet, sondern die Umgebung besteht meist aus mehreren Inseln unterschiedlicher Größe.

 

Zu Beginn eines Kapitels hat man in der Regel nicht mehr als ein Entdeckerschiff, mit dem man ein bestimmtes Gebiet erkunden muss. Sobald man eine Insel findet, die ausreichend groß und fruchtbar ist, dockt das Boot an und dessen Material wird zum Bau eines Kontors – eine Art zentraler Marktplatz – verwendet. Mit Hilfe des Touchpens geht es nun zunächst darum, die Grundbedürfnisse der Kolonie zu decken. Hat man also Holzfäller, Steinmetze und Grundnahrungsmittel in ausreichender Menge produziert, dann sind die Pioniere, die auf der Insel leben natürlich nicht wunschlos glücklich. Sie verlangen ebenso nach einer Kapelle und wollen in deren Einflussgebiet leben.

 

Frei nach der Englischen Art wollen sie aber auch danach immer höher hinaus, ohne jedoch auf die grundlegenden Dinge zu verzichten. So muss man im Laufe der Zeit weitere Dinge für die Bürger zur Verfügung stellen. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, dann entwickeln sie sich weiter und werden Siedler, Bürger, Kaufleute und schließlich Aristokraten. Letztere verlangen neben einer großen Kirche, einem Badehaus und einer Schule auch ein Schauspielhaus und eine Universität in der Nähe. Daneben muss man sie ausreichend mit Schmuck und Pralinen versorgen, denn nur so lässt sich der Tag genießen.

 

Es ist durchaus möglich, in einer Kolonie mehrere Entwicklungsstationen zu haben, jedoch ist das nicht empfehlenswert, da man die einzelnen Klassen nur am „Aufstieg“ hindern kann, wenn ihnen etwas fehlt und das trägt nicht zum Wohlbefinden der Kolonie bei. Ebenso zahlen Bürger höherer Klassen natürlich auch mehr Steuern, was essentiell ist, um nicht Pleite zu gehen, denn der Unterhalt der Produktionsstätten kostet selbstverständlich Geld. Da man im Laufe der Zeit immer mehr Gebäude bauen muss, um alle Bedürfnisse zu befriedigen, wird es zwangsläufig immer teurer.

 

Später kommt dann auch noch der Unterhalt einer eigenen Armee hinzu, damit die Kolonie auch vor Piraten und anderem Gesindel geschützt ist. Ebenso reicht es meistens nicht aus, sich auf nur einer Insel niederzulassen, da erstens der Platz kaum reicht und zweitens gewisse Dinge dort vielleicht nicht gefunden oder angebaut werden können. Also muss man weitere Entdeckerschiffe bauen, um die Umgebung zu erkunden und sich auch auf anderen Inseln niederzulassen. Da der Transport von Gütern zwischen den Inseln ohne Aufwand und Kosten möglich ist, kann man so außerdem den Platz auf der Hauptinsel optimal gestalten.

 

Ich möchte jetzt nicht zu tief in diese Punkte einsteigen, denn das würde viel zu weit führen. Wichtig ist, dass man weiß, dass es bei Anno darauf ankommt, die Bedürfnisse der Kolonisten zu befriedigen und sie vor Feinden zu schützen. Wer mit Sim City seinen Spaß hat, der wird auch hier begeistert sein, denn das Spielprinzip ist nicht so verschieden.

 

 

Mitten im Leben!

 

Vor allem durch den Touchscreen ist der Nintendo DS einfach prädestiniert für das Genre der Aufbausimulationen. Man kann wie mit der Maus am PC die Dinge direkt anfassen und optimal steuern. Zwar ist der Bildschirm viel kleiner als ein PC Monitor, aber auch dieses Problem lässt sich lösen, aber dazu später mehr.

