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Reviews: Nintendo Wii

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The Conduit

Ego Shooter

26.07.2009

Zum Video-Review

 

Autor: Mario Kablau und Gunnar Schreiber

 

 

Es ward ein Hype geboren...

 

Die meisten Hersteller verstehen es, um ihr Spiel einen sinnvollen Hype aufzubauen, damit sich schon vor dem Verkaufsstart eine Fangemeinde bildet und der Titel ein Erfolg wird. „Die meisten“ schließt die aus, die Spiele für Wii machen, denn dort schafft kaum jemand, einen solchen Hype aufzubauen, abgesehen natürlich von Nintendo, wo das aber ganz von alleine passiert. Vor einer Weile hat sich jedoch ein kleines Entwicklungsstudio mit einem Titel an die Öffentlichkeit begeben und sie schafften es tatsächlich, einen großen Hype aufzubauen.

 

Der Weg zum Ziel war eigentlich ganz einfach, denn die Programmierer gingen schon an die Öffentlichkeit, lange bevor ein Publisher gefunden war. In einem für die Branche unüblichen Vorgehen wollten sie nämlich ihr Baby so weit wie nur irgend möglich alleine fertig stellen, bevor sie sich einen Vertriebspartner suchen, damit ihnen niemand in die Herstellung hineinfunkt. So wurde The Conduit vor einer halben Ewigkeit bei einem großen Online-Portal angekündigt und seitdem kamen fast wöchentlich neue Infos oder Videos heraus.

 

Die Macher versprachen großspurig, dass sie die Wii so ausreizen, wie es vor ihnen - vielleicht abgesehen von Nintendo selbst - noch niemand versucht oder gar geschafft hatte. Technisch sollte der Shooter das bieten, was bisher Besitzer von PS3 oder Xbox 360 vorbehalten war. Ebenso wurden eine umfangreiche Kampagne, ein guter Offline Mehrspieler-Modus, ein Wi-Fi Modus und sogar ein LAN-Modus versprochen. Als WiiSpeak von Nintendo angekündigt wurde, schoben die Jungs bei High Voltage gleich hinterher, dass damit Voice Chat natürlich auch bei The Conduit dabei sein würde. Es war sogar zwischendurch mal die Rede davon, dass Wii MotionPlus den Weg ins Spiel finden würde.

 

Jetzt, da es endlich erschienen ist, hat sich folgerichtig ein wenig Ernüchterung breit gemacht, denn leider gab es auf dem Weg zum Ziel einige Opfer, darunter Wii MotionPlus und die Offline- und LAN-Mehrspieler-Modi, wobei letztere offenbar Nintendo selbst unterbunden hat. Doch der Rest klingt immer noch ziemlich fantastisch und deshalb komme ich mit meiner wohl längsten Einleitung aller Zeiten endlich zum Ende und berichte euch vom Spiel, natürlich unterteilt in Einzel- und Mehrspieler und auch die Technik wird selbstverständlich mit dem Mikroskop seziert.

 

 

Mein Name ist Ford, Michael Ford!

 

Seit über sechs Monaten passiert etwas auf der Erde, das zu ungeahnten Konsequenzen führt. Das Phänomen, das am 19. März mit erhöhten Wasserpegeln zahlreicher Flüsse an der Ostküste der USA, verursacht durch eine ungewöhnliche Wetterfront, beginnt, nimmt schnell Fahrt auf. Genau einen Monat später taucht eine merkwürdige, grippeähnliche Krankheit das erste Mal auf, die sich, so vermutet man später, durch Wasser verbreitet. Besonders der US-Regierung setzt das hart zu, da viele Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen, was dann auch den Anschlag auf das weltbekannte Washington Monument Anfang August erst ermöglicht. Doch das ist nicht das Ende. Spätestens als am schon geschichtlich negativ geprägten 11. September eine Senatorin ermordet wird, ist das Chaos komplett. Genau 20 Tage später greift eine Abordnung des Secret Service den Präsidenten an, doch der Anschlag misslingt, weil ein Agent ihn vereiteln kann. Auch wenn dieser Agent, Michael Ford, eigentlich nicht zur direkten Leibgarde des mächtigsten Mannes der Welt gehört, rettet er ihm das Leben und wird so zum Helden.

