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Reviews: Nintendo Wii

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GT Pro Series

Rennspiel

28.12.2006

Autor: Gunnar Schreiber

 

Der Name ist trügerisch. Erinnert GT doch an das Kürzel der renommierten Gran Turismo Reihe. Wer also einen vergleichbaren Edel-Raser wie auf der PlayStation erwartet, sollte gleich mal Abstand nehmen. Die zweite Sache, die zu Anfang direkt einmal klargestellt werden muss, ist, dass es sich bei dem Spiel nicht um eine Neuentwicklung für Wii handelt. Denn der Titel erschien in Japan bereits im Jahre 2003 für GameCube, damals aber noch unter dem Namen GT Cube. Anscheinend dachte sich Ubisoft, dass den meisten Käufern dieser Aspekt eh nicht bekannt sei und man mit einer schnellen Umsetzung zum Start der Konsole entsprechend Geld verdienen könnte. Lediglich eine Unterstützung des Wiimotes wurde integriert und ein Lenkrad dem Spiel beigelegt, damit die Raserei authentischer wirkt. Immerhin hat man für das Spiel etwa 80 Wagen von ausschließlich japanischen Entwicklern von Mazda bis hin zu Toyota lizenziert, die sich sogar tunen lassen.

 

Ob GT Pro trotz des Alters dennoch empfehlenswert ist, verraten wir euch in den folgenden Abschnitten.

 

 

 

 

Die audiovisuelle Umsetzung:

 

Eigentlich behandeln wir diesen Punkt meistens am Ende eines Reviews, da wir der Meinung sind, dass Spielspaß und Steuerung wichtiger sind als Grafik und Sound. In diesem Fall ist dies aber ein wenig anders, denn alleine der Grafikstil dürfte eine Menge Leute abschrecken. Die japanischen Entwickler von MTO entschieden sich nämlich damals das Spiel im Cel-Shading Stil zu designen. An sich ja keine schlechte Idee. Das Problem ist aber, dass die Grafik aufgrund von mangelnden Details, Effekten und beweglichen Randobjekten schon anno 2003 gnadenlos veraltet wirkte. Da man aber nicht die Lust oder die Zeit fand an der Technik zu arbeiten, wirkt GT Pro heute fast schon antik und an manchen Stellen erinnert die Grafik schon an vergangene N64 Tage. Hinzu kommt, dass Lichtspielereien wie Laternen etc. keinen wirklichen Einfluss auf die Auto-Oberflächen haben und auch ein echtes Environment Mapping, ein Effekt, der seit Jahren bei Rennspielen zum Standard gehört und bei dem Randobjekte der Strecken korrekte Schatten auf die Fahrzeuge werfen, sucht man ebenfalls vergebens. Das einzig positive auf der visuellen Seite ist die konstante Framerate, die allerdings bei der Grafik auch selbstverständlich sein muss.

 

Aber auch der Sound steht leider der Grafik in Nichts nach. Die Motoren klingen teilweise wie ein Mixer, der gerade versucht einen Diamanten zu zerstückeln. Besonders überspitzt sind die Drift-Geräusche, wahrscheinlich aufgenommen, indem man langsam die Luft aus einem Luftballon quietschen ließ. Auch die musikalische Untermalung ist arg gewöhnungsbedürftig. Hier bekommt man nämlich höchst eingängigen und billig produzierten J-Pop geboten.

 

Zusammenfassend muss man wirklich sagen, dass die audiovisuelle Darstellung an der untersten Grenze des ertragbaren liegt. Warum das Spiel aber trotzdem kein Vollschrott geworden ist, sollen die nächsten Absätze zeigen.

 

 

Der Spielaufbau:

 

Das Hauptmenü wirkt auf dem ersten Blick ein wenig überladen. Hier bekommt man nicht nur eine Speichermöglichkeit sowie ein Optionsmenü geboten, indem man auch seine Streckenrekorde ansehen kann, sondern hier findet ihr auch die Verlinkung zu den Modi Championship, Quick Race, Time Attack Modus, Drift Combo und VS Modus. Ich werde nun im Folgenden auf die einzelnen Modi eingehen und dabei auch die Steuerung sowie die Tuningsmöglichkeiten erläutern.

