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Reviews: Nintendo Wii

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Donkey Kong Jet Race

Rennspiel

25.03.2008

Autor: Michael Lehmenkühler

 

 

Chroniken der Demontage einer Kultfigur

 

Donkey Kong, in der Vergangenheit noch gefürchteter Entführer von Prinzessinnen und späterer Erzrivale des fiesen Bananendiebs King K. Rool, entwickelt sich langsam aber sicher zur totalen Witzfigur. Einst eines der Vorzeigemaskottchen für Nintendo, kräht so langsam kein Hahn mehr nach dem Gorilla und seiner Affenbande. Und dies auch nicht ganz grundlos, ließ die Qualität seiner Titel im Laufe der Zeit ja ziemlich nach.

 

Während seine Jump 'n Run-Abenteuer zu den genialsten Spielen ihrer Art gehören und absolute Klassiker sind, wartet man nun seit N64-Zeiten auf einen weiteren Blockbustertitel aus dem Hause Kong, bis zum heutigen Tage ist aber leider nichts gekommen. Zu Gamecube-Zeiten war man sich allerdings sicher:“Da kommt noch was!“.

 

Tja, Pustekuchen, es sollte eben doch nicht so sein. Es kamen zwar nette und lustige Bongospielchen, darunter auch ein gelungenes Jump 'n Run mit Donkey Kong Jungle Beat, aber auf eine Ebene mit den Donkey Kong-Klassikern der alten Tage kann man diese Titel wohl wahrlich nicht setzen. Auch auf den Handhelds wussten seine King of Swing-Abenteuer zwar qualitativ einigermaßen zu überzeugen, aber wirkliche Aufmerksamkeit kam diesen Titeln nie zu, sodass sie eher zu Nischenprodukten im Spieleregal verkamen und Donkey Kong langsam aber sicher vom mächtigen Gorilla zur grauen Maus wurde.

 

Doch nun hat er sein erstes eigenes Spiel auf Nintendos neuester Konsole bekommen, da könnten sich doch leise Hoffnungen auf ein großes Comeback einstellen, jetzt, wo er auch im Heimkonsolenbereich einem neuen, breiten Publikum zugänglich gemacht werden kann. Doch beim Anblick des Spielkonzepts dürfte Donkey Kong die Banane bereits im Halse stecken geblieben sein.

 

 

Affen und Krokodile mit trommelgesteuertem Düsenantrieb rasen um die Wette! (jaaa, ernsthaft!!!)

 

Donkey Kong Jet Race, ein Funracer, in welchem sich Mitglieder des Kong Clans und Kremlings Bongo-Jetpacks umschnallen und damit gegeneinander Rennen fahren, oder besser gesagt, fliegen. Hm, klingt eigentlich ganz witzig. Aber halt...Bongo-Jetpacks...BONGO-JETPACKS?! Als Zocker ist man ja vieles gewohnt, aber an dieser Stelle musste ich mich schon fragen, was die Entwickler des Spiels bei der Erstellung des Spielkonzepts zu sich genommen haben. Wenn man allerdings die Geschichte der Entwicklung des Titels betrachtet, erscheint das Konzept gar nicht mal mehr so abwegig.

 

Ursprünglich war der Titel nämlich als einer der letzten „großen“ Titel für den Gamecube geplant und sollte, wie das Spielkonzept erahnen lässt, die Bongos unterstützen. Ein Bongorennspiel, das wirkte schon damals ziemlich an den Haaren herbeigezogen und wenig vielversprechend. Aber zugegebenermaßen, die Bongos waren cool, die Bongos waren spaßig und es war einfach unterhaltsam, Spiele durch wilde Trommelei zu steuern, was auch diesem wirren Titel irgendwie eine Art Daseinsberechtigung gab. Doch wie es kommen musste, nach Veröffentlichung des Wii-Konzepts wurde dieser Titel, wie auch Super Paper Mario, für den im Sterben liegenden Gamecube gestrichen und komplett für die Wii weiterentwickelt.

 

 

Und was ist draus geworden?

 

Das vielleicht Wichtigste zuerst: Der Titel lässt sich nicht mit den Bongos spielen, es gibt nur künstliches Pseudogetrommel mit Wiimote und Nunchuck. Dieser Wegfall der Bongos klingt total sinnlos, ist er aber nicht ganz, hierzu mehr an späterer Stelle.

