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Angespielt: Nintendo Switch

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Wolfenstein II: The New Collossus

Ego Shooter

24.07.2018

Autor: Lukas Strübig

 

 

Wir schreiben das Jahr 1961. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und die Welt ist unter dem Hakenkreuz vereint. Wer in der USA noch Platz hat befindet sich unter der Herrschaft eines Regimes, welches nach den Sternen strebt, während es mit ihren Springerstiefeln fest auf der Erde steht. Oder zumindest scheint es dies zu glauben. Denn in einem gekaperten U-Boot wird der Funke des Widerstandes am Leben gehalten, der die Besatzer zu vertreiben sucht. Und dieser Funke ist entschlossen, so viel Feuer wie möglich zu legen, bevor er erlischt.

 

Du kannst ja nichts dafür, dass du eine Ratte bist

 

In Wolfenstein: The New Collossus übernimmt der Spieler erneut die Kontrolle über den legendären Soldaten William J. Blascowitz, welcher nach seiner letzten Mission schwer verwundet im Coma um sein Leben kämpft, bis er in der scheinbar schlechtesten Minute erwacht und ein deutlich geschwächter Wiesenau Kreis eine Revolte im ganzen Land organisieren will.

The New Collossus dreht sich ganz um die Abweichler, die andersartigen, die vom Regime als minderwertig erachteten, die ein Leben im Schatten der neuen Ordnung führen müssen, um überhaupt zu leben. Ein Recht, das ihnen abgesprochen wird.

Antisemitismus, Politische Ideologien, die Menschenrechtsbewegung und Feminismus werden hier im Allgemeinen mit der Subtilität behandelt, die man von einem Spiel erwarten kann, in dem man es mit zwei Shotguns unter jedem Arm mit einem riesigen Nazi Roboter aufnehmen muss. Die Hochschwangere aber dennoch aktiv Kämpfende Anya, der liberale Horton, der zu spät zur Waffe griff und Grace, eine schwarze Widerständlerin, die sofort das Kommando übernimmt sind nur scheinbar Farbenfroher als Blascowitz selbst, der in Sachen Kindheitserinnerungen einiges mit dem Führer selbst gemeinsam hat, und dennoch als besserer Mensch dasteht.

Unter dieser pulpigen Fassade aus Propaganda und Blacksploitation schlummert jedoch ein ungeahnt tiefer Kern. Passt man auf erkennt man, dass das Amerika von Wolfenstein nicht allein vom Regime besetzt wird, sondern auch von ach so freiheitsliebenden Amerikanern, die die Besatzer mit offenen Armen empfangen haben. Auf der anderen Seite stehen gutgewillte Deutsche Soldaten, die im Glauben handeln, der Welt den Fortschritt zu bringen, und langsam beginnen, diesen zu hinterfragen.

 

Sie glauben, sie seien der Jäger, doch das sind sie nicht

 

So viele Nuancen die Realität von Wolfenstein zu haben scheint, Blascowitz sieht sie nicht. Für ihn sind die einzig guten Nazis tote Nazis. Um dies zu erreichen sammelt er über den Kurs des Spiels verschiedenste Werkzeuge, angefangen mit einer einfachen Pistole und einer MP, nennt man auch später Sturmgewehre, Shotguns und Granatenwerfer sein eigen. All diese Waffen lassen sich locker im Akimbo tragen, nach Wahl sogar in unterschiedlichen Kombinationen. Das Movement ist schnell, die Wummen sind mächtig und die Steuerung dicht und präzise. Die Bewegungssteuerung gibt dem Spiel hier noch den letzten Schliff und erlaubt, im letzten Moment noch ein paar Zentimeter nachzuziehen.

Allein wenn Präzision gefragt ist, passieren komische Dinge. Will man aus der Entfernung Tontauben Schießen, scheint Blascowitz die Waffe kontinuierlich nach oben zu ziehen. Das ist vor allem schade, weil der Stealth Aspekt im Allgemeinen nicht besonders gut umgesetzt ist.

Williams Lieblingsspielzeug ist seine Handaxt, vermutlich aus Kruppstahl, mit der er durch Nazis hackt wie durch Butter. Mit ihr lassen sich Gegner vor allem auch Geräuschlos ausschalten. Hier wird versucht, eine subtilere Herangehensweise zu vermuten, denn die Bereiche von Wolfenstein werden von Kommandanten überwacht. Schaltet man sie heimlich aus, spart man sich eine Menge Ärger. Denn wird man gesehen, rufen sie so lange Verstärkung, bis sie dazu nicht mehr in der Lage sind.

Das Problem ist, dass die Räume ziemlich unübersichtlich sind, man meistens keine gute Idee bekommt, wo die Kommandanten sind und Gegner einen sehr schnell sehen. Man hat hier zwar einen kurzen Moment, um den Soldaten in Zeitlupe auszuschalten, bevor er Alarm schlägt, doch sind Kopfschüsse aus einer schallgedämpften Waffe auch nicht immer sofort tödlich. Vielleicht habe ich mich nie wirklich in dieses System herein gefunden, mag sein, doch die heimliche Route war für mich nie lange eine Option, was zum Glück nicht schade war, denn die brachiale Konfrontation ist der Punkt, an dem das Gameplay wirklich scheint.

 

Die Kritik am Leveldesign muss sich Wolfenstein II allerdings schon zu Recht gefallen lassen. Irgendwie haben es die Entwickler nicht hinbekommen, die wichtigen Wege, Türen und Bodenlöcher, die von A nach B führen, hervorzuheben. Oft genug läuft man Minutenlang im Kreis weil man nicht weiß wo es jetzt hin geht, oder wird plötzlich von allen Winkeln beschossen und findet nirgendwo Deckung.

