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Reviews: Nintendo Wii

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Splinter Cell Double Agent

Action Adventure

18.01.2007

Autor: Mario Kablau

Ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat...

 

Bereits am Anfang des Spiels wird dem Spieler klar, dass irgendwas in diesem Abenteuer gewaltig schief gehen wird. Im Einführungsvideo ruft Sam jemanden an, der ihm vorwirft, dass er zu weit gegangen ist und dass es wegen ihm zu einer Serie von Fehlschlägen gekommen ist. Angefangen mit der Mission in Island. Und schon findet sich der Spieler in selbiger Mission wieder und sein erster Auftrag beginnt. In einer Fabrik soll er Waffen finden, die von Terroristen gestohlen wurden. Währenddessen nimmt jedoch das Unheil schon seinen Lauf:

 

Sams Tochter wird von einem betrunkenen Autofahrer überfahren und dabei tödlich verletzt. Doch die Regierung nutzt diesen Vorfall bitter aus und gönnt Sam keine Ruhe. Es wird eine Geschichte konstruiert, in der Sam zum Bankräuber wird und schließlich im Knast in Ellsworth landet. Dort soll er das Vertrauen eines Mitinsassen gewinnen, um so in das Hauptquartier des Terror-Organisation JBA gelangen zu können.

 

Kaum ist das geschafft, beginnt das eigentliche Abenteuer, doch diesmal hat Sam es mit zwei Auftraggebern zu tun, deren Ziele nicht unterschiedlicher sein könnten. In vielen Situationen muss er sich entscheiden, ob er so handelt, wie es die Regierung von ihm erwartet, oder ob er das Vertrauen der Terroristen nicht verlieren will. Dieses Vertrauen wird im Spiel durch einen Balken dargestellt, den man immer im Auge haben muss. Tötet man zum Beispiel eine Person, die eigentlich keine Bedrohung mehr war, dann steigt Sams Ansehen bei den Terroristen, aber die Regierung ist davon nicht sonderlich begeistert. Das Wiederum wirkt sich auf Sams Ausrüstung aus, die ihm zur Verfügung steht, weshalb man dafür sorgen sollte, dass sich der Balken nicht zu extrem in eine der beiden Richtungen bewegt.

 

Wie immer greift Sam dabei in seinen Missionen auf unzählige Ausrüstungsgegenstände zurück, damit er sie erfolgreich beenden kann. So hat er zum Beispiel jede Menge tödliche und nicht tödliche Waffen, die er einsetzen muss, um Gegner unschädlich zu machen. Er kann zum Beispiel mit einem Gewehr einen Gegner einfach aus der Deckung erschießen, oder sich von hinten anschleichen, um ihn KO zu schlagen oder ihn in die Mangel zu nehmen, um ihn zu verhören. Außerdem muss man mit der Umgebung interagieren, damit man von den Feinden nicht entdeckt wird. Hierzu schleicht man durch dunkle Passagen, versteckt sich in Nischen oder krabbelt hinter Kisten herum. Zur besseren Übersicht kann Sams Gewehr auch eine kleine Kamera abfeuern, mit deren Hilfe man den Raum aus einem anderen Blickwinkel observieren kann, ohne dabei aus der Deckung gehen zu müssen.

 

 

Braucht Sam eine Revolution?

 

Der einzige wirklich bemerkbare Unterschied zu der Version auf dem GameCube ist die Steuerung. Sie wurde komplett auf Wiimote und Nunchuk ausgelegt, so dass man mit der Wii ein völlig neues Spielerlebnis präsentiert bekommen soll. Leider ist dieses Unterfangen deutlich in die Hose gegangen und das aus mehreren Gründen.

 

Zunächst einmal ist es ein großes Problem, dass die beiden Controller-Einheiten der Wii-Konsole weniger Tasten haben, als der GameCube-Controller. Das führt dazu, dass viele Tasten mehrfach belegt sind, was zu großer Verwirrung und Frustmomenten führen kann. Da das Spiel schon direkt zu Beginn voll los legt und man bereits in den ersten Minuten in diversen Tutorial-Videos eine Menge Aktionen erklärt und gezeigt bekommt, ist man sehr schnell überfordert und verliert den Überblick. Vor allem Menschen, für die Double Agent das erste Spiel der Reihe ist, wird hier viel zu viel zugemutet.

 

Deutlich schlimmer wird das Ganze noch, da man den Blickwinkel über den Pointer der Fernbedienung steuert. Das heißt im Klartext, dass man während des gesamten Spiels auf den Fernseher zeigen muss, was sehr schnell zu Übermüdungen des Arms führen kann. Dies stört noch mehr, wenn man in einer dunklen Ecke hockt und darauf wartet, dass die Gegner verschwinden. Um das Geschehen im Blick zu behalten, muss man den Arm ganz ruhig halten, denn sonst wird es schnell extrem unübersichtlich.

