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Reviews: Nintendo Wii

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Soul Calibur Legends

Action

27.02.2009

Autor: Michael Lehmenkühler

 

 

Wenn über die besten Beat 'em Ups aller Zeiten diskutiert wird, fällt neben den üblichen Kandidaten wie Street Fighter, Tekken oder auch Smash Brothers seit einigen Jahren verstärkt ein Name: Soul Calibur. Die Serie, die noch auf Segas Sargnagel, der Dreamcast, ihre Geburtsstunde erlebte, ist spätestens seit der vergangenen Konsolengeneration auch Nintendos Jüngern ein Begriff. So gab sich schließlich niemand anderer als Nintendos zweitbedeutendster Hauptcharakter, Zelda-Held Link, die große Ehre und mischte die illustre Kämpfertruppe ordentlich auf. Neben eingängigem Gekloppe mit unterschiedlichsten Nahkampfwaffen sind jene Gastauftritte von diversen berühmten Charakteren aus Videospiel- und Filmszene zum größten Markenzeichen der Serie geworden. Kritiker bemängeln allerdings häufig an der Serie ein Fehlen an wirklichem Tiefgang im Kampfsystem, welcher zur Folge hat, dass Siege am einfachsten durch belangloses Button Mashing erzielt werden können. Zudem ist die häufig gezwungen und unpassend wirkende Implementierung von Charakteren aus ganz anderen Fantasyuniversen vielen Leuten ein Dorn im Auge, vor allem die Einbindung von den Star Wars-Legenden Yoda und Darth Vader im jüngsten Ableger Soul Calibur IV ging vor allem Star Wars Fans entschieden zu weit.

 

Soul Calibur meets Double Dragon

 

Doch genug von der Geschichtsstunde an dieser Stelle, widmen wir uns doch dem ersten Spin-Off der Soul Calibur-Reihe! Es handelt sich hierbei um Soul Calibur Legends, welches den Nintendofans exklusiv für die Wii als Trostpflaster für das Nichterscheinen von Soul Calibur IV auf der Wii aufs Auge gedrückt wurde. Hierbei handelt es sich, wie bei einem Serien Spin-Off üblich, um einen Ableger der Serie, welcher die bekannten Charaktere in ein völlig anderes Genre entführt. Dennoch werden bei diesem Titel die Markenzeichen wie das leicht verdauliche Gameplay und die Involvierung von Gastcharaktern übernommen. Soul Calibur Legends wirft nämlich Serienikonen wie Siegfried und Ivy blind in ein Hack ’n Slay-lastiges Actionspiel - wäre ja durchaus möglich, dass sie sich in diesem Genre wohl fühlen könnten! Und Schwertkämpfe funktionieren mit der Wiimote doch sicher auch ohne das eigentlich dringend nötige Wii MotionPlus ganz passabel, oder etwa nicht? Dazu werfen wir noch einen beliebten Rollenspielhelden in den Mix und es könnte doch ein gutes Spiel dabei herauskommen! Ob Namco dies geschafft hat, werde ich jetzt näher beleuchten.

 

 

Die stinklangweilige Geschichte zweier Schwerter

 

Storytechnisch spannt der Titel den Bogen zwischen den Spielen Soul Blade und Soul Calibur I und lässt den Spieler zu Beginn in die Rolle des blonden Serienurgesteins Siegfried schlüpfen, welcher schon früh in den Besitz des Schwertes Soul Edge gelangt, dieses aktiviert und somit unbewusst eine Invasion von bösartigen Monstern und Kreaturen auslöst. Da der Oberschurke König Barbaros in den Besitz des Schwertes Soul Calibur, welches das Gegenstück zu Soul Edge darstellt, gelangt ist, attackiert er mit einer gewaltigen Streitmacht Wien, die Hauptstadt des römischen Reiches. Der regierende Kaiser gibt Siegfried daraufhin den Auftrag, das mittlerweile in diverse Fragmente aufgesplitterte Schwert Soul Edge, wiederherzustellen, um damit den fiesen Barbaros das Fürchten zu lehren.

 

Somit pendelt man daraufhin von Ort zu Ort und Kontinent zu Kontinent, um die diversen Fragmente zu sammeln und bekommt dabei im Laufe der Geschichte Unterstützung von einigen anderen bekannten Figuren der Serie wie z.B. die seit jeher allseits beliebte Ivy oder Sophitia. Als Gastpromi gibt sich zudem Lloyd Irving, bekannt als debiler Hauptcharakter vom Rollenspielhit Tales of Symphonia, die Ehre, da er angeblich die Schwerter für Exspheres hält. Aha. Ob dies als Begründung ausreicht, sollte jeder für sich entscheiden, ich finde seine Involvierung immerhin nicht halb so unpassend wie die von Yoda und Vader. Insgesamt dürfte die Serie aber auf Dauer doch auch mal ohne Gaststars auskommen…

