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Wario Ware Smooth Moves

Party

13.01.2007

Autor: Mario Kablau

 

Der mysteriöse Formenstab

 

Eines Abends sitzt unser Freund Wario zu Hause auf seiner Couch vor der Glotze und stopft sich den Bauch mit allerhand Köstlichkeiten voll. Doch Gefahr ist im Verzug: Ein nicht näher zu identifizierendes Wesen taucht auf und klaut seine Leckereien. Als Wario ins Leere greift und damit feststellt, dass sie weg sind, rennt er hinter dem Dieb her und landet so im Formentempel und macht dort die Entdeckung seines Lebens: den Formenstab.

 

Er liegt auf dem Boden in eine Steinplatte eingelassen und der Anti-Held kann es natürlich nicht lassen, ihn dort herauszunehmen. Natürlich löst er damit eine Falle aus, so dass auf einmal ein fetter Felsen auf ihn zurollt. Er läuft weg und entdeckt auf seinem Weg nach Draussen eine Tafel an einer Wand, die ihm den Formenstab erklärt. Dort lernt auch der Spieler die erste der 24+3 Formen kennen: Die Fernbedienung. Ein Artwork zeigt die gewünschte Haltung und ein auf Deutsch vorgelesener Text erklärt die Form genauer.

 

 

Unmittelbar danach beginnt das Abenteuer. Um Wario vor dem Stein zu retten, muss man zunächst acht Mikrospiele schaffen und am Ende einen Boss bezwingen. Dabei gibt es hier nur Spiele, die von der eben erlernten Form Gebrauch machen. So muss man Gesichter rasieren, eine riesige Steinstatue abschießen oder in der Nase bohren. Hat man die acht zufälligen Aufgaben geschafft (bzw. nicht mehr als drei Mal versagt), dann kommt man zum Boss. Hier muss man zunächst einige kleine Wesen von einer Klippe wedeln und danach dann einen großen Roboter, der den Spieler angreift.

 

Kaum ist das geschafft, erreicht Wario den Ausgang des Tempels und ist nun in Besitz des Formenstabes. Daraufhin erscheint in Diamant City ein weiteres Haus und damit neue Mikrospiele. Auf diese Art lernt man im Laufe der Zeit nach und nach alle 13 Charaktere und die 24+3 Formen kennen. Warum 24+3 und nicht 27? Ganz einfach, weil es 24 „normale“ Figuren gibt und drei besondere, die ich aber hier nicht nennen werde, um die Überraschung nicht zu verderben.

 

Die Formen werden immer dann, wenn sie zum ersten Mal für ein Spiel gebraucht werden, umfassend erklärt. Es gibt jedes Mal ein lustiges Artwork, dass die Form zeigt und ebenso eine in Deutsch gesprochene Erklärung dazu, so dass man immer weiß, was genau gemeint ist. Um euch einen Eindruck zu bieten, werde ich nun einige Formen näher vorstellen:

 

  1. Der Regenschirm: Halte den Formenstab wie einen Regenschirm, also mit dem Zeiger senkrecht nach oben und dem Finger auf dem Knopf.
  2. Der Zeichner: Nehme den Formenstab zwischen Zeige- und Mittelfinger und halte ihn wie einen Stift mit dem Zeiger nach vorne.
  3. Der Kellner: Lege den Formenstab mit der Oberseite nach oben und mit dem Zeiger nach vorne auf deine ausgestreckte Handfläche.
  4. Der Elefant: Führe den Formenstab an deine Nase und halte ihn dort mit beiden Händen so fest, dass der Zeiger auf den Bildschirm gerichtet ist.
  5. Der Samurai: Lege den Formenstab in der rechten Hand an die linke Hüfte.
  6. Das Lenkrad: Halte den Formenstab quer zwischen deinen Händen, als würdest du ein Lenkrad in der Hand halten.
  7. Der Boxer: Nehme den Formenstab in deine rechte Hand und bilde eine Faust drum herum.

 

Mit diesen und viele weiteren Formen geht es darum, die 205 Mikrospiele zu meistern, um alle Charaktere, Minispiele und sonstige Extras freizuschalten und am Ende den Abspann zu zocken.

