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Reviews: Nintendo DS

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Der Goldene Kompass

Action Adventure

28.11.2007

Autor: Mario Kablau

 

Der Goldene Kompass!

 

Im ersten Teil der „His Dark Materials“ Trilogie von Philip Pullman geht es hauptsächlich um die Reise des jungen Mädchens Lyra. Sie wächst in einer Welt auf, die unserer zwar in manchen Dingen sehr ähnlich ist, aber in vielen auch gänzlich anders. Die Seele ist dort zum Beispiel nicht unsichtbar, sondern begleitet alle Menschen vom Tag ihrer Geburt in Form eines Tieres und ist für alle anderen Menschen sichtbar. Bis zur Pubertät kann der Dæmon seine Gestalt nach Belieben wechseln, aber dann nimmt er eine Form an, die dem Kern des Menschen entspricht. Da Lyra noch eine Weile hat, bevor es soweit ist, kann ihr Dæmon Pantalaimon (kurz: Pan) zu diversen Tiere werden.

 

Lyra wächst im Jordan College in Oxford auf, da ihre Eltern bereits lange tot sind und ihr Onkel, Lord Asriel durch seine Forschungen viel unterwegs ist. Sie führt dort ein unbeschwertes Leben zusammen mit vielen anderen Kindern, bis eines Tages die Gobbler auftauchen. Dabei handelt es sich um Kidnapper, die ausschließlich Kinder entführen, deren Dæmonen noch keine feste Gestalt angenommen haben. Eines Tages muss auch Lyras bester Freund Roger dran glauben. Doch da Lyra ihm geschworen hat, dass sie ihm niemals im Stich lassen will, sucht sie einen Weg, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Da kommt ihr Mrs. Coulter gerade recht. Sie ist eine Dame, die in engem Kontakt mit dem College steht und auch Lord Asriel nicht unbekannt ist. Sie bittet Lyra, sie in den Norden zu begleiten, um ihr bei einem Auftrag zu helfen und das Mädchen willigt natürlich sofort ein, da die Gobbler ihre Opfer auch in den Norden bringen.

 

Am Tag der Abreise erhält Lyra eine Notiz vom Direktor der Schule. Sie soll sich vor der Abfahrt auf jeden Fall in seinem Büro melden. Als sie dort eintrifft, übergibt er ihr ein seltsam anmutendes Gerät, ein Alethiometer. Er erklärt ihr, dass dieses Gerät, was wie ein Kompass aussieht, die Gabe hat, die Wahrheit herauszufinden, wenn man es richtig bedienen kann. Dazu gibt es 36 Symbole und drei bewegliche Zeiger, die man an den Symbolen ausrichten muss, um eine Frage zu stellen. Um das zu verdeutlichen, hier ein Bild des goldenen Kompasses:

 

 

Jedes der Symbole hat neben den Bedeutungen auf dem Bild noch viele andere. So kann man über drei Symbole eine Frage formulieren und sich dann konzentrieren, damit die Nadel ausschlägt. Aus den Symbolen, an denen sie dann kurz anhält, kann man eine Antwort deuten. Normalerweise dauert es viele Jahre, um die Kunst auch nur ansatzweise zu verstehen und auch große Gelehrte brauchen dicke Bücher, um die richtigen Schlüsse aus den Symbolen zu ziehen und Lyra hat nichts dergleichen. Sie muss also selber dahinter kommen und darf darüber hinaus niemanden wissen lassen, dass sie dieses wertvolle Instrument in ihrem Besitz hat. Der Direktor sagt, dass das von größter Wichtigkeit ist, ohne diese rätselhafte Andeutung näher zu erläutern.

 

Und so macht sich Lyra auf die große Reise, auf der sie jede Menge ihr unbekannte Dinge erfahren und sogar völlig andere Welten bereisen wird. Aber das zu erzählen ist nicht meine Aufgabe. Ich wollte euch lediglich einen kurzen Einblick in die Welt geben, damit ihr die wisst, worum es im Spiel hauptsächlich geht. Wobei man gleich dazu sagen muss, dass der erste Teil der Trilogie gerade an der Oberfläche von Lyras Abenteuer kratzt, so richtig los geht es erst im zweiten Teil.

 

 

Die Reise beginnt!