 

Zunächst zu den grundlegenden Aspekten des Spiels. Wie angemerkt, handelt es sich um einen Fun-Racer im Stile von Mario Kart. An dieser Stelle muss ich hier allerdings die Frage stellen: Warum bekommt Donkey einen eigenen Funracer?! Irre ich mich, oder sind Donkey und Diddy nicht schon in den Mario Kart-Spielen enthalten? Warum dann ein eigenes Rennspiel? Sind die restlichen Charaktere wirklich so gut um ein eigenes Rennspiel zu rechtfertigen? Um es auf den Punkt zu bringen: Nein, sind sie beim besten Willen nicht.

 

 

Crème de la Crème aus dem Nintendo-Dschungelcamp - Donkey Kong: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“

 

Vor allem der Kong Clan verfügt zwar allgemein über einige wirklich coole Charaktere, die ich auch gerne mal in eigenen Titeln sehen möchte ( „Leisure Suit Funky Kong“, das wär doch mal was ;) ), aber insgesamt ist das Line-Up an Charakteren doch mächtig durchwachsen. Ohne jetzt sämtliche Charaktere nennen zu wollen, die meisten müssen im Spielverlauf nämlich erst freigespielt werden, kann ich aber immerhin anmerken, dass Fans des Donkey Kong-Franchise keine Charaktere vermissen dürften. Ich bin kein allzu großer Veteran der Donkey Kong-Spiele, aber bis auf Kiddy Kong, welcher wohl noch zu jung für den Bongo-Führerschein war, vermisse ich keinen einzigen Charakter. Bei einigen Charakteren, vor allem den verschiedenen Kremlings, muss ich mich allerdings fragen: Täuscht mich mein Gedächtnis oder habe ich diese Gestalten wirklich noch nie in einem Videospiel zuvor gesehen? Viele der Kremlings sehen nämlich derart bescheuert aus, dass ich mich wundern würde, wenn sie vorher schon mal in irgendeinem Videospiel dieser Welt eine Rolle gespielt hätten. Und glaubt mir, an einen Kremling mit pinkem Afro würde ich mich erinnern.

 

 

Daseinsberechtigung des Titels, bitte beim Autor melden!

 

Wie ihr vielleicht seht, ich tue mich schwer dem Titel eine Daseinsberechtigung zuzusprechen, ich frage mich immer wieder „Warum?!“, aber auf diese Frage werde ich wohl nie eine Antwort erhalten. Um es allerdings vorweg zu nehmen: Das Spiel ist nicht schlecht. Wirklich nicht. Es ist nicht ansatzweise so schlecht, wie es sein jetzt schon schlechter Ruf vermuten lässt. Das Problem ist einfach, dass das Spielkonzept im wahrsten Sinne des Wortes total „Banane“ ist, ordentlich umgesetzt ist aber, das muss man dem Spiel lassen. Ich bekomme bei dem Spiel den Eindruck, dass die Entwickler mit dem Spielkonzept selbst nicht ganz glücklich waren und noch versucht haben, das Beste draus zu machen und ein Spiel drum herum zu basteln, für welches man sich nicht komplett schämen muss. Und dies ist ihnen auch gelungen.

 

Der Titel kann nämlich eigentlich in fast allen Punkten überzeugen, der Hauptkritikpunkt ist einfach die unsägliche Steuerung, welche man sich vor dem Spielen am besten von Cranky Kong, seines Zeichens kultigster Rentner der Videospielewelt, in einem akzetablen Tutorial nahe bringen lassen sollte.

 

 

Shake shake shake, shake shake shake, shake your booty!

 

