Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo DS

< zurück

Orcs & Elves

RPG

04.01.2008

Autor: Gunnar Schreiber

 

Der Prolog

 

Orcs & Elves ist gleich in zweierlei Hinsicht ein erwähnenswertes Spiel. Zunächst einmal stammt es von der amerikanischen Kultentwicklerschmiede id Software, die in den letzten Jahren Nintendoplattformen leider gemieden hat, wie der Schneemann eine Sauna. PC Veteranen wird die Firma aber vor allem durch Serien wie Doom oder Quake bekannt sein, an die sich auch ältere Semester unter den Nintendofans erinnern dürften. Nun also hat die Abstinenz ein Ende und John Carmack und sein Team bescheren uns ein „oldschool“ Rollenspiel, was es so in den letzten Jahren nur wenig gegeben hat. Dieser Nostalgiebonus ist auch zugleich der zweite erwähnenswerte Punkt, sorgt das Gameplay doch bei Zockern, die vor 10 Jahren und mehr bereits Titel wie Eye of the Beholder verschlungen haben, doch für einen wohligen Schauer auf dem Rücken. Ob Orcs & Elves dabei in einer Liga wie genannter Klassiker spielt, soll der folgende Test zeigen.

 

 

Die Geschichte

 

Orcs & Elves spielt, wie der Name schon vermuten lässt, in einer Fantasy Welt, deren Kreaturen allesamt aus Werken von Tolkien stammen könnten. Fans werden dies sehr willkommen heißen, Skeptiker könnten aber auch eine gewisse Einfallslosigkeit attestieren. Ihr übernehmt die Rolle eines Jungens, Sohn eines Elfen und einer Walküre. Der Protagonist besitzt einen sprechenden Zauberstab namens Ellon. Als beide eine kryptische Nachricht erhalten, die vermutlich vom Zwergenkönig Brahms stammt, machen sie sich auf dem Weg, um den Grund der rätselhaften Info zu evaluieren. An der Zwergenfestung im Berg Zharrkarag angekommen, müssen beide feststellen, dass diese von Orcs, Dunkelelfen und anderen schrecklichen Kreaturen überrannt wurde. Dabei kamen die meisten Zwerge ums Leben. Nun liegt es an euch König Brahms zu finden und die Anführer der Schergen auszuschalten. Die Geschichte gewinnt zwar sicherlich keinen Sonderpreis für Innovation und Kreativität, ist aber dennoch sehr passend für das Fantasy Setting und unterstützt die Atmosphäre bestens.

 

 

Das Gameplay

 

Wie bereits erwähnt, scheint Orcs & Elves sehr von früheren westlichen Rollenspielen inspiriert zu sein. Ihr bewegt euch in Egoperspektive durch verwinkelte Dungeons. Das Spiel suggeriert dabei in Echtzeit voranzuschreiten, in Wirklichkeit ist es aber rundenbasiert. Ihr bewegt euch vorwärts, in dem ihr auf das Steuerkreuz drückt. Allerdings müsst ihr für jeden Schritt einmal drücken. Befindet sich nun ein Gegner in der Nähe, wäre dieser nach jedem Schritt erstmal an der Reihe. Es fühlt sich sehr direkt und recht dynamisch an, ist in Wahrheit aber strikt reglementiert. Natürlich gelten auch weitere Aktionen als ein Zug, wie ein Angriff oder das Benutzen eines Trankes.

 

Grundsätzlich versucht man in den Dungeons seltene Items zu finden und alle Monster zu beseitigen. Dazu habt ihr ein recht umfangreiches Inventar zur Verfügung, welches ihr über den Touchscreen erreicht. Klickt ihr zum Beispiel auf das Schwert, dann werden euch die Waffen angezeigt, die ihr besitzt. Neben Ellon dem Zauberstab, den ihr für eine Standardattacke, aber auch für insgesamt vier spezielle Zauber, die via Touchscreen ausgelöst werden, benutzen könnt, bekommt ihr im Laufe des Abenteuers aber auch verschiedene Schwerter, Armbrüste etc. Natürlich gibt es aber auch Rüstungen und Ringe, die eure Statuswerte beeinflussen. Apropos Statuswerte: Wie in einem RPG üblich, bekommt ihr für besiegte Gegner Erfahrungspunkte und steigt nach und nach auf. Leider habt ihr keinen Einfluss darauf, in welchen Attributen ihr euch verbessert. Ihr könnt aber dennoch eure Attribute via Tränke kurzzeitig verändern. Es gibt davon unzählige Varianten: Trinkt ihr ein Zwergenbier, dann steigert sich zwar eure Angriffskraft, gleichzeitig sinkt aber auch die Trefferquote. Andere Getränke stärken direkt einen der Werte, ohne einen Einfluss auf andere zu haben. Der gezielte Einsatz der Tränke ist vielfach der Schlüssel zum Erfolg in harten Auseinandersetzungen, wobei man immer im Hinterkopf behalten muss, dass ein Schluck einem ganzen Zug gleich kommt. Ist mal also umzingelt von Feinden und will schnell einen Heiltrank verköstigen, dann kann im Anschluss die gerade gewonnene Energie gleich wieder futsch sein, da nun alle Monster wieder an der Reihe sind.

