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No More Heroes 2 Desperate Struggle

Action

10.06.2010

Autor: Gunnar Schreiber

 

No More Heroes 2 Desperate Struggle ist ein ganz außergewöhnliches Stück Software geworden. Eigentlich genau das, was man von dem Entwicklerstudio Grasshoppers unter der Leitung des kreativen Masterminds Suda 51 erwartet, aber dennoch erfrischend anders. Der Titel widersetzt sich sämtlichen Konventionen, ist auf der einen Seite näher an einem Tarantino Film, denn an einem Spiel, um im nächsten Moment Videospielkultur pur zu bieten. Überhaupt sorgen gerade die Gegensätze für den gewissen Charme: Hoher Ideenreichtum steht einer wiederkehrenden, kalkulierten Monotonie gegenüber. 3D wechselt mit 2D. Japanische Katanas und amerikanische Wrestlingmoves bilden gemeinsam das Kampfsystem. Rüde Gewalt steht einfühlsamer Haustierpflege gegenüber und und und.

 

Gewürzt wird das Ganze mit schwarzem Humor, einer dicken Portion Sex und jede Menge Parodien auf japanische Popkultur. No More Heroes 2 ist ein Kunstwerk, in sich stimmig und überzeugend, dem man auch gerne eine Fülle von offensichtlichen Macken verzeiht.

 

Was gerade schon fast wie ein Fazit anmutet, soll viel mehr vorab verdeutlichen, was den Charme des Spiels ausmacht und warum jeder, der auch nur einen winzigen Sinn für etwas andere Videospiele abseits des Mainstreams hat, diesen Titel spielen muss.

 

 

Die Story

 

Drei Jahre sind vergangen, seit Travis Touchdown den ersten Platz in der offiziellen Killerrangliste in seiner Heimatstadt Santa Destroy erreicht hat. In der Zwischenzeit hat er sich zurückgezogen. Auch seine Agentin Sylvia Christel war vollkommen untergetaucht, was Travis, der schon mehr als nur ein Auge auf sie geworfen hat, besonders wütend macht. Doch nun holt Travis die Vergangenheit ein. Gleich zu Beginn wird er von Skelter Helter, dem Bruder von Helter Skelter, den Travis im Intro von Teil 1 einen Kopf kürzer gemacht hat, gestellt und herausgefordert. Ein erbitterter Kampf beginnt, aber auch hier behält Mr. Touchdown mit seinem Beam-Katana die Oberhand und sorgt bei seinem Widersacher für Durchzug im Denkapparat. Doch bevor er stirbt, verrät er noch eine grausame Info.

 

Im selben Moment nämlich besuchen Freunde von Skelter Helter, Anhänger eines örtlichen Mafia Syndikats, die Videothek von Bishop, Travis bestem Freund, und jagen ihm dutzende Kugeln in den Kopf. Natürlich taucht nun auch Sylvia wieder auf und offeriert Travis das Angebot erneut den ersten Rang in der Killerrangliste anzupeilen, diesmal nur von Position 51 aus. Der Held kann, trotz seiner gemischten Gefühle gegenüber Sylvia, das Angebot nicht ausschlagen, da er auf diese Weise auch gleichzeitig die Mörder seines Freundes Bishop stellen kann. Nun beginnt sein Rachefeldzug.

 

 

 

Die Wohnung eines Helden

 

Nachdem die ersten Minuten vorbei sind, startet das Spiel in Travis Wohnung. Wenig hat sich seit dem ersten Teil geändert. Er ist immer noch ein riesen Otaku. Das Regal ist voll mit Actionfiguren, Wrestlingmagazinen und an den Wänden hängen Poster von Mangaserien. Gespeichert wird weiterhin noch auf der Toilette – das ist und bleibt der beste Speicherort der Videospielgeschichte. In seinem Kleiderschrank findet der Held wieder jede Menge Klamotten und Accessoires, die man ihm anziehen kann. Das Repertoire wird im Laufe des Spiels erweitert, zum Beispiel, in dem ihr in Santa Destroy den Laden Airport 51 besucht und euch dort eindeckt. Die neuen Klamotten haben zwar keinen Einfluss auf Mr. Touchdowns Fähigkeiten, sehen aber teilweise einfach nur cool aus. Kleine Notiz am Rande: In London hatte sogar für einige Tage ein echter Airport 51 Laden aufgemacht, wo man all die Anziehsachen tatsächlich kaufen konnte.