Gesteuert werden die Protagonisten nämlich durch Schütteln von Wiimote und Nunchuck. Werden beide Elemente geschüttelt, beschleunigt der Fahrer eurer Wahl, wird nur mit einer Hand geschüttelt, bewegt er sich in die entsprechende Richtung. Klingt nach 'ner Menge Geschüttel, ist es auch. Und glaubt mir, das geht nach 'ner Weile ganz gut in die Arme, auch wenn manch einer in der Hinsicht vielleicht mittlerweile geübt ist. Um diese Gefahr im Rahmen zu halten, wurde die Schüttelei zum Glück auf ein einigermaßen erträgliches Maß reduziert. Man muss nämlich nur für einen kurzen Zeitraum beschleunigen, dann erreicht man bereits die maximale Geschwindigkeit und kann seinen Armen eine kleine Pause gönnen, erst nach einer Kollision muss man wieder von vorne anfangen, Gas zu geben. Wären die Entwickler in der Hinsicht nicht noch so gütig gewesen, hätte ich das Spiel wohl auch nach kurzer Zeit aus dem Fenster geworfen, so viel Schüttelei wäre nicht zumutbar gewesen. Trotzdem, auch so muss ich den Titel in die Kategorie „Spiele, die körperliche Schmerzen zufügen“ einordnen. Vor allem mein rechts Handgelenk schmerzte nach einiger Weile immer gewaltig, wer anfällig für Sehnenscheidenentzündungen oder ähnlich fiese Sachen ist, sollte bloß die Finger von dem Spiel lassen. Auch sonst wird man auf Dauer gut durchgeschüttelt bei dem Spiel, was mir persönlich im wahrsten Sinne des Wortes Kopfschmerzen bereitet hat. Eigentlich muss ich mich gerade fragen, warum ich meine Zeit damit vergeude, über ein Spiel, was körperliche Schmerzen bereitet, zu berichten, aber ich bin mal so fair und gehe auch auf die positiven Aspekte des Spiels ein. Doch erst einmal zurück zur Steuerung. Diese wilde Schüttelei klingt nicht nur wenig spaßig, sie ist es auch nicht. Das große Problem ist allerdings, dass die Steuerung furchtbar ungenau ist. Auf höheren Schwierigkeitsgraden sind die Strecken derart mit Hindernissen gespickt, dass man sehr oft unfreiwillige Bekanntschaft mit ihnen macht, eben weil die Steuerung so ungenau ist. Neben der beschrieben Schüttelorgie nutzt der Titel die Bewegungssensoren der Wiimote auch noch etwas genauer. Um zu springen muss man beispielsweise nämlich beide Bedienungselemente in die Höhe reißen. Darüber hinaus nutzt der Titel auch einige Tasten und den Analogstick des Controllers.

 

 

Wegfall der Bongos?! Sinn, anyone?.....ah doch, da vorne!

 

Durch die Nutzung von zwei Tasten und einem Analogstick disqualifiziert sich der Titel in dieser Form dann auch für einen Bongosupport, was wohl erklärt, warum man ihn nicht mit Bongos spielen kann. Die Steuerungsmöglichkeiten mit den Bongos wären nämlich klar zu begrenzt hierfür, sodass man einige Steuerungsfeatures hätte streichen müssen, weshalb der Titel wohl noch um einiges simpler geworden wäre. Aus diesem Grund bin ich etwas zwiegespalten bezüglich des Wegfalls der Bongos. Der Titel ist nämlich nicht sonderlich komplex, weshalb es wohl weniger gut wäre, ihn durch das Wegfallen von einigen Features noch zusätzlich zu beschneiden. Andererseits hätte man dies ja eventuell durch Änderungen im Spielkonzept an sich egalisiert. Wie auch immer, in der vorliegenden Form wäre der Titel mit Bongos nicht steuerbar. An dieser Stelle frage ich mich, wie das zunächst geplante Endprodukt mit Bongosteuerung ausgesehen hätte. Sicherlich etwas anders, vermutlich etwas simpler, durch den Bongosupport wäre es aber vermutlich ein authentischerer Spaß mit mehr Flair geworden. Ein Bongospiel ohne Bongos wirkt für mich auf der Wii irgendwie wie ein Fremdkörper, der da nicht hingehört und dem genommen wurde, was ihn eigentlich auszeichnen sollte.

 

In welcher Form das Spiel jetzt besser ist, kann man nur schwer sagen, ohne jemals Hand an die Bongoversion angelegt zu haben, man muss das Spiel jetzt wohl einfach so akzeptieren wie es ist und wie gesagt, die neue Steuerung bietet sicher auch Vorteile.