 

Nach dem Anschlag wird Washington phasenweise geräumt und Agent Ford wird von John Adams, dem Mann an der Spitze der Schattenorganisation „Syndikat“, kontaktiert und beauftragt. Angeblich kommt die Order direkt vom Präsidenten, der die Aufklärung der Ereignisse nun seinem persönlichen Helden überlassen will. Doch schon bald stellt sich heraus, dass das alles nur Teil einer Vorschwörung ist und der angebliche Drahtzieher hinter dem Chaos in den Staaten eine ganz eigene Geschichte erzählt. Wer gut und wer böse ist und was die einzelnen Fraktionen eigentlich wollen, muss Ford alleine herausfinden...

 

Ganz so alleine ist er dann aber natürlich doch nicht, denn per Funk bekommt er Hilfe von unterschiedlichen Personen und verfügt außerdem über das so genannte ASA, das Alles sehende Auge. Im Laufe der ersten Mission findet er es und erfährt, dass er damit versteckte Hinweise finden, geheime Botschaften entschlüsseln, versperrte Türen öffnen, unsichtbare Gegner enttarnen und sogar Computer hacken kann. Dieses Element bringt als einziges wirklich frischen Wind ins Genre und sorgt in der Kampagne für ein wenig Abwechslung.

 

 

Wer zieht denn hier am Draht?

 

Während man Großteile dieser Hintergrundgeschichte tatsächlich leider nur dann erfahren wird, wenn man die Anleitung liest, geht es im Spiel selbst direkt zur Sache. In einer Art Prolog beginnt man fünf Tage in der Zukunft mit dem Kampf gegen seltsame Kreaturen, Außerirdische um genau zu sein. Wie bei Egoshootern auf der Wii üblich, steuert man Ford per Stick auf dem Nunchuk und schaut sich mit der Wii-Fernbedienung um. Die diversen Tasten setzt man ein, um Waffen abzufeuern, diese nachzuladen oder zu wechseln, sich zu ducken, zu springen, Granaten zu werfen und das Menü aufzurufen. Da in The Conduit aber alles, und ich meine wirklich alles, vom Spieler verändert werden kann, soll das dazu erstmal reichen.

 

Was die Retro Studios bei Metroid Prime 3 im Ansatz und EA mit Medal of Honor Heroes 2 in Vollendung geschafft haben, nämlich die scheinbar perfekte Shooter-Steuerung auf der Wii zu programmieren, wollten die Jungs von High Voltage natürlich noch übertreffen. Deshalb geben sie dem Spieler Freiheiten, von denen die meisten vermutlich nicht einmal wussten, dass es sie überhaupt gibt. So kann man zum Beispiel die Drehgeschwindigkeit auf einer Skala von 1-100 festlegen, die Empfindlichkeit des Zeigers und die Laufgeschwindigkeit einstellen, das Kameraverhalten ändern und den Totbereich der Wii-Fernbedienung verändern. Diese letzte Option ist besonders interessant, denn der Totbereich legt fest, ab welchem Punkt sich die Spielfigur zu drehen beginnt. Dazu kann man eine auf dem Bildschirm zentrierte Box beliebig in Höhe und Breite so verändern, dass es genau den eigenen Wünschen entspricht.

