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Reviews: Nintendo Wii

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Far Cry Vengeance

Ego Shooter

14.02.2007

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Prolog

 

Die Far Cry Reihe wurde ursprünglich in Deutschland von der Firma Crytek entwickelt und sorgte auf dem PC vor einigen Jahren für Aufsehen. Ubisoft erwarb die Lizenz und ließ daraufhin eine Version für die Xbox mit dem Namen Far Cry Instincts herstellen, die qualitativ mit der PC Variante mithalten konnte. Ursprünglich gab es Gerüchte, dass das Spiel auch für PlayStation 2 und GameCube erscheinen würde. Diese wurden dann aber mit der Begründung dementiert, dass Far Cry auf PS2 und Cube nicht möglich wäre. Dass es sehr wohl machbar gewesen wäre, beweist Ubisoft nun selbst mit Far Cry Vengeance für Wii, was zwar spielerisch teilweise überzeugen kann, aber technisch gesehen katastrophale Züge hat.

 

 

Jack Carver, der einsame Kämpfer im Paradies

 

Jack Carver wird mindestens genauso oft und hart vom Schicksal getroffen wie John McClane in den Stirb Langsam Filmen. Gerade lässt er es sich in einer Strandbar, nach einem anstrengenden Abenteuer, gut gehen, da kommt schon das nächste Unheil in Form einer hübschen Frau auf ihn zu, die ihm gleich ein Date in Aussicht stellt. Zwei Haken hat die Sache: Erstens werden die Videos im Spiel so stark runtergerechnet, dass man nur erahnen kann, dass die Frau, die übrigens den Namen Kade trägt, auch wirklich hübsch ist. Und zweitens gehört Kade zu den Rebellen, was Jack in einen tiefen Schlamassel stürzt. Denn durch sein nettes Schwätzchen mit Kade macht sich Jack bei den Agenten der Regierung unbeliebt, die ihn gleich mal überwältigen und einsperren. Jack kann aber aus dem Gefängnis fliehen und die Geschichte nimmt ihren Lauf…

 

 

Steuerung, spielerische Vielfalt und dicke Wummen

 

Wenn man dem Spiel eines nicht vorwerfen kann, dann ist es in den meisten Fällen das Missionsdesign. Einmal aus dem Gefängnis ausgebrochen, kämpft Jack sich teilweise durch riesige Areale, in denen er die unterschiedlichsten Ziele zu erfüllen hat, wie zum Beispiel Wachboote ausschalten, eine Drogenplantage abflämmen oder Lagerhäuser zerstören. Und wenn ich riesig schreibe, dann meine ich auch riesig. Ein Level besteht zum Beispiel aus vier größeren Inseln, auf denen ihr jeweils verschiedene Aufgaben erfüllen müsst. Um auf die anderen Inseln zu kommen, stehen euch Jet Skis und kleinere Boote zur Verfügung. In welcher Reihenfolge ihr die Aufgaben in dem Level löst, ist euch selbst überlassen. Lediglich ein grauer Punkt auf dem Radar zeigt die grobe Richtung eines Zielpunktes an. Ferner könnt ihr jederzeit die Missionsaufgaben mit dem Druck auf die 2 Taste anzeigen lassen.

 

Natürlich sind nicht alle Bereiche in Vengeance so weitläufig und so non-linear, aber gerade die Mischung macht das Spiel durchaus interessant.

 

Auch die Steuerung ist, bis auf einen Bug, der kurzeitig das Fadenkreuz Richtung Himmel oder Boden festsetzt, gut gelungen. Mit der Wiimote schaut ihr euch um. Die B Taste dient zum Abfeuern der Waffen und mit A könnt ihr Jacks Spezialfähigkeiten auslösen. Davon bekommt ihr im Laufe des Spiels immer mehr hinzu, was dazu führt, dass Jack höher springen, brutalere Nahkampfangriffe ausführen, Gegner riechen oder begehbare Passagen entdecken kann. Allerdings könnt ihr die Fähigkeiten nur triggern, wenn ihr eine Leiste aufgefüllt hat. Diese füllt man, indem man Gegner auf spektakuläre Weise ausschaltet. Dazu dienen Kopfschüsse und vor allem Nahkampfangriffe, bei denen man zum Beispiel einem Feind mit der Machete einen Scheitel zieht, was natürlich mit einer entsprechenden Bewegung der Wiimote erfolgt.