 

Doch was machen wir denn mit den angesprochenen Buttons und dem Analogstick? Der Analogstick dient für die Nutzung des wohl besten, gelungensten und spaßigstem Teil des Spiels: Mit ihm setzt man Boosts ein, den sogenannten „Affenzahn“ und verpasst seinen Fahrern dementsprechend einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub. Klingt total unspektakulär, doch der Clou bei der Geschichte ist das gelungene Combosystem. Trifft man durch Einsatz eines Boosts einen Gegner, zerstört man eines der Holzfässer ( mit welchen die Strecken zahlreich gespickt sind ) oder trifft irgendein anderes tierisches Hindernis ( Fledermäuse o.ä. ), so erhält man direkt einen weiteren Boost. Dadurch lassen sich theoretisch unbegrenzt viele Turboschübe hintereinander schalten, wenn es einem denn gelingt, was ein akzeptables Geschwindigkeitsgefühl aufkommen lässt, welches man ansonsten im Spiel ziemlich vermisst, der Titel ist größtenteils nämlich lahm wie 'ne Ente. Um die Boosts einsetzen zu können, müssen fleißig Bananen gesammelt werden. Diese befinden sich zahlreich auf der Strecke und in den Holzfässern, sobald man 50 gesammelt hat, kann man den Affenzahn aktivieren.Auch in kurzen Minigame-Einlagen, in welchen man lediglich die Wiimote schnell in vorgegebene Richtungen bewegen muss, lassen sich während der Rennen gelegentlich Bananen sammeln. Diese Nutzung der Wiimote ist allerdings genauso überflüssig wie langweilig, wirkt vollkommen erzwungen und macht den Titel keinen Funken gehaltvoller.

 

Während man mit dem A-Knopf fleißig und unbegrenzt Schläge austeilen kann und damit Fässer zerstören und Gegner quälen kann, nutzt man mit dem B- bzw. Z-Button Items ein. Wie in jedem ordentlichen Fun-Racer steht einem auch in Donkey Kong Jet Race ein reichhaltiges Itemangebot zur Verfügung. Um diese zu erhalten, muss man durch sich auf der Strecke befindende Ballons fliegen. Das interessante hierbei ist, dass es blaue und rote Ballons gibt. OK das klingt zugegebenermaßen kein Stück interessant ;). Das wirklich interessante hierbei ist, dass die Charakterwahl hierbei eine Rolle spielt. Steuert man einen Kong, so erhält man bessere Items aus den roten Ballons, als Kremling aus den blauen. Doch dieses Konzept wurde insgesamt nicht konsequent genug durchgesetzt, über die Qualität von manchen angeblich guten oder schlechten Items lässt sich nämlich einerseits streiten und andererseits erhält man einige Items auch aus beiden Ballontypen.

 

 

Breaking news! Affe beklaut Klempner!

 

Über die Qualität des Itemangebots an sich kann man sich auch streiten. Während die Anzahl der Items in Ordnung geht und sich an Mario Kart orientiert, wurden scheinbar auch einige Items aus Mario Kart „geklaut“. So gibt es einen Papagei, der den Erstplatzierten attackiert, ein Item, welches dem Fahrer für eine kurze Zeit unbegrenzt boosten lässt, eine hölzerne Bazooka, mit welchem man den vor sich befindenden Fahrer attackieren kann usw.. Aber auch neuartige und recht witzige Items findet man im Spiel, wie z.B. eine goldene Statue, die alle Bananen in der Umgebung anzieht oder einen kleinen Affen, der einem Gegner Bananen stibitzt. Über den Sinn und die Effektivität einiger Items kann man sich aber auf jeden Fall streiten, sodass ich das Itemangebot insgesamt wohl höchstens als „akzeptabel“ bezeichnen würde. Setzen, 3-!

 

Auch ansonsten wirkt vieles von Mario Kart inspiriert. Sei es die geklaute Punkteverteilung nach den einzelnen Rennen oder die Vergabe von Rängen für die gefahrenen Rennen im Grand Prix wie bei Mario Kart DS, das Spiel wirkt oft wie ein schlechteres Mario Kart mit Affen. Doch bei den Titeln aus dem eigenen Hause kann man sich ja mal gerne bedienen und wie heißt es so schön: Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht!

 

 

Shocking news! Affe auf Schienen im Weltall!