Noch schlimmer ist es jedoch in hektischen Situationen. Es passiert nicht selten, dass man beim aktivieren (über die „runter“ Taste des Steuerkreuzes) oder beim Wechseln der Waffe den Blick völlig verreißt und danach ein paar Sekunden braucht, um wieder zu wissen, wo man eigentlich steht. Das wiederum sorgt für einige frustrierende Momente und unzählige Tode des Helden.

 

Die Steuerung ist allerdings kein totaler Müll. Das Springen und Umsehen aus der Deckung mittels heben und drehen des Nunchuks macht richtig Spaß und ist ein sinnvolle Nutzung der neuartigen Steuerung. Genauso gut funktioniert das Abfeuern von Waffen, was auch über den Pointer passiert. Es ist sehr direkt und funktioniert einwandfrei. Warum allerdings das Umsehen und das Zielen mit eine Waffe in verschiedenen Geschwindigkeiten ablaufen – die Bewegungen einer Waffe sind deutlich zähflüssiger – bleibt ein Rätsel. Auch das Knacken von Schlössern durch Drehen der Wiimote ist eine sehr gelungene Funktion. Schade ist, dass der Lautsprecher auf der Fernbedienung nicht genutzt wird. Damit hätten z.B. Funksprüche deutlich realistischer dargestellt werden können, da man so das Gefühl gehabt hätte, tatsächlich ein Funkgerät in der Hand zu halten.

 

Unterm Strich kann man die Steuerung leider nur als Fehlschlag bezeichnen, wobei es durch ein paar Optimierungen ein deutlich besseres Ergebnis hätte werden können. Warum reagiert die Kamera so direkt auf Bewegungen? Das sonst so ruhige Spiel, bei dem es darauf ankommt, auch mal geduldig abwarten und beobachten zu können, wird dadurch extrem hektisch. Durch die Steuerung passieren so unglaubliche viele Patzer, dass man schnell geneigt ist, einfach nach jeder Kurve und nach jedem überwundenen Gegner zu speichern, damit man denselben Mist nicht nochmal machen muss. Warum wird man direkt ins Geschehen geschleudert und bekommt schon in der ersten Mission so viele Aktionen beigebracht? Das überfordert am Anfang und sorgt später für Langeweile, da man recht schnell nichts neues mehr dazu lernt.

 

Im Spiel gibt es drei Schwierigkeitsgrade, die sich allerdings nur in der Intelligenz der Gegner unterscheiden. Während Sam im Leichtesten erst gesehen wird, wenn er direkt vor einem Gegner steht, muss man sich im Schwersten schon arg anstrengen, um nicht entdeckt zu werden. Es wäre sehr schön gewesen, wenn der leichte Schwierigkeitsgrad eine Art Trainingsmission spendiert bekommen hätte, in der man in aller Ruhe die Steuerung lernen und ausprobieren kann, ohne direkt zu sterben, wenn man einen Fehler macht. Anfänger werden von der Vielfalt bereits zu Anfang des Spiels gnadenlos überrollt, wohingegen all diejenigen, die Sam schon früher begleitet haben, leichter mit der neuen Steuerung klar kommen sollten. Dennoch wird man mit dem Version auf dem GameCube deutlich mehr Spaß haben, da sie einfach ausgereifter wirkt und nicht wie ein fehlgeschlagenes Experiment.

 

 

Sam ist nicht allein!

 

Auch die Wii-Version bietet eine Koop-Kampagne, die man zu zweit auf einem geteilten Bildschirm spielt. Dabei handelt es sich jedoch zum Glück nicht um ein paar lieblos gebastelte Missionen, sondern um wirklich gut durchdachte und spannende Aufträge, die dem Spiel etwas zusätzliche Würze verleihen.

 

An vielen Stellen muss man dabei im Team arbeiten, um zum Beispiel Hindernisse zu überwinden oder Gegner zu überlisten. Wenn man eine Mission schafft, dann wird die nächste freigeschaltet und sobald man alle erfolgreich beendet hat, wird der Elite-Modus verfügbar. In diesem hat man nur noch eine tödliche Waffe zur Verfügung: Das Messer! Das heißt im Klartext, dass man Gegner nicht mehr bequem aus der Ferne töten kann, was den Schwierigkeitsgrad deutlich anhebt.

