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Reviews: Nintendo Wii

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Harvest Moon: Baum der Stille

Adventure

05.11.2009

Autor: Lukas Strübig

 

 

Das Leben als Bauer

 

Es kann so einfach sein: Morgens steht man in dem Haus, das man von der Gemeinde geschenkt bekommen hat, auf, bestellt das Feld, gießt die Ernte und hat dann rein theoretisch Feierabend. Aber wenn man dann noch ein wenig Energie hat, isst man schnell, greift sich seinen Hammer und geht noch einmal kurz in die Mienen, um mit dem Schürfen von Erz noch ein wenig dazu zu verdienen, den Rest des Abends macht man sich dann an die holde Weiblichkeit heran oder hilft dem Wirt der örtlichen Kneipe, um auch von ihm stattlich entlohnt zu werden. In der Nacht geht man dann glücklich und zufrieden schlafen, um morgen einen schönen neuen Tag zu beginnen. Stress gibt es nicht, denn essen muss man ja nur, wenn man gearbeitet hat.

 

Unrealistisch?

 

Da war wohl einer noch nicht in der Welt von Harvest Moon.

 

„Harvest Moon: Baum der Stille“ ist nun der erste Teil der sogenannten "heart warming life simulation"- Reihe auf der Wii und somit ein Spiel, dass Japanischer nicht sein könnte. Aber ist es auch gut?

 

 

Gameplay - Sandbox auf Japanisch

 

Natürlich macht Harvest Moon: Baum der Stille seinem Namen alle Ehre und setzt den Spieler zu Beginn auf eine idyllische Insel voller netter Bewohner, um dort seinen eigenen Bauernhof aufzubauen. Bei der Anreise jedoch wird man von einem Sturm überrascht und fällt in Ohnmacht. Bevor man in der örtlichen Klinik aufwacht, träumt man von einer merkwürdigen Frau, die in Schwierigkeiten zu stecken scheint. Die Bewohner halten diese für die Erntegöttin, die sie mit dem sterbenden Baum der Stille auf der Insel in Verbindung bringen. Doch man hat keine Zeit zu verlieren, so ein Bauernhof baut sich immerhin nicht von selbst!

 

Schwerer Einstieg

Und genau hier wird die Geduld des Spielers auf eine harte Probe gestellt, denn nach einer kurzen Phase, in der einem nur das wirklich Wichtigste beigebracht wird, ist man quasi auf sich alleine gestellt. Mit einem Startkapital von 250G, (In unserer Welt vielleicht 2,50 Euro) Werkzeug und einem bisschen Saatgut beginnt man die Arbeit. Wirklich viel wissen tut man nicht, in einem Turtorial werden einem nur die Grundzüge beigebracht, den Rest muss man selbst heraus finden, auch in den Lehrbüchern steht nicht viel, und ein Fehler kann einen finanziell manchmal stark zu schädigen wissen.

 

Dazu kommt noch die Energie des Protagonisten, kann man also Anfangs gerade mal sein Feld gießen bevor man vor Erschöpfung umfällt, räumt man später einen ganzen Minenschacht aus, ohne ins Schwitzen zu kommen. Das ist zwar gut und realistisch, aber warum kann man zu Beginn nur gerade mal sein Feld gießen? Vor allem am Anfang muss man doch besonders viel Arbeit leisten, um seine kleine Farm aufzubauen, ein besseres Energiemanagement wäre besser gewesen.

 

Man kann sich zwar etwas zu essen machen, aber die Utensilien dafür kosten auch wieder 1200G! (Man erinnere sich an das 250G Startkapital, für das man sich bei Wirt auch höchstens einen Tee kaufen kann)Überhaupt befindet man sich am Startpunkt des Spiels in der Kosten- und Energiefalle, man hat gar keine Zeit für irgendetwas anderes, denn diese vergeht auch viel zu schnell. Und wo ist die Story geblieben? Nun, die hält sich dezent im Hintergrund und setzt sich immer wieder an bestimmten Tagen fort, was aber nicht wirklich schlimm ist, ist die Story doch eh nur schmückendes Beiwerk zu dem Anime- Lebenssimulator.

 

So alleine ist man dann aber doch nicht

Nun, nach dieser langen Meckerei erst einmal Entwarnung: Baum der Stille ist nicht schlecht. Zwar bin ich selbst in diesem Spiel niemals wirklich reich geworden und musste mir später auf YouTube ansehen, wie glücklich und erfolgreich Andere waren, doch machte mir das Spiel trotzdem Spaß. Besonders liegt dies an den liebenswürdigen Charakteren, die einen immer wieder aufmuntern. Kritisieren eine noch Pokémon dafür, in einer viel zu utopischen Welt zu spielen, ist die Waffelinsel der reinste Himmel dagegen. Es scheint so, als würden Menschen mit negativen Gedanken diesen Ort gar nicht finden. Jeder Mensch ist nett, jeder Mensch ist hilfsbereit, macht einem zu Beginn Geschenke und unterstützt den Spieler wo er kann. Selbst der Bürgermeister mag dich noch, nachdem du ihn mit einem „Lass mich in Ruhe!“ abgewimmelt hast, zeigt dir die Stadt und schenkt dir ein voll Möbliertes Haus und ein eigenes Stück Land, und zwar genau dort, wo du es haben willst.