 

Was Umfang und Optionsvielfalt angeht, weiß der Titel eher zu gefallen und verdient da auf jeden Fall das Prädikat „befriedigend“. So gibt es insgesamt drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, vier verschiedene Cups mit je 3-5 Strecken und vor allem einige freischaltbare Charaktere. Die Strecken unterteilen in verschiedene thematische Gebiete wie „Dschungel“, „Schneelandschaft“ oder „Weltraum“. Ja, auch hier wandelt Donkey Kong auf den Spuren des kartfahrenden Klempners und düst durch die Weiten des Alls. Insgesamt muss man anmerken, dass die Strecken sehr hübsch und kreativ designt wurden. Ob man nun in der Wüste an einer Donkey Kong-Sphinx vorbeifährt, unter Wasser einen riesigen Fischschwarm oder gigantischen Wal bewundern darf oder in einer Tempelanlage von einem steinigem Fels-Donkey Kong mit Laserstrahlen aus den Augen beschossen wird, die Aufmachung der Strecken wirkt stimmig, witzig und einfach gelungen. Doch die gute Aufmachung trifft größtenteils nur auf die Hintergründe der Strecken zu, die meisten Strecken sehen fast identisch aus, nur die Hintergründe sind anders. Die Strecken unterscheiden sich meist nur durch wenige interaktive Elemente, sodass die Abwechslung hier doch deutlich zu kurz kommt. Zudem unterscheiden sich die Strecken aus den einzelnen thematischen Gebieten optisch und gestalterisch zu wenig.

 

Was die Optik angeht, ist der Titel insgesamt solide. Es sollte ein Gamecube-Spiel werden und das sieht man. Optisch erinnert es deshalb an ein besseres Mario Kart Double Dash. Da die Framerate stabil ist, es ein Funracer ist und die Wii es sowieso nicht so mit der Optik hat, ist es aber voll okay. Soundtechnisch erinnert das fröhliche Gedudel auch an Mario Kart und hält den einen oder anderen potentiellen Ohrwurm parat, vor allem ein cooles Remix des klassischen Donkey Kong Country Themes hat mir sehr gefallen. Aber auch soundtechnisch reißt das Spiel keine Bäume aus, bleibt aber auch im Rahmen. An dieser Stelle frage ich mich übrigens: Hat man Donkey Kongs Sprecher gewechselt? Er klingt sehr seltsam im Spiel!

 

Ein Kritikpunkt am Spiel, den ich noch ansprechen muss, ist die Tatsache, dass man quasi auf Schienen fährt. Wenn man will, muss man gar nicht lenken, der Charakter schlägt automatisch in die Kurven ein. Er rasselt dann auf Dauer vermutlich in die ganzen Hinternisse herein und verpasst die meisten Bananen, dennoch gefällt mir eine derartige Bevormundung des Spielers nie. Der Charakter eines Rennspiels geht dadurch und die oft geradlinige Streckenführung auch zu sehr verloren, die Strecken wirken einfach wie riesengroße Hindernisparcours, durch die man möglichst unbeschadet kommen muss und weniger wie echte Rennstrecken, was sich dementsprechend im Gameplay wiederspiegelt.

 

 

Disturbing news! Affen-Playmate versucht Spieler zu verführen!

 

Neben den Rennen gibt es zudem einen Missionsmodus, präsentiert von der reizenden Candy Kong, einer obskuren Kreuzung aus Donkey Kong und Pamela Anderson, der ich wirklich nicht gern im Dunkeln begegnen würde. Hier heißt es, in vier verschiedenen Stufen, die sich jeweils durch einen ordentlich ansteigenden Schwierigkeitsgrad unterscheiden, unterschiedliche Missionen zu erfüllen. Mal muss eine bestimme Anzahl an Bananen in einem bestimmten Zeitraum gesammelt werden, mal ein Rennen ohne Einsatz des „Affenzahns“ gewonnen werden und mal ein direktes „1 on 1“ Duell gegen einen anderen Charakter gewonnen werden usw.. Bei letzteren handelt es sich immer um noch nicht freigeschaltete Charaktere, welche einem nach gewonnenem Duell dann auch zur Verfügung stehen. Erinnert mich irgendwie an Super Smash Bros....(man merkt wohl, dass ich scharf auf Brawl bin...).

 

Es gibt übrigens 16 Charaktere, acht pro Gruppierung. Die Charaktere unterscheiden sich untereinander durch verschiedene Werte in drei verschiedenen Attributen: Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und Kurvenlage. Jeder Charakter aus dem einen Clan hat hier jeweils sein Pendant mit den gleichen Werten aus dem anderen Clan.