 

Ein etwas zweischneidiges Schwert ist die Art zu zoomen in Far Cry Vengeance. Angelehnt an Red Steel zoomt ihr, indem ihr die Wiimote nach vorne haltet. Allerdings reicht da nicht eine einfache Bewegung, sondern ihr müsst den Controller regelrecht nach vorne stoßen, um in den Zoom-Modus zu kommen und zurück reißen, um den Modus wieder zu verlassen. Dabei ist es manchmal gar nicht so leicht in den Zoom zu kommen. Auf der anderen Seite hat diese Methode aber auch den Vorteil, dass, wenn man einmal zoomt, selbst heftigere Bewegungen nicht dafür sorgen, dass man den Fokus zu verliert.

 

Mit dem Analogstick auf dem Nunchuk bewegt ihr Jack. Die C Taste dient als Aktionstaste und mit Z werden Granaten und Steine geworfen, dazu später mehr. Außerdem kann Jack springen, indem man den Nunchuk kurz nach oben reißt, was sogar ziemlich gut funktioniert.

 

Was wäre ein Egoshooter ohne ein stattliches Arsenal von dicken Wummen. Und tatsächlich hat Far Cry da einiges zu bieten. Neben den Nahkampfwaffen gibt es Ballermänner aller Art von Raketenwerfern bis zu Sniper Rifles, von verschiedenen Pistolen bis zu einer Vielzahl von Schnellfeuerwaffen und unterschiedliche Typen von Granaten.

 

Positiv sei an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass man in dem Spiel sich auch hinter das Steuer verschiedenster Fahrzeuge setzen kann, deren Kontrolle recht ordentlich gelungen ist. Neben den bereits erwähnten Booten, kann Jack auch Jeeps, ATVs und Panzer fahren.

 

 

Warum ist Far Cry Vengeance so schlecht?

 

Leider hat Ubisoft es geschafft, ein im Kern sehr gutes Spiel völlig in den Dreck zu ziehen. Man muss das wirklich so drastisch sagen, denn KI, audiovisuelle Darstellung und die Anzahl der Bugs sind katastrophal.

 

Beginnen wir mit der KI, sofern man den Gegnern überhaupt unterstellen kann, dass sie irgendwelche halbwegs intelligenten Routinen verpasst bekommen haben. Es gibt im Prinzip nur zwei Arten von Gegnern. Einmal diejenigen, die sofort losballern, sobald man sich nähert, auch wenn man eigentlich noch gar nicht zu sehen ist und dann diejenigen, die einfach überhaupt nicht reagieren, wo man sich in Ruhe anschleichen und diese dann mit der Machete wegschnetzeln kann. Aber meistens laufen die Feinde rum wie ein wild gewordener Hühnerhaufen. Es gibt keine Deckungssuche, keine Absprachen, keine Einkesselungsmanöver, einfach nichts, was auch nur annähernd Intelligenz vermuten lassen würde.

 

Kommen wir nun zu der audiovisuellen Umsetzung, was auch die Bugs mit einbezieht. Gleich vorneweg: Ich habe im gesamten Spielverlauf satte 15 Abstürze miterleben dürfen. So viele Crashes habe ich in keinem fertigen Spiel zuvor gesehen! Das ist wirklich eine Frechheit, denn einige darunter waren zu 100% reproduzierbar. Da stellt man sich echt die Frage, ob das Spiel überhaupt die Qualitätssicherung bei Ubisoft durchlaufen hat. Außerdem verstehe ich nicht, wie Nintendo dieses Spiel überhaupt die Submission passieren lassen konnte, die eigentlich verhindern soll, dass unfertige Produkte auf den Markt kommen. Wer mehr über die Submission und die letzten Schritte in der Spieleentwicklung erfahren möchte, kann dazu hier meinen Artikel lesen.