 

Die knapp zehn Stunden umfassende Story erzählt sich die meiste Zeit über in Form von Textfenstern und Dialogen, bewegte Bilder gibt es äußerst selten zu sehen. Sprachausgabe ist bei den Dialogen auch nicht vorhanden, so dass fleißig gelesen werden muss, was schon bald gewaltig nervt, da die allermeisten Gespräche einfach verdammt langweilig geschrieben sind, nur selten wird wirkliches Interesse an der Story geweckt. Diese plätschert dann auch so vor sich hin, während man seine Heldentruppe mehrmals über den Globus jagt. Einige Wendungen gegen Ende des Spiels werten die ansonsten einschläfernde Geschichte schlussendlich ein wenig auf, insgesamt ist sie jedoch sehr schwach und nur deshalb zu tolerieren, da es sich ja schließlich um ein Hack ’n Slay-Spiel handelt. Stumpfes Gekloppe, das geht ja eigentlich auch ganz ohne Story ;). Als Fan von Spielen wie Double Dragon, Turtles in Time oder Final Fight hat mich der Actionanteil deshalb natürlich am meisten interessiert.

 

 

Solides Geschnetzel

 

Die packenden Duelle aus den Beat ’em Ups wurden also durch Schlachten gegen teils sehr große Gegnerhorden ersetzt, die im Punkto Anspruch den von mir genannten Vorzeigekloppern auch im Grunde in nichts nachstehen. Es gibt nämlich keinen ;). So prügelt man sich munter durch die Massen an Monstern und merkt, dass das stupide Gekloppe mitunter durchaus unterhaltsam ist, der ganz große Spielspaß aber irgendwie doch nicht aufkommen mag.

 

Dies liegt zum einem kleinen Teil daran, dass die im Prinzip solide durchdachte Wiimotesteuerung auch grundsolide funktioniert, mehr Spaß macht es auf diese Art und Weise aber dann irgendwie doch nicht. Die Erkennung der Bewegungen bei den horizontalen, vertikalen und stichartigen Hieben funktioniert, aber mehr Spaß als bei einer traditionellen Buttonssteuerung kommt nicht auf. Manch einen wird die Steuerung wohl auch nerven, wobei man ihr zugute halten muss, dass sie weniger aufgesetzt wirkt als bei den meisten Wii-Spielen. Die Steuerung ist im Bereich der Bewegungserkennung also okay, der große Heilsbringer ist sie allerdings nicht. Mangelhaft ist die Steuerung vielmehr bei den Sprüngen der Charaktere. Diese hüpfen derart steif und ungelenk durch die Gegend, dass man das Gefühl hat, die Sprunganimationen wurden einfach direkt aus Soul Calibur 2 entnommen. Da es kein Jump ’n Run ist, ist dies natürlich auch kein Riesenkritikpunkt, aber es trägt durchaus zum durchwachsenen Gesamteindruck bei. Alles in allem ist die Steuerung recht okay, Combos und bekannte Specialmoves (sogar von Lloyd!) sind nett inszeniert, aber wirklich auch nicht mehr als „nett“. Dass das Gekloppe sich nicht zu einer riesigen Spaßbombe entwickelt, liegt im Wesentlichen am inspirationslosen Missions- und Gegnerdesign. Hier wird Einheitsbrei geboten, soweit das Auge reicht und sorgt mit den sich ständig wiederholenden Aufgaben auf Dauer eher für Langeweile. Klar, bei Double Dragon, Turtles & Co kloppt man sich im Prinzip auch nur durch die Level und macht nichts anderes. Diese Titel glänzen allerdings dafür mit Charme, coolen Gegnern, verrückten Settings und nicht zuletzt bärenstarkem Coop-Multiplayer.

 

Letzteren bietet Soul Calibur Legends immerhin auf dem Papier, doch hierbei handelt es sich eher um die größte Enttäuschung des Titels. So lassen sich nämlich nur einzelne Level des Hauptspiels zusammenhanglos kooperativ nachspielen, ein komplettes Durchzocken im Team ist nicht möglich. Eigentlich ist dies schon als Motivationskiller groß genug, wird jedoch noch vom genutzten Vertikalsplitscreen getoppt. Gab es schon jemals Spiele, bei denen eine vertikale Bildaufteilung sinnvoller als eine horizontale war? Wohl eher selten. So ist es auch in diesem Falle, die Übersicht und Orientierung wird einem ganz schön schwer gemacht. Warum werden eigentlich nicht beide Arten der Bildschirmaufteilung angeboten? Fragen über Fragen. Jedenfalls macht das Spiel kooperativ deutlich weniger Spaß als alleine und das bei einem Hack ’n Slay zu erreichen ist schon eine ganz große Kunst.

