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Reviews: Nintendo Wii

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Tenchu: Shadow Assassins

Action

22.03.2009

Autor: Martin Küpper

 

 

Aus dem Schatten

 

Im Jahre 1998 erschien der erste Teil der Tenchu-Reihe, der neben Metal Gear und Thief als Mitbegründer des Stealth-Genres gilt. Im Gegensatz zu den beiden anderen Serien schaffte es Tenchu aber nicht, die Qualität zu steigern. Während Metal Gear Solid 4 das Genre auf ein völlig neues Niveau hob und von Fachpresse wie Fans gleichermaßen gefeiert wurde, haben die letzten Episoden der Tenchu-Reihe nur durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Wertungen bekommen.

 

Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass die Spiele nicht mehr in der Obhut von Acquire, dem Team hinter den ersten Playstation Teilen, entwickelt wurden. Nun ist das japanische Team zurück und versucht mit Tenchu: Shadow Assassins an die Erfolge vergangener Tage anzuknüpfen. Angesiedelt im mittelalterlichen Japan, genauer gesagt in der Edo Zeit (etwa um 1700), gilt es in Tenchu: Shadow Assassins die Tochter des Hauses Gohda zu retten und einen drohenden Krieg zu vereiteln.

 

Dazu schlüpft man in die Rolle der aus den Vorgängern bekannten Ninjas Rikimaru und Ayame und schleicht sich von Schatten zu Schatten durch die in 10 Kapitel unterteilte Kampagne, stets drauf bedacht, nicht entdeckt zu werden. Wie für das Genre üblich sollte man mit den zahlreichen Wachen nämlich nicht direkt auf Tuchfühlung gehen, sondern möglicht versuchen, unerkannt zu bleiben. Dazu huscht man mittels einer Schwungbewegung der Wii-Remote von Gebüsch zu Gebüsch, kriecht unter Vorsprünge, klettert über Balken und löscht störende Lichtquellen aus. Ein Mondsymbol, das an der linken unteren Bildschirmecke abgebildet ist, zeigt dabei immer an, wie gut man versteckt ist. Ist der Mond von Wolken vollkommen bedeckt, ist man quasi unsichtbar; Ist er hell erstrahlt sollte man sich schnell ein besseres Versteck suchen.

 

Eine weitere Hilfe ist auch das „Innere Auge“. Mit dieser Funktion kann man Lichtquellen (blau markiert) und Feinde (rot markiert) besser ausmachen. Doch Vorsicht, besonders gut getarnte Gegner kann man damit nicht erspähen. Hier kommt die Shinobi-Katze ins Spiel, die neben dem Schatten vielleicht der beste Verbündete des Ninjas ist. Mit ihr ist es möglich, Feinde – auch die gut versteckten – zu erspähen, die Gegend zu erkunden und Gegenstände zu transportieren und das völlig ohne Gefahr, denn wer verdächtigt schon eine harmlose Katze.

 

Abgesehen davon, birgt das Repertoire der Ninjas neben Shuriken und Co. noch weitere kreative Gegenstände. So kann man mit dem Bambusrohr etwa unter Wasser atmen und, sofern es mit Wasser gefüllt ist, auch größere Lichtquellen löschen. Kenner der Vorgänger, werden aber den Wurfhaken vermissen, der einen mit Schwung auf Dächer katapultierte.

 

 

Der Zorn des Himmels

 

Angesichts der Altersfreigabe ab 18, dürfte es wenig überraschend sein, dass Tenchu: Shadow Assassins trotz großem Versteckspiel nicht ganz ohne Feindkontakt auskommt. Lauert man einer Wache auf oder pirscht sich von hinten an sie ran, blinkt der A-Knopf im Bild auf. Drückt man ihn, aktiviert man einen Todesstoß, den man mittels eines Quik Time Events vollendet. Normalerweise reicht eine einfache Bewegung mit der Wii-Remote aus, doch besondere Todesstöße verlangen eine besondere Technik.

 

Richtig ärgerlich wird es, wenn man das Quick Time Event vermasselt, oder schon vorher von einem Feind erwischt wird. Sofern ma ein Schwert bei sich trägt, muss man sich in einem direkten Duell stellen, wobei die Ansicht in die Ego-Perspektive wechselt. Bevor man selbst angreifen kann, muss man die Angriffe des Gegners parieren. Dazu hält man die Wii-Remote so, dass die Klinge des Gegners, deren Einschlag kurz vorher angezeigt wird, sich mit der eigenen kreuzt. Hier ist schnelle und präzise Reaktion gefragt, zumal das Schwert bei ungenauer Abwehr ebenfalls Schaden nimmt und brechen kann. Somit ist es fast unmöglich in einem Schwertkampf, gerade mit mehreren aufeinanderfolgenden Gegnern, die Oberhand zu behalten.

