Login

Passwort vergessen?

Konto erstellen


Reviews: Nintendo Wii

Award für Multiplayer

< zurück

Medal of Honor Heroes 2

Ego Shooter

25.02.2008

Autor: Gunnar Schreiber

 

Zugegeben: Egoshooter mit Zweiter Weltkrieg Thematik sind mittlerweile etwa so spannend wie einem Bären beim Winterschlaf zuzusehen. Warum aber Fans des Genres dennoch zugreifen sollten, liegt vor allem an der nahezu perfekten Steuerung und einem für kommende Wii Spiele wegweisenden Multiplayermodus. Auf beide Punkte werde ich im Laufe des Tests noch ausführlicher eingehen. Aber säumen wir das Pferd nicht von hinten auf.

 

 

„Der Feind ist hier“

 

Medal of Honor Heroes 2 bietet das gleiche in grün, bei den Farben des Spiels eher in grau, was alle anderen Titel der Serie auch schon geboten haben. Falsch, genauer gesagt bietet der neue Teil sogar weniger als die direkten Vorgänger und konzentriert sich auf die wesentlichen Elemente, die schon in dem mittlerweile sechs Jahre alten Frontline präsentiert wurden. Im Klartext bedeutet dies, dass jeglicher Schnickschnack wie Kameraden befehligen, Fahrzeuge steuern oder Taktikelemente wieder über Bord geworfen wurden. Stattdessen sollt ihr zum gefühlten tausendsten Male Geheimdokumente sicherstellen, U-Boote zerstören und Fabriken sabotieren. *gäähhnn*.

 

Bevor es losgeht, dürft ihr euch zunächst entscheiden, ob ihr den Arcademodus oder die normale Kampagne wählt. Auf den Lightgunshooter Part werde ich nachher noch eingehen, zuerst konzentriere ich mich auf die Kampagne. Nachdem ihr einen Schwierigkeitsgrad ausgewählt habt, geht es mit einer stimmungsvollen Sequenz weiter, samt professioneller deutscher Sprachausgabe. In diesen kleinen, auf alt getrimmten Videos, die vor jeder Mission laufen, werdet ihr auf die bevorstehenden Aufgaben eingestimmt. Zwar hat sich auch der Stil dieser Sequenzen seit Jahren nicht geändert, aber dennoch sind sie mit der tollen, dramatischen Musikuntermalung und der bereits angesprochenen, qualitativ hochwertigen Sprachausgabe sehr stimmungsvoll inszeniert.

 

Die Missionen selbst verlaufen extrem linear ab. Lauft von Punkt A nach B und erledigt auf dem Weg die gestellten Aufgaben. Dabei unterscheidet das Spiel zwischen primären und sekundären Aufgaben. Die primären müssen erfüllt werden, da man sonst den Level nicht abschließen kann. Hinweise zu den Zielen findet man im Menü oder man bekommt diese über Funk mitgeteilt. Zu den sekundären Aufgaben gibt es allerdings keine Hilfestellungen, so dass man diese nur entdecken kann, wenn man die Umgebungen genauestens absucht.

 

Dies klingt jetzt allerdings spannender als es ist. Gerade beim Levelaufbau merkt man extrem, dass das Spiel auch auf der PlayStation Portable laufen musste. Denn die Areale sind selbst für ein Medal of Honor, die ja immer schon sehr von gescripteten Ereignissen gelebt haben, sehr limitiert. Ein Level spielt zum Beispiel in einer zerbombten Stadt. Ihr bewegt euch nun durch die engen Straßen und eliminiert unzählige Nazis. Ein richtiges Häuserkampfgefühl will hierbei aber leider nicht aufkommen, da man fast keine Gebäude betreten und sich nicht abseits der Straße bewegen kann. Ein Heranschleichen von hinten oder das Finden einer geschickten Sniperposition usw. sind somit also nicht möglich. Vor allem die ersten Missionen sind dadurch sehr ermüdend und ehrlich gesagt schon fast lächerlich veraltet.