 

Darüber hinaus lassen sich ebenso die einzelnen Elemente auf dem Bildschirm so anordnen, wie einem das selbst am besten gefällt. Wer also die Waffenanzeige lieber direkt in der Mitte des Bildschirmes hat, der zieht sie im Optionsmenü ganz einfach da hin, ebenso wie alle anderen Anzeigen individuell versetzt werden können. Zu guter letzt lässt sich sogar die Sensorleiste kalibrieren, so dass man innerhalb des Sichtbereichs festlegen kann, wo genau die Mitte, wo links oben und wo rechts unten ist. Will man also eine sehr direkt Steuerung, dann legt man diese drei Punkte einfach ganz dich beieinander und schon fühlt es sich viel direkter an. Der Clou an dem Ganzen ist, dass man diese Einstellungen im laufenden Spiel direkt umsetzt, was man natürlich an einem ruhigen Ort und nicht inmitten einer großen Schießerei tun sollte. Mehr Einstellungen, was die Steuerung angeht, sind jetzt nur noch schwer vorzustellen. Damit haben die Macher auf jeden Fall den Benchmark gesetzt, an dem sich alle kommenden Titel messen lassen müssen!

 

 

Benutzen die etwa Alien-Technologie?

 

Wenn man den diversen Aussagen vor dem Release des Titels Glauben schenkt, dann verfügen die Programmierer wohl über eine Technologie, die bisher für Wii-Programmierer nicht zur Verfügung stand. So sollte The Conduit vor Effekten nur so strotzen, Texturen mit unglaublicher Schärfe bieten, detailliert modellierte Charaktere und Gegner präsentieren und das Ganze bei stabiler Framerate. Wer weiß, vielleicht haben sie ja eine Art Super FX Chip mit auf die DVD gebrannt.

 

Doch spätestens, wenn man selbst Hand angelegt hat, weiß man, dass das gar nicht nötig ist, denn ganz so perfekt, wie es gerne dargestellt wurde, ist das Spiel dann grafisch leider doch nicht geworden. Klar, die Texturen sind recht hoch aufgelöst und es wird nicht mit Effekten gegeizt, wobei vor allem das Abfeuern der Waffen und einige Endgegner extrem gut gelungen sind. Doch das Ganze hat auch seine Schattenseiten, denn es gibt nicht wirklich viele verschiedene Gegner und auch die Umgebungen wiederholen sich teilweise sehr häufig. Und das ist bei einem Umfang von etwa 5 Stunden (mehr, wenn man alle versteckten Items und Nachrichten finden will, wozu man aber jeden Level millimetergenau untersuchen muss) nicht ganz so toll. Dazu kommt, das Feuer und Explosionen wirklich schwach aussehen, die gab es schon auf dem N64 schöner, zum Beispiel bei Zelda...

 

Versteht mich nicht falsch, technisch ist der Titel schon sehr gut, aber künstlerisch deutlich von der Wii-Referenz Metroid Prime 3 entfernt. Ebenso können die Texturen nicht mit dem mithalten, was Super Mario Galaxy geboten hat. Beim Abwechslungsreichtum der Umgebungen sieht es ebenso aus. Sehr gut, ja, aber nicht das versprochene Nonplusultra.

 

Musikalisch bewegt sich das Spiel auch auf einem sehr hohen Niveau, vor allem, weil eine Sprache gefunden wurde, die sich durch das gesamte Abenteuer zieht, sowohl in ruhigen als auch in hektischen Momenten erkennt man den roten Faden. Auch die Sprachausgabe ist sehr gelungen, wenn auch leider nicht besonders toll abgemischt. Selbst wenn man Musik und Effekte im Soundmenü deutlich herunterregelt und den Fernseher aufdreht, kann man den englischen Dialogen nicht immer folgen. Ans Mitlesen der Texte auf dem Bildschirm ist in den meisten Situationen leider auch nicht zu denken, da man viel zu beschäftigt ist. Daher gibt es hier auch nicht ganz die Höchstnote.

 

Dafür ist die Steuerung, wie schon erwähnt, absolut perfekt und gibt nicht den kleinsten Ansatz zur Kritik, sogar die bisherige Referenz Medal of Honor Heroes 2 kann da nicht mithalten, es sei denn diese trifft zufällig genau den Nerv des jeweiligen Spielers. Ganz anders sieht es aber beim eben schon erwähnten Umfang aus. Klar, Conduit legt es auf den sehr umfangreichen Mehrspieler-Modus an, aber dennoch hätte ich mir von der Kampagne etwas mehr erwartet, nicht zuletzt, weil sie ziemlich abrupt endet. Da tritt man nichtsahnend in einen Conduit und auf einmal rollt der Abspann über den Bildschirm. Sehr seltsam. Das schreit natürlich nach einem Nachfolger, auf den ich mich dann auch jetzt schon freue. Aber darüber hinaus hat ja schon dieser Titel eine ganze Menge mehr zu bieten.

