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Reviews: Nintendo Wii

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Nitro Bike

Rennspiel

16.03.2008

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Mit Excite Truck hat Nintendo bereits bewiesen, dass sich, allen Unkenrufen zum Trotz, rasante Rennspiele durchaus perfekt steuern lassen, indem man die Wiimote horizontal hält und die Vehikel via Kippbewegungen des Controllers um die Kurven manövriert. Inspiriert von Excite Truck schickt Ubisoft nun anstatt Jeeps Motorräder auf die Piste und versucht Nintendos Konkurrenz mit mehr Umfang, einem Onlinemodus und einem billigeren Ladenpreis auszustechen. Damit dieses Unterfangen auch gelingt, verpflichtete man mit den Leftfield Studios sogar einen ehemaligen Nintendo Entwickler, die schon durch Excite Bike auf dem N64 Erfahrung in diesem Genre sammeln und auf sich aufmerksam machen konnten. Demnach deuten also alle Vorzeichen auf einen Toptitel!? Doch leider ist das Endergebnis in vielerlei Hinsicht ernüchternd. Was genau alles schief gelaufen ist, soll dieser Test aufzeigen.

 

 

Masse statt Klasse?

 

Nitro Bike bietet grundsätzlich viel Umfang für den geringen Preis. Im Hauptmenü entscheidet man sich zunächst mal, ob man eine Karriere starten, einen Schaukampf austragen oder im Multiplayermodus antreten möchte. Auf den letzteren Modus werde ich nachher gesondert noch mal genauer eingehen. Hinter Schaufkampf verbirgt sich ein schnelles Rennen, bei dem man unter verschiedenen modifizierbaren Bedingungen auf unterschiedlichen Strecken gegen Computergegner antritt. Der Modus eignet sich ganz gut, um die eigenen Fähigkeiten zu testen und zu verbessern.

 

Wichtigster Anlaufpunkt ist aber zunächst mal der Karrieremodus. Nachdem man seinen Fahrer und ein Motorrad ausgewählt hat, geht es auch schon bald auf die Dreckpiste. Es gibt neun Cups, wobei jeder Cup aus verschiedenen Aufgaben wie Zeitfahren, Rennen absolvieren, Ringe durchfahren etc. besteht. Erst, wenn ihr einen Großteil der Aufgaben eines Cups geschafft habt, wird der nächste frei geschaltet. Während der erste Cup mit dem Namen Daisy Cup gerade mal neun Aufgaben stellt, müsst ihr im letzten satte 30 bestehen. Natürlich steigt der Schwierigkeitsgrad im Laufe der Herausforderungen sukzessive an. Es ist also besonders wichtig, dass ihr euer fahrerisches Können parallel steigert. Allerdings schaltet man im Laufe des Spiels immer weitere Fahrer und vor allem Motorräder mit besseren Werten in Beschleunigung, Geschwindigkeit, Handling und Boostfähigkeit frei. Insgesamt gibt es 10 Fahrer und 12 Bikes, aus denen ihr wählen könnt.

 

Wichtigstes Element auf dem Weg zum Erfolg ist, neben der Streckenkenntnis und der Beherrschung der Zweiräder, der gezielte Einsatz des Nitros. Wie bei Excite Truck kann man Nitro solange powern, bis der Motor überhitzt. Geschieht dies, explodiert euer Bike und ihr verliert wertvolle Zeit. Um noch mehr boosten zu können, empfiehlt es sich während des Rennens diverse Stunts, die meistens durch eine Kombination aus der „1“ Taste in Verbindung mit den verschiedenen Richtungstasten des Steuerkreuzes getriggert werden, auszuführen, da sich durch eine erfolgreiche Absolvierung der Tricks die Nitroleiste verlängert. Leider reduziert sich diese aber auch gleich wieder, wenn man seine Kiste zu Schrott fährt, so dass man schon genau überlegen muss, wann es sich lohnt und wann nicht.

 

 

Steuerung wie Excite Truck, nur schlechter

 

Wie bereits erwähnt, steuert ihr die Zweiräder aus Nitro Bike genauso wie die Vierräder aus Excite Truck. Das heißt, ihr haltet die Wiimote quer, mit „2“ wird Gas gegeben, „1“ dient zum Bremsen und engerem Kurven fahren, mit dem Steuerkreuz aktiviert man den Boost und via Kippbewegungen lenkt man die Kisten. Was bei Excite Truck nach kurzer Eingewöhnung wunderbar funktioniert, hat bei Nitro Bike so einige Tücken, die an vielen unverständlichen Fehlern, Ungenauigkeiten und unerklärlichen Designentscheidungen liegen. Hier mal einige Beispiele: Da die Entwickler von Excite Truck wussten, dass mit der Kippsteuerung enge Kurven nur schwer möglich sind, hat man in dem Spiel die Strecken dementsprechend entworfen. Nitro Bike ist allerdings voll von engen Kurven, die sich selbst mit Einsatz der Bremsfunktion nur mit viel Übung perfekt meistern lassen. Man kann zwar sicherlich festhalten, dass hierbei tatsächlich Übung den Meistern macht, und wenn jemand einige Stunden in das Erlernen der Kontrolle und ins auswendig lernen der Strecken investieren möchte, wird er sicherlich auch seinen Spaß haben. Aber dennoch können wir das nicht positiv sehen. Denn darin steckt unserer Meinung nach ein extremer Widerspruch. Auf der einen Seite versucht das Spiel durch den Budgetpreis, die Anpreisung der hohen Geschwindigkeit und der simplifizierten Steuerung, besonders Fans von Arcaderennspielen anzusprechen, um diese dann mit einer nur sehr schwer erlernbaren Kontrolle völlig zu überfordern.

