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Reviews: Nintendo Wii

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Pro Evolution Soccer 2008

Sport

16.06.2008

Autor: Michael Lehmenkühler

 

 

Ganz Europa schaut momentan auf unsere Nachbarn aus Österreich und der Schweiz und die dort stattfindende Fußball-EM. Der perfekte Anlass also, um sich auch auf der Wii König Fußball zu widmen – hier nicht auf der Suche nach einem neuen Europameister, stattdessen nach einer neuen Fußball-Referenz!

 

Während die Fifa-Serie mit Fifa 2008 ein solides, aber aufgrund der sehr fragwürdigen Wiimote-Nutzung wenig herausragendes Debüt auf der Wii feierte, musste man als Freund des runden Leders ansonsten eher mit der Lupe nach Alternativen suchen. Mario Strikers? Naja...hat ja eigentlich mit Fußball so viel zu tun wie Miroslav Klose mit Ehrlichkeit und Thomas Schaaf mit Emotionen – nicht viel also! Und ansonsten ist das Wii-Angebot in der Hinsicht so reichhaltig wie die Torausbeute eines durchschnittlichen Spiels der griechischen Nationalmannschaft...

 

Wie gut, dass es Konami gibt! Diese nahmen sich der Problematik an und „portierten“ den jüngsten Ableger ihrer etablierten und renommierten Pro Evolution Soccer-Reihe, Pro Evolution Soccer 2008, auf die Wii. Diese Serie begeistert nun schon seit vielen Jahren mit fantastischer, absolut realistischer Ballphysik und einem phänomenalem Spielgefühl. Wer „echten“ Fußball auf der Konsole erleben will, braucht einfach Pro Evolution Soccer! Einzig in Punkto Lizenzen und Präsentation muss sich PES noch vor der Konkurrenz aus dem Hause EA verstecken. Daran hat sich bis heute auch immer noch nicht viel verändert. Auch auf der Wii erfreut uns eine grandiose Ballphysik und ein tolles, realistisches Spielgefühl, wohingegen die Präsentation unspektakulär und die Lizenzauswahl vergleichsweise mager ausfallen. Wieder einmal haben die Spieler einiger Nationalteams Fantasienamen, wieder einmal fehlt die deutsche Bundesliga mit Ausnahme der Bayern komplett und wieder einmal schaut man als Fußballfan in dieser Hinsicht neidisch zur Konkurrenz herüber.

 

Doch zum Spiel an sich: Sagte ich eben „portierte“? Bedeutet dies mal wieder, wie bei fast allen Wii-Umsetzungen bisher, nur stupides Wiimote-Geschüttel und ebenso halbgare wie fehlerhafte Nutzung der Bewegungssensoren? Mit anderen Worten, einen erneuten Attentat auf die Handgelenke und eine weitere Beleidigung an jeden einigermaßen anspruchsvollen Zocker? Doch an dieser Stelle kann ich euch schon einmal beruhigen: Konami hat mit Pro Evolution Soccer ganze Arbeit geleistet, ein bisher nie da gewesenes Spielerlebnis kreiert und einen absoluten Vorzeigetitel in Punkto sinnvoller Nutzung der Wii-Fähigkeiten abgeliefert. Und von einem „Port“ darf eigentlich gar nicht die Rede sein, es ist ganz eigenständiges Spiel geworden!

 

 

"Schach ist für mich neben Fußball der schönste Sport, weil es aufgrund der Figuren auch ein Mannschaftssport ist". (Felix Magath)

 

Doch wodurch zeichnet sich die Wii-Umsetzung von Konamis Vorzeige-Fußballtitel aus? Wie bereits angedeutet, haben sich die Entwickler sehr große Mühen bei der Konzeption der Steuerung gemacht und das Spiel wirklich komplett auf die bisher kaum genutzten Bedienungsmöglichkeiten der Wii zurecht geschneidert.