 

Zurück zu Far Cry Vengeance. Leider sind die Abstürze aber nicht die einzigen Mängel. Die Grafikqualität ist sehr bescheiden. Man kann dem Spiel sicherlich zugute halten, dass die Areale sehr weitläufig sind und es ist natürlich deshalb auch logisch, dass nicht alle Texturen knackig scharf sein können und es hier und da mal auch PopUps (Grafikelemente, die plötzlich im Bild erscheinen) gibt. Aber Far Cry setzt in allen Punkten neue negative Maßstäbe. Viele Texturen haben allenfalls N64 Niveau. Man schaue sich nur mal einen Baumstamm von nahem an, da glaubt man eine Szene aus Ocarina of Time zu sehen. Übrigens sieht das Spiel zu keiner Zeit so gut aus wie rechts auf den Screenshots.

 

Zusätzlich gibt es einen so extremen Grafikaufbau, wie ich es noch nie erlebt habe. Vor allem, wenn man sich schneller fortbewegt, also wenn man zum Beispiel ein Fahrzeug benutzt, dann erscheinen plötzlich ganze Bäume, Felsen, auf dem Wasser selbst halbe Inseln wenige Meter vor einem im Sichtfeld. Außerdem ist die Polygonisierung vieler Objekte und vor allem der Gegner eher mittelmäßig.

 

Geringe Polygonzahl, PopUps ohne Ende und matschige Texturen sollten doch wenigstens zu einer flüssigen Framerate führen, doch weit gefehlt. In Szenen, wo wirklich die Action abgeht oder eben, wenn man sich schnell fortbewegt, ruckelt das Spiel wie ein Motor, dem gerade der Sprit ausgeht. Absolut inakzeptabel.

 

Aber die Krone setzt dem Ganzen der Sound, vor allem die Sprachausgabe auf, womit ich beim nächsten Punkt wäre.

 

 

Slapstick pur! Das lustigste Spiel seit Jahren!

 

Wer mal wieder was zu lachen haben will, der sollte sich Far Cry Vengeance durchaus zulegen. Denn während Waffen- und die meisten sonstigen Umgebungsgeräusche noch ganz gut sind, übertrifft die Sprachausgabe alles jemals da gewesene.

 

Ehrlich gesagt, habe ich während eines Spieles noch nie so sehr gelacht wie bei Vengeance. Zunächst einmal gibt es einen dicken Bug. Die Sprüche, die die Gegner während der Level von sich geben, werden immer gleich laut vertont. Es ist also egal, ob der Feind 100m entfernt steht, oder direkt neben einem. Das führt einige Male dazu, dass man sich erschreckt, wenn plötzlich in voller Lautstärke aus den Boxen ein „Ich seh dich“ ertönt und man denkt, der Typ stände genau neben Jack. Dabei befindet er sich auf der gegenüber liegenden Insel und ist soweit weg, dass er einen gar nicht treffen kann.

 

Genial und mega lustig sind aber die Sprüche der Gegner. Inhaltlich vollkommen OK, hat Ubisoft es aber versäumt, die gesprochenen Sätze den richtigen Situationen zu zuordnen, woraus bester Slapstick resultiert.

 

Ein paar Beispiele, bei denen ich mich wirklich köstlich amüsiert habe:

 

Ich nähere mich einem Gegner, der mal wieder überhaupt nicht reagiert. Ich stehe einen Meter vor dem und schieße ihm ins Bein. Da meint der doch ganz trocken: „Wer war das?“ LOL. Also entweder war der blind und taub oder scheiße blöd. Naja, es wird noch besser. Danach dachte ich mir, erlöse ihn von seinem Elend. Ich verpasste dem Gegner einen gezielten Kopfschuss, er sinkt sterbend zu Boden und sagt: „Das wirst du mir büßen“ LoooooL!