 

Ein weiterer Multiplayermodus, in welchem man in einer Arena um die Wette Monster plättet, ist belanglos und der gebotene Versusmodus ein lächerlicher Versuch, zumindest einen Hauch von Bea t’em Up ins Spiel zu bringen. Gab es schon mal Hack ’n Slays mit gutem Versus-Modus? Dieser Modus wirkt auf mich schon fast so, als wollten sich die Entwickler über die Nintendofans lustig machen, die statt eines echten Soul Calibur-Beat ’em Ups nun so etwas geboten bekommen. Aber genug Verschwörungstheorie von meiner Seite.

 

Auch der Singleplayer bietet ansonsten noch einige haarsträubende Qualitätsmängel. Vor allem die grenzdebile Kameraführung muss hier stark kritisiert werden. Die Kamera klebt so stur hinter den Charakteren, dass Redaktionskollege Faddor und ich uns bei einem Endkampf gegen einen riesigen Drachen (prinzipiell noch einer der coolen Gegner, wiederholt sich dann nur ständig…) direkt an den Klassiker Phantasy Star Online erinnert fühlten. Hier war es auch so - bei den Endgegnern sah man dank erbärmlicher Kamera oft nur die Füße :D.

 

Während es oft an einer gewissen Übersicht mangelt, mangelte es den Leveldesignern wohl oft an Kreativität. So fiel es auch Argusauge Faddor auf, dass man in fast jedem Level zu Beginn irgendwo hoch rennt und mit herunterrollenden Felsbrocken konfrontiert wird. Und das in wirklich fast jedem Level. Im Laufe des Spiels nimmt das dann schon fast Slapstick-artige Ausmaße an, so dass man das Spiel irgendwann kaum noch ernst nehmen kann, was aber auch irgendwie für Lacher sorgt. Ebenfalls lustig ist, dass Soul Calibur Legends wohl das erste Spiel ist, in welchem man ganze Flammenwände durch einzelne Schwerthiebe löschen kann. Diese lange Liste an Mängeln wollten die Entwickler wohl durch verschiedene, pseudomotivierende Rangsysteme kompensieren, die aber im Prinzip völlig belanglos sind. So werden die einzelnen Missionsleistungen bewertet und man steigt auf einer Liste von Rängen auf, die aber das Spiel ansonsten gar nicht beeinflussen. Zudem erhalten die Charaktere verschiedene Waffen, die sich auch hochleveln lassen. Inwiefern bzw. ob sich die Waffen und die verschiedenen Level überhaupt voneinander unterscheiden, dies lässt sich nicht wirklich ermitteln.

 

Während das Spiel also in den bisher angesprochenen Bereichen zwischen solide und grottenschlecht pendelt, zieht die technische Umsetzung des Spiels den Titel noch einen Tick weiter nach unten.

 

 

Spiele ich hier einen PS2-Port?

 

Die Optik erinnert nämlich gewaltig an Playstation 2-Spiele und noch nicht einmal an optisch gute. Zwar denkt man sich an wenigen Stellen des Spiels „Och, sieht doch eigentlich ganz hübsch aus“, dennoch sind solche Momente absolute Mangelware, insgesamt wäre der Titel grafisch selbst vor Jahren im Niemandsland der Wertungsregionen gelandet. Es ist zwar kein totaler Augenkrebs-Verursacher, für einen Wii-Titel in jeder Hinsicht unzureichend. Die 3 auf unserer Grafikwertungsskala gibt es auch nur, weil ich gerade so freundlich bin und eine 2,5 mathematisch korrekt aufrunde ;). Die selten genutzte Sprachausgabe ist hingegen okay, Musik und Soundeffekte machen ihre Sache relativ gut, bleiben aber nach dem Spielen nicht im Gedächtnis hängen.

 

Insgesamt ist der Titel ein akzeptables, aber nicht gutes Hack ’n Slay-Spiel geworden. Zwar nicht der von vielen erwartete Supergau, aber auch keine positive Überraschung!

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Beinharte Fans der Serie können einen Blick riskieren, sofern sie denn nicht allzu viel Geld dafür rauswerfen. Selbiges gilt für Hack ’n Slay-Freunde. Tales of Symphonia-Fans brauchen nicht extra wegen Lloyd einen Blick riskieren, im Grunde ist sein Auftritt nicht der Rede wert. Persönlich würde ich das Spiel allerdings boykottieren, um den Entwicklern zu zeigen, dass Nintendofans sich nicht alles gefallen lassen. Als Ersatz für das uns enthaltene Soul Calibur IV ist dieser Titel ein Witz. Wir sind Marktführer, wir verdienen Besseres ;).

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

60%

Singleplayer

40%

Multiplayer

Release

28.08.2008

Developer

Namco

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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