 

Doch werden wir mal endlich konkret: Die Steuerung bei PES 2008 erfolgt per Wiimote und Nunchuk! ... Wie, die Infos reichen nicht? Verdammt, ich will doch gleich Fußball gucken gehen... ;) Nun gut, genauer gesagt wird die Wiimote wie eine Art Computermaus genutzt. Mit dieser lassen sich sämtliche Spieler der eigenen Mannschaft „anklicken“ und folglich beliebig kontrollieren und befehligen. Man hat also nicht mehr nur die Kontrolle über einen einzigen, ausgewählten Spieler, sondern kann, und muss (!), die ganze Mannschaft auf einmal lenken und leiten. Darüber hinaus lassen sich mit Hilfe des Pointers auch punktgenaue Pässe ausführen: Man zeigt auf eine bestimmte Stelle des Spielfeldes, drückt die B-Taste und voilá – der Ball landet dort, vorausgesetzt, die gegnerische Elf hat nichts dagegen. Die Zeiten, an denen man sich noch ärgerte „Man, warum passt der Idiot nicht dahin?!?“ gehören also auf der Wii der Vergangenheit an!

 

Die gesamte, sehr sinnvolle Nutzung des Pointers ist auch insgesamt der größte Pluspunkt der Wii-Fassung. Die Möglichkeiten zur individuellen und exakten Spielgestaltung werden dadurch einfach um ein Vielfaches erhöht, es weht nicht nur ein Hauch von Rasenschach über den Platz, sondern ein ganzer Orkan!

 

 

"Im Spiel denken die Spieler ab und zu selbständig, und man sieht ja, was dabei rauskommt." (Jürgen Klopp)

 

Doch bei diesem Spiel denken die Spieler fast gar nicht selbstständig, man muss ihnen alles mitteilen, sonst eiern sie so teilnahmslos über den Platz wie Tim Borowski an einem schlechten Tag.

 

Spieler A deckt den gegnerischen Spielmacher! Spieler B macht den freien Raum auf der linken Flanke dicht! Spieler C und D kleben sich an die Fersen der gegnerischen Stürmer! Spieler E läuft... HALT! Spieler E haut den entkommenen Spielmacher der Gegner mit einer harten Blutgrätsche von hinten um! HA! Was, ROT?! Das war doch nie im Leben... verdammter Schiri! Nur noch zehn Mann und das in der zweiten Minute, totaler Quatsch... Schnell ins Aufstellungsmenü und die Mannschaft neu anordnen. Dank Wiimote auch ein Kinderspiel!

 

Doch gab es bei den anderen Versionen nicht viel mehr Optionsmöglichkeiten, vor allem im Bereich der Taktikeinstellungen? Stimmt, doch dies wäre bei der Wii-Fassung wohl auch gar nicht mehr von Nöten, man steuert auf dem Bild ja sowieso alle Spieler auf einmal, da braucht man nicht auf vorgegebene Einstellungen zurückgreifen, man setzt sie einfach selbst auf dem Feld um!

 

Wie die eben angedeutete Spielsituation vor Augen führt, sind die Spiele mitunter deshalb recht stressig, weil man als Spieler immer hellwach und konzentriert bei der Sache bleiben muss, sonst hat man die Bude eher voll, als es einem recht ist! Möglichkeiten zum Verschnaufen bietet einem, wie in der Realität nur die Halbzeitpause. Anspannendes Mikromanagement, wie man es eigentlich nur von Strategiespielen kennt, hat nun also auch seinen Weg ins Fußballgenre gefunden. Der Rasenschach-Anteil ist so groß, dass das Spiel schon fast als Fußball-Strategie-Mix durchgehen könnte! Ein neues Genre wurde hier also kreiert und das auf eine gelungene Art und Weise. Man merkt Konami bei diesem Titel wirklich an, dass sie bereit waren, Experimente auf der Wii einzugehen! Doch nicht alles an diesem Experiment ist geglückt! Es ist sogar einiges in die Hose gegangen.

 

 

"Jancker - hier nimmt er den Ball mit dem Rücken an..." (Günther Netzer)

 

Wir waren gerade bei der Steuerung, also bleiben wir auch dort. Neben den genannten positiven Aspekten der Steuerung müssen an dieser Stelle einfach auch die wirklich schlecht umgesetzten Aspekte genannt und kritisiert werden. Um es klipp und klar auf den Punkt zu bringen: Die Torschüsse wurden bei diesem Spiel einfach grausam umgesetzt! Sie lassen sich hier durch Schütteln des Nunchuks ausführen. Geht anfangs ganz akzeptabel von der Hand, doch schon bald offenbaren sich riesige Probleme: Man kann den Schuss nicht beeinflussen. Weder die Schussstärke, noch die Richtung. Der Nunchuk wird geschüttelt und der Spieler schießt wie er will. Natürlich kann man die Schussrichtung in gewisser Hinsicht durch Vorgabe der Laufrichtung beeinflussen, doch es kommt auch öfters vor, dass die Stürmer trotzdem Schüsse in eigentlich unmögliche Richtungen abgeben. Auch die Schussstärke wird vom Stürmer selbstständig bestimmt. Insgesamt hat diese Änderung des Schusssystems weitreichendere Auswirkungen auf die Qualität des Spiels, als man es sich zuerst wohl vorstellen kann.