 

Hat man das Duell verloren, wird man an den Anfang des Abschnittes (vergleichbar mit Checkpoints während des Kapitels) zurückversetzt. Selbiges passiert auch, falls man sich ohne Schwert in der Hinterhand erwischen lässt. Der Fortschritt im Level wird aber gespeichert, was bedeutet, dass besiegte Gegner tot bleiben und gelöschte Lichtquellen noch immer erloschen sind. Man kann sich darüber streiten, ob dies sinnvoll ist, da es einerseits den – ohnehin schon großen – Frustfaktor senkt, andererseits das Schleichen aber prinzipiell unnötig macht. Letztendlich hängt es schließlich vom Spieler ab, ob er die Tatsache ausnutzt oder eben nicht.

 

 

Grafik, Sound und Umfang

 

Die Geschichte selbst ist nicht besonders lang und kann – sofern man sich nur selten erwischen lässt – in etwa sechs Stunden beendet werden. Für Langzeitmotivation sorgt es, dass man nach jedem Kapitel, je nach dem wie schell, leise und tödlich man war, einer Rangstufe zugeteilt wird. Durch gute Ränge schaltet man neue Missionen frei, in denen man kurze Passagen, die meistens leider direkt aus der Story stammen, unter Zeitdruck absolvieren muss. Auch hier wird man wieder bewertet und kann durch den Abschluss bestimmter Missionen neue Gegenstände wie Schwerter und Kleidung frei schalten.

 

Die Präsentation des Titels kann sich durchweg sehen lassen. Zwar ist die Grafik technisch nicht auf den höchstem Level, schafft es aber mit stimmigen Settings und allerlei Effekten (besonders schön: Regentropfen) eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Auch die Animationen sehen – gerade bei den Todesstößen – wirklich geschmeidig aus. Nur einige Klippingfehler und die immergleichen Gegner stören das Gesamtbild etwas. Das gleiche gilt für den Sound, der mit klanghaften japanischen Melodien und englischer Sprachausgabe daher kommt und die gelungene Atmosphäre unterstreicht. Doch leider gleichen sich die Wachen nicht nur vom aussehen, sondern auch klanglich viel zu sehr.

 

 

Meckerecke

 

Obwohl Tenchu: Shadow Assassins vieles richtig macht, gibt es leider auch einiges zu bemängeln. Trotz vieler kreativer Ideen mangelt es nach einer Weile nämlich an Abwechslung, da sich die Spielelemente viel zu schnell und oft wiederholen. Der lineare Levelaufbau, der einem höchstens eine alternative Rute bietet, macht das leider auch nicht besser.

 

Die an sich gelungene Steuerung ist zwar eine gute Mischung aus Knöpfen und Bewegung, doch an einigen Stellen, wo Bewegung durchaus Sinn gemacht hätte, wird auf sie verzichtet. Wieso zielt man beim Wurf eines Shuriken etwa mit dem Analogstick und nicht mit der Pointer-Funktion?

 

Der größte Knackpunkt ist aber, dass es viele frustrierende Stellen gibt, die den Spielspaß mindern und dass die Gegner scheinbar nicht viel in der Birne haben. Wieso sehen sie den toten Kameraden, der direkt neben ihnen liegt, oftmals nicht? Wieso vergessen sie einen misslungenen Angriff nach kurzer Zeit wieder?

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Wer mich beim spielen von Tenchu: Shadow Assassins gehört hat, wird nach all meinem Gefluche wohl eine vernichtende Wertung erwarten, aber das ist weitaus nicht der Fall. Sicher, es gibt viele Frustmomente und auch sonst ist das Spiel keinesfalls ohne Ecken und Kanten, aber insgesamt ist es echt ein gutes Spiel. Die dichte Atmosphäre versetzen einen direkt ins alte Japan, wo man – zumindest solange alles klappt – spaßige Stunden von Schatten zu Schatten huscht. Wenn Acquire an dieser Stelle ansetzt und an den vielen Kritikpunkten arbeitet, ist beim nächsten Tenchu auch ein Jubelschrei drin. So reicht es nur für ein stummes Nicken.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

73%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

05.03.2009

Developer

Acquire

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

18+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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