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Reviews: Nintendo DS

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Zero Escape: Nine Hours Nine Persons Nine Doors

Adventure

04.05.2013

Michael Lehmenkühler

 

Du wachst in einer Schiffskabine auf. Du hast keine Ahnung, wo du genau bist. Die Tür ist abgeschlossen. Es gibt auch sonst keinen Ausweg. Plötzlich strömt Wasser in die Kabine und der Pegel steigt schnell und bedrohlich an. Bloß raus hier! Aber wie? In diese Ausgangssituation wirft uns der Visual Novel 9 Hours 9 Persons 9 Doors und sorgt somit von Anfang an für ein hohes Maß an Spannung und Nervenkitzel.

 

Mathe-Grundkurs + SAW + Titanic?

 

Nachdem wir die Kabine auf den Kopf gestellt, diverse Hinweise gefunden und einige Rätsel gelöst haben, retten wir uns so gerade noch aus der gefluteten Kabine und treffen schon bald auf acht weitere Personen, die wohl dasselbe Schicksal wie unser Protagonist Junpei erlitten haben. Alle tragen merkwürdige Armbänder, die sich nicht entfernen lassen und eine Nummer anzeigen. Alle wurden von eins bis neun durchnummeriert, Junpei trägt die Nummer fünf. Alle (mit einer Ausnahme) erinnern sich daran, wie sie mitten in der Nacht von einer mysteriösen Person mit Gasmaske heimgesucht und durch eine Art Betäubungsgas ausgeknockt wurden. Nur einer der Entführten leidet mittlerweile sogar an Amnesie und kann sich nicht einmal mehr daran erinnern. Eine der Entführten entpuppt sich als Junpeis Schulfreundin Akane, die er schon viele Jahre nicht mehr gesehen hatte. Offensichtlich handelte es sich bei jener Person mit Gasmaske um den Entführer, der sich auch schon wenige Momente darauf über einen Lautsprecher als „Zero“ zu erkennen gibt und die Situation erläutert. Alle neun Personen wurden für das „Nonary Game“ ausgewählt, das sie nun bestreiten müssen. Das Ziel ist es hierbei, innerhalb von neun Stunden durch eine mit der Nummer neun gekennzeichnete Tür zu kommen und somit die Rückkehr in die Außenwelt zu schaffen. Nach Ablauf der neun Stunden wird das Schiff sinken. Ein Spiel um Leben und Tod.

 

Auf dem Weg zur neunten Tür trifft man auf andere massive Türen, die jeweils Nummern von eins bis acht tragen. Um diese Türen zu öffnen, kommen die seltsamen Armbänder ins Spiel. Jeder „Teilnehmer“ des Spiels trägt auf diesen bekanntlich eine unterschiedliche Nummer. Durch eine Tür darf sich jeweils nur eine Gruppe von drei bis fünf Personen bewegen, man muss sich also immer wieder aufteilen. Um die Zusammenstellung einer Gruppe zu ermitteln, müssen Quersummen von den Nummern auf den Armbändern ausgerechnet werden und zwar so lange, bis das Endergebnis einstellig ist. Dieses Ergebnis verrät dann, welche Tür man in dieser Gruppenkonstellation öffnen könnte. Klingt alles kompliziert, von daher hier ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wir stehen vor mehreren nummerierten Türen, eine davon trägt die Nummer fünf. Durch diese Tür könnte sich dann z.B. eine Gruppe mit den Personen Nr. 1, 5 und 8 bewegen. Rechenweg: 1+5+8=14 => Endergebnis noch nicht einstellig, also die einzelnen Ziffern weiter addieren => 1+4=5 => fertig! Wer dem Ganzen nicht folgen kann, kann auch auf eine integrierte Taschenrechnerfunktion zurückgreifen, die die Rechnerei im Spiel übernimmt. Aber ihr merkt vielleicht schon, es muss im Spielverlauf schon mal öfters gerechnet werden! Die Charaktere des Spiels merken daraufhin hingegen sehr schnell, dass ihre Leben im Nonary Game stark gefährdet sind und dass hierbei nicht nur das bald sinkende Schiff eine große Bedrohung darstellt. Neun Stunden Zeit, um den Ausweg zu finden und das eigene Leben zu retten. Doch kann ich jedem der Anderen vertrauen? Sind wir allein auf dem Schiff? Ist Zero vielleicht sogar unter uns? Beim Kampf um Leben und Tod scheinen Intrigen vorprogrammiert zu sein..