 

 

Kranke Mikrospiele ohne Ende

 

Damit ihr einen besseren Eindruck von der gebotenen Abwechslung bekommt, werde ich einige davon etwas näher vorstellen. Dabei sind die meisten Mikrospiele nicht länger als 5 Sekunden und verlangen vor allen Dingen eine schnelle Auffassungsgabe, denn die größte Hürde bei Wario Ware ist es, herauszufinden, was man genau machen muss. In den meisten Fällen ist das zwar recht schnell passiert, aber es gibt auch einige, bei denen man gut überlegen muss, was man tun soll. Vor allem durch die meistens sehr knapp bemessene Zeit und im die im Laufe der Zeit immer schneller werdenden Mikrospiele kann man Wario Ware ohne weiteres als sehr hektisches Spiel einstufen. Aber genau davon lebt der Titel.

 

Im Laufe des Spiels muss man Fliegen klatschen, Ballons zum platzen bringen, Balancieren, Gebisse einsetzen, Müll einsammeln, Papierflieger steuern, Hanteln heben, Ringrichter miemen, Münzen sammeln, Fische angeln, ans Telefon gehen, das Master-Schwert ziehen, Obst ablegen, Tiere sortieren, boxen, schöne Frauen retten, Fehler finden, den Formenstab fallen lassen, usw. Die Ideen und Möglichkeiten sind scheinbar unbegrenzt und man entdeckt ständig neue Spiele, denn die Auswahl ist zufällig, so dass man nie weiß, was einen als nächstes erwartet.

 

 

Dabei hat jedoch jeder Charakter seine eigenen 12-30 Aufgaben aus denen der Zufall die zu meisternden auswählt. Im Laufe der Zeit werden die Spiele dabei immer schneller und somit deutlich schwerer. Hat man eine bestimmt Anzahl geschafft, dann kommt man zu einem Bosskampf. Diese Kämpfe sind meistens deutlich länger, als die Mikrospiele und verlangen dem Spieler einiges ab. So muss man zum Beispiel Auto fahren, im Rhythmus tanzen, einen Schwertkampf gewinnen oder einen Arwing gegen einen Endgegner steuern (im Stile des SNES-Starfox). Beim ersten Durchlauf ist die Geschichte eines Charakters nach dem Bosskampf beendet, doch danach kann man jederzeit wiederkommen, um auf Punktejagd zu gehen und möglichst viele Spiele zu schaffen, ohne mehr als drei Mal zu versagen.

 

Doch während des Abenteuers werden nicht nur neue Bewohner in Diamant City sichtbar, sondern auch einige lustige Minispiele, die man jederzeit zocken kann. So gibt es zum Beispiel eine 3D-Version von Balloon Trip aus dem NES-Spiel Balloon Fight. Hier muss man mit den Armen wedeln, um die Figur auf dem Bildschirm fliegen zu lassen. Man sammelt dabei Punkte durch Einsammeln von Ballon, die auf dem Parcours verteilt sind. Das wohl schwerste Minispiel ist der Tischtennis-Turm. Hier steuert man einen Tischtennis-Schläger mit dem Zeiger des Formenstabes und muss einen kleinen Ball an die Spitze eines Turmes bringen. Auf dem Weg dahin warten allerhand Hindernisse, die man zerstören muss, um nicht steckenzubleiben. Hier sind eine ruhige Hand und viel Geduld erforderlich, um das Ziel zu erreichen, sofern es überhaupt eins gibt.

 

Außerdem gibt es auf der Karte auch den Formentempel, den man am Anfang mit Wario betritt. Dort kann man sich alle Mikrospiele ansehen, die man bereits gespielt hat und sogar erneut in allen Geschwindigkeiten und Schwierigkeitsgraden üben. Darüber hinaus sieht man im Tempel die bereits erlernten Formen und kann sich die freigespielten Posen anzeigen lassen. Eine Pose bekommt man, wenn man einen Boss bezwungen hat. Insgesamt gibt es 99 Posen, von denen nicht alle für normal Sterbliche nachzumachen sind, denn wer kann schon einen Spagat... Dennoch ein lustiges Feature, dass die Aufgaben mit (noch mehr) Humor auflockert.

 

Der einzigen Kritikpunkt an dieser Stelle ist die Tatsache, dass man nun nicht mehr, wie noch bei Wario Ware Touched, in den einzelnen Mikrospielen auf Punktejagd gehen kann, was die Langzeitmotivation für Einzelspieler leider etwas einschränkt. Auch gibt es nun nicht mehr so viele Spielzeuge und Minispiele wie im Vorgänger, dafür sind aber die vorhandenen deutlich umfangreicher und spaßiger.