 

 

Gameplay, Waffen und Gegnerintelligenz von einem anderen Stern?

 

Wie oben bereits erwähnt, ist das Gameplay in The Conduit ziemlich gradlinig, man könnte auch meinen uninspiriert ausgefallen. Wer allerdings auf Egoshooter der alten Schule steht und keine großen Innovationen erwartet, wird durchaus seinen Spaß haben. Im Prinzip ballert ihr euch immer von A nach B durch und müsst zwischendrin kleinere Aufgaben erledigen wie Computer hacken oder Portale lahm legen. Das hat man natürlich in den letzten 15 Jahren seit den ersten Egoshootern alles schon zigmal gemacht. Gerade in den ersten Missionen, wo die Gegner- und Waffenvielfalt noch nicht so groß und die Levelstruktur teilweise recht monoton ist, kann schon temporär eine gewisse Langeweile aufkommen.

 

In späteren Missionen ändert sich das aber deutlich zum Positiven. Denn dann trefft ihr quasi in angenehmer Frequenz auf alle Arten von Gegnern, von manipulierten Menschen bis hin zu meterhohen Riesenaliens, von kleinen lästigen Selbstmordattentäterkrabbelviechern (ein Kandidat für das längste, jemals in einem Test verwendete Wort ;)) bis hin zu fliegenden Außerirdischen mit tödlichen Raketenwerfern. Da diese immer in einer großen Zahl auftreten, liegt die Schwierigkeit und Herausforderung darin, gezielt die Aliens zuerst auszuschalten, die am gefährlichsten sind, während man selbst am besten immer in der Nähe einer Deckung bleibt (vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden ist das sehr ratsam).

 

Die Gegnerintelligenz ist dabei sehr schwankend. Oft wirken die Aktionen der Feinde recht clever, weil sie gemeinsam auf Ford zustürmen und ihn so vor arge Probleme stellen. Nur wird man dann auch schnell feststellen, dass die meisten kaum mehr Verhaltensmuster als blindlings nach vorne zu preschen zu bieten haben. Nur die humanoiden Charaktere suchen selbst auch mal Deckung und werfen Granaten aus dem Hinterhalt.

 

Die Waffen, die dem Protagonisten zur Verfügung stehen, sind ziemlich abwechselungsreich: Sie reichen von recht authentischen Geschossen bis hin zu teils organischen und sehr unüblich aussehenden Alienwaffen. Das Konzept dahinter erinnert dabei sehr an das alte Perfect Dark auf dem N64. Während jeder Mission führt man eine Primär- und eine Sekundärwaffe bei sich, die man jederzeit wechseln kann. Darüber hinaus kann man unterschiedliche Granatentypen mit sich herumtragen.

 

Um sich im Laufe einer Mission den Gegebenheiten anzupassen, kann man neue Waffen finden (es gibt zum Beispiel versteckte Waffenkammern, deren Eingang samt Entschlüsselungsrätsel sich nur mit dem ASA entdecken lassen) oder einfach die fallen gelassenen Ballermänner der Feinde aufsammeln. Nach einiger Zeit wird aber jeder seine Favoriten für bestimmte Spielsituationen gefunden haben und trotz Waffenvielfalt eher stereotyp, weil letztendlich effizienter, vorgehen.

 

 

Online-Gaming mit allem Pipapo?!