 

Nach der Einleitung, die vier Monate in der Zukunft spielt, beginnt Lyras Abenteuer im Jordan College. Es ist noch alle in Ordnung, denn Roger wurde noch nicht entführt und das Alethiometer hat sie auch noch nicht in ihrem Besitz. Die ersten Kapitel sollen den Spieler mit der Steuerung der Jump & Run Passagen und dem Zusammenspiel von Lyra und Pan vertraut machen. Man bewegt Lyra mit dem Steuerkreuz durch die Umgebung. Die Ansicht ist zwar nur zweidimensional, aber das Spiel ist in vollwertiger 3D-Optik dargestellt. So ist es zum Beispiel möglich, sich an gewissen Stellen auch in der räumlichen Tiefe zu bewegen, oder um Kurven zu laufen. Steuert man Lyra, dann ist der B-Knopf für Sprünge da und die A-Taste zum Einsatz bestimmter Items, die man im Pausenmenü auf die Taste legen kann.

 

Drückt man auf X, dann kommt Pan hervor und lässt sich auch steuern. Allerdings ist er durch das unsichtbare Band gebunden, was ihn untrennbar mit Lyra verbindet. So können sich die beiden nicht beliebig weit voneinander entfernen, ohne Schaden zu nehmen. Im Spiel ist das dargestellt durch eine Art Energiefaden, der erst grün, dann gelb und schließlich rot wird. Entfernen sich die beiden zu weit von einander, dann verlieren sie Energie. Doch trotz des begrenzten Bewegungsrahmens des Dæmons ist er essentiell für das Vorankommen im Spiel. Drückt man die rechte Schultertaste, dann öffnet sich das Verwandlungsmenü und über das Steuerkreuz kann man Pan in einen Vogel, ein Nagetier, ein Raubtier oder einen Schmetterling verwandeln.

 

Als Raubtier ist er in der Lage, Gegner zu bezwingen, als Nagetier kann er Löcher buddeln, als Vogel hoch fliegen und Gegenstände einsammeln und als Schmetterling für Lyra beobachten ohne selbst gesehen zu werden. Dazu werden die beiden Bildschirme vorbildlich eingesetzt: Grundsätzlich spielt sich das Spielgeschehen auf dem oberen Bildschirm ab. Ist Pan jedoch unterwegs, dann sieht man die Figur, die man gerade nicht steuert auf dem unteren, so dass man stets weiß, was dort los ist. So kann man Pan zum Beispiel als Schmetterling vorschicken, um zu beobachten, wann die Luft für Lyra rein ist, um sich an Wachen unbemerkt vorbei zu schleichen.

 

Diese Schleich-Passagen machen einen recht großen Teil des Spiels aus. Daneben gibt es noch eine ganze Menge Bereiche, in denen man sich durch gekonntes laufen und springen ans Ziel vorarbeiten muss. Später im Spiel wird sogar der Panzerbär Iorek ein Teil des Teams. Durch ihn hat man dann die geballte Kraft zur Verfügung, so dass man auch mal schwerere Endgegner bekämpfen kann. Ohne den mächtigen Bären gibt es nur wenig echte Kämpfe und wenn, dann ist Pan dabei ziemlich alleingelassen, denn Lyra selbst kann sich nicht wehren. Zum Glück kann der Dæmon auch die Gestalt einer Raubkatze annehmen. Im Übrigen bleiben die vier Verwandlungen von Lyras Seele nicht immer gleich, denn im Laufe des Spiels schaltet man stärkere frei, die jedoch immer in einer der vier Grundarten entsprechen.

 

Einige Kapitel des Spiels werden jedoch komplett anders gespielt: Immer mal wieder gibt es Aufgaben, in denen Lyra auf den Umgang mit dem Alethiometer angewiesen ist, da Fakten über die Bewegungen der Feinde gebraucht oder Informationen benötigt werden, um einen speziellen Feind zu überlisten. Um diese Informationen zu bekommen, muss der Spieler selbst lernen, mit dem Kompass umzugehen. Doch natürlich bekommt man etwas mehr Hilfe, als die Heldin im Buch. Im Laufe des Spiels kann man (muss man aber nicht) Informationsfetzen über die Symbole finden, die einem dann zum Beispiel verraten, dass das Symbol der Eule unter anderem für die Begriffe „Nacht“, „Winter“ und „Angst“ steht. Je mehr man von diesen Informationen findet, desto leichter ist es, gewisse Fragen zu beantworten.

 

Das Spiel gibt bei den Fragen nämlich immer nur die Begriffe vor, die die zu stellende Frage symbolisieren. Aufgabe des Spielers ist es dann, die richtigen Symbole zu finden, auf dem Alethiometer einzustellen und dann dem vierten Zeiger bei seiner Rundreise zu folgen. Anschließend müssen noch die Symbole der Antwort des Kompasses analysiert werden und schon hat man eine Antwort auf die gestellte Frage. Man kann das Alethiometer natürlich auch bedienen, wenn man keine Informationen über die Bedeutungen gefunden hat, aber dann ist es ungleich schwerer. Im Hauptmenü hat man die Möglichkeit, mit dem Gerät zu üben und bekommt dann immer die Interpretationen der Symbole gezeigt. Man kann sie sich dann entweder aufschreiben oder es einfach lernen. Ein Lerneffekt lässt sich ohnehin nicht vermeiden, denn nach ein paar Fragen weiß man einfach, dass die Madonna für „Frau“, „Mutter“ und „Anbetung“ steht. Alternativ kann man auch im Internet nach Deutungen der Symbole suchen, denn die Programmierer haben sich 1:1 an die Vorlage des Buchautors gehalten.