 

Insgesamt ist der Missionsmodus eine absolut gelungene Abwechslung zum Rest des Spiels, mit welcher ich auch im Singleplayer mehr Spaß hatte als mit den Rennen an sich, da viele Missionen vor allem in den höheren Schwierigkeitsregionen recht motivierend sind. Persönlich mag ich es recht gerne, in einem Rennspiel derartige Aufgaben zu erfüllen, es kamen durchaus auch Erinnerungen an den Storymodus von F-Zero GX hoch. Gerade deshalb hätte ich es schön gefunden, wenn man um die Missionen kleine Geschichten, evtl. auch mit kurzen Zwischensequenzen, gesponnen hätte. Wie gesagt, finde ich einige der Kongs mehr als cool, weshalb meiner Meinung nach genug Potential für eine kleine, witzige Story da gewesen wäre. Das Spiel wäre dadurch sicherlich auch um einiges gehaltvoller geworden.

 

Für fleißige Highscorejäger bietet das Spiel dagegen einige Möglichkeiten, da man in den Rennen und auch Missionen seine Bestzeiten verbessern kann. Hierfür dienen die allseits (un)beliebten Miis, welche man vorm Rennen auswählen muss. Die jeweiligen Zeiten werden dann mit dem dazugehörigen Mii gespeichert. Da die Rennen vor allem für Anfänger sehr unübersichtlich sind, frage ich mich, warum die Miis in den Multiplayerrennen nicht über den jeweiligen Fahrern angezeigt werden. Anfangs ist es nämlich äußerst schwer, die Übersicht zu behalten, man merkt kaum, wenn man überholt wird und erkennt kaum die Fahrer, die sich in der Nähe befinden. Mit zunehmender Spielzeit gewinnt man hierbei aber an Routine und Übersicht, für Anfänger ist es trotzdem anfangs eher abschreckend und verwirrend.

 

 

„Was'n Quatsch, aber lustig!“

 

Ansonsten bietet das Spiel die Möglichkeit, einzelne, freie Rennen auszutragen oder mit Freunden im Multiplayer den Affen...eh, ich meine die Sau, raus zu lassen. Im Multiplayer läuft der Titel im Gegensatz zu Mario Kart zwar nicht zur Höchstform auf, ist aber doch wenigstens etwas spaßiger als der Singleplayer. Mit bis zu vier Spielern kann man, lediglich offline, in einzelnen Rennen oder in einem der Grand Prix gegeneinander antreten. Da die Computergegner in diesen aber meist wegfallen (es sei denn, man hat weniger als vier menschliche Spieler beisammen, dann werden die freien Plätze durch Computerfahrer gefüllt), kann man auf diese Art und Weise nichts freischalten, dies ist dem Singleplayer vorbehalten, was ja auch irgendwie Sinn macht. Witzig sind die Möglichkeiten bei der Wahl des Grand Prix, so kann man aus den vorhandenen Strecken seinen eigenen Grand Prix zusammenstellen oder den Zufallsgenerator anschmeißen und einen komplett willkürlich zusammengewürfelten Grand Prix fahren. Dies geht übrigens alles auch im Singleplayer, wirkt für mich aber wie eine Spende an den ansonsten durchwachsenen Multiplayer.

 

Doch ich kann nicht leugnen, im Multiplayer hatte ich mit meinen Kumpels durchaus Spaß, allerdings auf eine Art und Weise, die die Entwickler wohl nicht beabsichtigt haben. So bereiteten uns die Rennen an sich eher weniger Spaß, was uns zum Lachen gebracht hat, waren eher einfache Dinge. Seien es die wirklich lustigen und nett gemachten Hintergründe und Details am Streckenrand ( wer kann sich ein Lachen verkneifen, wenn er tanzende Affen am Streckenrand sieht, die die Fahrer anfeuern, obwohl das Rennen in der Antarktis statt findet? ;) ), die teilweise kultigen, teilweise trashigen Charaktere oder einfach die Anblicke der wild mit Wiimote und Nunchuck herumhampelnden Kumpels, ich hatte jedenfalls meinen Spaß im Multiplayer.

 

Für die größten Lacher sorgte bei uns allerdings wohl ein Kritikpunkt des Multiplayers, der sich zeigt, wenn man zu dritt spielt. Wie bei vielen anderen Titeln teilt sich der Bildschirm bei mehr als zwei menschlichen Spielern in vier gleich große Teile auf. Wenn man allerdings nur zu dritt ist, bleibt das vierte Viertel frei und ungenutzt. Normalerweise erwartet jeder nicht gänzlich anspruchslose Spieler wohl wenigstens eine Übersicht oder ähnliches auf dem ungenutzten Teil des Bildschirms. In der Regel ist dies bei fast allen Spielen ja auch der Fall. Doch nicht so bei Donkey Kong Jet Race! An dieser Stelle hatten die Entwickler wohl endgültig keinen Bock mehr und nagelten einfach ein Brett über das Viertel des Bildschirms. Entweder war dies wirklich nur pure Lustlosigkeit oder die Entwickler waren hier einfach so unbeholfen, dass es schon weh tut. Ich persönlich finde diese Dreistigkeit an dieser Stelle allerdings schon wieder irgendwie genial und kann mir kaum ein dickes Grinsen verkneifen, wenn ich nur dran denke. Für lautes Gelächter haben die Entwickler damit bei uns auf jeden Fall gesorgt.