 

Ein Beispiel: In der genannten Stadt müsst ihr mit einem Geschütz, welches mitten auf einem Marktplatz steht, die auf den Dächern positionierten Luftabwehrraketen zerstören. Nachdem ich also den Platz gesäubert habe, um mich um die Raketen kümmern zu können, habe ich erstmal die nähere Umgebung nach weiteren Gegnern abgesucht, von denen nach meinem virtuellen Massaker natürlich keine mehr zugegen waren. Also, ran ans Geschütz, gezielt und BOOOM fliegt die erste Luftabwehrstellung in die Luft. Während mir aufgrund der geschafften Arbeit schon ganz warm ums Herz wird, ist mein Protagonist namens Lt. Berg wenige Sekunden später tot. Denn wie könnte es auch anders sein, als dass durch die Zerstörung dutzende neue Gegner aus dem Nichts getriggert werden, die mich dann eiskalt hinterrücks erschießen. Nun ja, da sich auf den Dächern drei Luftabwehrstellungen befinden, könnt ihr euch denken, was nun nach jeder weiteren Zerstörung geschehen ist. Gerade dieses extrem vorhersehbare Leveldesign ist mittlerweile so dermaßen überholt, wie Schnee im Januar (zumindest, wenn man am Niederrhein wohnt.)

 

Damit will ich nicht sagen, dass der Singleplayer abgrundtief schlecht ist. Denn erstens werden die späteren Missionen deutlich besser und zweitens bin ich mir sicher, dass auch das Design denjenigen unter euch, die bisher noch nie oder kaum einen Teil der Serie gezockt haben, sehr gefallen wird. Für Veteranen der Serie und des Genres ist allerdings der nicht vorhandene Mut zur Innovation schon fast erschreckend. Warum die Kampagne aber dennoch sehr spielenswert ist, liegt vor allem an der Steuerung.

 

 

Die neue Egoshooter Referenz in Sachen Steuerung

 

Metroid Prime 3 Corruption war schon nahe dran, Medal of Honor Heroes 2 hat es endgültig geschafft zu beweisen, dass es die beste Egoshootersteuerung abseits vom PC nur auf Wii geben kann. Das Besondere ist, dass die Entwickler dem Spieler nicht vorschreiben, wie erdas Spiel zocken sollten. Man kann also sämtliche relevanten Aspekte im Menü modifizieren. Das geht los bei der unsichtbaren Box, in der sich der Cursor bewegt, bevor der Charakter sich dreht. Diese kann man stufenlos einstellen, bis die optimale Größe für die eigenen Vorlieben gefunden ist. Wenn ihr also ein Gefühl wie bei Red Steel haben möchtet, dann verändert die Box so, dass sie den gesamten Bildschirm einnimmt. Wollt ihr euch sofort mitdrehen, wenn ihr das Fadenkreuz bewegt, so wie bei PC Shootern, dann macht die Box so klein wie möglich. Darüber hinaus dürft ihr noch die Sensibilität der X und Y Achse verändern und diverse andere Einstellungen vornehmen. Profis werden schnell die Box so klein wie möglich stellen und sich dann über eine extrem dynamische und präzise Steuerung freuen, die auf einer Konsole systemübergreifend Ihresgleichen sucht.

 

Genial ist auch das Granaten werfen. Habt ihr euer Wurfgeschoss ausgewählt, dann könnt ihr mit B die Wurfrichtung festhalten und dann mit einer Schwungbewegung die Granate werfen, wobei die Weite von der Intensität der Bewegung bestimmt wird. Durch das Fixieren der Wurfrichtung kann man aus der Bewegung heraus Granaten gezielt platzieren. Aber auch der Einsatz anderer Waffen ist gut gelungen. Um zu snipern haltet ihr die A Taste gedrückt und könnt dann via Kippen der Wiimote nach rechts zum Ranzoomen oder nach links zum Wegzoomen den perfekten Blickwinkel einstellen. Damit ihr dann nicht die gesamte Zeit die Hand so komisch halten müsst, besteht die Möglichkeit durch einen Druck auf C die Zoomeinstellung einzufrieren.

 

Besonders cool ist der Einsatz der Bazooka. Habt ihr diese in der Hand, wechselt ihr in den Zielmodus, indem ihr euren Arm samt Wiimote anwinkelt und neben eurem Ohr platziert, so dass der Pointer eigentlich nach hinten zeigt. Durch diese Bewegung wird das Fadenkreuz aktiviert, welches ihr dann mit dem Analogstick justieren dürft. Feuert ihr nun das Projektil ab, ertönt ein authentisches Geräusch aus dem Wiimote Lautsprecher, direkt neben eurem Ohr!

 

Darüber hinaus überzeugt die gesamte Tastenbelegung der Controller, so dass die Steuerung sehr intuitiv von der Hand geht. Einzig das Einstellen des Timers bei Bomben, bei dem man die Wiimote hochkant halten und dann in die entsprechende Richtung kippen soll, ist ein wenig hakelig.