 

Neben den Fragen, die man dem Gerät explizit stellen kann, gibt es auch einige Einsatzmöglichkeiten, die Lyra im Buch noch nicht hatte. So findet man im Laufe des Spiels fünf geheime Kombinationen, die unter anderem beim Lösen von Rätseln, Finden von Geheimnissen und bei Endgegnern helfen, wann immer man das Alethiometer einsetzt. Allerdings ist der Einsatz des Gerätes pro Kapitel auf maximal fünf beschränkt, so dass man sehr vorsichtig mit dem Einsatz sein sollte.

 

Die Abwechslung im Spiel ist grundsätzlich zu loben, denn so wird es zu keiner Zeit langweilig. Man lernt das ganze Spiel über immer wieder neue Dinge und setzt diese ein. Zwar ändert sich an den Jump & Run Passagen kaum etwas, aber dafür wird der Einsatz des Goldenen Kompasses immer wichtiger und sorgt für die nötige Abwechslung. Ebenso ist die Umsetzung des Teams Lyra-Pan sehr gut gelungen und wird dem Buch absolut gerecht, auch wenn der Dæmon weniger Widersprüche gibt, als er das in der Vorlage tut.

 

Etwas schwach ist die Tatsache, dass der Schwierigkeitsgrad das ganze Spiel über konstant bleibt und zwar auf recht hohem Niveau. Obwohl es drei Stufen gibt, die man nacheinander durchspielen kann, ist das äußerst schade, denn so ist man auf mittlerem Niveau anfangs etwas überfordert und wechselt in die leichte Stufe. Später wird es dann mit steigender Erfahrung aber zu leicht, bloß hoch wechseln kann man nur, wenn man alle vorrangegangenen Kapitel auch in der höheren Stufe bereits geschafft hat.

 

Wirklich frustrierend sind die Schleich-Passagen an manchen Stellen. Da man, damit Lyra sich duckt, das Steuerkreuz die ganze Zeit nach unten drücken muss, geht das Spiel schnell auf den Daumen. Mit dem DS lite hatte ich auch oft das Problem, dass sie dann auf einmal aufsteht, obwohl ich den Knopf nicht losgelassen habe. Das passiert vor allem dann, wenn man sich kriechend fortbewegt und hat bei mir zu viel Frust geführt, da ich dann meistens sofort entdeckt und wieder zum letzten Checkpoint zurück geworfen wird. Dadurch, dass diese Rücksetzpunkte teilweise sehr unklug gesetzt sind, wird der Frust noch größer, da man diverse harte Abschnitte nicht selten wiederholen muss.

 

Zu guter letzt will ich noch ein wenig über die KI meckern. Soldaten sehen Lyra sofort, wenn sie sich in 10m Entfernung mal kurz aus ihrer Deckung erhebt, aber sobald sie sich wieder versteckt, drehen sie um und tun so, als wäre nichts gewesen. Wenn Lyra aber einen Aufzug direkt vor ihrer Nase bedient, dann wird das teilweise einfach ignoriert. Das hätte man geschickter lösen müssen!

 

 

Technik aus Hollywood?

 

So positiv die 3D Grafik generell ist, so nervig ist sie teilweise auf dem DS. Es sieht zwar alles recht gut aus, die Abwechslung ist ok und es gibt ein paar tolle Licht- und Partikeleffekte, aber dafür leidet die Framerate an diversen Stellen extrem. Immer wenn man Pan rausholt oder Iorek und Lyra gleichzeitig unterwegs sind, dann ruckelt es ohne Ende und der Spielspaß ist dahin. Dies ist besonders in kniffeligen Situationen ärgerlich, in denen es auf gutes Timing und Präzision ankommt, wovon es im Spiel nicht wenige gibt. Hier haben die Entwickler ganz klar zu viel gewollt und damit den Spielspaß deutlich reduziert. Der DS ist leider nicht selten einfach stark überfordert!

