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Reviews: Nintendo Wii

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Rayman Raving Rabbids

Party

23.12.2006

Autor: Mario Kablau

 

Hasen an die Macht

 

Es geschah an einem sonnigen Tag: Während Rayman und seine Freunde auf einer saftigen Wiese sitzen und gemütlich ein Picknick veranstalten, fängt auf einmal die Erde an zu beben. Flupp! Und einer von Raymans Freunden ist von Erdboden verschluckt worden. Flupp! Flupp! Flupp! Und schon sind die anderen auch alle weg. An ihrer Stelle erscheinen plötzlich sehr süß aussehende Hasen. Rayman bietet ihnen direkt – freundlich, wie er nun mal ist – etwas zu essen an. Doch zum gemeinsamen Picknick kommt es nicht, denn die Hasen haben anderes im Sinn: Rayman zu entführen und die Weltherrschaft an sich zu reißen.

 

Unser Held wird also von einem riesigen Roboter-Hasen verschleppt und in die Arena der Hasen geworfen. Dort muss er nun Tag für Tag auftreten und die Hasen mit seinen Auftritten belustigen. Dazu gibt es jeden Tag vier Minispiele, in denen es auf Genauigkeit, Zielstrebigkeit, Rhythmusgefühl und Ausdauer ankommt. Gelingt es Rayman, drei der vier Spiele zu gewinnen, dann muss er sich nur noch im Tagesfinale beweisen. Wenn ihm das auch noch gelingt, gewinnt er einen Klostopfer, kommt er in seine Zelle zurück und muss dort auf den nächsten Tag warten.

 

Damit ihm das nicht zu langweilig wird, hat er dort eine Jukebox, eine Toilette und einen Kleiderschrank hingestellt bekommen. Setzt er sich auf die Toilette, dann kann er den Tag rekapitulieren lassen, und die ihm gestellten Aufgaben noch einmal angehen. Im Kleiderschrank befinden sich alle seine Outfits, mit denen man den Held umstylen kann. Anfangs stehen nur vier Kostüme zur Auswahl, die man getrennt nach Schuhen, Kleidung, Augen und Kopfbedeckung anlegen kann. Mit der Jukebox, kann man die Stimmung in der Zelle etwas anheben. Man bekommt dafür neue Songs, wenn man es an einem Tag schafft, alle vier Aufgaben zu meistern. Es ist jedoch nicht zwingend notwendig, die Spiele alle sofort zu schaffen, denn man kann sie auf dem Klo noch einmal spielen und wenn man sie dann schafft, reicht das auch völlig aus.

 

Und so lebt Rayman tagein und tagaus vor sich hin. Er rettet immer mehr seiner Freunde und kommt seinem Ziel immer näher: Dem Gefängnis der Hasen zu entkommen. Außerdem steigt sein Ansehen bei den Hasen alle paar Tage an und sie gehen immer freundlicher mit ihm um. Zu Anfang ist seine Zelle noch extrem steril und trostlos, aber nach ein paar Tagen bekommt er schönere Möbel, eine bessere Toilette und später sogar Teppich und Tapete. Außerdem wird er nach ein paar Tagen nicht mehr in seine Zelle geworfen, sondern darf selbstständig laufen. Zum Ende hin legen ihm die Hasen sogar einen roten Teppich aus und begrüßen ihn jeden Morgen und jeden Abend mit einer Fanfare. Auch im Stadion verändert sich einiges: Am Anfang sind die Hasen wild und wollen sehen, wie Rayman vermöbelt wird. Irgendwann ist es langweilig, weil er immer gewinnt und das Stadion wird immer leerer. Wieder ein paar Tage weiter kommen die Hasen wieder und werden echte Rayman-Fans und hängen Banner ("I love Ray", "Rayman forever", etc.) auf. So kriegt man immer wieder neue Dinge geboten, so dass es nicht langweilig wird.

 

 

Minispiele fatal!

 

Das Spiel bietet zwar eine mehr oder weniger abwechslungsreiche und durchdachte Geschichte, aber dennoch ist es im Wesentlichen eine Minispiele-Sammlung. Dabei sind die Spiele in vier Kategorien unterteilt. Die normalen Minispiele sind ein bunter Mischmasch in allen möglichen Richtungen. Hier gibt es zum Beispiel „Hasen können nicht mit Kühen umgehen“, in dem man eine Kuh möglichst weit durch die Luft werfen muss, „Hasen können nicht springen“, wo man mit dem Nunchuk Seilspringen muss, „Hasen fressen für 4“, bei dem man bestimmte Speisen mit dem Pointer nachzeichnen muss und „Hasen benutzen keine Zahncreme“, in dem einem Hasen mittels Wii-Fernbedienung dicke Würmer aus den Zähnen schießen muss. In dieser Kategorie befindet sich mit 45 Spielen der Großteil an Aufgaben im Spiel. Die anderen drei Bereiche sind zwar zahlenmäßig unterlegen, aber dafür dauert ein Spiel dort auch im Schnitt deutlich länger.