 

 

Ein paar Kleinigkeiten haben sich in seiner Wohnung dennoch verändert. So ist seine Katze Jeanne ziemlich fett geworden. Fortan heißt es sie regelmäßig zu trainieren, indem ihr beispielsweise mit ihr spielt oder sie massiert. Auch wenn das Ganze optional ist, kann ich nur empfehlen Jeanne viel Aufmerksamkeit zu schenken. Es lohnt sich! Neu sind auch die Inhalte auf Travis Fernseher. Setzt ihr euch gemütlich auf das Sofa, dürft ihr an der Glotze ein richtig gut gemachtes Shoot ’em Up namens Bizarre Jerry zocken. Nach ein paar Runden schaltet ihr auch das aufwendig produzierte Anime-Intro zum Spiel im Spiel frei und dürft es in bester Qualität anschauen. Das Video alleine ist schon ein Fest für jeden Animefan, parodiert es doch auf herrlich überspitzte Art und Weise, was man zu oft in solchen Serien findet: Charaktere mit abstrusen Fähigkeiten und extrem leicht bekleidete, viel zu junge, übersüße Mädels.

 

 

Wie ihr seht, ist alleine Travis Wohnung, zu der man jederzeit zurückkehren kann, ein richtiger Abenteuerspielplatz.

 

 

Santa Destroy

 

Verlässt der Protagonist seine Wohnung, fällt gleich die größte Neuerung gegenüber dem Debut auf. Die frei begeh- bzw. befahrbare Stadt Santa Destroy ist Geschichte. Vielleicht war die Kritik vieler Spieler an der eher leblosen und langweiligen Oberwelt zu groß, so dass man sich entschied stattdessen eine stilisierte Karte anzubieten, auf der man den gewünschten Ort direkt anwählen kann. Ich persönlich mag die Änderung sehr, denn ich brauche keinen GTA Klon, der wahrscheinlich eh nicht an die Qualität des Originals herankommt. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

 

Einmal auf der Übersichtskarte angelangt, habt ihr verschiedene Optionen. Ihr könnt dem Labor einen Besuch abstatten, um eine neue Waffe zu kaufen. Oder ihr besucht den angesprochenen Shop Airport 51, um euch neu einzukleiden. Eine wichtige Station stellt das Fitnessstudio dar: Hier könnt ihr gegen Geld eure Ausdauer und eure Muskelkraft trainieren. Dazu müsst ihr in einem 8Bit Minispiel entweder auf dem Laufband oder im Ring bestehen. Apropos Minispiele: Von denen gibt es knapp 10 weitere, die ihr ebenfalls direkt von der Übersichtskarte anwählen könnt. Bis auf das letzte in der Auswahl, sind alle im 8Bit Stil gehalten. Darüber hinaus haben sie gemeinsam, dass sie total verrückt und sehr spaßig sind, egal, ob ihr nun Steaks auf den Punkt bratet, einen Tetris Klon spielt oder Kokosnüsse sammelt. Durch den Grafikstilwechsel machen diese Nebenaufgaben auf jeden Fall deutlich mehr Spaß als die im Vorgänger.

 

Für erledigte Minispiele bekommt ihr übrigens Geld, was ihr dann im Klamottenladen, im Labor, im Fitnessstudio oder für das Katzenfutter ausgeben könnt.

 

Einmal ausgerüstet, geht es dann zum eigentlichen Herzstück des Spiels weiter, den Rangkämpfen. An der Location angekommen, müsst ihr meistens zunächst einmal dutzende Schergen erledigen, bevor ihr beim Oberboss vorsprechen dürft. Das Kampfsystem ist dabei im Wesentlichen unverändert geblieben, funktioniert sehr gut und macht extrem viel Laune. Ihr schlagt mit der „A Taste“ auf die Feinde ein. Haltet ihr dabei „Z“ gedrückt, fokussiert sich die Kamera auf einen Gegner, so dass ihr ihn in der Theorie nie aus den Augen verliert. Nun solltet ihr geschickt mit dem Steuerkreuz den Angriffen der Bösewichte ausweichen und solange selbst drauf einkloppen, bis die Finisheranzeige in Form eines Richtungspfeils auf dem Bildschirm erscheint: Schwingt ihr nun die Wiimote in die entsprechende Richtung, macht Travis den finalen, besonders gewaltverherrlichenden Massakerschlag, der die Widersacher gerne zerteilt inkl. meterhohen, völlig überspitzten Blutfontänen.

 

Bei manchen Gegnern ist es aber auch ratsam das Beam-Katana stecken zu lassen und mehr auf Muskelkraft zu setzen. Drückt ihr die „B-Taste“ schlägt und tritt Travis zu, abhängig davon, ob ihr die Fernbedienung nach unten oder oben neigt. Analog zu den Finalschlägen mit dem Katana setzt der Protagonist nun Wrestlingsmanöver als Finisher ein, die vor allem lustig anzusehen, aber auch genauso tödlich sind.