 

 

Als Bonus gibt es einen Lightgunshooter

 

Ein mehr als netter Bonus ist der Arcademodus, bei dem man alle Level der Kampagne auch als Lightgunshooter durchspielen kann. Das Spiel bewegt dabei euren Charakter und ihr müsst die heranstürmenden Truppen eliminieren. Die Aufgabenstellungen sind im Wesentlichen die gleichen wie im normalen Einzelspielermodus, doch die Herangehensweise wird natürlich vom Spiel vorherbestimmt, da ihr euch ja nicht selbst bewegen dürft. Sehr positiv fällt auf, dass die Entwickler anscheinend nicht mal eben so den Modus dahin geschustert, sondern sich sehr viele Gedanken um die Umsetzung gemacht haben. Dadurch wirkt das Geschehen tatsächlich so dynamisch wie in anderen Lightgunshootern auch, was sehr zum Spaß beiträgt. Die Steuerung mit dem Zapper funktioniert sehr gut, wodurch ein präzises Schießen auf Gegner, Objekte oder MediKits – anders als in der Kampagne füllt sich im Arcademodus eure Lebensenergie nicht von alleine wieder auf, wenn ihr eine zeitlang keine Treffer eingesteckt habt, sondern, indem ihr auf Erste Hilfe Taschen ballert – möglich ist.

 

Die Waffen in den Missionen werden euch vorgegeben. Jeder Schießprügel ist mit unendlich viel Munition versehen. Allerdings wird eine hohe Trefferquote mit extra Punkten belohnt, was euren Highscore steigert. Die gelungene Umsetzung des Arcademodus wertet den Singleplayermodus um einige Punkte auf. Fans von Lightgunshootern dürfen alleine wegen diesem durchaus mit einem Kauf des Spiels liebäugeln, da auch die Spielzeit mit guten fünf Stunden recht ordentlich ist.

 

 

So wird es gemacht Nintendo!

 

Der Multiplayer von Medal of Honor Heroes 2 ist absolut wegweisend für kommende Wii Spiele und somit ein echter Kaufgrund für das Spiel. Zwar sind die Modi nur online spielbar, was Splitscreen Fans und LAN Ballerer enttäuschen könnte, aber dafür ist die Umsetzung der Wi-Fi Partien absolut genial gelungen. Zuallererst muss man sich für die EA Nation registrieren, denn das Spiel nutzt nicht die Nintendo Wi-Fi Connection, sondern der Publisher darf sein eigenes Süppchen kochen, was absolut positiv ist. Denn so kommt ihr in den Genuss eines wirklich brauchbaren Systems. Habt ihr einmal einen Account für EA Nation angelegt, dann könnt ihr den in jedem weiteren Spiel von der Firma nutzen. Einmal eure Daten eingegeben, merkt das Spiel sich diese, so dass ihr innerhalb weniger Sekunden vom Hauptmenü im Onlinematch seid! Doch vor dem Spiel betritt man zunächst mal die Lobby. Hier kann man sich seine eigene Statistik anschauen, wobei vor allem die Punktzahl interessant ist, die sich aus dem Verhältnis von Kills und Versagen ergibt. Außerdem könnt ihr einen Messenger nutzen, um mit anderen Zockern mittels Textnachrichten zu kommunizieren oder ihr pflegt eure Freundesliste, wobei man diese anlegt ohne Codes austauschen zu müssen.

 

Wollt ihr zocken, müsst ihr euch erstmal entscheiden, ob ihr einem bestehenden Spiel beitreten oder einen eigenes eröffnen möchtet. Fällt die Wahl auf ein eigenes Spiel, dann habt ihr alle Modifikationsmöglichkeiten, die man sich wünschen kann. Definiert, auf welcher Karte gespielt werden soll, in welchem Modus, mit welchen Waffen, wie lange, Scorelimits ja oder nein, soll die Map wiederholt werden oder wechseln nach jeder Partie und und und. Außerdem hat man die Möglichkeit, das Match allen Spielern zugänglich zu machen oder mit einem Passwort zu versehen, falls nur bestimmte Leute joinen sollen. Als Waffen stehen die üblichen authentischen Schießprügel wie die Thomson, die MP40, die Bazooka und viele mehr zur Verfügung.

