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Reviews: Nintendo Wii

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Sonic Unleashed

Jump 'n Run

15.01.2009

Autor: Mario Kablau

 

 

Dem Ende nah und doch so fern...

 

Der neuste Auftritt von Sonic beginnt sehr ungewöhnlich, nämlich damit, dass der Turbo-Igel mit der Kraft der Chaos Emeralds Eggman stellt und auch schon so gut wie besiegt hat. Er flieht jedoch und Sonic folgt ihm; in eine Falle. Mit Hilfe einer dunklen Macht entfesselt Eggman Dark Gaia, ein Wesen, das im Inneren des Planeten lebt und ihn durch sein Erwachen in die Luft jagt. Ok, nicht endgültig, aber die sieben Kontinente brechen auseinander und driften etwas vom Planetenkern weg. Kurz gesagt: Chaos herrscht. Dazu wird Sonic auch noch von Eggman in eine Maschine gestopft, die irgendwas in ihm verändert, ihn dunkler werden lässt...

 

Am Ende des extrem pompösen und langen Introvideos stürzt der Igel von Eggmans Raumschiff auf den Planeten zurück und erwacht dort in seiner Werigel-Form: behaart, muskulös, dehnbar und langsam. Das genaue Gegenteil vom bekannten Maskottchen also. Dort trifft er auf ein Wesen, das sein Gedächtnis verloren hat und tauft es Chip. Er begleitet Sonic auf seiner Reise über die sieben Kontinente, um die Kraft der Chaos Emeralds wieder mit Kraft zu versorgen und den Planeten zu retten. Doch natürlich hat Eggman währenddessen ganz andere Pläne und scheint schneller voran zu kommen, als Sonic es verhindern kann...

 

 

High Speed vs. High Power

 

Wie bereits erwähnt, hat Sonic eine neue Gestalt angenommen, doch Werigel ist er nur, wenn die Sonne untergeht, also nachts. Tagsüber verwandelt er sich in den schnellen Igel zurück. Das wurde natürlich in die Spielmechanik eingebaut. So gibt es Taglevels, in denen es auf hohe Geschwindigkeit und Ausdauer ankommt und Nachtlevels, die Geschick und Kraft fordern.

 

Die Levels, die am Tag spielen sind mit das beste, was ist bisher in einem 3D Sonic gegeben hat. Die Geschwindigkeit ist brachial, das Leveldesign ist extrem clever, es gibt unzählige alternative Routen und der Wechsel von 2D und 3D sorgt für die nötige Abwechslung und vermittelt an den 2D-Stellen das Gefühl, in einem alten Sonic-Level unterwegs zu sein. Die Arten der Aufgaben unterschieden sich hier auch ein wenig. Manchmal muss man nur ans Ziel kommen, ab und zu vor Ablauf der Zeit eine bestimmte Anzahl Ringe finden oder einen bestimmten Levelabschnitt unter Zeitdruck absolvieren.

 

Gesteuert wird der Igel hier durch den Joystick und einige der Tasten. Er springt mit A, duckt sich mit Z und greift anvisierte Gegner durch Schütteln der Wiimote an. Hält man die B-Taste gedrückt und bewegt den Joystick nach links oder rechts, dann weicht er in eben diese Richtung aus, was bei Hindernissen ein sehr wertvoller Move ist. Die Steuerung der Taglevels ist genau so perfekt gelungen, wie deren Design. Hier hat sich das Sonic Team selbst übertroffen.

 

Ganz anders die Nachtlevel. Dort bewegt man Sonic gemütlich durch die 3D-Umgebung, trifft auf Feinde und muss Geschicklichkeitspassagen absolvieren. Auch hier ist das Design der Levels sehr gut, auch wenn der Weg extrem linear ist und man wie nie alternative Wege zum Ziel gehen kann. In diesem Abschnitten kommt außerdem eine RPG-Komponente dazu, denn man sammelt Kraft, durch das Besiegen von Gegnern und über bestimmte Items. Diese sammelt der Werigel nach und nach und erhält dadurch gelegentlich neue Angriffe und mehr Lebenskraft. In den dunklen Welten kommt auch der Titelgebenden Unleashed-Modus zum Einsatz. Hat Sonic genug Energie, dann kann er in diesen Modus per Knopfdruck wechseln und ist für eine bestimmte Zeit noch stärker und nimmt weniger Schaden bei Treffern.

 

Die Steuerung geht auch hier per Nunchuk und durch diverse Tasten springt und greift er. Obwohl die Levels an sich gut sind, sind sie durch unglaubliche Fehler teilweise ungenießbar geworden. So reagiert die Sprungtaste manchmal nicht, was oft zum Tod führt oder die Greiftaste reagiert nicht, obwohl eine greifbare Leiste in der Nähe ist. Außerdem sprintet Sonic los, wenn man den Stick zweimal in dieselbe Richtung bewegt, was fatal sein kann, da er es manchmal auch dann macht, wenn man sich vorsichtig über schmale Grade bewegen will. Das ist es eine Kunst, da er immer zuerst in eine der vier Himmelsrichtungen geht, wenn man den Stick nur leicht drückt. Will man aber schräg gehen, dann muss man zwangsläufig schneller werden, sonst klappt es nicht. Versucht man es langsam und drückt abwechselnd in zwei Richtungen, dann kann es passieren, dass er auf einmal lossprintet und folglich abstürzt. Dazu kommt eine starre Kamera, die sich nicht vom Spieler bewegen lässt und die nicht selten entweder im ungünstigsten Moment dreht oder nicht den optimalen Blickwinkel auf das Geschehen bietet.