 

Viel weiter möchte ich storymäßig auch gar nicht ausholen, da die Handlung bei einem Spiel dieser Art mit Abstand am Wichtigsten ist, jeder Spoiler kann den Spaß ein Stück weit verderben. Generell fühlt sich das Spiel, wie es das Genre schon aussagt, wie ein visualisierter Roman an. Man muss nämlich extrem viel lesen und sich teilweise durch regelrechte Textwüsten klicken. Lobenswert ist jedoch, dass man hierbei „zurückspulen“ kann, um bestimmte Zeilen noch mal zu lesen. Im Spielverlauf folgt auf eine textlastige Romanpassage immer eine „Escape“-Passage, in welcher man wieder in einem Raum eingeschlossen ist und den Ausweg finden muss. In diesen Parts klickt man sich in bester Adventuremanier durch die Räumlichkeiten, findet Hinweise und Gegenstände, kombiniert letztere miteinander und löst diverse Rätsel, bis man letztendlich den Schlüssel findet, der einem den Ausgang öffnet. Diese Passagen machen zwar auch durchaus Spaß, manche der Rätsel sind für meinen Geschmack aber etwas zu leicht und/oder abgedroschen. Und wenn man mal vor einem schwierigeren Rätsel steht und mehrfach scheitert, geben einem die anderen Charaktere direkt zig Tipps, die oft schon zu viel verraten und einem die Lösung halb auf die Stirn schreiben. Doch auch während diesen Abschnitten erhalten wir viele storyrelevante Informationen und wie bereits angedeutet macht die spannende Geschichte den Großteil des Spielspaßes aus.

 

Mehrere Durchgänge nötig

 

Ein sehr wichtiger Aspekt ist, dass das Spiel sechs verschiedenen Enden besitzt, wovon nur eines das wahre Ende ist. Dieses kann man beim ersten Durchgang auch noch gar nicht zu Gesicht bekommen und wem dieses Spiel wirklich Spaß macht, wird wahrscheinlich sowieso so lange spielen, bis er alle Endings gesehen hat. Das kann dann schon mal gerne über 30 Stunden lang dauern. Mir ging es fast durchgängig so, dass ich nach einem Ende sofort wieder von Vorne begonnen habe. Hier kommt jedoch eine große Schwäche des Spiels zum Tragen. So merkt sich das Spiel zwar, welche Stellen man bereits gesehen hat und welche Zeilen man schon kennt, doch die Rätselabschnitte müssen jedes Mal wieder aufs Neue durchgespielt werden. Klar geht das mit jedem Durchlauf immer schneller, aber es nervt doch ziemlich. Bei den Textpassagen kann man bereits gelesene Zeilen zügig wegklicken, was zumindest diese Abschnitte dann stark beschleunigt. Die unterschiedlichen Endings kommen dadurch zustande, dass man häufig Entscheidungen fällen muss, die einen dann teilweise auf andere Storyabzweigungen führen. Ich habe hierbei zugegebenermaßen irgendwann, nachdem ich zigmal auf verschiedene Arten und Weisen immer wieder zum gleichen Ende kam, mir im Internet Hilfe gesucht und nachgeschlagen, an welchen Stellen des Spiels sich wirkliche Storyabzweigungen befinden. Hierbei muss man jedoch tierisch aufpassen, denn diese Webseiten strotzen oft nur so von Spoilern, sodass ich froh sein konnte, mir dabei keine ganz großen Spoiler eingefangen zu haben.