 

Insgesamt kann man also im Multiplayer durchaus ordentlich Spaß haben. Man muss sich in geselliger Runde einfach nur immer wieder vor Augen führen, was für einen blühenden Blödsinn man da eigentlich gerade spielt und die Stimmung wird garantiert steigen.

 

Dies ist an dieser Stelle auch gar nicht bös gemeint, das Spiel hat einfach einen gewissen Charme und kann hierbei einen ordentlichen Trashfaktor nicht leugnen. Und gerade dieses TNT-Fass an Charme ist es auch, was den Titel vor dem Fall ins Spielspaß-Nirvana bewahrt. Spielerisch hat der Titel einfach wirklich wenig auf dem Kasten und ist einem Donkey Kong nicht im geringsten würdig. Dass man es dennoch geschafft hat, ein gänzlich sinnfreies Spielkonzept in einem sympathischen Rahmen zu verpacken, rettet dem Spiel und Donkey Kong gerade noch so das Fell.

 

Stolz kann er auf dieses Spiel dennoch beim allerbesten Willen nicht sein!

 

 

Dezente Kaufempfehlung für Affenfreunde

 

Donkey Kong-Fans kann ich das Spiel begrenzt ans Herz legen. Es bietet die üblichen Charaktere, gängige Donkey Kong-Spielelemente wie das Sammeln von Bananen oder Fässer, die die Fahrer durch die Gegend schießen und sogar die beliebten fahr- und reitbaren Untersätze wie die Lore, der Schwertfisch oder das Nashorn geben sich die Ehre um den Fahrern Abkürzungen und Bananen zu verschaffen.

 

Einen Nachfolger braucht dieses Spiel aber auf gar keinen Fall, sonst möchte ich in Zukunft auch Spiele wie „Melmac Racing with Gordon Shumway“, „Entenhausen Taxi Driver“ oder „Epona Dressurreiten“. Ich hoffe ihr versteht, worauf ich hinauswill ;).

 

Kündigt auf der E3 ein neues Donkey Kong Jump 'n Run an und lasst es richtig gut werden, dann verzeihen wir euch diesen Ausrutscher, Nintendo! Donkey Kong hat es sich doch so verdient, mal wieder mit einem Blockbuster bedient zu werden!

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Meine ersten Eindrücke zum Spiel waren mehr als durchwachsen, ich hatte eigentlich schon vor, an dieser Stelle dazu zu raten, die 40 Euro eher in Bananen als in dieses Spiel zu investieren, aber im Laufe des Spiels änderte sich meine Meinung doch eher zum Positiven. Die Grafik ist okay, der Sound ist okay, der Umfang ist okay, die Aufmachung ist liebevoll und wirklich nett gemacht, das einzige Problem ist die an den Haaren herbeigezogene und ziemlich verkorkste Steuerung.

Für Donkey Kong-Fetischisten ist das Spiel einen oder mehrere Blicke wert, da das Spiel alles bietet, was man sich von einem Donkey Kong-Fun-Racer erwarten dürfte. Alle anderen warten entweder auf das bald erscheinende Mario Kart Wii oder geben zumindest nicht mehr als 20 Euro für das Spiel aus.

Wer bisher keinerlei Erfahrungen mit Donkey Kong gesammelt hat, dem kann ich nur raten, die Finger von diesem Spiel zu lassen und folgenden Rat zu befolgen:
Wii anmachen -> Wii Shop -> Virtual Console -> SNES -> Donkey Kong Country herunterladen -> Donkey Kong Country genießen. Und keine Widerrede, das Spiel rockt, dafür steh ich mit meinem Namen ;).

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

schwach

Spielspaß

ok

65%

Singleplayer

70%

Multiplayer

Release

24.01.2008

Developer

Paon

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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