 

Erfreut man sich anfangs noch daran, dass die Spieler Bälle aus gut dreißig Metern in den Winkel kloppen, ärgert man sich schon bald über vergebene 100%ige Torchancen in bester Carsten Jancker-Manier und verbleibt letztendlich mit einem sehr unbefriedigtem Gefühl. Ob nun Traumtore oder versemmelte Großchancen – man kann sich weder richtig drüber freuen, noch ärgern. Man hat eigentlich immer das Gefühl, dass man für das gerade Geschehene fast nichts konnte. Der Stürmer hat selbstständig gehandelt und man selbst hat nur die Torchance herausgespielt. Die im Fußball so wichtigen Emotionen werden hierdurch ziemlich gedämpft, dem PES-Spielgefühl extrem viel genommen und einer ansonsten grandiosen Steuerung gewaltig der Wind aus den Segeln genommen. Bei einem Nachfolger muss unbedingt eine andere Lösung der Torschuss-Umsetzung angestrebt werden! Doch nicht nur die Steuerung weist Licht und Schatten auf, auch der Rest des Spiels.

 

 

"Wir wollen ja auch Meister werden, wir wissen nur noch nicht in welchem Jahrhundert." (Thomas von Heesen)

 

Im Spielmenü findet man zunächst ein gewohntes Bild wieder: Freundschaftsspiele, Elfmeterschießen, Ligen, Turniere, Editor, Training, Optionen... doch wo ist die Meisterliga? In diesem Prunkstück des Spiels galt es in vergangenen Versionen, das Team seiner Wahl in nationalen und internationalen Wettbewerben zu Ruhm und Ehre zu führen. Doch der Fokus lag hier nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf Managertätigkeiten. Spieler mussten gekauft und verkauft, Gehälter gezahlt und die Finanzen im Auge behalten werden. Mannschaften stiegen auf und ab, Spieler verbesserten oder verschlechterten sich und zusammen mit dem generell genialen Gameplay eines PES sorgte dieser Modus immer für Spielspaß im höchsten Maße.

 

Dieser Modus fehlt in der Wii-Version und wurde durch einen „Champions Road“-Modus ersetzt, welcher der Meisterliga aber in vielen Bereichen ähnelt. In dieser Variante geht es darum, ein selbst kreiertes oder ausgewähltes Team durch viele kleine und große Turniere an die Spitze des Weltfußballs zu führen. Entwicklungen von Mannschaft und Einzelspielern ist auch hier ein wichtiger Aspekt. Aus einem anfangs noch sehr unfähigen Haufen von talentfreien Spielern muss eine starke und konkurrenzfähige Einheit gebildet werden, doch dies ist eine harte Aufgabe und langer Weg!

 

Befinden sich die Gegner anfangs der eigenen Qualität entsprechend noch auf (sehr niedriger) Augenhöhe, werden die Herausforderungen mit jedem gewonnenen Turnier größer, schwerer und anspruchsvoller, bis man am Ende der Creme de lá Creme des Weltfußballs gegenüber steht. Erst nach Turniersiegen werden weitere Turniere freigeschaltet, was auf höheren Schwierigkeitsgraden durchaus frustrieren kann, da man sich in den Turnieren kaum Ausrutscher leisten darf, wenn man am Ende ganz oben stehen will. Sechs Punkte aus drei Spielen reichen halt nur selten für einen Platz an der Sonne einer Vier-Team-Gruppe.

 

Doch selbst hartgesottene PES-Fanatiker wie ich, die die niedrigen Schwierigkeitsgrade von vornherein ablehnen, um dann im Endeffekt für jedes Turnier ca. vierzehn Versuche zu brauchen, dürften hiervon nicht abgeschreckt oder demotiviert werden. Ich habe im Verlauf von so manchem Turnier den Sieg nur mehr als haarscharf aus den Händen gegeben, Frust kam dennoch fast nie auf. Immer dachte ich mir:“Mist, verloren... aber ich hab trotzdem Schritte nach vorne gemacht, die Mannschaft ist wesentlich stärker als zuvor!“. Die Charakterentwicklung ist nämlich recht einseitig ausgefallen, die Spieler werden nur stärker, aber nicht schwächer. Nach jedem Spiel sammeln sie ihrer Spielleistung entsprechend „Erfahrungspunkte“ um sich in den sechs verschiedenen Kategorien wie z.B. Angriff, Verteidigung oder Technik „hochzuleveln“. Ist dies geschehen, hat der Spieler die Wahl zwischen einer Vielzahl an Fähigkeiten, die er seinem Schützling zukommen lassen kann. Verbessere ich den Torschuss meines Mittelstürmers oder mache ich ihn lieber robuster und kopfballstärker? Oder schraube ich an seiner Beidfüßigkeit? Mich nervt es nämlich, dass er das linke Bein nur zum Stehen benutzt... Ach was, ich erhöhe einfach den allgemeinen Angriffswert! Was das genau an seinen Fähigkeiten verändert, sagt mir das Spiel zwar nicht, aber es wird schon passen! Generell verfügen die Spieler bei diesem Titel über wesentlich weniger individuelle Werte im Vergleich zu den bisherigen Versionen. Dies liegt aber vermutlich u.a. daran, dass Fähigkeiten wie „Passgenauigkeit“ nun eher von der Genauigkeit der Pointer-Fertigkeiten des Spielers selbst abhängen...

 

 

"Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran." (Otto Rehhagel)

 

Nicht nur die Qualität der einzelnen Spieler wird nach jedem Spiel erhöht, auch die Qualität des gesamten Kaders! Nach jedem Spiel hat man die Möglichkeit, an einer Art „Transfer-Glückspiel“ teilzunehmen, bei welchem man allerdings selber nichts verlieren kann. Der gesamte Kader des letzten Gegners verwandelt in ein Kartenspiel, welches über den ganzen Bildschirm verdeckt ausgebreitet wird. Hiervon kann sich der Spieler dann Karten ziehen und erhält in Folge dessen die „gezogenen“ Spieler. Selbst weiß man allerdings nicht, welcher Spieler sich unter welcher Karte verbirgt, lediglich kurze Beschreibungen der stärksten Eigenschaft des Spielers lassen erahnen, um wen es sich jeweils handeln könnte. Beschreibungen, die teilweise leider gar nicht übersetzt wurden, was im Spiel ziemlich dämlich aussieht! Schlampig, schlampig, meine Herren!

 

Die Qual der Wahl steht also nach jedem Spiel an, wenn man das vorherige Spiel gewonnen hat sogar doppelt, denn dann dürfen gar zwei Spieler „gezogen“ werden. Ob es die Spieler nach einem kurzen Check dann in den Stammkader oder zumindest auf die Tribüne schaffen, muss dann entschieden werden, überflüssige Kicker werden einfach wieder entlassen.

 

Diese fast schon RPG-mäßigen Elemente machen den Champions Road-Modus auf jeden Fall spielenswert und motivierend, da man als Spieler, wie gesagt, auch bei Niederlagen durch eine Weiterentwicklung des Kaders stets bei der Stange gehalten wird. Insgesamt reicht der Modus nicht ganz an die Qualität der Meisterliga der vergangenen Versionen heran, ist aber eine spaßige Alternative mit frischen Elementen, die man als Ersatz doch akzeptieren kann.

 

Neben diesem Modus findet man als Singleplayer vor allem in den anderen, größtenteils frei konfigurierbaren Turnieren und Ligen genug zu tun. Ob man nun die Europameisterschaft simuliert, den Afrika-Cup nachspielt oder ein willkürliches Turnier voller National- und Vereinsmannschaften stattfinden lässt – genug Auswahl ist gegeben!

 

 

"Bei uns wird auf dem Platz zu wenig gesprochen. Das könnte an der Kommunikation liegen." (Erich Ribbek)

 

Doch das Herzstück eines jeden Pro Evolution Soccer-Spiels ist und war schon immer der Multiplayer. Sich mit Freunden, welche bei PES sehr schnell zu erbitternden Rivalen werden, zu messen und in der Regel natürlich auch anzuschreien und anzumaulen – daran kam der Singleplayer nie auch nur im Geringsten heran! Doch irgendwie kann man dies von der Wii-Fassung nicht behaupten... seltsam...warum denn?

 

Zunächst einmal das grundlegendste Problem: Pro Evolution Soccer macht am meisten offline Spaß, wenn man seinen Kumpel neben sich hat und ihm direkt vor Ort verbal die Meinung sagen kann. Online geht’s ja auch schlecht ohne Voice-Chat! Doch zum hundsmiserablen Online-Modus kommen wir später... Schön und gut, Kumpel ist da, das Spiel kann losgehen. Theoretisch.

 

Erst mal ergibt sich ein Problem mit der Steuerung: Diese ist anfangs verdammt kompliziert!! Als erfahrener Wii-Zocker hat man es zwar nach einigen Matches einigermaßen heraus, doch es bedarf viel Übung, um wirklich akzeptable Spiele abliefern zu können. Wie bring ich die Steuerung nun meinem Kumpel bei? Erkläre ich sie ihm, ziehe ihn danach erst mal nach Strich und Faden ab (hehe) und nehme ihm schon mal direkt die Lust am Spiel (nach einem 0:21 auch nicht wirklich verwunderlich)? Oder schicke ich ihn zunächst durchs gelungene, aber verdammt umfangreiche Tutorial? Dies ist zwar durchaus hilfreich und anschaulich, nimmt aber auch viel Zeit in Anspruch. Bis er da einigermaßen durch ist, hab ich mein drittes Bier schon leer und selber keinen Bock mehr! Auch blöd!

 

Bei einem ebenso Wii-erfahrenen Kumpel (Gruß an Zera) ergeben sich solche Probleme zum Glück eher weniger, vorausgesetzt, er/sie hat etwas Ahnung von Fußball (hat Zera das?). Doch bei Gegnern, deren Wii-Erfahrung sich in Grenzen hält, erhält das Spiel aufgrund der Komplexität leider von vornherein schon die rote Karte. Ein „Wenig-Zocker“ wird mit dem Spiel nie im Leben klar kommen, wenn selbst erfahrene Zocker anfangs durchaus mit Problemen zu kämpfen haben. Und genau dies hat PES für mich eigentlich immer ausgezeichnet: Mich mit fußballbegeisterten Freunden mit Chips & Bier (oder Cola ;)) hinzusetzen und zu zocken! Und von diesen zocken die allerwenigsten wirklich regelmäßig Videospiele. Dennoch war dies auf der Playstation 2 nie ein Problem. Mit einem PS2-Pad und dem „gewöhnlichen“ PES-Gameplay kam fast jeder schnell zurecht. Schon nach kurzer Zeit standen spannende Duelle an, schöne Tore fielen und es wurde mehr geflucht als in einer ungeschnittenen Fassung des Nintendo-LAN.de Podcasts. Dies alles kann mir die Wii-Fassung zwar theoretisch, aber in der Praxis nicht wirklich bieten.

 

Aber auch Duelle gegen „Zocker“, die die Steuerung verinnerlicht haben, haben bei mir Spielspaß-technisch nicht wirklich „gezündet“. Offline findet man hier nämlich eine Problematik wieder, die viele im Vorfeld schon befürchtet hatten, eine Problematik, die Strategiespiele ohne separate Bildschirme immer haben: Man sieht alles, was der Gegner macht und was er vor hat. Teilweise ist dies weniger störend, im realen Fußball sieht man die Laufwege des Gegners ja auch, teilweise ist dies andererseits durchaus stark Spielspaß-hemmend, da es Überraschungsmomente fast unmöglich macht. Vor allem bei ruhenden Bällen, besonders bei Eckstößen, ist dies mehr als nervig. Klar, Ablenkungsmanöver und ähnliche Späße sind möglich, aber wenn ich bei einem Eckball fast pixelgenau sehe, wo der Ball landen wird, ist dies einfach total störend und absolut unnatürlich – bei einem Fußballspiel nicht zu entschuldigen. Das Elfmeterschießen wurde immerhin noch recht gelungen umgesetzt, hier kann der zielende Pointer durch Drücken des A-Knopfes ausgeblendet werden. Insgesamt macht das Elfmeterschießen in dieser Version mehr Spaß als je zuvor in einem Fußballspiel!

