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Reviews: Nintendo Wii

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Academy of Champions

Sport

24.11.2009

Autor: Lukas Strübig

 

 

Und wie gut es hätte werden können

 

Wer sich in letzter Zeit ein wenig im Wii-Lineup umgesehen hat, bemerkte sicher einen kleinen, viel versprechenden Ubisoft Titel namens „Academy of Champions“. Der Trailer zeigte eine Fußball-Schule in gelungener Pixar-Optik, ein riesiges Stadion und bereitete den Zuschauer auf „Super-Kickers“ ähnlich übertriebene Ballstunts vor. Auf der Internetseite sprach man dann von einer spannenden Geschichte, interessanten Charakteren und aufregendem Gameplay. Warum am Ende das heraus kam, was man abseits von Prince of Persia oder Assains Creed als „übliches Ubisoft Spiel“ bezeichnen könnte, könnt ihr nun hier lesen.

 

 

Gameplay

 

Ugh, wo fange ich an? Academy of Champions ist im Grundriss ein gewöhnliches Fußball-Spiel, nur mit einer kleineren Arena. Und weniger Spielern. Und einem Levelsystem. Und natürlich den Over the Top Fähigkeiten der Spieler! Das hört sich ja auch eigentlich ganz gut an, hätte der Entwickler nicht jegliches Potential verschwendet.

 

Beginnen wir von vorne: Das Spiel selbst bietet nämlich verschiedene Modi wie Schnellspiel, Multiplayer und den Abenteuer-Modus. Letzterer ist das Herzstück des Spiels und soll den Spieler in eine aufregende und spannende Geschichte entführen. Aber die aufregende und spannende Geschichte ist kaum da, sondern eher eine Randnotiz des durchschnittlichen Kariere Modus, denn nichts weiter ist das Abenteuer: ein Kariere Modus. Und selbst dieser besteht nur aus dem Nötigsten.

 

Erinnert ihr euch an die Passage im Trailer, in der man durch die Schule gelaufen ist? Tja, das bleibt im Trailer, denn in Wirklichkeit starrt man die ganze Zeit nur ein Regal an, in dem sich die Trophäen der Mannschaft häufen und daneben ist dann der Stundenplan, der einem vorgibt, welche Übung man nun machen soll, was eigentlich nur wieder eine Ansammlung von Minigames ist, für die man Erfahrung und Geld bekommt, die man gegen gute Noten und Items eintauscht. Ja, gute Noten kauft man mit Erfahrung. Anstatt also durch gute Leistung gute Noten zu bekommen, bekommt man durch gute Noten gute Leistungen, was ziemlich schade ist, denn lieber hätte man die Zensuren als Spiegel seines Erfolges gesehen.

 

Der Punkt auf den dann alles hinaus läuft ist das eigentliche Fußballspiel und auch das ist nicht besonders gut gelungen. Das Spielfeld von Academy of Champions ist nämlich viel kleiner als ein gewöhnliches Spielfeld. Um also den Platzmangel auszugleichen laufen die Charaktere im Schneckentempo, was einen die ganze Zeit stören wird. Natürlich kann man auch sprinten, aber dann geht dabei die „Talentenergie“ flöten, die zum Ausführen der Over the Top Fähigkeiten gebraucht wird. Diese Fähigkeiten sind aber glücklicherweise kaum zu etwas zu gebrauchen und wenn überhaupt, nutzen sie nur dem, der sowieso gerade dabei ist zu gewinnen. Und das ist schade! Denn Spezialfähigkeiten sind ja genau das, was Fun-Fußballspiele ausmacht.

 

Des Weiteren gibt es da dann noch die grottige Kamera, die das Geschehen immer aus genau dem Winkel zeigt, der es unmöglich macht, Entfernungen richtig abzuschätzen, die Ballabnahme ist daher eher ein Glücksspiel und frustrierend. Der Spielerwechsel ist in Ordnung, der Spieler im Ballbesitz wird gesteuert, und wenn man die Spieler mittels Knopfdruck wechselt springt man automatisch zu dem Spieler, der dem Ball am nächsten ist. Nach Bedarf lässt sich der Wechsel auch auf Automatik einstellen, was eigentlich auch die bessere Lösung ist.

 

 

Aber was soll denn die Steuerung?

 

Es ist schwer zu beschreiben, wie schlecht die Steuerung ist, aber sie so unintuitiv, dass es im Spiel sogar Tests gibt, die dich Abfragen, ob du die Steuerung gut verinnerlicht hast. Ja genau, Ubisoft hat selbst gemerkt, dass sie an diesem Punkt versagt haben und nichts dagegen getan. Oh, und das Wii MotionPlus ist ein Witz. Man kann mit der Neigung bestimmen ob man flach oder hoch abspielt, was ja eigentlich etwas Gutes ist, da es aber keine Anzeige gibt, wie hoch die Wiimote nun nach Ansicht des Spieles ist, einfach nutzlos.

 

Aber mal etwas Persönliches zu dem Spiel: Als ich Academy of Champions testen sollte, habe ich mich eigentlich auf das Spiel gefreut. Der Trailer sah gut aus und das Projekt wirkte ambitioniert. Und das macht es auch so schwer für mich, das Spiel ordentlich zu rezensieren. Man merkt die guten Ideen darin, man merkt die Ambitionen, schon alleine darin, dass man dem weltbekannten Fußballer Pelé nicht nur ein Cameo, sondern gleich eine Hauptrolle gegeben hat. Aber auf der anderen Seite ist es so lieblos und mangelhaft umgesetzt, dass man das Gefühl bekommt, alleine der Projektleiter hielt dies für eine gute Idee. Kurzum: Das Spiel wirkt unprofessionell.

