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Reviews: Nintendo Wii

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Blazing Angels: Squadrons of WWII

Action

18.04.2007

Autor: René Schäfer

 

 

Die glühenden Engel

 

Es ist 1939. Die Nazis haben gerade Polen überfallen und der Krieg an der Westfront beginnt. England bittet die Amerikanische Armee aus Furcht vor einem Einmarsch der Deutschen um Hilfe. Natürlich lässt die US-Armee ihre Verbündeten nicht im Stich und schickt eine Truppe von Hilfskräften in das vereinigte Königreich. Einer der US-Soldaten hat gerade erst seine Ausbildung zum Piloten abgeschlossen und weiß noch gar nicht so recht, was gerade mit ihm passiert. Herzlich Willkommen in Blazing Angels: Squadrons of WWII.

 

Nach diesem kleinen Intro schlüpft ihr in die Rolle des angesprochenen jungen Soldaten, dessen Abenteuer auf einem Übungsgelände irgendwo in England beginnt. Ihr befindet euch sofort im Cockpit der alten Kampfflugmaschine Gladiator und bekommt erste Einweisungen. Schließt ihr dieses Tutorial erfolgreich ab (dazu später mehr) werdet ihr Mitglied der Fliegereinheit „Blazing Angels“. Ihr übernehmt die Rolle des Chef und Kommandanten der „Blazing Angels“, einer Staffel von vier Piloten, die den Himmel über den Schlachtfeldern des zweiten Weltkriegs beherrschen soll und somit den Deutschen keine Chance ihr Ziel zu erreichen. Dabei steuert ihr selbst ein Flugzeug und könnt euern Flügelmännern per Tastendruck auch noch Befehle wie Ablenkungsmanöver, offensives oder defensives Verhalten oder gezielte Angriffe geben.

 

Dabei kommt ihr ganz schön rum. Startet man im recht tristen England, kommt ihr über das französische Dünkirchen nach Afrika, Pearl Harbor und Berlin. Dabei bekommt euer Auge einiges zu sehen und eurem Talent als Pilot wird einiges abverlangt. Zwar ist das Zweiter Weltkrieg-Szenario schon etwas abgenutzt, in Blazing Angels tut das dem Spaß aber keinen Abbruch.

 

 

Mit dem Steuerknüppel in der Hand …

 

Blazing Angels kommt mit einem großen Aufgebot an Steuerungsmöglichkeiten daher. Ihr könnt zwischen fünf unterschiedlichen Steuerungsvarianten entscheiden, die jeweils noch in Simulation und Arcade anwählbar sind. Dieses Feature kann vor allem im Multiplayer-Modus glänzen, denn so kann man auch mit Freunden spielen, wenn man nicht gerade einen zweiten Nunchuk zur Hand hat.

 

Aber fangen wir vorne an. Legt ihr Blazing Angels zum ersten Mal in euer Wii-Laufwerk und wählt dann den Kampagne-Modus an, werdet ihr in einem charmanten Tutorial mit der Standardsteuerung bestens vertraut gemacht. Ihr startet auf einer Flugbahn mitten im Nirgendwo und müsst zuerst einmal eure Maschine in die Luft bekommen. Dazu drückt ihr den Analogstick des Nunchuks nach vorne um zu beschleunigen. Habt ihr eurer Meinung nach genug Tempo aufgenommen, zieht ihr den Nunchuk genau wie einen richtigen Steuerknüppel nach oben um abzuheben. Geschafft, ihr fliegt!

 

Um euch auch in der Luft zu halten, bekommt ihr von einem netten Kollegen ein paar hilfreiche Einweisungen, wie ihr euren Ersatzsteuerknüppel bewegen müsst, um die gewünschten Manöver auszuführen. Auch wenn man im ersten Moment etwas erschrickt, weil das Flugzeug gleich auf jede kleinste Bewegung eurer Hand reagiert, gewöhnt man sich doch relativ schnell an die intuitive Steuerung. Da ihr mit der Standardsteuerung fliegt (falls ihr nicht zuvor im Optionsmenü eine andere gewählt habt), bewegt sich das Flugzeug nach rechts, wenn ihr euren Nunchuk nach rechts dreht und dementsprechend nach links, wenn ihr ihn nach links bewegt. Stellt ihr die Steuerung auf Simulation ein, wird das ganze um einiges erschwert, denn dann macht euer Flieger eine Rolle in die Richtung in die ihr euren Controller neigt.