 

 

12 Freunde und 1 Formenstab

 

Alleine zu zocken macht zwar auch bei Wario Ware großen Spaß, doch nach etwa 3 Stunden hat man alle Charaktere freigeschaltet und den Großteil der Mikro- und Minispiele gespielt. Wenn man alle Spiele und alle Posen haben will, dann braucht man allerdings locker weitere 5-10 Stunden, je nachdem, wie talentiert man mit dem Formenstab umgeht.

 

Es geht jedoch nichts über den Mehrspieler-Modus, der allerdings nicht nur Stärken hat. Das wohl größte Problem ist, dass man alle Figuren und Formen im Einzelspieler-Modus haben muss, damit man mit mehreren Freunden spielen kann. Wer also plant, sich das Spiel zu kaufen und dann direkt mit 11 Freunden loszulegen, der wird enttäuscht und muss erst einige Stunden in das Spiel alleine investieren. Auf den zweiten Blick ist dieser Umweg allerdings nicht ganz so schlimm, da nur so sichergestellt werden kann, dass zumindest einer die ganzen Formen kennt und einige Mikrospiele freigespielt hat, damit man wirklich Spaß haben kann.

 

In den vier Modi und diversen Minispielen geht es vor allem darum, möglichst lange zu überleben. Den Anfang macht das Überlebenstraining, bei dem bis zu 12 Personen nacheinander zufällig ausgewählte Aufgaben bestehen müssen. Wer einmal scheitert ist direkt ausgeschieden und Sieger ist derjenige, der als letzte übrig ist. Die drei anderen Modi Rettungsleine, Bombe und Ballon kann man leider nur mit bis zu fünf Leute spielen, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut, sondern durch die etwas andere Herangehensweise für Abwechslung sorgt.

 

Wählt man Bombe, dann trägt die eigene Figur eine Bombe und gibt sie weiter, wenn man ein Mikrospiel geschafft hat. So geht die Bombe ihre Runden und explodiert irgendwann. Der Spieler, der sie dann in der Hand hält, scheidet aus. Beim Ballon läuft es ähnlich, bloß dass man hier einen Ballon selber mittels Formenstab aufpumpen muss, bevor man selbst an der Reihe ist. Er wird also immer dicker und explodiert dann irgendwann. Der Spieler, dem dieses Missgeschick passiert, scheidet aus.

 

 

Neben diesen Modi gibt es auch noch einige Minispiele, die man jedoch nur zu zweit zocken kann. So gibt es zum Beispiel ein vollwertiges Dart-Spiel, bei dem man allerdings nur nach der 301er Regel spielen kann. Es gewinnt also derjenige, der es zuerst schafft von 301 genau auf 0 herunterzuwerfen. Man zielt dabei mit dem Zeiger und wirft einen Pfeil durch die entsprechende Bewegung des Formenstabes. Bei Bungee-Freaks stellen sich die zwei Spieler nebeneinander, wobei der Rechte den Formenstab in seiner linken Hand hält und der Linke den Balancestein (Nunchuk) in seiner rechten. Auf dem Bildschirm laufen dann zwei Figuren nebeneinander her und müssen über Hindernisse springen. Natürlich sind sie, wie die echten Spieler auch, durch ein Kabel miteinander verbunden, so dass es darauf ankommt, dass möglichst keiner hängenbleibt.

 

Darüber hinaus gibt es noch weitere Minispiele, die für ausreichend Spaß zu zweit sorgen, da die „normalen“ Modi erst richtig Spaß machen, wenn man wirklich viele Leute beisammen hat. Spielt man nämlich zu zweit das Überlebenstraining, dann ist der Durchgang immer direkt beendet, sobald einer einen Fehler macht. Um das Geschehen möglichst hektisch zu machen, sind alle Modi immer nur mit einem Formenstab zu spielen, den man dann an den jeweils Nächsten weitergeben muss. Einerseits sorgt das natürlich für großes Chaos, wenn man zu zwölft spielt, andererseits ist die Gefahr natürlich sehr groß, dass ein Unglück passiert, weil man sich nicht die Zeit nimmt, die Handgelenkschlaufe umzulegen. Hier mein Tipp dazu: Nehmt euch die Zeit, sonst ist der Spaß schneller vorbei, als man möchte! Das Spiel bietet zwischen den Aufgaben immer genug Zeit, so dass es locker möglich ist.

 

 

Optik, Akustik, Akrobatik und Gelächter...