 

Entscheidet man sich für ein Tanzspiel, dann hat man die Auswahl aus 15 Songs, die unterschiedlich schwer sind. Am einfachsten ist in meinen Augen „Hasensind begnadete Tänzer“ und sobald behauptet wird „Hasen können keinen Rave tanzen“ wird es richtig knackig. Bei diesen Spielen steht Rayman in der Mitte der Bühne und von Links und Rechts tanzen Hasen in seine Richtung. Erreicht ein Hase die Tanzfläche zu seiner Linken, dann muss man den Nunchuk schütteln und kommt ein Hase von rechts, dann die Wii-Fernbedienung. Vor allem bei den etwas schnelleren Liedern hat man ordentlich zu tun und ein gutes Rhythmus-Gefühl ist unerlässlich, um Erfolg zu haben.

 

 

Daneben gibt es auch noch fünf Rennspiele, in denen man mit Rayman auf einem Warzenschwein gegen eine Horde Hasen, die ebenfalls auf den sehr (Achtung: Ironie) agilen Schweinen reiten. Man lenkt das Viech mit dem Stick, „beschleunigt“ mit dem B-Knopf und kann durch einen Schlag mit der Wiimote dem Schwein dreimal eins überziehen, so dass es für kurze Zeit richtig Gas gibt. Zu guter letzt gibt es auch noch 10 Egoshooter-Passagen, in denen man die Hasen mit Klostopfern abknallen muss. Wie in einem Lightgun-Shooter bewegt sich Rayman dabei selber und man sieht, was er sieht. Mit der Wiimote zielt man, mit B schießt man und durch Schütteln des Nunchuks lädt man nach. Dabei tritt man nicht nur auf „normale“ Hasen, sondern auch auf spezielle Versionen, wie einen „Superman-Hasen“, „Splinter Cell-Hasen“ und besonders große Exemplare.

 

Dabei stehen alle Minispiele, die man im Abenteuer-Modus einmal geschafft hat, auch im Punkte-Modus zur Verfügung. Hier kann man alleine oder mit bis zu drei weiteren Mitspielern auf Punktejagd gehen. In jedem Minispiel kann man maximal 1.000 Punkte erreichen und man bekommt dafür alle paartausend Punkte einen kleinen Bonus. Darunter befinden sich z.B. einige der schon bekannten Hasen-Videos, Artworks, usw. Dieser Modus macht sowohl alleine als auch mit weiteren Spielern eine ganze Weile Spaß, wenn man die Nerven hat, jedes Minispiel perfektionieren zu wollen.

 

 

In diesem Modus hat man auch die Möglichkeit, mit bis zu drei weiteren Mitspielern direkt oder indirekt gegeneinander anzutreten. Indirekt, weil man leider die meisten der Spiele nicht simultan, sondern nacheinander spielt. So tritt man zum Beispiel in den Rennspielen nicht direkt gegeneinander an, sondern jeder Spieler muss sich alleine gegen die Horde Hasen auf Warzenschweinen behaupten und es gewinnt derjenige mit der besten Zeit. Ebenso ist es bei vielen Minispielen, wie den oben schon genannten „Kuhweitwurf“ und „Seilspringen“. Einige kann man jedoch auch simultan spielen, so zum Beispiel: „Hasen besitzen angeblich ein Gehirn“, in dem man ähnlich wie bei dem bekannten Spiel „Heißer Draht“ einen Hasen mit dem Pointer der Wiimote über einen Parcours lotsen muss. Hier wird es besonders lustig, wenn man zu viert spielt.

 

Die Songs und Egoshooter-Passagen kann man immer gegen- oder miteinander spielen. Bei einem Tanzspiel läuft das Geschehen dann per Splitscreen ab und alle Spieler tanzen gleichzeitig. Zwar kann man auch hier nicht direkt etwas für oder gegen seine Mitspieler unternehmen, aber dennoch ist es so sehr viel lustiger, als nacheinander zu spielen. Die Egoshooter- (=Hasenjagd) Spiele kann man mit- und gegeneinander spielen. Dabei spielen alle Spieler auf demselben Bildschirm und jeder steuert ein eigenes Fadenkreuz zum zielen.

 

 

Zielen, Schlagen, Schießen & Tanzen

 

Das Besondere an der Wii-Version von Rayman Raving Rabbids ist, dass man alle Spiele speziell für die Wii-Fernbedienung entwickelt hat. Dementsprechend sind die Minispiele perfekt darauf ausgelegt durch den Pointer, durch Schütteln von Nunchuk oder Fernbedienung oder mittels Joystick zu steuern. Die Vielzahl an Variationen, die sich das Team dabei ausgedacht hat, ist schier unglaublich. Zwar kommen einige Möglichkeiten mehrfach in verschiedenen Minispielen vor, allerdings ist das nicht wirklich störend, da man zwar dieselbe Bewegung ausführt, aber damit völlig verschiedene Dinge tut.