 

Habt ihr euch mit der Steuerung ein wenig vertraut gemacht, stehen spannenden Dogfights mit euren Gegnern nichts mehr im Weg. Erleichtert wird das ganze noch durch eine integrierte Verfolgungskamera, die ihr mit gedrückter A-Taste aktiviert. Wie der Name schon sagt, wird dann ein Gegner anvisiert, damit ihr ihn bei den riesigen Luftschlachtfeldern nicht aus dem Auge verliert. Außerdem hilft diese Kamera euch enge Kurven zu fliegen, damit ihr euren Gegnern auch wirklich folgen könnt, die oft richtig schnell unterwegs sind.

 

So schön dieses Feature auch ist, kann es in manchen Spielsituationen, vor allem am Anfang wenn man noch nicht so mit der Steuerung vertraut ist, behindern. Denn man vergisst schnell, dass man den A-Knopf gerade immer noch drückt, wenn man kurz vor einem Absturz ist und wild mit dem Nunchuk rumfuchtelt, weil man nicht wirklich sieht wo man hinfliegt. Schade ist auch, dass man den anvisierten Gegner nicht per Tastendruck wechseln kann. Verfolgt man gerade einen feindlichen Bomber und sieht einen anderen kleinen feindlichen Flieger an sich vorbeirauschen, muss man die Verfolgungskamera erst ausschalten, damit man diesen dann auch treffen kann. In der Zeit, wo man diese zwei Buttons kurz drückt, ist der vorher anvisierte Gegner, in diesem Fall der Bomber, schon wieder weg und man muss sich neu nach ihm umsehen.

 

Leider ist die Übertragungsrate der Signale zwischen Konsole und Controller etwas niedrig und nicht einstellbar, sodass die Flugzeuge zwar nur minimal versetzt auf eure Bewegungen reagieren, dadurch aber trotzdem etwas träge wirken. Diese fiese Eigenschaft erschwert einige Missionen ungemein und frustriert den Spieler unnötig.

 

Ein weiterer kleiner Frustfaktor könnte das kleine graue Fadenkreuz sein. An sich gut gelungen und eine gute Orientierungshilfe ist die Farbe jedoch nicht ganz so glücklich gewählt. Fliegt man über das nebelbedeckte graue London, durch große graue Wolken oder Rauchschwaden vorangegangener spektakulärer Explosionen ist der Chamäleon-Effekt perfekt – grau in grau!

 

 

… über Stadt, Land, Fluss

 

Im Gegensatz dazu kann Blazing Angels: Squadrons of WWII ansonsten mit einem schönen Potpourri an Grafiken punkten. Man könnte meinen, dass es in einem Weltkriegs-Flugspiel recht monoton zur Sache gehen wird. Wie gesagt… man könnte.

 

Wirken die Szenarien des Spiels am Anfang wirklich etwas eintönig, weil man nur weite Felder oder Häuserdächer zu sehen bekommt, gibt es ab der dritten Mission doch schon leichte Hinweise auf die folgenden Schlachtfelder. Eure Aufgabe ist es nämlich, bei der Evakuierung Dünkirchens zu helfen, indem ihr deutsche Flieger- und Marineeinheiten davon abhaltet die Rettungsschiffe zu bombardieren. Dabei bekommt ihr einen richtig gut inszenierten Hafen zu sehen.

 

 

Und was darf an keinem Hafen fehlen? Richtig: Wasser.

 

Die Wassereffekte in Blazing Angels sind für Wii richtig gut gelungen. Zwar verwischen die Texturen etwas, je näher man sich dem Meeresspiegel nähert, aber aus der Luft, wo man sich ja die meiste Zeit aufhält, wirken die kleinen Wellen und Ströme richtig gut animiert. Werdet ihr selbst mal abgeschossen, bekommt Probleme mit der Verfolgungskamera, ähnlich der die ich oben beschrieben habe, oder stürzt auf irgendeine andere Art und Weise ins Wasser ab, bekommt ihr eine schöne Explosion mit entsprechend hoher Wasserfontäne zu sehen, die euch grafisch zwar nicht vom Hocker hauen wird, aber auch nicht von den schlechtesten Eltern ist.