 

 

Championship Modus:

 

Die Meisterschaft ist das Herzstück des Spiels. Bevor es aber auf die Piste geht, müssen zunächst einmal einige Einstellungen vorgenommen werden. Dabei wechselt das Spiel in die Garage, quasi dem Optionsmenü, wo man Wagen auswählen und tunen kann. Dabei fällt gleich auf, dass zu Anfang nur wenige Autos und Tuning-Elemente zur Verfügung stehen. Weitere Vehikel und Teile schaltet man aber mit jedem Grand Prix, den man auf den ersten drei Plätzen abschließt, frei.

 

Es gibt im Spiel vier Lizenzklassen, die gleichzeitig auch die Schwierigkeitsstufen darstellen. Als Neuling im Rennzirkus steht dem Spieler nur die „Beginner Class“ zur Verfügung, die aus mehreren kleineren Grand Prix mit noch relativ einfachen Strecken besteht, auf denen ihr jeweils nur eine Runde fahren müsst. Erreicht ihr einen der ersten drei Plätze gilt die Strecke als geschafft. Werdet ihr vierter, müsst ihr noch mal in euren Boliden steigen.

 

Die genaue Anzahl der Strecken im Spiel ist nicht so leicht zu bestimmen, da es von allen mehrere Variationen gibt. Man kann aber grundsätzlich fünf unterschiedliche Typen unterscheiden: Hafen, Innenstadt, Stadtrand bei Nacht, Rennstrecke und Gebirge. Bei den verschiedenen Variationen werden manche Elemente der Strecken leicht verändert und vor allem bei höheren Schwierigkeitsgraden erschwert. Außerdem gibt es natürlich gespiegelte und rückwärts zu fahrende Versionen.

 

Kommen wir zur Steuerung, die der Grund dafür ist, warum das Spiel tatsächlich einigermaßen Spaß macht. Wie bereits erwähnt, liegt jedem GT Pro ein Plastiklenkrad bei. Dies ist quasi eine Hülle, in der ihr euren Wiimote einklicken könnt. Ihr haltet also den Controller quer und könnt durch links / rechts Bewegungen mit dem Lenkrad eure Karren um die Kurven bewegen. Das ist zu Anfang durchaus gewöhnungsbedürftig, aber nach einiger Zeit macht diese Art der Steuerung sehr viel Spaß. Mit der 2-Taste gebt ihr Gas und mit 1 wird gebremst. Mit der B-Taste könnt ihr euren Rückspiegel aktivieren und auf dem Steuerkreuz verteilen sich die unterschiedlichen Kameraperspektiven von einer Cockpit-Ansicht bis zur normalen „Hinter-dem-Wagen-Anblick“ sowie die Handbremse. An der Steuerung gibt es an sich nicht viel zu meckern, außer, dass das Spiel eine seltsame Mischung aus Arcade und Realismus bietet. Während zum Beispiel Randstreifen und Schmutz abseits der Strecken keinen Einfluss auf die Fahrtrichtung und den Halt des Wagens haben, wirken die Fliehkräfte in den Kurven aber relativ realistisch. Auch daran muss man sich zunächst gewöhnen.

 

 

 

 

Nach jedem gewonnenen Grand Prix bekommt der Spieler neue Tuningteile und auch neue Wagen zur Auswahl. Es lohnt sich also zwischen jedem Grand Prix einen Abstecher in die Garage zu machen. Als Tuningteile gibt es vom Motor bis zur Federung, von der Hupe bis zur Karosseriefarbe vieles was das Tunerherz begehrt. Wer allerdings auf eine ähnlich coole Inszenierung wie zum Beispiel bei Need For Speed hofft, der wird sicherlich auch hier enttäuscht werden. Außerdem sollte man aufpassen, dass man nicht all seine Tuningteile sofort am nächst besten Auto „verschwendet“. Denn die meisten Grand Prix lassen sicht nur mit bestimmten Wagen bestreiten.

 

Wurden alle Grand Prix eines Schwierigkeitsgrads auf den vorderen drei Plätzen abgeschlossen, schaltet sich der nächst höhere frei, was in der Regel mehr Turniere, komplexere Strecken und mehr Runden pro Rennen bedeutet.