 

Dies alles wäre an sich gar nicht so schlimm, wenn die Designer nicht den Fokus ganz klar auf die Nachtlevels gelegt hätten. Zwar gibt es etwa gleich viele im hellen wie auch im dunklen, aber letztere sind viel länger und nehmen wegen der geringeren Spielgeschwindigkeit natürlich noch mehr Zeit in Anspruch. In Spielzeit gemessen ist die Aufteilung etwa 2/3 zu 1/3, andersrum wäre jedoch bedeutend besser gewesen!

 

 

Grafik, Sound und Umfang

 

Die Grafik ist hier ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stimmt die Framerate, was für die schnellen Taglevels enorm wichtig ist, aber andererseits sind die Umgebungen nicht besonders detailliert und auch nicht wirklich hübsch. Vor allem nachts flackert alles sehr stark und es offenbart sich deutlich, dass ein Multiplattform-Titel auf Wii nie wirklich gut aussieht. Sonic und die geheimen Ringe ist jedenfalls um Längen hübscher als dieses fast zwei Jahre neuere Spiel.

 

Ganz anders die Grafik in den zahlreichen Zwischensequenzen. Nach dem sehr langen und genialen Introvideo denkt man zwar, dass das sicher das einzige Video sei, aber weit gefehlt: Fast alle Story-relevanten Momente werden in Form von Videos gezeigt und diese sehen allesamt extrem gut aus. Hier zahlt sich die Multiplattform-Strategie aus, denn die Videos sind ganz klar so ausgelegt, dass sie auch in HD sehr gut aussehen und davon profitiert Nintendos Konsole.

 

Die Musik ist zwar völlig anders als das, was Sonic in den letzten Jahren musikalisch untermalt hat, aber gefällt mir trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sehr gut. Vorbei die Zeiten der rockigen Sounds, jetzt ist Sonic wieder orchestral. Vor allem die Titelmelodie ist gut gelungen, aber auf alle Levels uns Städte werden musikalisch sehr schön untermalt. Dazu kommt die sehr gute und umfangreiche Sprachausgabe, die es zwar leider nur in Englisch gibt, aber trotzdem das Spielerlebnis intensiviert.

 

Am Umfang braucht man sich nicht zu beklagen, fürs einfache Durchspielen benötigt man etwa 15 Stunden, doch danach ist noch lange nicht Schluss. So gibt es jede Menge freischaltbare Extras, die man aber nur erhält, wenn man sie in den Levels findet oder wenn man genug Medaillen erhält. Diese bekommt man bei guten Leistungen in den Levels und muss somit für 100% eine ganze Menge tun, denn die Anforderungen dazu sind teilweise sehr hoch.

 

 

Meckerecke

 

Neben der total verbockten Steuerung des Werigels, gepaart mit der schlechten Kamera gibt es noch ein paar andere Kritikpunkte. So sind zum Beispiel die Ladezeiten ein großes Minus, denn vor jedem Level dauert es einige Sekunden, bevor es los geht. Ebenso wird das Level jedes Mal komplett neu geladen, auch wenn man nach wenigen Sekunden wegen einem Lauffehler neu startet. Das ist vor allem dann nervig, wenn man auf Medaillenjagd ist und ziemlich oft und lange warten muss.

 

Mich hat auch gestört, dass die Entwickler die Weltkarte in zwei Abschnitte geteilt haben. Zum einen sieht man den Planeten und vor dort kann man auf die einzelnen Kontinente reisen und zum anderen gibt es auf jedem Kontinent ein Dorf, in dem man mit Leuten sprechen muss, um neue Levels zu finden. Dazu klickt man einfach nur auf einem Abbild des Dorfes verschiedene Orte an und erhält dann in Standbildern und mit Text eine Information. So findet man dann immer den Gaia-Tempel von wo aus man wiederum die verschiedenen Levels betreten kann. Hat man ihn einmal gefunden, dann geht das zum Glück auch direkt von der Weltkarte, aber dennoch ist dieser Zwischenschritt irgendwie nervtötend, da man immer nur klickt und Infos kriegt, klickt und Infos kriegt etc.

 

 

Vielen Dank an Sega für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Sonic Unleashed ist ein zweischneidiges Schwert. Die Taglevels sind genial und unglaublich fordernd ohne zu frustrieren, während die Nachtlevels durch die extrem schlechte Steuerung und die miese Kamera leider völlig verhunzt sind. Würde der Fokus nicht auch noch auf den dunklen Welten liegen, dann wäre das gar nicht so schlimm, aber so muss man sich oft durch 30 Minuten frustrierende Umgebungen kämpfen, um dann man wieder 10 Minuten mit dem Igel richtig Gas geben zu können. Technik und Umfang sind in Ordnung, wenn Sonic auch auf der Wii schon mal besser ausgesehen hat. Die brachialen Videos reißen das wieder raus, aber dennoch bleibt das Gefühl, dass das Spiel deutlich besser hätte sein können und müssen...

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

70%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

28.11.2008

Developer

Sonic Team

Publisher

Sega

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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