 

Die Steuerung ist zwar komplex, aber dennoch so einfach gehalten, dass man sehr gut damit klar kommt. Durch das gute Tutorial wird man langsam mit den zahlreichen Funktionen vertraut gemacht und lernt so nach und nach die perfekte Kolonie zu bauen. Auf dem oberen Bildschirm sind in der Regel die Finanzen angezeigt, also was so täglich an Steuern herein kommt und was für Ausgaben für Produktion und Armee heraus fließt. Auf dem unteren Bildschirm ist die Kolonie dargestellt. Man bewegt sich durch einfaches ziehen mit dem Touchpen stufenlos über das Gebiet oder kann durch einen Button an der rechten Seite eine Karte aufrufen und dann direkt an den Ort tippen, zu dem man hin möchte.

 

Gebäude baut man über ein einfaches Ringmenü, das man ebenfalls durch einen Button auf der rechten Seite aufruft. Dort sind die Häuser und Produktionsstätten in mehrere Kategorien eingeteilt, so dass man schnell das findet, was man sucht. Ein wenig Zeit braucht man allerdings, um die Symbolik zu verstehen, ansonsten muss man eventuell ein paar Mal tippen, bevor man am Ziel ist.

 

An der rechten Seite befinden sich außerdem Buttons, um sich die Vorgaben für die aktuelle Mission anzeigen zu lassen und das Steuermenü, in dem man unter anderem festlegen kann, welche Gruppe von Kolonisten wie viel Steuern zu zahlen haben. Die maximale Höhe der Steuern hängt davon ab, wie zufrieden die Leute sind. Je mehr ihrer Bedürfnisse erfüllt sind, desto mehr sind sie bereit zu zahlen. Es ist also immens wichtig, jederzeit darauf zu achten. Ebenso kann man in diesem Menü Verhandlungen führen. So ist es zum Beispiel manchmal nötig, anderen Völkern oder der Königin Tribut zu zollen, damit man sich in deren Gebiet ausbreiten darf oder bestimmte Rohstoffe bekommt, die man nicht selber herstellen kann.

 

Über den Start-Button gelangt man ins Pausenmenü, in dem man unter anderem das Spiel speichern kann. Ebenso befindet sich dort die so genannte ANNOpedia, eine Sammlung aller wichtigen Dinge, die man im Spiel wissen muss. Man kann dort zum Beispiel nach einem bestimmten Begriff in einer alphabetischen Liste suchen, um sich Erklärungen dazu durchzulesen. Kommen im erklärenden Text weitere Begriffe vor, die erklärungsbedürftig sind, dann sind diese durch Links unterlegt und können einfach angetippt werden. Durch einen Navigations-Button kommt man auch immer wieder dahin zurück, wo man hergekommen ist. Neben der guten Einführung ist das eine unglaubliche Hilfe, da man hier einfach alles nachlesen kann, was man noch nicht so ganz verstanden hat. Die Navigation durch die Hilfe ist super und an Infos ist auch alles dabei, was man sich wünschen kann.

 

 

Technik aus dem 18. Jahrhundert?

 

An der technischen Seite gibt es auch kaum etwas zu meckern. Anders als bei Siedler haben sich die Entwickler Gedanken darüber gemacht, was die kleine Konsole kann, anstatt krampfhaft zu versuchen, ein bestehendes PC-Spiel möglichst 1:1 umzusetzen. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Zwar ist die Welt nicht ganz so lebhaft wie bei den Siedlern, denn es bewegt sich einfach weniger auf der Karte. Dafür ist die Welt mindestens ebenso farbenfroh und abwechslungsreich. Und was viel wichtiger ist: Das Spiel läuft absolut flüssig und durchgängig stabil. Die Zoom-Funktion in zwei Stufen lässt sich ohne Verzögerung nutzen, das Scrollen über die Umgebung geht stufenlos, ohne Ruckler und Abstürze habe ich beim Spielen keine erleben müssen.

 

Die Geschichte zwischen den Missionen wird in schönen Standbildern mit ein wenig Text erzählt. Die dazu passende Musik untermalt das Geschehen perfekt und sorgt so für eine gute Stimmung. Insgesamt sorgt die Musik durch ihre Qualität und Quantität für abwechslungsreiche Unterhaltung der Ohren. ;-) Auch der Sound ist gut, wenn auch ein wenig minimalistisch, da es generell nur recht wenige Geräusche gibt.