 

Leider wird die künstliche Intelligenz, wenn man bei diesen vom Computer gesteuerten Wagen überhaupt von einer solchen sprechen kann, auch mit einem höheren Schwierigkeitsgrad nicht besser. Sie fahren auch weiterhin wie auf Schienen und lassen sich kaum durch die Manöver des Spielers beeinflussen. Befindet man sich z.B. auf der Ideallinie, um eine Kurve anzufahren und ein CPU Fahrer ist neben einem, dann wird dieser trotzdem Richtung Ideallinie fahren, auch wenn diese schon belegt ist. Es ist in solchen Fällen auch kaum möglich den Gegner wegzudrängen.

 

 

 

Quick Race, Time Attack und Drift Combo:

 

Wer einfach nur mal eine Runde brettern möchte, der ist am besten im Quick Race - Modus aufgehoben. Hier könnt ihr einfach einen Wagen und eine Strecke auswählen und losfahren. Allerdings steht euch zu Anfang nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung. Ihr schaltet aber neue Wagen und Strecken frei, indem ihr im Championship-Modus vorankommt.

 

 

Im Time Attack könnt ihr, wie der Name schon suggeriert, auf allen Strecken versuchen eine Bestzeit aufzustellen und diese dann sukzessive zu verbessern. Sehr gut ist, dass man die „Ghost Daten“ seiner eigenen Rekorde abspeichern kann, d.h. wenn man das nächste mal versucht die Strecke zu meistern, kann man sich an der eigenen Fahrlinie seiner bisherigen Bestzeit orientieren, indem man auf das durchsichtige „Ghost-Auto“ achtet.

 

Ebenfalls implementiert wurde ein Drift Combo-Modus. Hier geht es darum auf drei verschiedenen Strecken eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen, indem man Drift-Combos ausführt, d.h. man macht möglichst viele Drifts hintereinander. Diese werden ausgeführt, indem man bei der Kurveneinfahrt leicht anbremst oder die Handbremse benutzt und dann die Karre gehen lässt. Dies ist theoretisch auch auf Geraden möglich, stellt sich aber als ziemlich schwierig heraus. Sicherlich eine nette Ergänzung zu den anderen Modi, aber auch nicht wirklich ein Dauerspaß-Monster.

 

 

 

 

Rasen zusammen mit Freunden:

 

Zwei bis vier Spieler können im Mehrspieler-Modus gegeneinander antreten, wobei viele Strecken und Wagen wieder zuvor frei geschaltet werden müssen. Damit auch Einsteiger eine Chance haben, kann man sog. Handicaps aktivieren und somit das Rennen für die Profis etwas schwieriger machen. Der Multiplayer-Modus ist durchaus spaßig und sicherlich eine gute Ergänzung zum restlichen Portfolio des Spiels. Allerdings darf man auch hier keine Granate erwarten. Dafür ist vor allem die Übersicht im Vierspieler-Modus doch arg begrenzt, was weniger an dem geteilten Bildschirm als an der verwaschenen Grafik liegt. Auch die Framerate ist bei vier Spielern gleichzeitig nicht immer perfekt. Hinzu kommt die Tatsache, dass GT Pro grundsätzlich erst mit dem Einsatz des Lenkrads so richtig Spaß macht, was natürlich bedeutet, dass entweder ein Streit darüber ausbricht, wer das Mitgelieferte benutzen darf oder man drei weitere kaufen muss.

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

GT Pro Series war schon anno 2003 auf dem GameCube keine Granate. Im Jahre 2006 wirkt das Spiel mehr denn je veraltet. Das liegt nicht nur an der miesen audiovisuellen Darstellung, sondern auch daran, dass der Titel den Spagat zwischen Realismus und Arcade nicht immer schafft. Was das Spiel allerdings vor dem Absturz in die untersten Wertungsregionen bewahrt, ist die Spielbarkeit, die von der Wiimote-Steuerung samt beigelegten Lenkrad wirklich profitiert und die Optionsvielfalt, die dem Spieler geboten wird.

Grafik

sch...

Sound

sch...

Steuerung

gut

Spielspaß

ok

65%

Singleplayer

65%

Multiplayer

Release

08.12.2006

Developer

MTO

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung


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