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Reviews: Nintendo Wii

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Geheimakte Tunguska

Adventure

24.04.2008

Autor: Gunnar Schreiber

 

Es ist schon bemerkenswert, dass Point & Click Adventure, eines der ältesten Videospielgenres überhaupt, ausgerechnet auf der wohl innovativsten aktuellen Konsole eine Renaissance feiern. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass immer mehr Publisher und Entwickler neue Titel oder Umsetzungen von erfolgreichen Adventures auf dem PC für Wii ankündigen. Eine dieser Umsetzungen ist Geheimakte Tunguska, das von Deep Silver/Koch Media vertrieben und von den deutschen Entwicklern keen games hergestellt wurde.

 

 

Die Geschichte:

 

Point & Click Adventures leben aufgrund des meistens eher limitierten Gameplays von der Hintergrundgeschichte und den hoffentlich cleveren Rätseln. Die Story von Geheimakte Tunguska, die in vielen Dialogen mit guter Sprachausgabe sowie in aufwendig gerenderten Zwischensequenzen erzählt wird, ist auf jeden Fall spannend genug, um den Spieler zum Voranschreiten zu motivieren. Dabei hat man sich ein reales, bis heute unerklärtes Phänomen zu Nutze gemacht und drum herum eine nette Geschichte gesponnen:

 

1908 erschüttert eine gewaltige Explosion, die angeblich die Kraft von 2000 Hiroshima-Atombomben hatte, die Tunguska Region in Zentralsibirien. Die Kraft der Explosion zerstörte ein mehrere tausend Quadratmeter großes Gebiet, was zum Glück nur wenig besiedelt war. Die Auswirkungen waren so heftig, dass es danach drei Nächte lang in ganz Europa nicht dunkel wurde. Was genau damals geschehen ist, weiß die Wissenschaft bis heute nicht. Die Theorien reichen von einem Vulkanausbruch bis hin zu einem Meteoriteneinschlag.

 

Dieses reale Ereignis ist die Grundlage für die Geschichte von Geheimakte Tunguska. Die Protagonistin ist dabei eine junge Frau namens Nina. Als sie ihren Vater Vladimir Kalenkow, ein berühmter Wissenschaftler, im Museum in Berlin abholen will, ist dieser spurlos verschwunden. Da die Polizei nicht helfen kann oder will, beginnt Nina alleine Nachforschungen anzustellen. Ein Arbeitskollege ihres Vaters namens Max hilft sofort bereitwillig. Es stellt sich heraus, dass Vladimir ein führender Wissenschaftler der Tunguska Forschungen gewesen ist. Dabei machte er damals eine Entdeckung, die anscheinend weitreichende Folgen haben könnte. Um wohl die Wahrheit zu vertuschen, wurde ihm der Forschungsauftrag samt finanzieller Unterstützung gestrichen. Vladimir gab aber nicht auf und forschte im Geheimen weiter an seinen Theorien. Was hat er dabei entdeckt? Warum wurde er plötzlich entführt? Diese und weitere Fragen wird Nina während der Suche nach ihrem Vater aufdecken und dabei mit ehemaligen Arbeitskollegen von Vladimir Kontakt aufnehmen und viele unterschiedliche Orte auf der Erde bereisen, von Moskau bis Havanna, von Irland bis zum Himalaja.

 

Auch wenn die Geschichte durchaus ernst ist, wird sie dennoch durch viel Humor aufgelockert. Allerdings ist dieser schon extrem flach. So sagt Nina bei einem Holzstapel vor einem Haus: „Die haben aber ganz schön Holz vor der Hütte“. Oder Max kommentiert den Einsatz eines Schlüssels mit: „Das wird jetzt eine Schlüsselszene“! Auch wenn manche Sprüche wirklich etwas übertrieben sind, kann man dennoch über den einen oder anderen verbalen Erguss durchaus schmunzeln. Es stellt sich halt nur die Frage, ob der sehr flache Humor nicht die ansonsten dichte Atmosphäre etwas stört. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

 

 

Das Gameplay:

 