 

 

Es gibt lediglich einige kleine Mängel, die teilweise etwas frustrierend sein können und einen riesigen Mangel, der den Spielspaß für eine auf unter Null zieht. Es gibt ein Spiel, in dem man mit Rayman am Strand ein paar Hasen umhauen muss. Man bewegt ihn mit dem Control-Stick und muss vier Musikboxen einschalten, damit die Hasen tanzen und man sie aus dem Bild schlagen kann. Das Schlagen funktioniert dabei über mittels Schütteln der Wiimote. Allerdings klappt das alles andere als gut. Man kann manchmal die Wiimote schütteln, bis der Arm abfällt, aber Rayman weigert sich einfach, einen Schlag auszuführen. Wenn man dann irgendwann mal Glück hat uns es geschafft hat, dann kommt es einige Runden später noch besser: Es gibt einen zweiten Teil, bei dem dann Hopfen und Malt endgültig verloren ist. Einen solch großen Mangel habe ich jedoch nur in diesem einen Spiel gefunden. Die meisten anderen klappen mehr als gut und einige brauchen etwas Übung, damit man raus hat, wie es am besten geht. Dennoch ist der Mangel in meinen Augen so gravierend, dass es dafür einen Punktabzug gibt.

 

Unterm Strich sorgt der Einsatz der Wiimote, kombiniert mit dem genialen Humor dennoch für einen bisher nie dagewesenen Abwechslungsreichtum in einer Minispiele-Sammlung. Manchmal frage ich mich, was für Leute im Entwicklerteam gearbeitet haben und wie die auf solche Ideen kommen. Um noch ein Beispiel zu nennen: In einem Spiel muss man einem Hasen mit der Wiimote auf den Kopf zielen und mit dem Nunchuk drauf hämmern. Je besser man das macht, umso länger wird die Beule, die man ihm verpasst. Dabei sind Beulen von 200 Metern Länge und mehr möglich...

 

 

Kunterbunt und Ohren betäubend

 

Neben dem grandiosen Einsatz der Möglichkeiten, die Wii-Fernbedienung und Nunchuk bieten, haben die Entwickler auch einen sehr großen Wert darauf gelegt, dass der Humor des Spiels auch durch Bild und Ton perfekt unterstützt wird. Daher sind die Hasen so dargestellt, dass sie im ersten Moment süß wirken, aber wenn sie einmal ihre wahre Natur raushängen lassen, gleichzeitig böse und total dämlich. Unterstützt wird dieser Eindruck durch jede Menge verschiedene Soundeffekte, die immer so klingen, dass man sie tatsächlich einem der Hasen zuordnen kann und auch immer merkt, was gerade abgeht. Sei es ein Lachen, Schreien oder gurgelndes Ertrinken. Besonders genial finde ich das Geräusch der fliegenden Kuh...

 

Die Musik untermalt das Geschehen perfekt und kommt vor allen Dingen in den Egoshooter-Passagen gut zur Geltung: Karibische Klänge am Strand, düstere Töne auf dem Friedhof und Western-Sound in der Westernstadt. Unglaublich sind auch die Lieder, zu denen man tanzen muss. Hier haben die Entwickler sich aus bekannten Songs, wie „Girls just wanna have fun“ und vielen anderen tollen Stücken bedient.

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Spiel vor allen Dingen durch den grandiosen und abgedrehten Humor, sowie durch die geniale Steuerung punktet und das Ganze durch passende Grafik, urkomische Soundeffekte und clever gewählte Musikstücke perfekt abgerundet wird. Der Abenteuer-Modus ist eine gute Idee, um auch Einzelspieler länger zu fesseln. Etwas schade ist es, dass man nur wenige Minispiele direkt gegeneinander spielen kann und ein Online-Modus hätte dem Spiel auch gut getan. Völlig unverständlich ist die Tatsache, dass man seine Highscores nur über Codes im Internet eintragen kann. Hier wäre eine Nutzung von WiiConnect24 doch perfekt gewesen, aber vermutlich hat die Zeit nicht mehr dazu gereicht. Außerdem ist es für mich unverständlich, warum manche Minispiele einfach nicht funktionieren wollen und man nur mit viel Glück zum Ziel kommt. Wer auf schrägen Humor steht (und schon immer die Schuld für alles Schlechte auf Hasen schieben wollte), der kann bedenkenlos zugreifen. Lediglich Menschen, die noch nie in ihrem Leben gelacht haben, werden mit dem Spiel nur wenig Spaß haben.

Grafik

ok

Sound

super

Steuerung

super

Spielspaß

gut

79%

Singleplayer

83%

Multiplayer

Release

08.12.2006

Developer

Ubisoft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

6+


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