 

Etwas schade ist, dass man nur einen Speicherplatz zur Verfügung hat, denn so ist es kaum möglich, das Spiel in einem Haushalt von mehreren Leuten nutzen zu lassen. Etwas blöd ist das auch, weil ich ab und zu das Bedürfnis hatte, ein paar neue Dinge auszuprobieren, ohne meinen alten Speicherstand zu löschen, was nur dann möglich ist, wenn man genug Zeit hat, um das am Stück zu machen und daher nicht speichern muss. Positiv ist jedoch, dass das Speichern extrem schnell geht und anders als bei einem bestimmten Konkurrenzprodukt auch nie zu Abstürzen führt. Es vergehen höchstens 5 Sekunden, dann ist der Spielstand gesichert und man kann direkt weiter machen.

 

 

Wer baut die beste Kolonie

 

Ein weiterer Vorteil gegenüber Siedler ist der Mehrspieler-Modus. Da wir leider nur eine Karte zur Verfügung haben, dieser Modus jedoch nur mit mehreren Karten geht, konnten wir ihn leider nicht genau testen. Das Tutorial des Spiels ist jedoch so umfangreich, dass ich zumindest auf die Möglichkeiten in diesem Bereich eingehen werde. Wie stabil und flüssig es läuft, kann ich jedoch leider nicht berichten. In Anbetracht des sehr guten Eindrucks im Einzelspieler-Modus kann man aber wohl davon ausgehen, dass es hier ähnlich gut laufen wird.

 

Maximal vier Spieler können daran teilnehmen und nach bestimmten Siegesregeln gegeneinander antreten. Zu Beginn starten alle Spieler mit einem Schiff voller Gold und Baumaterial in der Mitte der Karte und müssen dann eine Insel suchen und fleißig bauen. Als Siegesbedingungen stehen „Gold regiert“, „Schnelles Wachstum“, „Inseln erobern“, „Die Zeit ist knapp“ und „Punkte mit Missionen“ zur Verfügung. Wählt man die erste Option, dann gewinnt der Spieler, der zuerst eine bestimmte Menge Goldmünzen besitzt, wohingegen Option 2 darauf abzielt, möglichst viele Einwohner zu haben. Im dritten Modus gewinnt der Spieler, der zuerst eine vorher festgelegte Anzahl Inseln in seinem Besitz hat, hier sind Kriege also unter keinen Umständen vermeidbar. Bei den letzten beiden Arten geht es darum, möglichst viele Punkte innerhalb einer bestimmten Zeit zu sammeln, bzw. möglichst schnell eine bestimmte Anzahl Punkte zu erreichen.

 

Darüber hinaus kann man in allen Modi seinen Mitspielern Gold schicken. Über das Tributmenü schickt man einfach einem Spieler, dem man schmeicheln will, ein bisschen Geld und hofft dann auf Unterstützung im Kampf durch diesen Spieler. Durch eine solche Zusammenarbeit ist es natürlich viel leichter einen sehr starken gemeinsamen Gegner zu bezwingen.

 

Die Ideen klingen alle sehr gut und die Auswahlmöglichkeiten sind vielfältig. Es ist also doch möglich, einen guten Mehrspieler-Modus in einem Aufbaustrategie-Titel auf dem Nintendo DS umzusetzen. Davon sollten sich andere Entwickler mal eine ganz dicke Scheibe abschneiden. Sollte es ein zweites Anno auf dem Nintendo-Handheld geben, dann hoffen wir auf einen Online-Modus, denn der ist das einzige, was dem Titel wirklich fehlt.

 

 

Gut, aber nicht perfekt!

 

Generell ist Anno 1701 für den Nintendo DS ein sehr gutes Spiel und ohne Frage das Beste im Genre auf der Konsole. Es ist in allen Belangen besser als der direkte Konkurrent von Ubisoft, denn es ist einfach perfekt an die Konsole angepasst und nutzt die Möglichkeiten optimal aus. Allerdings gibt es auch ein paar Mängel, die ein paar Wertungspunkte kosten.