 

Insgesamt ergänzen sich die unterschiedlichen Pfade sehr gut, da man durch die jeweils anderen Gruppenkonstellationen an neue Gespräche und somit neue Informationen kommt. Alle sechs Storypfade geben dem Spieler quasi Puzzleteile, die er sich dann zu einem großen Gesamtbild zusammensetzen kann. So erfährt man nach und nach die Hintergründe des Nonary Games und erkennt deren Zusammenhänge. Wer selbst nach dem Durchzocken aller Endings noch offene Fragen hat, findet Antworten auf der offiziellen Website des Spiels. 999 ist ein Spiel, das einen häufig auch nach dem Ausschalten des Nintendo DS noch gedanklich beschäftigt, wohl ein Grund dafür, dass der Macher des Spiels auf der Website von den Fans auch wirklich mit Fragen nur so geflutet wurde. Das Gesamtbild der Story wird vielleicht nicht jedem letztendlich schmecken, doch die ganze ungewöhnliche Art und Weise der Narration ist bei diesem Titel als großartig zu bezeichnen. Die Texte sind durch die Bank exzellent geschrieben und je mehr kleine Infohäppchen man von der Geschichte erhält, desto mehr Hunger bekommt man auf das Spiel und kann den DS zunehmend weniger aus der Hand geben.

 

Stimmt auch die Technik?

 

Technisch befindet sich das Spiel auf Augenhöhe mit Phoenix Wright und Konsorten, eine bunte Mangagrafik mit schön gezeichneten Charakteren weiß durchaus zu gefallen. Animationen sind außer bei den Charakteren nur selten zu sehen, die meiste Zeit agiert man vor Standbildern, wodurch die Atmosphäre ein Stück der Bedrohlichkeit verliert, da man nicht das Gefühl hat, selbst unmittelbar in der Situation zu stecken. Sonst wäre das Spiel wohl wirklich um einiges gruseliger, aber auch so ist die Atmosphäre sehr dicht und bedrohlich. Im Spielverlauf fließt nämlich einiges an Blut. Ganz drastisch wird die Darstellung hierbei jedoch nicht, da das Spiel die teilweise extrem brutalen Bilder größtenteils vorenthält und stattdessen lieber im Text beschreibt. So sieht man z.B. die Blutspritzer an Wand und Fußboden, aber nicht die Leiche selber, was sich aber als sinnvolle und gelungene Darstellung der drastischen Szenen entpuppt. Der Soundtrack bietet größtenteils elektronische Musik, die die meist hektischen Situationen gelungen untermalen. Aber auch in ruhigen Momenten passt sich die Musik der Stimmung gut an. Eine Sprachausgabe findet man in diesem Titel noch nicht.

 

Wie bei einem solchen Spiel zu erwarten ist, spielt man es fast komplett ausschließlich per Stylus auf dem Touchscreen. Die Buttons bieten sich am ehesten zum Überspringen von Textpassagen an, was in manchen Lagen vielleicht bequemer ist. Unterm Strich ist die handelsübliche Steuerung gut gelungen, man kann sich ohne nennenswerte Probleme durch das Spiel klicken.

 

Nur als Import erhältlich

 

Der Titel ist leider niemals in Deutschland erschienen, durch den kürzlich erschienenen Nachfolger Virtue’s Last Reward aber ein wenig ins Gespräch gekommen. Ich habe den Titel für weniger als 20 € importiert und kann dies jedem nur empfehlen, der Virtue’s Last Reward spielen möchte. Zwar ist es nicht erforderlich, 9 Hours 9 Persons 9 Doors zu kennen, aber es erhöht den Spielspaß durchaus, da man den Nachfolger dadurch von vornherein durch andere Augen sieht, über Hintergründe und Spielverlauf anfängt zu spekulieren etc. Durch den fehlenden Release im deutschsprachigen Raum ist der Titel komplett auf Englisch gehalten, aufgrund der riesigen Textmasse sind gute Englischkenntnisse natürlich von großem Vorteil.


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Fazit

Wer nicht gerne liest, braucht dieses Spiel nicht anzurühren. Wer jedoch Lust auf einen hervorragenden, interaktiven Roman mit einer sehr spannenden Geschichte hat, sollte unbedingt versuchen, sich diesen Titel im Internet aufzutreiben, am besten noch vor dem Kauf vom Nachfolger Virtue’s Last Reward. Nine Hours Nine Persons Nine Doors zieht den Spieler wie ein gutes Buch in seinen Bann und ist eines der besten und kreativsten Spiele, die auf dem Nintendo DS erschienen sind. Ich möchte, dass mehr Visual Novels den Weg zu uns finden!

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

super

90%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

16. November 2010 (US)

Developer

Chunsoft

Publisher

Aksys Games

USK Freigabe

nicht bekannt

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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