 

Besonderen Reiz erhält Orcs & Elves durch den Sammelwahn, der ziemlich schnell angeregt wird. Denn Tränke, Gold, Munition und andere Dinge erhält man durch besiegte Gegner und in Schatztruhen. In jedem Abschnitt gibt es aber auch mehrere Geheimgänge, die man erstmal finden muss. Zum Glück deutet die vorbildliche Karte, die ihr jederzeit auf dem Touchscreen anzeigen lassen könnt, an, wo sich solche geheimen Orte befinden könnten. Ferner ist die Karte sehr hilfreich bei der Orientierung, da manche Dungeons wie ein Labyrinth aufgebaut sind. Übrigens bekommt man extra Erfahrungspunkte, wenn man alle Geheimnisse pro Level entdeckt und alle Gegner besiegt hat, was die Motivation weiter steigert.

 

Das gefundene Gold könnt ihr bei einem Drachen ausgeben, der den Zwergen wohl gesonnen war. Gaya, so der Name der Drachen - Kuh/Sau oder was auch immer die biologisch korrekte Bezeichnung für einen weiblichen Drachen ist, verkauft sowohl Waffen, Ringe und Rüstungen als auch alle Tränke. Ist sie guter Laune, dann könnt ihr den Kaufpreis meistens sogar mit etwas Geschick deutlich runterhandeln. Sehr schade ist nur, dass ihr keine Items bei Gaya verkaufen dürft.

 

Noch ein paar Worte zur Steuerung: Ihr bewegt euren Charakter mit dem Steuerkreuz, wobei ein Druck auf die linke bzw. rechte Taste euch umschauen lässt. Mit L und R könnt ihr seitwärts gehen. Mit A setzt ihr eure Waffe ein, mit X könnt ihr diese wechseln. Teilweise habt ihr aber auch die Wahl, ob ihr Funktionen wie die Karte aufrufen oder die Waffe wechseln via Tastendruck oder via Touchscreen ausführt. Grundsätzlich ist die Steuerung sehr komfortabel, was auch an dem nie zu hektisch werdenden Spielgeschehen liegt. Denn durch die abwechselnden Züge und die nicht vorhandene Zeitbegrenzung für die Ausführung der eigenen Aktionen, hat man alle Zeit der Welt während eines Kampfes im Menü zu kramen.

 

Orcs & Elves macht wirklich sehr viel Spaß und somit vieles richtig. Warum es aber dennoch keine Höchstnoten bekommen kann, verraten die nächsten beiden Abschnitte.

 

 

Die audiovisuelle Umsetzung

 

Auch wenn Nostalgie bei dem Spiel groß geschrieben wird, ist die Technik dennoch kritikwürdig. Während die 3D Umgebungsgrafik noch recht hübsch und variationsreich – es gibt von einer Schmiede über Höhlen bis hin zu dem Thronsaal alles, was man in einer Zwergenfestung vermuten würde – werden die Charaktere wie in den frühen 90er Jahren nur durch einfache, mit wenigen Bewegungsphasen ausgestattete 2D Sprites dargestellt. Diese sind zwar keine Augenkrebs verursachende Katastrophe, schmeicheln aber auch nicht gerade dem Sehorgan. Auch die Musik und der Sound sind nur bedingt gut. Dreht man die Lautstärke des DS auf, so erscheint alles viel zu stark komprimiert und bietet demnach einen eher unsauberen Klang.

 

 

Die Meckerecke

 

Orcs & Elves ist wie eine sehr gute Vorspeise: Man bekommt einen ordentlichen Appetithappen präsentiert, doch wenn man so richtig zulangen will, fehlt plötzlich der Hauptgang. Denn mit nur fünf Stunden Spielzeit, wenn man sich beeilt und einigen wenigen Stunden mehr, wenn man alles finden will, ist der Titel für ein Rollenspiel einfach viel zu kurz. Das Spielprinzip ist zwar sehr motivierend und der Sammelwahn wird vollkommen angefacht, aber letztendlich offeriert das Spiel zu wenig, um richtig glücklich zu machen. Es gibt einfach zu wenige Areale und zu wenig unterschiedliche Waffen und Rüstungen. Man merkt hierbei deutlich, dass der Titel zuerst für Handys programmiert und dann für Nintendos Handheld aufgemotzt wurde.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Wer auf westliche Rollenspiele mit einem Schlag Nostalgie und angeregtem Sammelwahn steht, der kommt an Orcs & Elves nicht vorbei. Das Spiel motiviert die gesamte Spielzeit über, was auch an den perfekt ausbalancierten Schwierigkeitsgraden liegt. Leider verpasst der Titel die höchsten Wertungsregionen, da der Umfang in jeglicher Hinsicht zu gering ausgefallen ist. Da das Spiel aber für rund 25€ schon zu haben ist, können wir einen Kauf dennoch uneingeschränkt empfehlen!

Grafik

ok

Sound

schwach

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

80%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

14.11.2007

Developer

id Software

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

12+


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes