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Reviews: Nintendo Wii

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Mein Wortschatz Coach

Training

24.12.2008

Autor: Michael Lehmenkühler

 

Casual Games und ihre Daseinsberechtigung…

 

Mit den Casual Games ist das ja so eine Sache... Vor wenigen Jahren begann dieser nun scheinbar unaufhaltsame Trend mit Dr. Kawashimas tragbaren Trainingslagern für die grauen Zellen noch sehr verhalten und gesittet und die Titel glänzten mit einer wirklich hohen Qualität. So kam es sogar vor, dass selbst die härtesten der hartgesottensten Hardcore-Zocker, wie mein werter Kollege Philipp aka Zera, sich diese Titel interessiert zu Gemüte führten.

 

Mittlerweile ist die Tsunamiwelle an den selbsternannten virtuellen Lebenshelfern für die meisten Zocker allerdings zu einer echten Plage und fast schon echten Katastrophe für die Spieleindustrie geworden. Diesen Titeln muss allerdings zu gute gehalten werden, dass sie für gewöhnlich wirklich einen ernsthaften Nutzen mit sich bringen und den Spieler in den jeweiligen Bereichen wirklich trainieren und fördern, was diesen Produkten im Gegensatz zu den belanglosen Ponyhofproduktionen, die wirklich weder für Spaß noch für Bildung sorgen, eine gewisse Daseinsberechtigung verleiht.

 

So sehr sich die harten Zocker auch gegen den Gedanken sträuben: Es gibt Casual Games, die sich ihre Position in den Regalen verdient haben. Es gibt Casual Games, die wirklich einen praktischen Nutzen erfüllen. Und es gibt tatsächlich Casual Games, die obendrein noch Spaß machen! In diesen Kreis der erlesenen Elite der Gelegenheitsgames gehört zweifellos auch Ubisofts Vokabular-Trainer „Mein Wortschatz Coach“!

 

Ich habe mich nun etliche Wochen mit diesem Titel in der vorliegenden Wii-Version beschäftigt und kann bestätigen: Wer mit ernsthaftem Interesse, seinen Wortschatz zu erweitern und dementsprechender täglicher Motivation an diesen Titel herangeht und dazu noch einiges an Ausdauer und Durchhaltevermögen mitbringt, dem wird das Spiel tatsächlich zu einem größeren Wortschatz verhelfen! Ein praktischer Nutzen ist also zweifellos gegeben – dafür stehe ich mit meinem Namen als Student der Germanistik ;).

 

Was ich damit sagen will: Wer absolut kein Interesse an der Förderung seiner eigenen Eloquenz hat, der sollte dieses Spiel nicht mal mit einer Kneifzange anfassen, denn als reines Unterhaltungsprodukt taugt es nicht viel. Wer ein solches Interesse nicht verspürt, sollte sich aber an dieser Stelle einmal selbst hinterfragen, denn wie ein jeder weiß gilt: Ein großer Wortschatz macht sexy! ;)

 

 

Verwandt mit Kawashima?

 

Wer schon einmal an Kawashimas Klugheitskurs teilgenommen hat, wird mit dem Wortschatz Coach einen vergleichbaren strukturierten Titel vorfinden. Auch hier findet sich eine anfangs beschränkte Auswahl an Disziplinen, die sich durch regelmäßige und möglichst tägliche Trainingsteilnahme vergrößern lässt – viel Freischaltbares ist geboten, wobei das Facettenreichtum der Auswahl der kurzen Spielchen auch beachtlich ist.

 

Ein entscheidender Unterschied zum Gehirnjogging ist allerdings, dass euch hier kein täglich zu bestreitender und ausgewerteter spezieller Test eurer Fertigkeiten vorgesetzt wird. Während ihr beim Kollegen Kawashima quasi jeden Tag dieselbe kurze Strecke joggt, lauft ihr hier in einem großen, wochenlangen Marathon auf ein großes, greifbares Ziel zu – den perfekten, vollkommenen Wortschatz, dem ihr mit jedem absolvierten Tag ein kleines Schrittchen näher kommt. Wenn diese anfangs unerreichbar erscheinende Ziellinie einmal überschritten ist, kann man das Spiel auch in gewisser Hinsicht als „durchgespielt“ bezeichnen, dieser Schritt erfordert allerdings große Fähigkeiten und wirklich monatelanges, tägliches, eisernes Training.

 

Der Spieler steuert nämlich zwar täglich auf ein großes Gesamtziel zu, bekommt aber auch vorgeschrieben, wie viele Schritte pro Tag gemacht werden dürfen. Das Spiel zählt die Zahl der in den Spielen korrekt umgesetzten Wörter und begrenzt euer tägliches Pensum auf maximal 100 Wörter. Wenn diese 100 Wörter abgearbeitet wurden, kann man natürlich noch weiterspielen, für den jeweiligen Tag werden die folgenden Leistungen dann allerdings nur noch für die wenig motivierenden Highscorelisten berücksichtigt.

 

Messbar wird der Wortschatz des Akteurs durch eine Angabe in einem Prozentsatz, welcher angibt, welchen Anteil dessen individueller Wortschatz am Gesamtwortschatz der Software bildet. So steht ein Wert von 100% für einen absolut perfekten und komplett vollständigen Wortschatz, welchen allerdings wohl kaum irgendein Mensch in der Praxis wirklich besitzt.

 

Von einem anfänglich eher niedrigen Prozentwert arbeitet ihr euch nun also mühevoll voran und klettert eine Art Rangliste entlang, mit neuen erreichten Etappen bekommt der Spieler nämlich der Veranschaulichbarkeit halber Ränge und Titel zugeordnet. Anfangs noch als „Student“ abgestempelt, arbeitet man sich so schnell zu Professoren- und Doktortiteln hoch – wenn das in der Realität doch bloß auch so simpel wäre! Ein Chefredakteur hat laut Titel übrigens einen Wortschatzwert von rund 85% - ob das wohl auf Mario und Gunnar zutrifft? ;)

 

Durch die verschiedenen Ränge wird die Motivation ganz passabel aufrecht erhalten, der Spieler erhält das Gefühl, wirklich voranzukommen. Wenn da nicht das Problem wäre, dass das Ganze oft arg unausgewogen ausfällt – mal erreicht man fast täglich neue Stufen, mal ändert sich der eigene Prozentwert tagelang nicht, sodass die korrekte Funktionalität des Spiels in solchen Situationen schon mal angezweifelt wird.

 

Doch genug davon, kommen wir doch endlich mal zu dem wahren Kern des Spiels – den einzelnen Minispielen! Nun ja, eigentlich ist ja das umfassende „Wahrig“-Wörterbuch der Kern des Spiels, da es hierauf basiert, aber was soll‘s…

 

 

Von Buchstabensuppe bis zum Buchstaben-Tetris…

 

Die Auswahl der Spiele ist, wie anfänglich angedeutet, recht facettenreich, spätestens dann, wenn alle Disziplinen freigeschaltet wurden, was übrigens auch immer nach einer bestimmten Gesamtzahl von geleisteten Worterfolgen, welche sich bei täglichem Training recht rasch ansammeln, geschieht. Allerdings zeigen die Spiele auch beim Qualitätsaspekt verschiedene Facetten – manche Spielchen entpuppen sich als heimliche Highlights, andere hingegen als richtige Rohrkrepierer.

 

So müssen mal fehlende Buchstaben mit Hilfe einer soliden Schrifterkennung ergänzt werden, mal aus einer durcheinander gerührten Buchstabensuppe per Definition gesuchte Ausdrücke zusammengesetzt werden, mal Wörter der richtigen Definition zugeordnet werden usw. Die Auswahl der Spiele ist insgesamt zu groß, um hier komplett beschrieben zu werden.

 

Ein Spiel, das wohl als einziges auch durch den rein spielerischen Aspekt überzeugt, verdient allerdings noch eine kurze Extranennung: In einer Disziplin müssen vorgegebene Wörter Buchstabe für Buchstabe abgearbeitet werden, und zwar in einem Tetris-like Spielfeld mit herabfallenden Buchstaben. Erst wenn das Wort vollständig durch Auswahl der einzelnen Buchstaben „abgetippt“ wurde, verschwinden die Buchstabenspielsteine, was auch bitter nötig ist, da das Spiel abbricht, wenn das Spielfeld gefüllt ist – wie bei Tetris und Konsorten eben. In diesem Spiel wird im Gegensatz zu den meisten anderen eher die Orthographie geschult und nicht primär die Bedeutung der einzelnen Ausdrücke.

 

Insgesamt sind die Spielchen fast alle recht solide, nur eines der Spiele empfinde ich als Beleidigung an jeden Zocker mit mindestens zweistelligem IQ: In diesem Spiel, in welchem ein vorgegebenes Wort der richtigen von zwei Definitionen zugeordnet werden muss, ist die Auswahl des jeweils falschen Wortes meist so dermaßen hanebüchen, dass ich mir immer wieder verarscht vorkam. Beispiel: Ein Verb wird vorgegeben, von den zwei zur Auswahl stehenden Definitionen ist eine die eines Verbs und die andere die eines Nomens. Dass hier letztere natürlich nie im Leben richtig sein kann, allein wegen der Wortart, sollte jedem denkenden menschlichen Wesen sofort bewusst sein ;). Solche Fälle kommen in jenem Spiel nicht immer vor, aber in schönster Regelmäßigkeit, sodass ich mich fragen muss, wie ein so etwas die Qualitätskontrolle passieren konnte.

 

Die meisten Disziplinen sind sowohl im Single- als auch im Multiplayermodus spielbar, aber hier kann nur gesagt werden, dass die Spiele vom reinen Spaßfaktor nicht so gut sind, dass ich sie für eine ausgiebige Mehrspielersession empfehlen könnte. Und zusammen Wörter lernen dürfte ja auch nur den wenigsten Freude bereiten, mal ganz davon abgesehen, dass der Lerneffekt dabei wohl auch kaum existent wäre. Um es auf den Punkt zu bringen: Spielt das Spiel nicht im Multiplayer, spielt lieber eine Partie Scrabble. Der einzige recht coole Mehrspielermodus ist ein Buchstabierwettbewerb, welcher dem Titel aber auch keine Multiplayer-Daseinsberechtigung verleiht.

 

 

Fakten, Einschätzungen, Empfehlungen

 

Technisch präsentiert sich das Spiel von seiner soliden Seite. Lernspiele brauchen eigentlich nie aufwändige technische Spielereien und so ist es hier auch. Die Entwickler bemühten sich, dem Spiel ein sympathisches Äußeres zu verpassen, bei mir kommt es hiermit zwar nicht an, aber das ist wohl Geschmacksache. Bunter und lebendiger als die Titel unseres japanischen Gehirnjoggers ist unser Wortschatz Coach allemal, was ihm meines Empfindens nach aber eher etwas die Seriosität raubt, welche ich persönlich bei Lernspielen sehr schätze. Aber dies ist auch wohl wieder eine Frage der individuellen Vorlieben und Prioritäten. Soundtechnisch wissen die gut synchronisierten, persönlichen Trainer, die den Spieler immer wieder mit Ratschlägen, Informationen und Beurteilungen konfrontieren, durchaus zu überzeugen. Musikalisch bleibt der Titel eher blass.

 

Steuerungstechnisch ist zwar nichts Gravierendes falsch gemacht worden, aber in diesem Bereich wäre wohl auch mehr drin gewesen. Die Navigation der Spiele und Menüs erfolgt nämlich oft durch seitliche Dreh- und Kippbewegungen mit der Wiimote, was mir persönlich oft einen Tick zu unpräzise erschien. Hier hätte sich definitiv auch eine andere Möglichkeit finden lassen.

 

Der Lerneffekt ist, wie bereits angedeutet, durchaus vorhanden, vorausgesetzt, man geht mit einer entsprechenden Lernbereitschaft an das Spiel heran. Wenn man nichts lernen und lediglich Spaß haben will, soll man das Spiel bloß im Regal lassen. Wenn man wirklich den Willen zeigt und sich nach jedem absolvierten Spiel die angezeigten Definitionen der Wörter, die einem vorher unbekannt waren, aufmerksam durchliest und einzuprägen versucht, dann dürfte sich der eigene Wortschatz durchaus über Zuwachs erfreuen. Bei wortgewandten Spielern kann dies allerdings mitunter eine ganze Weile dauern, bis endlich mal ein fordernder Level erreicht wird.

 

Die Mehrzahl der Disziplinen, die in den verschiedenen Schwierigkeitsstufen übrigens oft auch noch variieren, ist leider vom spielerischen Aspekt her nicht spaßbringend genug, um den Titel zu einer echten Casual-Offenbarung zu machen. Große Mängel sind allerdings nicht zu finden und der Lerneffekt ist durchaus gegeben, sodass es sich hierbei wohl um eines der besten Third Party-Casual Games für Nintendos Plattformen handelt.

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Ich brauche in meinem Studium und wohl auch in meinem späteren Berufsleben einen angemessen großen Wortschatz, sodass ich durchaus mit Freude und Lernbereitschaft an den Titel herangegangen bin. Dementsprechend habe ich mich wochenlang mit dem Coach beschäftigt und werde mich auch in Zukunft von ihm drillen lassen – mir hat das spielerische Lernen nämlich wirklich gut gefallen! Wer sich und seinem Wortschatz etwas Gutes tun möchte, sollte in Anbetracht des günstigen Preises zugreifen! Es gibt sicher genug Leute, die ihre künstliche Casualphobie mal hinterfragen und derartigen Titeln durchaus mal eine Chance geben sollten! Generell würde ich die ebenfalls erhältliche DS-Variante allerdings bevorzugen, in Bus und Bahn machen sich solch kurzweilige Titel einfach besser als im heimischen Wohnzimmer!

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

78%

Singleplayer

64%

Multiplayer

Release

15.05.2008

Developer

Ubisoft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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