 

Auf dem Papier ist der Multiplayer-Modus in High Voltages Actionspektakel das Nonplusultra: So bietet der Titel mehr als genug Spielmodi, alle Waffen der Kampagne, tolle Grafik, die kompletten Steuerungs- und HUD Optionen des Singleplayers, WiiSpeak-Unterstützung und vieles mehr. In der Praxis gibt es aber dennoch einiges zu meckern, auch wenn man das in den meisten Fällen eher als Jammern auf hohem Niveau abstempeln könnte.

 

Aber säumen wir das Pferd nicht von hinten auf und fangen von vorne an. The Conduit nutzt die Nintendo Wi-Fi Connection. Folglich werden Freundescodes benötigt, um in den Genuss des kompletten Multiplayers zu kommen. Was genau die Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Sessions sind, werde ich später noch genauer erklären. Jetzt erstmal zu den Gemeinsamkeiten.

 

Zur Auswahl stehen insgesamt 13 verschiedene Modi, die in die Kategorien „Jeder gegen Jeden“, „Teamschnitter“ und „Teamziel“ eingeteilt sind. In diesen Kategorien findet man meist klassische Modi wie Deathmatch oder Capture the Flag oder Variationen davon. Alle Modi sind mit bis zu 12 Leuten gleichzeitig spielbar. Online läuft das Ganze so ab, dass man zunächst eine Kategorie auswählt. Dann hat man für je das Waffenset (vordefinierte Sets: z.B. Menschenwaffen oder nur Fernkampfwaffen etc.), die Karte als auch den tatsächlichen Spieltyp eine Stimme. Per Mehrheitsprinzip oder Zufallsprinzip wird danach bestimmt, was tatsächlich gezockt wird. Für jedes Match sammelt man Erfahrungspunkte und steigt so sukzessive im Rang auf.

 

Die insgesamt sieben Karten sind alle gut erstellt und erinnern ebenfalls sehr an klassische Egoshooter. Während viele aktuelle Titel eher versuchen authentische, „natürlich“ gewachsene Umgebungen nachzuempfinden, wirken die Arenen in The Conduit absichtlich konstruiert. Die meisten sind eher symmetrisch aufgebaut, mit genügend Deckungsmöglichkeiten, Abkürzungen etc. Das ist besonders praktisch für Teamwettbewerbe, da es eigene Basen gibt, die sich gut verteidigen lassen und es umgekehrt schon einiges an Geschick und Teamgeist erfordert, die feindlichen Stützpunkte zu knacken.

 

Apropos Teamgeist: The Conduit bietet als erster Egoshooter für Nintendos aktuelle Heimkonsole WiiSpeak-Unterstützung und somit auch Voice Chat. Dieses aktiviert sich immer automatisch, sobald ein Freund im gleichen Match auftaucht, der ebenfalls das Kommunikationsgerät nutzt und aktiviert hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr ein reines Match nur mit Freunden macht oder an einer öffentlichen Session teilnehmt, was sehr lobenswert ist. Weniger lobenswert ist allerdings WiiSpeak selbst. Was ja bereits im Vorfeld lange spekuliert wurde, ist nun bewiesen: Nintendos Methode eignet sich nur bedingt für echtes Multiplayer-Gaming! Dafür ist die Sprachübertragung einfach zu unsauber. Selbst wenn man sämtliche Nebengeräusche im Spiel wie Musik oder SFX leiser und WiiSpeak auf volle Pulle stellt, ist es teilweise wirklich schwer mitten im Gefecht seine Kameraden zu verstehen. Etwas besser wird es, wenn man das Gerät dicht vor einem auf einem Tisch platziert oder noch besser einfach am eigenen Kopf fest tackert und deutlich rein spricht. Keine Angst: Letzteres machen wir nicht wirklich und wollen wir euch auch nicht empfehlen, aber es verdeutlicht die Problematik. WiiSpeak ist einfach kein Ersatz für ein richtiges Headset, aber immer noch besser als gar kein VoiceChat.