 

Man hat sich zum Ziel genommen, mit der Mario Strikers Football Serie zu konkurrieren, sich bei der Umsetzung aber keine Mühe gegeben. Das ist einfach dumm, es ist so, als wollte man ein Picasso Bild übertrumpfen, dann aber auf halbem Weg gemerkt, dass man nicht an die Qualität heran kommt, hat den Rest der Leinwand irgendwie vollgekritzelt und es dann trotzdem in die Galerie neben das Original gehängt. Es ist nicht so, als würde das Spiel nun eine Qual sein zu spielen, es macht Spaß, nur eben nicht genug. So als würde man ein Sudoku auf einer nassen Zeitung lösen, irgendwie geht es ja, aber es verursacht ein unangenehmes Gefühl.

 

 

Präsentation

 

Oh, das ist aber enttäuschend... Wieder einmal blendet der Trailer. Und zwar gewaltig. Die technische Seite ist einfach auf PS2 Niveau. Die Texturen sind matschig, die Effekte langweilig und all zu viel Polygone bekommt man auch nicht zu sehen. Natürlich sind die Charaktermodelle schön… Manchmal. Naja, eher selten, Pelé sieht gut aus, auch einige Nebencharaktere, aber die Protagonisten (ob nun männlich oder weiblich) sehen einfach mies aus. Immerhin kommt es nicht zu Einbrüchen in der Framerate, aber so weit würde Ubisoft auch nicht versagen. Es gibt zwar Costume change, aber nicht einmal das macht mir hier wirklich Spaß und normalerweise liebe ich Costume change. (Ich spiele sogar öfter Dressup Flashgames im Internet.)

 

Die Arenen sind dagegen eigentlich ganz ansehnlich, würden Zuschauertribünen nicht gänzlich fehlen, die das Ganze weniger trist hätten wirken lassen. Was einen aber wirklich schon von Anfang an nervt, ist die Hektik des Spiels. Charaktere benehmen sich, als hätten sie zu viel Kaffee mit einer Überdosis Zucker genommen und sich danach „Speed“ injiziert. Dabei erfüllen sie dann so ziemlich jedes Teenager-Klischee, das in den letzten fünf Jahren noch nicht einmal mehr von Hollywood befriedigt wurde. Hier hat Ubisoft ein weiteres Mal zu Nintendo herüber geschielt und erfolglos versucht, eine Geschichte ohne Dialoge zu erzählen.

 

Was mich auch gleich zu meinem nächsten Kritikpunkt bringt: Es gibt keine Sprachausgabe und man fragt sich warum nicht?! In Harvest Moon war eine fehlende Sprachausgabe absehbar und daher zu verschmerzen, bei Spore konnte man das auch irgendwie nachvollziehen. Natürlich hat auch Twilight Princess keine Vertonung, aber das war ja auch nichts Gutes und außerdem hat Nintendo nie so getan, als würde es eine Synchronisation geben. Aber Ubisoft schon! Man hörte Stimmen in Trailer! Warum also nicht im Spiel? Und zu allem Überfluss brabbeln die Charaktere auch noch in einer merkwürdigen Sprache, die nur aus „Ne“ Geräuschen besteht, nervt und sich nicht abstellen lässt. Die Musik ist im Gegenzug ganz in Ordnung, hin und wieder nervt sie ein bisschen, macht manchmal aber Spaß.

 

 

Mehrspieler

OK, OK, ein Spiel wir Academie of Champions ist aber auch für Multiplayer wie geschaffen, richtig? Vielleicht kann da das Spiel noch was raus reißen?

 

Nein, nein, leider nicht viel. Klar, wenn der Gegner genau so wenig mit der Steuerung klar kommt wie mal selbst sind die Verhältnisse schon fairer und das Regelwerk, so wie Arena und Mannschaften lassen sich frei bestimmen, aber das macht das Grundspiel unterm Strich auch nicht besser. Natürlich macht es Spaß, aber die Konkurrenz bietet weit mehr. Einen Online-Modus gibt es auch nicht.

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Nun, was gibt es da noch groß zu sagen. Man sieht bei diesem Spiel die Ambitionen des Projektleiters, man sieht, was er vor Augen hatte. Man sieht aber auch sehr deutlich, dass der Rest des Teams was anderes wollte. Das Spiel wirkt abgefertigt wie ein Massenprodukt, die Grafik ist schlecht, das Gameplay nicht zufrieden stellend und vieles, was im Vorfeld angedeutet wurde, bleibt unerfüllt. Und das ist schade, denn das Potential sieht man im Trailer, dort sieht man, was das Spiel hätte werden sollen! Und so wird das Spiel allein durch sein Genre vor einer Katastrophe gerettet, denn egal wie grottig es an allen Ecken ist, es ist immer noch ein Fun-Fußballspiel.

Grafik

schwach

Sound

ok

Steuerung

schwach

Spielspaß

ok

57%

Singleplayer

62%

Multiplayer

Release

29.10.2009

Developer

Ubisoft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4


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