 

Ein weiterer großer grafischer Pluspunkt sind die Spiegelungen der Sonnenstrahlen auf dem Wasser. Fliegt ihr bei Sonnenuntergang, erwartet euch eine phantastische Atmosphäre mit rot-goldenem Himmel und einem wunderschönen Meer. Aber nicht nur ein Sonnenuntergang über offenem Meer sorgt für eine gute Atmosphäre, auch Rauchschwaden über Schlachtfeldern zu euren Füßen oder Sandstürme in afrikanischen Wüsten lassen euch als Spieler nicht einmal daran zweifeln, ob ihr euch wirklich gerade in der richtigen Schlacht befindet.

 

Wie in einen Hafen Wasser gehört, gehören Wolken in die Luft. Und die sehen auch gar nicht mal so schlecht aus. Fliegt ihr durch eine, wird der Bildschirm nicht einfach nur grau, sondern ziemlich Texturreich und an einigen Stellen etwas durchsichtig, wie bei einer richtigen Wolke. Aber ihr könnt nicht nur in die Wolken hinein fliegen, ihr könnt auch über sie hinaus. Und über den Wolken sieht’s genauso aus, wie man es sich vorstellt. Unendliche Weite (die leider durch eine unsichtbare Wand begrenzt ist) und eine fast lückenlose grau-weiße Wolkendecke unter einem.

 

Blazing Angels spielt zwar in der Luft, aber trotzdem hat man auch am Boden an alles gedacht. Deshalb könnt ihr euch auch getrost mal unter euch umgucken und in London zum Beispiel am Big Ben vorbeifliegen oder die Tower-Bridge besuchen. Die Entwickler haben sich mit der Landschaftsgestaltung offensichtlich ziemliche Mühe gegeben, auch wenn einige Bäume etwas deplaziert oder einfach nur ins Szenario reinkopiert wirken. Ein anderer Kritikpunkt sind die ständigen Pop-ups. Nähert ihr euch dem Boden, seht ihr hier und da mal ein kleines Häuschen oder einen Baum innerhalb einer zehntel Sekunde aufgebaut und wieder verschwinden, wenn ihr euch entfernt.

 

So schön oder manchmal auch weniger schön die Grafik des Spiels auch sein mag, sind die Missionsziele doch tatsächlich etwas eintönig. Die meiste Zeit versucht ihr nur die deutsche Armee davon abzuhalten ihre Ziele zu erreichen, indem ihr sie bombardiert oder unter Sturmfeuer setzt. Zwar lenken kleine Missionen wie Aufklärungsflüge zwischendurch ein bisschen davon ab, drüber hinwegzusehen wird allerdings äußerst schwer.

 

Hat man also genug vom ewigen Ballern auf CPUs und will sein Können als Pilot auch gegen richtige Intelligenz unter Beweis stellen, sollte man sich am besten einen guten Freund schnappen und ihn auf eine Runde Blazing Angels Multiplayer einladen. Hierbei könnt ihr und euer Freund euch dann im klassischen Splitscreen Dogfights erster Klasse liefern. Vorausgesetzt ihr beiden beherrscht die Steuerung richtig gut, denn sonst artet es schnell in großer Verwirrung und wildem Rumgefuchtel mit beiden Controllern aus. Apropos Controller: Wie oben schon angedeutet, kann sich natürlich auch jeder von euch beiden seine favorisierte Steuerungsvariante aussuchen, weshalb es nicht zwingend erforderlich ist, zwei Nunchuks sein Eigen zu nennen.

 

Hapert es bei euch noch mit der Steuerung, wird es ganz schnell unübersichtlich. Die kleinen eingeteilten Screens erscheinen viel zu klein und nur die Hintergrundgrafiken scheinen sich proportional verkleinert zu haben. Die Flugzeuge verändern ihre Größe kaum, sodass es selbst auf großen TV-Geräten etwas eng und überfüllt rüberkommt. Man verliert den Überblick, weiß nicht mehr wo man hin fliegt und zappelt hilflos um sich, in der Hoffnung die Maschine doch noch mal hochreißen zu können.