 

Diese Welt ist zwar nicht sehr realistisch, aber nur jemand, der jeden zweiten Tag einen Arschtritt braucht, wird sich hier nicht wohl fühlen. Wenn man manche Charaktere sogar mehr mag als andere, kann man sie einfach heiraten und Kinder kriegen. Dazu kommt noch, dass das Spiel mit fortschreitender Zeit beginnt, seine eigene Geschichte zu erzählen, so bündeln auch andere Bewohner miteinander an, heiraten und bekommen Kinder. Hier merkt man, dass keinerlei Potential verschwendet wurde und das Spiel diese sogenannten „Events“ voll und ganz ausnutzt.

 

 

Steuerung - Nicht neu, aber OK

 

Zu der Steuerung lässt sich nicht viel sagen. Mit dem Analogstick bewegt man sich durch die große Welt, mit A redet man mit Leuten und nutzt Items, mit B steckt man sie wieder weg und mit C öffnet man sein Inventar. Motion Controls wurden nur sporadisch eingebaut, so kann man auch seine Wiimote bewegen um mit dem Hammer zu schlagen, oder das Feld zu bestellen. Das Spiel lässt sich sogar mit dem Classic Controller spielen.

 

Das Ganze wäre auch keine große Erwähnung wert, würde man nicht auf der Packung von „realistischer“ Steuerung reden. Hier hat man sich mit zu wenig Arbeit gebrüstet, weshalb die Leute nicht enttäuscht sein dürfen, wenn die realistischen Bewegungen nicht funktionieren wie vorgestellt.

 

Richtig kommen die Motion Controls erst in den Minispielen zum Einsatz, die man im Hauptspiel zu bestimmten Events, oder im Multiplayer mit Freunden spielen kann. Diese Minispiele erinnern ein wenig an die Mario Party Minispiele und können Spaß machen, sind aber eigentlich nicht der Rede wert.

 

 

Grafik - Technisch alt, aber schön

 

Was die Grafik angeht, befindet sich Harvest Moon auf dem mittleren Niveau eines GameCube Titels, sieht also in etwa aus wie Pokémon Collosseum. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn mehr war auch nicht nötig, den Zeichenstil darzustellen. Zwar hätten schönere Lichteffekte gefallen, doch dafür sind die Texturen schön sauber und nett anzusehen. Dazu komm einfach noch das schöne Design der Insel, so dass es manchmal echt schade ist, nicht in die Ego-Perspektive wechseln zu können.

 

Es gibt nur eine Sache zu bemängeln: Die Ladezeiten. Sobald man ein Gebiet verlässt um ein neues zu betreten darf man sich nämlich auf sekundenlange Ladezeiten freuen, die zwar nicht so lang sind wie in Metroid Prime 3, aber deutlich länger als in Twilight Princess. Und das ist unnötig. Wenn ein Spiel denn schon GameCube Grafik hat, muss es dann wirklich so lange laden? Man hätte rein theoretisch sogar die ganze Welt miteinander verbinden können, warum also so lange Ladezeiten?

 

Mit der Musik ist es auch nicht besonders weit her. Die Musik ist ordentlich, idyllisches Gedudel, es geht gut ins Ohr rein und wieder raus, nervt nicht, ist aber auch nicht besonders schön. Was hier aber auch wieder schön gemacht ist, ist, dass sich das Spiel mit dem Ändern der Jahreszeiten auch ändert und so das jeweilige Wetter unterstreicht.

 

Eine Sprachausgabe gibt es hier leider nicht, was sehr schade ist, da sie die schöne Atmosphäre noch weiter unterstrichen hätte. Die Hauptcharaktere sagen zwar hin und wieder ein paar Worte, diese Aufnahmen haben dann aber die Qualität eines N64 Spiels, und wirken eher sporadisch.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Man muss sich erst einmal klar machen, was Harvest Moon ist. Es ist eine japanische "heart warming life simulation". Das bedeutet, dass man von dem Spiel weder großartige Action, spannende Rätzel oder eine epische Story erwarten kann. Harvest Moon ist eine Anime-Karikatur eines schönen Lebens, eine Art Soap, die Sims auf Japanisch. Wem das gefällt, der kann ruhig zugreifen, die Grafik ist hübsch, die Charaktere sind interessant und die Möglichkeiten unendlich. Die Ladezeiten gehen nach einiger Zeit zwar wirklich jedem auf die Nerven, doch „irgendwas ist ja immer“. Wem solche Spiele zu langweilig sind wird auch mit dem Baum der Stille nicht glücklich, aber damit hätte ja auch niemand gerechnet.

Grafik

ok

Sound

schwach

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

78%

Singleplayer

55%

Multiplayer

Release

09.10.2009

Developer

Rising Star Games

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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