Auch die Endgegner sind nicht gerade der Höhepunkt der Reihe. Statt dessen zerlegt man die immergleichen Riesenroboter. Der letzte Endkampf greift dann ganz tief in die Trickkiste und konfrontiert einen mit zwei größeren und stärkeren Robotern. Dieser Kampf scheint unmöglich, bis man den Tunnel unter der Arena findet, in dem man sich immer wieder verstecken und normale Gegner nach Munition und Rüstung abfarmen kann. Spannung ist etwas anderes. Und wo ich gerade schon meckere: Es nervt, dass man Munition, Rüstung und Heilung manuell per Knopfdruck aufheben muss. Ich sehe ein, warum die Entwickler es so eingestellt haben, aber am Ende nimmt es einfach zu sehr den Fluss aus einem Spiel, das schon durch seine konfusen Level ausgebremst wird.

 

Mein Kanzler!

 

In der Deutschen Rechtsprechung gelten Videospiele immer noch ein Stückweit als Spielzeug. Die USK guckt sehr genau auf potenziell jugendgefährdende Medien, und wenn ein Spiel den Stempel nicht bekommt, darf es nicht offen beworben und lediglich "unter der Ladentheke" verkauft werden. Daher bringen Entwickler öfter eine Zensierte Fassung nach Deutschland. In letzter Zeit hat sich da aber schon viel getan. Das Ab 18 Zeichen zum Beispiel hat jetzt tatsächlich einen Sinn und Spiele werden nicht mehr wegen zu harter Gewaltdarstellung auf den Index gesetzt. Bei Nazi Symbolen sieht es aber immer noch anders aus.

So wurden, wie zu erwarten, sämtliche Hakenkreuze durch in nichtssagendes Dreieckssymbol ersetzt. Das allein wäre noch zu verschmerzen gewesen. Doch Bethesda wollte extra sicher gehen. Nicht einmal fällt in diesem Spiel das Wort "Nazi", statt dessen reden alle immer nur vom "Regime", welches übrigens auch keine Schwarzen, Juden, oder Homosexuelle verfolgt, sondern lediglich "Abweichler". Und dann werden sämtliche Bezüge zur echten Welt getrennt, in dem man dem Führer Hitler sein Bärtchen wegnimmt und ihn "Kanzler Heiler" nennt.

All dies sorgt leider für eine verwaschene Erzählung, in der die Verbrechen der Nationalsozialisten merkwürdig abstrakt und harmlos wirken. "We are a white Nation!", erklärt Blascowitz Vater im Original, auf deutsch sagt er lediglich "Diese Welt gehört jetzt uns!"

Die Sache ist: All dies wäre heute wohl kaum nötig. Videospiele wurden vom deutschen Kulturrat bereits als Kunstmedium anerkannt und obwohl das in sich noch keine Rechtssprechung ist, so sollte die Industrie es einfach mal riskieren vor einem Gericht zu verlangen, als Kulturgut ernst genommen zu werden. Klar, kein Publisher will wegen eines Hakenkreuzes vor Gericht ziehen, doch sie sollten es. Es wäre wahrscheinlich eh nur eine Formalität.

Ich muss daher jedem Gamer der Bundesrepublik empfehlen, zur Internationalen Version zu greifen, obwohl die Deutsche Vertonung sonst sehr gut gelungen ist.

 

Das ist magisch!

 

Wie also läuft ein für moderne High-end Konsolen entwickelter Shooter auf der portablem Switch?

Ganz gut! Die Framerate ist stabil und es kommt nie zu spürbaren Rucklern oder Slowdowns. Die Auflösung ist stets klar und Effekte und Animationen können sich sehen lassen.

Der Preis dafür sind Texturen. Waffen, Wände, Böden und Hintergrunde sehen gut aus, doch wenn es an Details geht, wie Schilder, Zettel oder Gesichter, so kann es manchmal etwas dauern, bis alles korrekt geladen ist. In manchen Situationen wartet man ewig. In der schnellen Action des Gameplays fällt das wenig auf, findet dann aber doch mal das eine oder andere Gespräch in der Egoperspektive statt sieht man aber schon, dass die Switch nicht gerade die Leadplattform war. Zumindest in den Cutscenes ist alles aber sauber. Im Handheld Modus dreht man die Sichtweite etwas runter, wodurch selbst Dinge auf mittlere Distanz etwas verschwommen wirken. Dies fällt bei dem kleineren Display aber kaum auf.

 

Ansonsten kann ich über die grafische Gestaltung fast nur Gutes sagen. Die Waffen sind eine übertriebene Fortsetzung der maschiniert wirkenden Ausrüstung der deutschen Wehrmacht, die Gegner variieren in ihrem Design und man kann stärkere leicht von schwächeren unterscheiden und wird es mal persönlich findet B.J. massig Wege, um sie auseinander zu nehmen.

Allein kritisieren muss ich, dass der Kontrast die Farben nicht besonders gut voneinander abhebt. In vielen Leveln hat man daher eine zwielichtartige Stimmung, in der alles etwas ineinander verschwimmt und man daher nicht so sehr erkennen kann, wie der Raum aufgeteilt ist. Andererseits trägt dies der düsteren Atmosphäre bei.


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Fazit

Wolfenstein II: The New Collossus ist nicht ohne seine Macken und wer die grafisch ansprechenste Version des Spiels sucht, sucht auf der falschen Konsole. Dennoch ist es einer der besten Shooter der jüngeren Zeit und Switch Spieler können sich glücklich schätzen, dass Bethesda sie nicht im Stich lässt. Ich hoffe, der Publisher setzt seine Unterstützung für Nintendos Konsole fort.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

82%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

29.06.2018

Developer

Machine Games/ Panic Button

Publisher

Bethesda

USK Freigabe

18+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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