 

Wario Ware Smooth Moves lebt natürlich vor allen Dingen von dem grandiosen Humor. Die Formen sind teilweise so abgedreht, dass man immer hofft, dass gerade keiner zusieht, wenn man alleine spielt und sich blamiert, weil man den Formenstab vor seiner Nase halten muss und dabei komische Bewegungen macht. Richtig peinlich wird es jedoch erst dann, wenn man viele Leute um sich herum stehen hat, die einem dabei zusehen. Hiervon lebt die Wii-Version und macht dadurch deutlich mehr Spaß, als der Ableger auf dem GameCube, weil sich dort der Humor nur auf dem Bildschirm abspielte und nicht davor. Der Titel hört sogar dann nicht auf, wenn es vorbei ist, denn sogar der Abspann ist ein Minispiel, bei dem man auf Punktejagd gehen kann.

 

In Sachen Technik muss man zwar eingestehen, dass das Spiel nicht mal ansatzweise die grafischen Fähigkeiten der Konsole ausreizt, allerdings ist das bei einem solchen Titel auch gar nicht nötig, denn es ist das wohl am besten durchdachte Wii-Spiel bisher. Die Grafik ist mehr als zweckmäßig und vor allem die genial gemachten Sequenzen der verschiedenen Charaktere sorgen nicht nur für viele Lacher, sondern auch für offene Augen, weil alles wie aus einem Guss wirkt, die Farben leuchten, die Bilder scharf sind und die Animationen perfekt durchdacht. Ich hab mich entschieden, trotz der minimalistischen Grafik 3 Punkte zu vergeben, weil alles wie aus einem Guss wirkt, es eine astreine 480p- und 16:9-Unterstützung gibt und ich nicht einen Fehler in der Grafik gefunden habe.

 

Musik und Sound sind ähnlich genial. Die Melodien passen perfekt zum Geschehen und drücken außerdem sehr gut aus, ob es gerade eher gemütlich oder hektisch zugeht. Der gelungene Mix aus bekannten und brandneuen Melodien sorgt dabei nicht selten dafür, dass man während des Spiels mit dem Fuß im Takt mit klopft. Schade ist nur, dass sich die Vielfalt teilweise in engen Grenzen hält, denn man hört dieselben Melodien in abgewandelter Form nicht selten mehrfach.

 

Die Präsentation von Wario Ware ist damit genauso genial, wie die Steuerung. Das Spiel lebt von den verschiedenen Figuren und Bewegungen, die man machen muss. Die meisten von ihnen funktionieren sehr gut und kommen ohne das Drücken von Knöpfen aus. Allerdings sind auch einige Aufgaben dabei, bei denen man auch nach mehreren Durchgängen nicht versteht, was man genau machen soll, aber das ist vermutlich auch gewollt, denn es soll ja nicht zu leicht und durchschaubar werden. Da man alle Spiele, die man im Hauptspiel gespielt hat, im Formentempel trainieren kann, kann man diesem Stolperstein allerdings leicht aus dem Weg gehen.

 

Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass das Spiel die Miis gekonnt einsetzt, allerdings etwas anders, als in Wii Sports und Wii Play. Wario Ware nutzt nämlich in den meisten Fällen nur das Gesicht oder den Kopf der eigenen Abbilder und setzt diese in andere Figuren ein. Es ist also möglich, auch Teile der Karikaturen zu benutzen und den Körper zu verändern. So haben die Mii-Figuren im Spiel zum Beispiel auch Arme und Beine und tragen verschiedene Kleidungsstücke, was den Look deutlich verändert und zeigt, wie vielfältig sie einsetzbar sind.


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Fazit

Unterm Strich ist Smooth Moves das mit Abstand beste Spiel der Serie. Es ist lustig, abwechslungsreich, genial präsentiert und bietet sehr langen Spielspaß mit bis zu 12 Leuten. Die Formen und Mikrospiele belegen, dass das Team vor Kreativität nur so strotzt. Doch leider hat das Spiel auch einige Schwächen, die es ein paar Punkte kosten. Hätte es einen Online-Mehrspieler-Modus und würde nicht für knapp 50,- € angeboten, dann würde es sicherlich mehr Leute ansprechen und noch mehr Spaß machen, denn wann hat man schon mal 12 Leute vor der eigenen Konsole versammelt? Trotzdem ist Wario Ware Smooth Moves das beste Party-Spiel der Wii und damit auch eines der bisher besten Spiele auf der Konsole.

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

super

Spielspaß

super

81%

Singleplayer

86%

Multiplayer

Release

12.01.2006

Developer

Nintendo

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

6+


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