 

Mein größter Kritikpunkt ist die Nutzung des oberen Bildschirmes. Hier werden zwar die ganze Zeit wichtige Informationen angezeigt, allerdings kann man nicht ändern, was man dort sieht. Es wäre jedoch wünschenswert gewesen, wenn man dort zu gewissen Zeitpunkten auch eine Karte der Umgebung anzeigen lassen könnte. Befindet man sich nämlich in einem Kampf mit Gegnern, dann werden manchmal gleich mehrere Inseln angegriffen. Dabei passiert es aufgrund der Größe der Karte nicht selten, dass man nicht sofort zu dem Punkt gelangt, der gerade die meiste Hilfe des Spielers braucht. Man kann zwar eine Karte über das Menü aufrufen, um dort zu sehen, wo es gerade brennt, aber das kostet jedes Mal Zeit und macht es somit nicht einfacher, den Angriff zu überstehen. Besonders fatal ist das bei unerwarteten Angriffen, auf die man mangels Zeit nicht gut vorbereitet war. Wenn man nun seine Verteidigung aufbauen und gleichzeitig schon verteidigen muss, ist das meistens unschaffbar.

 

Durch die nicht drehbare Ansicht von schräg oben ist es manchmal auch etwas schwer, zu sehen, wie viel Platz an bestimmten Stellen noch zur Verfügung steht. Das lässt sich zwar recht einfach lösen, indem man es einfach ausprobiert, aber noch einfacher wäre ein schon halb eingebaute Funktion im Spiel gewesen. Beim Bau von Straßen werden nämlich die Gebäude halb durchsichtig, so dass man besser sehen kann, wo noch wie viel Platz ist. Allerdings ist die Transparenz zu niedrig, so dass das hier nur bedingt hilft. Beim Bau von neuen Gebäuden kommt diese Funktion auch leider gar nicht zum Einsatz, was wirklich schade ist.

 

Ebenso ist es echt nervig, dass man beim Handel mit Reisenden nicht bestimmen kann, was man haben möchte. So habe ich zum Beispiel in Mission 7 dringend Kleidung für meine Kolonie gebraucht, weil man auf den Inseln dort Baumwolle nicht sehr gut anbauen konnte, aber alles was mir im Tausch gegen Schmuck gegeben wurde, waren Pralinen, die ich zwar auch nicht anbauen konnte, aber auch nicht brauchte. Man kann zwar auch Güter ganz normal gegen Geld kaufen, aber da die eigene Nachfrage den Preis schnell ziemlich hoch treibt, ist das nur eine sehr kurzfristige Lösung. In meinem ersten Versuch in besagter Mission habe ich fleißig Pralinen gegen Schmuck getauscht, weil ich Diamanten im Überfluss hatte. So konnten meine Bewohner zu Aristokraten werden. Irgendwann hatte der reisende Händler jedoch nichts mehr, meine Pralinen gingen aus und die Bewohner wurden sauer. Doch anstatt wieder zu Kaufleuten zu werden, hauen sie dann einfach massenweise ab, die Bilanz geht nicht mehr auf und dann war ich schneller Pleite als ich „blöde verwöhnte Briten“ sagen konnte. Mein Tipp an alle Spieler an dieser Stelle: Entwickelt euer Volk nur dann weiter, wenn ihr auch sicher sein könnt, dass ihr alle Bedürfnisse der Vorstufe auf Dauer erfüllen könnt.


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Fazit

Unterm Strich ist Anno 1701 für den Nintendo DS die beste Aufbausimulation auf der Konsole, da sie perfekt an die Fähigkeiten angepasst wurde. Die Entwickler aus Frankfurt haben sich wirklich Gedanken gemacht und die meisten Dinge sehr gut umgesetzt. Lediglich ein paar Kleinigkeiten gibt es zu bemängeln. Der Mehrspieler-Modus ist eine sehr gute Idee und bietet genug Optionen. Daher ist es wirklich schade, dass sich das Spiel nach unseren Informationen nicht so gut verkauft, wie der direkte Konkurrent „Die Siedler“. Hoffentlich konnte ich mit dem Test noch ein paar Leute zum Kauf bewegen, damit die Serie auch auf dem Handheld fortgesetzt wird.

Grafik

gut

Sound

ok

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

82%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

08.06.2007

Developer

keen games

Publisher

Disney Interactive

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (WLAN)

2-4


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