 

Die Freundescodeabfrage in The Conduit ist zum Glück komfortabler ausgefallen als in vielen anderen Spielen. So kann man vom Spiel aus auf das Wii Adressbuch zugreifen und allen bereits registrierten Usern eine Einladung schicken. Sind beide Partner automatisch legitimiert, dann sieht man sofort, welche Freunde online sind und was sie gerade zocken. Von dort aus ist es jederzeit möglich dem Spiel beizutreten, egal ob es ein öffentliches oder ein privates Match ist. Es sei denn die Maximalzahl an Spielern ist erreicht.

 

Kommen wir nun aber zu den Unterschieden zwischen einem Freundesmatch und einer öffentlichen Session, die…ähm...kaum vorhanden sind?! Ja, richtig gelesen. Im Prinzip ist der einzige wirkliche Unterschied, dass ihr nur gegen Freunde spielt! Der Host wählt eine Kategorie und dann kann jeder Spieler wie im anderen Verfahren auch eine Stimme für die Disziplin, die Karte und das Waffenset abgeben und danach wird entscheidet die Mehrheit. Was für eine Session ohne Codes eine tolle Sache ist, ist für ein privates Spiel einfach nur enttäuschend. Warum kann ich keine Limits festlegen wie benötigte Punkte zum Sieg oder die Spielzeit wie bei nahezu jedem anderen Titel des Genres? Warum kann ich keine eigenen Waffensets definieren, was schon bei besagten Perfect Dark ging? Da ist The Conduit voll gepackt mit Optionen und gerade diese essentiellen Dinge werden außen vorgelassen? Ziemlich unverständlich.

 

Leider gibt es aber noch mehr zu meckern. So kann das Rangsystem nicht wirklich motivieren. Was nützt es mir, wenn ich aufsteige, dies aber keine Auswirkungen auf meinen Charakter hat? Das lösen andere Spiele wie Call of Duty World at War deutlich besser: Hier schaltet man mit den Aufstiegen neue Waffen, Aufsätze oder andere Extras wie erhöhte Feuerkraft, eine ruhigere Hand im Zoommodus etc. frei und kann so sukzessive seinen Kämpfer personalisieren, was extrem motivierend ist.

 

Hinzu kommen bei The Conduit ein paar technische Probleme. Es passiert in seltenen Fällen, dass man außerhalb der Map startet und dann nur der Abbruch übrig bleibt. Einen Absturz musste ich ebenfalls schon erleben und es kommt manchmal zu Matches mit deutlichen Lags, sprich es läuft sehr unflüssig.

 

Aber lasst euch vom Gemecker nicht die Vorfreude auf den Multiplayer verderben, denn der Titel macht dennoch extrem viel Spaß und jede Menge richtig: Die tolle Steuerung, die gute Grafik, abwechselungsreiche Waffen, viele Modi und sehr gut designte Karten sorgen für viel Freude und Langzeitmotivation.

 

 

Vielen Dank an Sega für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

The Conduit ist definitiv ein Spiel, das in jede gute Sammlung gehört. Es ist technisch sehr gut und bietet einen sehr umfangreichen Mehrspieler-Modus mit Voice Chat. Der angekündigte Überflieger ist es jedoch leider nicht geworden, denn es gab schon vorher Spiele, die einiges in Teilen besser gemacht haben, so zum Beispiel Metroid Prime 3 technisch, künstlerisch und vom Umfang her und Call of Duty World at War was den Mehrspieler-Modus angeht. Will man beides zusammen in guter Ausführung haben, dann ist The Conduit die perfekte Wahl. Es macht einfach Spaß, kann ganz an die Wünsche des Spielers angepasst werden und steigert nicht zuletzt auch die Vorfreude auf den Nachfolger. Hätte es den Hype jedoch nicht gegeben, wäre es vermutlich nur wenigen aufgefallen. Der Erfolg sei den Entwicklern dennoch gegönnt, denn nur so werden wir auch in Zukunft in den Genuss von echten Spielen auf der Wii kommen.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

gut

77%

Singleplayer

85%

Multiplayer

Release

10.07.2009

Developer

High Voltage Software

Publisher

Sega

USK Freigabe

16+

Anzahl Spieler (Lokal)

1

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-12


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