 

 

"Das ist so, als wenn Dir einer ein Messer in den Bauch rammt, und Du musst noch dabei lächeln." (Christoph Daum)

 

Diese Probleme gibt es online doch sicher nicht, oder? Denkste! Hier sieht der Spieler zwar nicht sämtliche Pfeile und Anweisungen seines Gegenübers, aber die wesentlichen und wichtigsten schon, sodass sich online eigentlich nichts an der Problematik ändert. Überhaupt nicht nachvollziehbar, dass die Pfeile des Gegners im Online-Gaming nicht ausgeblendet werden können. Auch ansonsten ist der Online-Modus eine einzige Katastrophe. Spartanisch wäre noch untertrieben. Konkret gesagt: Es besteht die Möglichkeit gegen „geaddete“ Freunde (jahaaa Freundescodes, warum auch nicht, die mag doch jeder!!!) oder gegen „Fremde“ zu spielen. Das war's im Prinzip auch schon!

 

In der Freundesliste wird immerhin noch die persönliche Statistik gegen die jeweiligen Freunde gesichert, mehr Komfort wird allerdings nicht geboten. Beim Spiel gegen willkürliche Gegner aus aller Welt gibt es weder Ranglisten noch sonst irgendwelche Statistiken! Selbst den Namen des jeweiligen Gegners sieht man erst in der Halbzeitpause, ganz klein neben seiner Flagge eingeblendet. Chatmöglichkeiten sind in keinster Weise gegeben, der für PES so wichtige Aspekt der Kommunikation mit den Kontrahenten wird völlig unter den Teppich gekehrt.

 

Diese eigentlich schon viel zu lange Liste der Missstände wird zudem leider noch durch einen weiteren in einem ebenfalls elementaren Aspekt des Online-Gamings abgerundet: Das Spiel laggt extrem! Diese Verbindungsprobleme fallen bei einem derartigen Spiel besonders stark ins Gewicht, da eine Folge dessen ein Hin-und-Her-“Beamen“ von Spielern und auch vom Ball ist. War der ballführende Spielmacher des Gegners gerade noch an der Mittellinie, kann er einen Lag später schon im Strafraum zum Torschuss ansetzen, ohne dass ich etwas davon mitbekommen konnte! Ganz großes Kino, Konami, ich habe in zahlreichen Online-Matches noch kein einziges wirklich einwandfreies, flüssiges Spiel zustande bekommen. Und wenn es bei mir mal scheinbar perfekt und flüssig lief, beschwerte sich stets mein Gegner über massive Lags. Bei Kurbelmodem-nutzenden Zockern wäre dies ja noch verständlich, aber bei DSL-Usern dürfen solche massiven Verbindungsprobleme einfach kein Standard sein, bei PES 2008 sind sie es aber leider.

 

 

"Jeder kann sagen, was ich will!" (Otto Rehhagel)

 

Genug Aspekte, die mir den Spaß am Multiplayer von PES 2008 weitestgehend verdorben haben, doch auch diese Liste hat sein Ende noch nicht erreicht. Was mir schon vor Release des Spiels ganz sauer aufgestoßen hat, stört mich auch heute noch. Es gibt kein Coop-Gaming. Man kann das Spiel nur zu zweit gegeneinander spielen, nicht zusammen im Team. Klar, Hektik und Chaos wäre anfangs sicherlich vorprogrammiert, aber bei einem eingespielten Team würde ein Coop-Modus sicher gut funktionieren. Gerade bei einem so stressigen und anspannenden Spiel könnte man im Team gute Arbeitsteilung anbringen und sich so im Spielaufbau ergänzen.

 

Bei der Wii-Fassung wäre dies wohl weniger vorteilhaft als noch bei den traditionellen PES-Versionen, wo ein ordentlicher Spielaufbau alleine nur halb so gut durchführbar ist wie im Coop-Team. Auf der Wii hat man auch alleine alles unter Kontrolle, auf der PS2 war dies kaum möglich. Dies waren wohl auch die Überlegungen der Entwickler, sie hielten einen solchen Modus wohl für zu hektisch und auch unnötig. Dennoch hätte ich einen solchen Modus gerne mal ausprobiert und getestet, Spaß hätte er garantiert gemacht. Allein schon, um dem Multiplayer etwas mehr Tiefgang und Dauermotivation zu spenden, wäre Coop-Play eine sehr gute Maßnahme gewesen. Zu zweit hat man so einfach fast nichts zu tun, nur Freundschaftsspiele sind auf Dauer öde und Ligen und Turniere machen keinen Spaß, wenn man lange Zeit nur dabei zuschauen muss, wie der andere gegen den Computer spielt. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich mit Redaktionskumpel Philipp im Coop-Modus der PS2-Version von PES 6 verbracht habe, diverse durchgezockte Ligen und eine Spielzeit im hohen dreistelligen Bereich waren es über die Wochen und Monate verteilt garantiert. Und auch dies fällt auf der Wii komplett weg. Wie enttäuscht wir beide darüber immer noch sind, kann man sich sicherlich vorstellen.