 

Der Koop-Modus macht wirklich großen Spaß und lebt vor allen Dingen durch die benötigte Zusammenarbeit der beiden Spieler. Ein Online-Modus wäre zwar nett gewesen, allerdings ist der Spielspaß deutlich größer, wenn man die Missionen wirklich gemeinsam meistert. Insofern will ich mich an dieser nicht über Fehlendes beschweren, sondern mich freuen, dass der Mehrspieler-Modus im Spiel so gut gelungen ist und auch nach Beenden der Einzelspieler-Kampagne noch lange an das Spiel fesseln kann, sofern man einen Mitspieler hat und wegen der Steuerung noch nicht komplett genervt ist.

 

 

Alte Generation auf Wii

 

Das Spiel basiert auf der Version für GameCube und wurde für Wii ein wenig aufgebohrt. So sind die Effekte ein bisschen gekonnter, die Framerate ist jederzeit stabil und die Texturen sind etwas besser. Allerdings ist das Spiel weit davon entfernt, wirklich gut auszusehen. Direkt in der ersten Mission in Island fällt auf, dass die Texturen meistens Einheitsbrei sind und man nur schwer Konturen der Umgebung erkennen kann. Betritt man die Eishöhle zum ersten Mal, dann hat man das Gefühl von einer Lawine überrollt zu werden, da alles ziemlich grell und weiß leuchtet und man schnell die Orientierung verliert. Man könnte vielleicht behaupten, dass das so gewollt ist, aber ich glaube kaum, dass man bereits am Anfang mit solchen „Finessen“ die Orientierung der Spieler verwirren will.

 

Später bestätigt sich diese Vermutung, denn auch in dunklen Räumen ist es nicht viel besser. Im Schatten sieht Sam leider recht bescheiden aus und auch hier stören die nicht optimalen Texturen. Schatten der Figuren werden zwar recht realistisch geworfen, aber irgendwie immer nur dann, wenn gerade keine Lichtquelle in der Nähe ist. Dafür sind die Animationen der Figuren sehr gut gelungen und auch sonst gibt es kaum Fehler im Spiel. Selbst wenn Sam mit dem Rücken zur Wand steht und sich um die Ecke umschaut, gibt es keine Clipping-Fehler. Auch sonst bleibt die Grafik des Spiels so gut wie fehlerfrei, aber eben recht unschön.

 

Wirklich gut sind die zahlreichen Zwischensequenzen, die die Geschichte vor und nach dem Missionen erzählen. Sie sind extrem gut gemacht und mit passender Musik untermalt, so dass man sehr schnell in die Geschichte eintauchen und Sams Lage sehr gut nachvollziehen kann. Natürlich kann man diese Sequenzen auch über das Hauptmenü ansehen, sobald man sie einmal im Spiel gesehen hat.

 

Der Sound ist das Beste im ganzen Spiel. Die Musik ist genial und passt immer zur aktuellen Situation und auch die Soundeffekte sind sehr gut gelungen. Darüber hinaus bietet das Spiel eine absolut erstklassige deutsche Sprachausgabe, die für eine extrem dichte Atmosphäre sorgt. Allen voran Martin Kessler (die deutsche Stimme von Nicolas Cage) als Sam Fischer passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Auch die anderen Stimmen sind sehr gut gelungen.

 

Der Umfang kann als ganz passabel bezeichnet werden und wird vor allen Dingen durch die verschiedenen Wahlmöglichkeiten, die man im Laufe des Spiels hat erhöht, da man das Spiel auch ein zweites Mal durchspielen kann. Das Spiel an sich ändert sich dann zwar nicht großartig, aber man bekommt teilweise andere Zwischensequenzen gezeigt. Um die 9 Missionen zu schaffen, benötigt man in etwa 10-15 Stunden. Durch die Koop-Missionen steigt der Umfang nochmals etwas an, so dass es hier kaum Grund zur Klage gibt.


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Fazit

Auch wenn die komplizierte und extrem überladene Steuerung den Einstieg in das Spiel nicht gerade leicht macht, ist Splinter Cell – Double Agent ein ganz gut gelungenes Spiel. Die Geschichte ist spannend und abwechslungsreich, Musik, Sound und Sprachausgabe sind genial, aber die Grafik leider nicht ganz so gut. Vor allem der Coop-Modus sorgt für zusätzlichen Spielspaß und fesselt lange an die Konsole, sofern man einen fähigen Mitspieler hat. Dennoch sollte man lieber zur Version auf dem GameCube greifen, da diese deutlich ausgereifter wirkt und durch die herkömmliche Steuerung einfach besser funktioniert. Die Wii-Version sorgt durch die unausgereifte und unüberlegte Steuerung leider für unnötig viel Frust und macht daher nur selten wirklich Spaß.

Grafik

schwach

Sound

gut

Steuerung

schwach

Spielspaß

schwach

62%

Singleplayer

64%

Multiplayer

Release

13.12.2006

Developer

Ubisoft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

16+


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