Geheimakte Tunguska bietet ziemliche Adventure Standardkost, was aber nichts Schlechtes sein muss. Ihr bewegt Nina vor vorgerenderten Hintergründen und in starren Kameraperspektiven. Dabei geht Nina dahin, wo ihr den Cursor hin zeigt und die A Taste drückt. Ziel ist es eigentlich immer, die gesamte Umgebung nach Hinweisen zu untersuchen, Gegenstände zu finden und gegebenenfalls zu kombinieren, um so diverse Rätsel zu lösen und im Spiel voranzuschreiten. Da der Titel ursprünglich für PC und hohen Auflösungen entwickelt wurde, sind viele der herumliegenden Items, extrem klein gehalten. Dieses Problem haben die Entwickler allerdings vorbildlich gelöst. Bewegt man den Cursor über ein Objekt, mit dem man interagieren kann, dann macht sich die Wiimote durch ein kurzes Rumble bemerkbar und der Gegenstand wird weiß untermalt. In vielen Fällen erscheint auch noch ein kleines Textfenster, was das Item definiert. Darüber hinaus kann man sich, wenn man die 1 Taste gedrückt hält, durch kleine Lupen anzeigen lassen, was man wo in der Umgebung untersuchen kann.

 

Ferner unterscheidet das Spiel zwischen der B und A Taste zum Anklicken von Objekten. Dies ist sicherlich ein Relikt der PC Version, wo man linke und rechte Maustaste benutzen musste. Mit A interagiert man mit Objekten, mit B bekommt man meistens nur eine Info. In ganz seltenen Fällen führt aber auch B schon zu einer direkten Aktion. Diese Unterteilung funktioniert zwar, führt aber dennoch immer wieder dazu, dass man aus Versehen die falsche Taste drückt. Konsolentypischer wäre es gewesen die A Taste als einzige Interaktionstaste festzulegen.

 

Viele Objekte, die man einsammelt, werden in ein Menü gepackt, was anders als in der PC Version zum Glück nicht permanent auf dem Screen angezeigt wird, sondern von alleine wieder verschwindet. Mit einem Druck auf das Steuerkreuz unten, kann man sich es aber auch jederzeit wieder anzeigen lassen. Das ist auch sehr wichtig, um Infos zu jedem Objekt zu erfahren oder diese zu kombinieren. Dazu muss man mit A einfach ein Gegenstand greifen und dann über einen anderen legen, so dass eventuell ein neues Item entsteht. Auf diese Weise lassen sich fast sämtliche Rätsel lösen. Während manche sehr offensichtlich sind, wie eine Fackel mit einem Feuerzeug anzuzünden, sind andere schon extrem knifflig. So wird man im Laufe der 10 bis 20 Stunden Spielzeit, je nachdem wie clever man sich anstellt, mit Sicherheit auf die eine oder andere Situation treffen, wo man partout nicht weiter weiß. Alle Rätsel sind zwar logisch aufgebaut und mit gesundem Menschenverstand erschließbar, aber dennoch teilweise weit hergeholt. Außerdem kennt sicherlich jeder das Phänomen, dass man manchmal vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sieht. Letztendlich ist es aber ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man eine knifflige Stelle gemeistert hat. Und wenn alle Stricke reißen, muss man halt einfach blind jedes Item mit allen anderen versuchen zu kombinieren etc. und sehen was geschieht.

 

So untersucht Nina die unterschiedlichsten Orte auf der Erde, erfährt nach und nach mehr über ihren Vater und den mysteriösen Machenschaften in der Tunguska Region und trifft auf eine Menge dunkler Gestalten. Um das Geschehen etwas aufzulockern, übernimmt man manchmal auch die Kontrolle über Max, der parallel an anderen Orten Nachforschungen anstellt. Das Gameplay unterscheidet sich in diesen Passagen aber in keiner Weise.