 

Hinzu kommt, dass einige Fehler und Ungenauigkeiten das Leben als Rennfahrer zusätzlich erschweren. So kann man manche Objekte auf der Strecke oder am Rand mit dem Motorrad rammen, sogar beiseite schieben und nichts geschieht. Bei einem anderen Objekt hingegen fliegt man gleich in die Luft. Wieso darf ich also eine ganze Flugzeugturbine anstoßen, explodiere aber bei der Berührung einer Kiste in der Größe eines Schuhkartons? Die Willkür geht sogar bei der Kollisionsabfrage noch weiter. Mal ist diese perfekt und im nächsten Moment ramme ich schon ein Objekt, obwohl ich einen Meter vorbeifahre. Durch manche Lücken am Straßenrand kann man durchfahren, um zum Beispiel eine Kurve etwas abzukürzen, bei der nächsten Möglichkeit verhindert eine unsichtbare Wand ein Fortkommen. Mal fahre ich ein paar Sekunden abseits der Strecke und nichts passiert, um an anderer Stelle bereits nach einer Sekunde neben dem Streckenrand gleich neu abgesetzt zu werden. All diese Unstimmigkeiten nerven extrem und führen zu einigen Frustmomenten, vor allem, weil man vorher nicht erahnen kann, wann wo was funktioniert und wann nicht.

 

 

Die Engine von Excite Bike 64?

 

Nach den Ungereimtheiten beim Gameplay, weiß man nach einem Blick auf die Grafik spätestens, warum Nintendo vor einigen Jahren den Vertrag mit den Leftfield Studios gekündigt hatte. Das Spiel sieht einfach nur... bäh... aus. Man kann Nitro Bike zwar zugute halten, dass es fast immer flüssig läuft und auch das Geschwindigkeitsgefühl sehr gut transportiert wird, aber darüber hinaus bekommt man eine extrem altbackende Optik geboten. Die Texturen sind verwaschen und sehr uninspiriert. Beim Schrottplatz werden zum Beispiel die aufgetürmten Autos nur durch eine einzige, auch noch unplastische Textur dargestellt. Richtig hässlich sind aber die Fahrer und Motorräder: Zu wenige Texturen, zu wenige Polygone, keine Plastizität und die Animationen haben die Bezeichnung kaum verdient. Das ist alles bestenfalls unteres Mittelmaß.

 

Am Sound und der Musik gibt es nicht so viel zu meckern. Grundsolide Rocksongs und Motorengeräusche untermalen das Geschehen. Eine Funktion wie bei Excite Truck, wo man eigene Songs via SD Karte abspielen kann, sucht man allerdings vergebens.

 

 

Der Multiplayer

 

Nitro Bike ist sowohl online als auch offline spielbar. Offline können bis zu vier Spieler im Splitscreen über die Pisten rasen, online dürfen sogar bis zu sechs menschliche Zocker brettern. Bei beiden Varianten habt ihr die Wahl, ob ihr ein Rennen gegeneinander fahrt oder im Eliminierungsmodus an den Start geht. Bei diesem Modus wird der Letzte im Fahrerfeld am Ende jeder Runde aus dem Rennen genommen, bis am Ende der Sieger feststeht. Zur Auswahl stehen sämtliche Fahrer, Motorräder und Strecken, die ihr im Einzelspielermodus bereits gemeistert habt. Natürlich könnt ihr auch weitere Modifikationen wie Rundenzahl etc. vornehmen. Der Multiplayer läuft ziemlich flüssig und kann bei etwa gleich guten Fahrern durchaus Spaß machen. Das Problem ist nur, dass man online nur wenige Kontrahenten findet und somit viel Geduld mitbringen muss. Vielleicht findet ihr aber ein paar Freunde, mit denen ihr euch nach dem Austausch der Freundescodes ein paar heiße Rennen liefern könnt.

 

Letztendlich leidet aber der Mehrspielermodus unter den gleichen Krankheiten wie das restliche Spiel.

 

 

Wir danken Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Für Nitro Bike gilt eindeutig die Phrase „Quantität statt Qualität“. Denn wenn man bei einem Punkt nicht meckern kann, dass ist es beim Umfang. Sowohl der Singleplayer- als auch der Multiplayermodus kann Fans des Genres, die bereit sind über einige Umgereimtheiten hinwegzusehen und viel Zeit in die Erlernung der Steuerung zu investieren, durchaus einige Stunden Spaß bereiten. Alle anderen entscheiden sich lieber, trotz fehlendem Onlinemodus, für Excite Truck von Nintendo oder warten auf eine bessere Alternative. Erwähnenswert und positiv in die Endnote mit eingeflossen ist, dass das Spiel zum Budgetpreis von 29€ erschienen ist.

Grafik

schwach

Sound

schwach

Steuerung

schwach

Spielspaß

schwach

62%

Singleplayer

65%

Multiplayer

Release

07.02.2008

Developer

Leftfield Studios

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

2-4

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

2-6


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