 

Aber eigentlich ist es gar nicht nötig eine eigene Partie zu eröffnen, da immer genügend Spiele offen sind. In einer ausführlichen Übersicht wird angezeigt, unter welchen Konditionen das Match gerade läuft. Ihr dürft sogar nach Infos filtern oder sortieren, um noch schneller euer Wunschmatch zu finden. Insgesamt gibt es sechs toll designte Karten und die drei üblichen Modi (Deathmatch, Teamdeathmatch oder Capture the Flag). Trotz der unterschiedlichen Größe der Maps eignen sich aber alle für bis zu 32 Spieler gleichzeitig.

 

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob das Ganze auch ansprechend läuft, was ja das wichtigste ist, um einigermaßen Spaß zu haben. Die Frage kann ich nur mit einem fetten JA beantworten. EA hat hier vorbildliche Arbeit geleistet. Ich möchte an dieser Stelle nur erwähnen, dass ich über einen Router zocke, der ein Stockwerk unter mir steht, wir kein Fastpath haben und das Spiel trotz 32 Spieler gleichzeitig fast komplett ohne störende Lags läuft. Besser dürfte es kaum gehen!

 

Nach den bisherigen Infos kann sich wohl jeder denken, dass der Multiplayer eine absolute Granate geworden ist. Sicherlich wären ein paar mehr Karten und Modi nicht schlecht gewesen, dafür sind die vorhandenen aber alle wirklich spitze. Wer mal 16 gegen 16 im Modus Capture the Flag im Level „Dorf“ gezockt hat, der weiß, wovon ich spreche. Auch wenn man mal nicht so gut abschneidet, wird man einen gehörigen Spaß haben. Übrigens gibt es auch immer genügend offene Partien, die extra für Einsteiger gekennzeichnet sind, so dass man keine Berührungsängste haben braucht. Wenn es nun noch möglich wäre, online via Voice Chat zu kommunizieren, anstatt Manöver mit vordefinierten Textnachrichten abzusprechen, würde das Spiel vielleicht sogar noch einen Tick mehr Gaudi bringen. Aber dafür ist Nintendo zuständig, die endlich mal den fehlenden Voice Chat angehen sollten.

 

 

Audivisuelle Umsetzung

 

Bei der Grafik merkt man leider ganz deutlich, dass das Spiel auch auf der PSP laufen musste. Zwar sieht die Wii Version im Vergleich deutlich besser aus, aber dennoch wirkt alles extrem altbacken: Die meisten Texturen sind unplastisch, die Licht- und Partikeleffekte langweilig und manche Objekte hätten durchaus ein paar mehr Polygone vertragen können. Außerdem nervt der extrem übertriebene Blureffekt ein wenig. Auf der anderen Seite muss man aber positiv festhalten, dass das Spiel zu jederzeit extrem flüssig läuft und dass die schwächere Grafik sicherlich mit ein Garant dafür ist, dass auch der Multiplayer so geschmeidig vonstatten geht.

 

Am Sound gibt es Medal of Honor typisch rein gar nichts auszusetzen. Die Waffengeräusche sind knackig, der vielfach orchestrale Soundtrack dramatisch und die deutsche Sprachausgabe überzeugt ebenfalls. Auch die Surroundabmischung lässt kaum Wünsche offen.


Wenn euch das Review gefällt, dann unterstützt uns via:

Fazit

Medal of Honor Heroes 2 lohnt sich hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens wegen der nahezu perfekten Steuerung und zweitens wegen dem extrem gut umgesetzten Onlinemultiplayer. Beide Aspekte sind absolut wegweisend für kommende Wii Spiele und sollten alleine schon um die Neugierde zu befriedigen ein Kaufgrund sein. Die Kampagne ist ganz nett, dürfte aber Kenner der Serie schnell langweilen. Pluspunkte gibt es aber für den sehr gelungenen Arcademodus, der euch die gesamte Kampagne im Stile eines waschechten Lightgunshooters erleben lässt. Technisch ist die Grafik zu bemängeln, die eher ein Rückschritt gegenüber den Vorgängern darstellt. Dafür läuft das Spiel zu jederzeit sowohl in der Kampagne als auch online flüssig.

Grafik

schwach

Sound

super

Steuerung

super

Spielspaß

gut

74%

Singleplayer

86%

Multiplayer

Release

08.02.2008

Developer

EA

Publisher

EA

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2-32


Aktuell auf 10doTV

10do Show

Oktober-Ausgabe: Die Metroid-Reihe

RSS-FeedDie 10do Show in iTunes