 

Der Multiplayer stinkt wegen all dieser Faktoren für mich im Vergleich zu den traditionellen PES-Versionen und auch sogar dem eigenen Singleplayer gewaltig ab. Ja, PES 2008 macht mir auf der Wii im Singleplayer wesentlich mehr Spaß! Hier fehlen die elendig störenden Faktoren des Multiplayers alle, ich kann schönes Rasenschach gegen vernünftig spielende Computergegner genießen und muss mich nicht ständig über irgendwelche nerv tötenden Missstände aufregen. Versteht mich nicht falsch, PES 2008 ist auch im Multiplayer kein schlechtes Spiel, beim besten Willen nicht! Die Konzeptionierung des Spiels begünstigt einen Offline-Multiplayer leider eher nicht und ansonsten ist es verdammt ärgerlich, wie viel Potential an so vielen Stellen vergeudet wurde!

 

 

"Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch." (Stefan Effenberg)

 

Doch es gibt auch tatsächlich noch weitere witzige und nennenswerte Ideen im Spiel neben all dem Gemotze! Da wäre nämlich der aus Trailern sicher Vielen schon bekannte Mii-Modus, welcher im Spiel jedoch erst freigespielt werden muss. Neben einigen Classic-Mannschaften verschiedener Nationen auch das einzige freischaltbare im Spiel... In diesem Modus treten zufällig durcheinander gewürfelte Teams, welche aus diversen generierten Miis und den eigenen Miis der Wii-Konsole zusammengesetzt werden, gegeneinander an. Jedem Mii werden hierbei verschiedene Attribute, Werte, Fähigkeiten und eine Position zugeordnet. Nichts sonderlich bahnbrechendes, aber für Besitzer einer witzigen Mii-Kollektion sicher einige Lacher wert! Ich habe jedenfalls Tränen gelacht, als ich Alf an der Seite von Hulk Hogan im Sturm bestaunen durfte und die vom Spiel vorgeschlagene Abwehrreihe, bestehend aus meinem Redaktionskollegen Philipp, mir selbst und Farin Urlaub von den Ärzten, verdient auch Pluspunkte.

 

Etwas neues und witziges ist da, aber natürlich nicht ohne etwas altes, cooles zu streichen: Der „Überraschungsspiel“-Modus der Vorgänger, in welchen man bis zu vier Teams auswählen konnte und daraus dann zufällig zusammengewürfelte Mannschaften erhielt, wurde komplett gestrichen.

 

Was noch viel schlimmer als der Wegfall von diesem Modus ist, ist die Kastration eines anderen, elementaren Modus eines jeden Pro Evolution Soccers: Der Editor von dieser Fassung des Spiels ermöglicht es nur noch, die Namen von bestehenden Teams und Spielern zu ändern. Eigene Spieler und Mannschaften zu kreieren ist unmöglich, was besonders im Hinblick auf die fehlenden Lizenzen VERDAMMT ärgerlich ist. Jeder Bundesligafan wusste es bei den bisherigen Versionen wohl immer zu schätzen, dass man im Editor mit viel Zeitaufwand (oder den richtigen Freunden) seine fehlenden Lieblingsteams detailgetreu nachbauen konnte. Somit kam ich trotz der fehlenden Lizenzen immer in den Genuss, mit Werder Bremen und anderen Bundesligateams zu spielen. Dies geht bei dieser Version nicht, was mir sehr fehlt, da ich ein riesiger Fan der Bundesliga bin. Es wäre einfach wünschenswert, wenn Konami es in Zukunft schaffen würde, die Lizenzen zu ergattern. Allerdings weiß EA dies bisher wohl noch gekonnt zu verhindern...