 

Die Zwischensequenzen sind dagegen sehr gut gelungen, obwohl man sich es sehr einfach gemacht hat. Die Charaktere aus dem Film wurden einfach in verschiedenen Standbildern ins Spiel eingebaut und tauchen dann vor dem Hintergrund des Spiels auf, wann immer es Geschichte zu erzählen gibt. Das steigert jedoch meine Vorfreude auf den Film schon jetzt, denn die im Spiel gezeigten Örtlichkeiten kommen meiner Vorstellung aus dem Buch sehr nahe.

 

Musik und Sound sind gut, wobei vor allen Dingen die Musik durch ansehnliche Qualität und Variation überzeugen kann. Ich freue mich jetzt schon auf den Soundtrack des Films, wovon sich die Entwickler sicherlich haben inspirieren lassen.

 

Der Umfang des Spiels ist auch in Ordnung, denn eine Filmumsetzung mit etwa 15 Stunden Spielzeit beim ersten Durchgang findet man heute nicht mehr oft. Die Geschichte des Buches kommt gut rüber, auch wenn man den ersten Teil der Trilogie noch nicht gelesen hat. Man muss allerdings dazu sagen, dass das Spiel, ebenso wie das Buch, mittendrin aufhört, denn es gibt natürlich einen dicken Cliffhanger. Etwas schade finde ich, dass sich das Spiel an dieser Stelle nicht exakt an die Vorlage hält, denn es ist etwa 2 Kapitel zu früh zu Ende. Allerdings kann ich nicht ausschließen, dass es noch geheime Kapitel gibt, die man freischaltet, wenn man alles findet. Da gewisse Dinge aber extrem gut versteckt sind und teilweise auch nur in bestimmten Stufen zu finden sind, wird das nochmal in etwa 20 Stunden dauern, bis man tatsächlich bei 100% angekommen ist.

 

 

Mehrspieler

 

Als (sehr) kleinen Bonus hat Sega auch einen Mehrspieler-Modus eingebaut, der sich ausschließlich um das Alethiometer dreht. Erfreulich ist, dass er mit nur einer Karte ohne Einschränkungen gespielt werden kann, jedoch verrät das schon einiges über die Komplexität dieses Modus. Im Prinzip geht es nur darum, die gewählten Symbole des Gegners zu finden, bevor er das tut. Dazu wählt jeder Spieler drei Symbole auf dem Kompass aus und schon kann es losgehen. Abwechselnd wählen die Gegner eine Kombination aus und bekommen im Anschluss an die Runde Tipps, wie nah sie am Ziel sind. Sind alle drei Symbole gefunden, dann geht es ans Enträtseln, was im Prinzip nur ein Nachzeichnen der Symbole auf einem 9 Punkte-Diagramm ist. Das „nur“ ist jedoch etwas untertrieben, denn die Zeichnungen zu allen 36 Symbolen zu kennen ist schon ein hartes Stück Arbeit.

 

Doch zum Glück kann man dieses Enträtseln ebenso abstellen, wie man die Zeitbegrenzung festlegen und die Anzahl Runden wählen kann. Allerdings sind das schon alle Optionen des Mehrspieler-Modus, der damit weit hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. Es wäre so toll gewesen, wenn man zusammen mit einem Freund ins Hauptspiel hätte gehen können, damit einer die Rolle von Iorek und der andere die von Lyra übernimmt. Ebenso hätte einer Lyra und ein anderen Pan steuern können. Das würde nicht nur die Figurenwechsel abstellen, sondern auch noch für mehr Spaß mit zwei Spielern sorgen. So ist der Mehrspieler-Modus nur eine Beigabe, die wohl kaum jemanden interessieren oder Spaß machen wird.

 

 

Vielen Dank an Sega für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit


Die Umsetzung von Buch und Film ist erstaunlich gut gelungen, denn sowohl der Umfang als auch die erzählte Geschichte sind sehr gut. Die Figuren und Vorgaben aus dem Buch wurden stimmig programmiert. An der technischen Seite gibt es jedoch ein paar Mängel, wie die unstabile Framerate und die daraus resultierenden Frustmomente. Ebenso sind ein paar Schleich-Einlagen nicht besonders Spielerfreundlich. Dafür sind die Passagen mit dem Alethiometer eine wirklich gelungene Abwechslung, die mir sehr geholfen haben, das von Philip Pullman beschriebene Gerät jetzt noch besser zu verstehen. Insgesamt ist es trotz der Mängel auf jeden Fall eine der besseren Filmumsetzungen geworden, die man vor allem Fans der Buchtrilogie durchaus an Herz legen kann. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil nächstes Jahr, der dann hoffentlich die Technik im Griff hat.

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

69%

Singleplayer

15%

Multiplayer

Release

16.11.2007

Developer

A2M

Publisher

Sega

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (WLAN)

1-2


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