 

Aber von dem Kaliber gab es noch viel mehr. Hier eine kleine Auswahl der Sprüche, die Feinde nach einem Kopfschuss geklopft haben:

 

Damit hast du nicht gerechnet“ oder

Passt auf, wo ihr hintretet“ oder

Das bedeutet nichts Gutes

 

LOL! Oh, mein Gott, glaubt mir, Far Cry hat in Sachen Humor einen Unterhaltungswert wie kein anderes Spiel ;).

 

 

Far Cry Light

 

Neben den ganzen technischen Abspeckungen ist Far Cry Vengeance im Vergleich zu den anderen Versionen aber auch noch inhaltlich und spielerisch deutlich reduziert wurden. Während man in den anderen Spielen etwa ab der Mitte gegen Monster kämpft, findet man in der Wii Version nicht ein einziges. Hier bleiben die Rebellen die einzigen Widersacher. Das wäre an sich nicht so schlimm, da ja auch die Story dem angepasst wurde, wenn es nicht auch Einschnitte im Gameplay gegeben hätte. So konnte man in Far Instincts und Predator Fallen stellen und dann die Gegner in diese locken. Fallen basteln ist aber in der Wii Version nicht mehr enthalten, allerdings hat Jack Carver immer noch die Steine dabei, die man zur Anlockung der Feinde werfen kann, die nun aber keinen Sinn mehr haben. Man wundert sich lediglich, warum die Granate nicht explodieren will, die man gerade geworfen hat ;).

 

Außerdem wurde der Umfang des Multiplayers arg gekürzt (siehe unten) und der Karteneditor, mit dem man eigene Level für den Mehrspieler-Modus designen konnte, in der Wii Version gestrichen.

 

 

Der Multiplayer

 

Leider wurde auch dieser Modus ziemlich versaut, was eine Schande ist, da Steuerung und Levelaufbau wirklich überzeugen. Wir wollen uns an dieser Stelle nicht beschweren, dass der Titel keinen Online- und LAN-Modus bietet, denn schließlich ist das Nintendos Schuld. Aber warum hat das Spiel dann nicht mal einen Vierspieler-Splitscreen-Modus? Den Multiplayer kann man nur zu zweit bestreiten und da man auch keine Bots hinzuschalten kann, hat der Modus einen so hohen Spaßfaktor wie ein Zahnarztbesuch.

 

Es gibt zwei Modi zur Auswahl, wobei es sich bei beiden um normale Deathmatches handelt. Die Unterscheidung liegt darin, dass ein Modus die Spezialfähigkeiten von Jack primär nutzt. Es gibt etwa 10 Karten, die an den Singleplayer-Modus angelehnt sind und auch kaum Wünsche offen lassen. Es befinden sich sowohl enge und verwinkelte Maps als auch weitläufigere Areale im Repertoire. Leider ist auch die Optionsvielfalt bei dem Titel arg begrenzt und beschränkt sich auf die rudimentärsten Einstellungsmöglichkeiten wie zum Beispiel das Zeitlimit.

 

Wir danken Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Far Cry Vengeance ist im Kern ein gutes Spiel. Das merkt man vor allem beim Missionsdesign. Nicht umsonst haben die anderen Abenteuer der Serie bisher immer gute Noten erhalten. Leider hat Ubisoft die technische Umsetzung der Wii Version absolut versaut und zudem noch den Umfang beschnitten. Wer allerdings mal so richtig beim Zocken lachen will oder wer über die ganzen technischen Mängel hinwegsehen und sich nur auf das Gameplay konzentrieren kann, der darf durchaus einen Blick riskieren.

Grafik

sch...

Sound

schwach

Steuerung

ok

Spielspaß

schwach

55%

Singleplayer

45%

Multiplayer

Release

28.12.2006

Developer

Ubisoft Montreal

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

18+


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