 

Leider besitzt das Spiel keinen Koop-Modus, sodass es euch nur möglich ist euch gegenseitig vom Himmel zu schießen und somit den Sieg zu ergattern. Alles in Allem also ein netter Multiplayer-Modus der euch aber auch nicht allzu lange fesseln wird.

 

 

Vorsicht! Sturmfeuer von rechts hinten!

 

Neben einer tollen Atmosphäre und netten Flugzeug-Modelle kommt Blazing Angels auch mit einer richtig guten Soundkulisse daher. Knarrende Motoren, donnernder Kugelhagel und eine spitzen Synchronisation überzeugen voll und ganz.

 

Da ihr einen jungen Amerikaner spielt sind eure Kollegen allesamt englischsprachig. Deshalb bleibt der Funk auch so wie er ist und wird nur durch Untertitel übersetzt, was für alle Spieler, die des Englischen mächtig sind ein wahrer Genuss sein wird. Denn nichts wäre schlimmer geworden, als eine schlechte deutsche Synchronisation der amerikanischen Blazing Angels. Für alle die, die nicht fließend Englisch sprechen, wird es an manchen Stellen etwas schwierig werden, den Untertitel verfolgen zu können, denn hier verhält es sich ähnlich wie mit dem Fadenkreuz –grau auf grau.

 

Aber nicht das ihr denkt, Blazing Angels hätte gar keine deutsche Synchronisation spendiert bekommen. So wie die amerikanischen Piloten Englisch sprechen, sprechen die deutschen Deutsch. Und hier verhält es sich ähnlich wie mit den amerikanischen Stimmen –sie sind perfekt. Zwar bekommt man keinen deutschen Humor zu Ohren, weil man die Stimmen nur hört, wenn man einen Flieger vom Himmel geholt hat und der Pilot versucht, einen letzten Hilferuf zu senden, aber das tut der Story und dem Realismus nur Gutes.

 

So gut die Synchronisation auch sein mag, musste ich mich ab und an mal dabei erwischen, wie ich meinen Kameraden einfach nicht zugehört hab und nur die, im wahrsten Sinne des Wortes, bombastische Soundkulisse auf mich einwirken lassen hab. Vom kleinsten Kugelschuss bis hin zur großen Bombe hört sich Blazing Angels bis auf den letzten Ton realistisch genug an, dass man schon mal vergisst, dass man noch in seiner Wohnung und nicht wirklich in hohen Lüften ist. Diese Eigenschaft wird natürlich umso mehr unterstützt, je lauter ihr eure Boxen aufdreht oder auch ein Dolby Pro Logic II Soundsystem anschließt, welches idealerweise vom Spiel unterstützt wird.


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Fazit

Trotz einem fantastischem Soundtrack, passabler Grafik und 20 vollwertigen Missionen, die für eine ordentliche Menge Spaß sorgen, konnte mich Blazing Angels nicht für lange Zeit am Stück vor den Fernseher fesseln. Das liegt weniger daran, dass man sich auf dem Bildschirm oft nicht mehr zu Recht findet, als das die Missionen nach zwei Stunden Spielzeit ziemlich ähnlich und unverändert wirken. Hat man erstmal alle Fähigkeiten seiner Flügelmänner freigespielt, bietet sich einem, außer neuen Szenarien, kaum etwas Neues. Dazu kommt noch die Ansiedlung im 2.Weltkrieg, was in der Videospielbranche eine längst ausgelutschte Thematik ist. Schlecht ist Blazing Angels aber keinesfalls, denn wenn man über diese ein, zwei Macken hinweg sehen kann, macht das Spiel richtig Spaß und wirkt durch die wunderbare intuitive Steuerung und der knackigen Soundkulisse überraschend realistisch, was aber leider durch die vielen grafischen Mängel wieder zerstört wird. Hinter seinem größten Konkurrenten „Heatseeker“ braucht sich Blazing Angels nicht zu verstecken, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich um einen der ersten Wii Titel und noch dazu um einen Xbox-Port handelt.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

gut

Spielspaß

ok

79%

Singleplayer

65%

Multiplayer

Release

22.03.2007

Developer

Ubisoft Bukarest

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

12+


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