 

 

"Ich habe fertig." (Giovanni Trappatoni)

 

Bevor ich nun zum abschließenden Fazit komme, noch ein kurzer Blick auf die unspektakuläre, aber grundsolide Technik des Titels: Die Grafik ist für Wii-Verhältnisse ziemlich ordentlich und bietet gehobene PS2-Optik mit sehr ansehnlichen Charaktermodellen. Negativ fallen das öfter auftretende Kantenflimmern und das matschige Papp-Publikum auf. Insgesamt grafisch überdurchschnittlich, aber nicht wirklich beeindruckend!

 

Beim Sound sind vor allem die alteingesessenen Premiere-Kommentatoren Wolf Fuß und Hansi Küpper nennenswert. Die so langsam zum PES-Inventar gehörenden Experten weisen auch in diesem Teil wieder altbekannte Stärken und Schwächen auf. Kultige Sprüche wie eh und je, aber oft auch unpassend wie eh und je! Oder wieso sieht Hansi immer wieder einen Wechsel für die Defensive, wenn ich meine Stürmer austausche? Naja, ich bin's mittlerweile gewohnt und finde es ehrlich gesagt eher lustig! Fußballfans, die in der Hinsicht keinen Spaß verstehen, werden auch hier wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen! Über die wirre und kaum definierbare Musik aus den diversen Menüs verliere ich besser nicht allzu viele Worte, denn allein der Gedanke an diese Klänge macht mich schwindelig... Die Kommentatoren sollten jedenfalls beibehalten, aber verbessert werden. Die Musik hingegen geht meiner Meinung nach GAR NICHT!!!


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Fazit

PES 2008 auf der Wii ist ein zweischneidiges Schwert... das generell tolle Spielkonzept geht größtenteils wunderbar auf und sorgt für ein erfrischend neues und spaßiges Spielerlebnis. Dennoch ist hieran nicht alles perfekt! Nicht nur die Steuerung verfügt über unnötige Mängel, beim ganzen Spiel sträuben sich mir die Nackenhaare beim Anblick des verschenkten Potentials. Zur Fußballreferenz auf der Wii reicht es trotz alledem locker und ich bin auf die hoffentlich erscheinenden Nachfolger sehr gespannt. Baustellen für die Entwickler bietet PES 2008 schließlich genug! Abschließend kann ich nur sagen: Der Singleplayer gefällt mir gut, für den sehr viel wichtigeren Multiplayer werfe ich allerdings nach wie vor die Playstation an. Für Fußballfans ist der Titel dennoch generell einen Blick wert! Man sollte es zumindest mal ausprobiert haben! Jedoch macht der Titel nicht nur Fußballfanatikern Spaß, ich kann jedem, der mal wieder eine gelungene und innovative Wiimote-Nutzung erleben will, das Spiel ans Herzen legen. Lob an Konami für ihren Mut zur Innovation!

"Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!" (Andreas Brehme)

Zera Klopp meint:

Zunächst mal ein Dank an Urs Boba für diese ausführliche Spiel-Analyse! Im Großen und Ganzen kann ich meinem Kollegen durchaus zustimmen! Insgesamt habe ich nämlich nach dem grandiosen Pro Evolution Soccer 6 einiges mehr von der Wii-Fassung des neusten Ablegers erwartet. Die Steuerung ist zwar vom Prinzip her genial und wenn man sie verinnerlicht hat kann man wirklich eine Menge Spaß haben. Wenn! Ich weiß nicht, ob ich zu dumm für die Steuerung bin oder ob es an etwas anderem liegt, aber selbst nach mehreren Stunden und etlichen Geplänkeln gegen Michael kam es mir so vor, als ob ich die Steuerung noch nicht richtig beherrsche und er mir immer einen Schritt voraus war. Zudem finde ich den Bildschirm, wenn zwei Leute gegeneinander spielen, ziemlich überladen und es wird teilweise unübersichtlich, wenn halt zwei Individuen mit den Pointern über den Bildschirm schwirren und dazu dann auch noch die Ausdauer-Anzeige und die Spielernamen über den Köpfen der Feldspieler angezeigt werden. Ok, genanntes kann man zwar nach belieben ausblenden, aber dennoch bleibt es für jemanden wie mich recht unübersichtlich! Abschließend kann ich nur noch sagen, dass ich hoffe das der Nachfolger die Schwächen beseitigt und ich dann endlich wieder mit Urs stundenlang im Coop-Modus verweilen darf ;).

Grafik

gut

Sound

ok

Steuerung

super

Spielspaß

gut

85%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

26.03.2008

Developer

Konami

Publisher

Konami

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-2


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