 

Darüber hinaus hat keen games noch zwei nette Gimmicks eingebaut. Hat man eine zweite Wiimote aktiviert, dann wird ein zweiter Cursor auf dem Screen angezeigt. So kann ein weiterer Spieler auf Objekte in der Umgebung hinweisen etc. Eine nette Idee, die mit etwas mehr Tiefgang bereits bei Zack & Wiki von Capcom umgesetzt wurde, allerdings ist es mir unverständlich, wie der Publisher diese nur bedingt nützliche Kleinigkeit als vollwertigen Koop-Modus anpreisen kann.

 

Das zweite Gimmick ist eine Nunchuck Unterstützung. Habt ihr diesen an die Wiimote angeschlossen, dürft ihr Nina mit dem Analogstick steuern. Dadurch fühlt sich das Spiel gleich viel mehr wie ein Konsolenspiel, aber weniger wie ein Point & Click Adventure an. Vorteil dieser Methode ist, dass die Protagonistin dann schneller läuft. Etwas unverständlich ist, dass die anderen Tasten des Nunchucks ungenutzt bleiben. Wenn man schon eine alternative Laufmethode anbietet, hätte man zum Beispiel auch eine zweite Taste für die Anzeige der Lupe machen können. Denn die 1 Taste zu drücken, ist nicht nur ein wenig unkomfortabel, sondern auch etwas unpraktisch: Die Lupen werden ja nur angezeigt, solange man die Taste gedrückt hält. Will man nun mit dem Objekt interagieren, muss man sich die Stelle merken, die Taste loslassen (die Lupen verschwinden) und dann A oder B auf der Stelle des Items drücken. Man hat ja schließlich nur einen Daumen pro Hand. Würden aber die Lupen zusätzlich noch via Druck auf C oder Z des Nunchucks erscheinen, dann könnte man diese angezeigt lassen, bis man mit A oder B die Interaktion getriggert hat.

 

Letztendlich sind dies allerdings alles nur Kleinigkeiten, die verbesserungswürdig sind. Das Gameplay an sich funktioniert nahezu einwandfrei und aufgrund der größtenteils cleveren Rätsel, der spannenden Geschichte und den netten Charakteren ist man jederzeit motiviert im Spiel voranzuschreiten.

 

 

Die audivisuelle Umsetzung:

 

An der Technik gibt es nicht viel zu meckern. Der Sound ist durchweg sehr gut. Die Umgebungsgeräusche sind immer passend und die Sprachausgabe ist sehr professionell. Die Grafik besteht, wie bereits erwähnt, aus vorgerenderten Hintergründen. Trotz einiger Auflockerungen durch zum Beispiel drehende Windräder im Hintergrund oder Regentropfen, wirkt vieles dennoch etwas zu statisch. Da wäre sicherlich noch mehr drin gewesen. Dennoch sind die Umgebungen wirklich detailliert gezeichnet und aufgrund der vielen verschiedenen Orte, an dem der Titel spielt, auch sehr abwechselungsreich. Ein zweischneidiges Schwert sind hingegen die Animationen der Charaktere. Manche wirken tatsächlich authentisch, andere wiederum extrem steif. Als störend empfinde ich es auch, dass Nina und Max viele Objekte nicht wirklich in die Hand nehmen und stattdessen teilweise ohne Berührung in der Nähe rumfuchteln.

 

 

Vielen Dank an Koch Media für die Bereitstellung des Testmusters!

 

Außerdem danken wir für das Interview, das wir mit René Lange von keen games führen konnten.


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Fazit

Die Umsetzung des PC Spiels auf Wii ist keen games größtenteils sehr gut gelungen. Das Gameplay funktioniert auch mit Wiimote einwandfrei. Die spannende Geschichte, viele clevere Rätsel und die nette Präsentation motivieren über das ganze Spiel hinweg. Fans des Genres und solche, die es noch werden wollen, müssen zugreifen. Hoffen wir mal, dass die für PC bereits angekündigte Fortsetzung Geheimakte 2 auch den Weg auf Wii finden wird und die Entwickler dann vielleicht den Mut aufbringen noch mehr Controllerfähigkeiten, wie zum Beispiel die Bewegungserkennung, zu nutzen.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

83%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

25.04.2008

Developer

keen games

Publisher

Koch Media

USK Freigabe

6+


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