 

Stirbt ein Gegner startet sich automatisch ein Glücksspiel, ähnlich wie der „einarmige Bandit“. Habt ihr drei gleiche Symbole, geschehen mit Mr. Touchdown seltsame Dinge. So verwandelt er sich beispielsweise in einen Tiger und beißt die Schergen beherzt zu Matsch.

 

Alternativ kann man das Spiel übrigens auch mit dem Classic Controller spielen. Was bei den 8Bit Minispielen vielleicht noch Sinn macht, entpuppt sich bei den Kämpfen aber eher als schlechtere Wahl: Gerade die Finisher machen mit Bewegung einfach viel mehr Spaß!

 

Neben Feinden findet ihr in den Levels auch noch Schatztruhen, die neben Lebensenergie und Energie für euer Beam-Katana – nutzt sich während eines Kampfes ab und muss durch eine sehr zweideutige Hand-Schüttelbewegung wieder aufgefüllt werden – auch Geschenke, die sich meistens als Accessoires für eure Wohnung entpuppen. Habt ihr euch durch das ganze Areal gemetzelt, folgt der Bossgegner.

 

 

Die Endbosse – kreativer Wahnsinn

 

Zunächst mal vorneweg: Nur weil man mit Rang 51 beginnt, heißt das nicht, dass man ebenso viele Obermotze erledigen muss. Vielmehr gibt es Sprünge zwischendrin oder man zerteilt gleich mal mehrere auf einmal in ihre Einzelteile. Dennoch muss man ganz klar sagen, dass die Bosskämpfe die Highlights im Spiel darstellen. Jeder ist anders, fordert eine andere Taktik, bietet eine andere Hintergrundgeschichte und wird auf andere martiale Art und Weise zum Ableben gezwungen. So muss sich Travis zum Beispiel einmal gegen ein Schulmädchen mit einem Doppelbeamkatana durchsetzen. Dabei ist sie eigentlich ein verknallter, großer Fan von ihm. Tja, da sieht man mal welche Blüten fehlgeleitete Idolverehrungen treiben können. In einem anderen Bosskampf übernimmt Mr. Touchdown die Steuerung eines gigantischen Mechs und prügelt auf seinen ebenso großen Widersacher ein, inklusive tollen Animesequenzen. Ich nenne an dieser Stelle bewusst nur die beiden Beispiele, die man auch schon aus diversen Trailern kennt. Denn die Vorfreude auf den nächsten Bosskampf ist eigentlich die Hauptmotivation des Spiels.

 

Bleibt zum Spielablauf nur noch zu sagen, dass ihr zwischendurch auch mal die Kontrolle über Shinobu übernehmt, die Travis – nachdem er sie im ersten Teil verschont hat - nun als ihren Meister ansieht, wovon er absolut überhaupt nicht begeistert ist. Außerdem hat auch Travis Bruder Henry wieder einen Gastauftritt.

 

Zum Durchspielen braucht man etwa 10 Stunden. Es gibt von vorneherein zwei Schwierigkeitsgrade. Ein dritter kommt hinzu, wenn man das Spiel das erste Mal beendet hat. Sehr nett ist auch die farbige Anleitung inklusive eines kurzen No More Heroes Mangas.

 

 

Die technische Umsetzung / Meckerecke

 

Wie hinlänglich bekannt, nutzt No More Heroes die Cel-Shading Technik. Das passt natürlich wunderbar zu den abgefahrenen Charakteren und der übertriebenen Gewaltdarstellung. Stilistisch ist auch der zweite Teil eine wahre Augenweide. Hinzu kommen eine sehr gute Sprachausgabe und ein toller Soundtrack.

 

Leider ist aber teilweise die technische Umsetzung recht mies, was auch unter anderem die Wertung unter 90% drückt. Dabei stört es mich gar nicht mal so sehr, dass die Texturen matschig und monoton sind, das Spiel dabei aber trotzdem noch flimmert und die Bildrate einbricht. Am meisten nervt mich die Kamera: Obwohl man diese nachjustieren kann, zeigt sie gerade in engen, verwinkelten Bereichen einfach zu oft nichts Brauchbares, so dass das Kämpfen unnötig erschwert wird. Besonders schlimm ist das bei einem Bosskampf, den Shinobu zu meistern hat. Der geht über mehrere Etagen und die Umgebung bietet jede Menge Ecken und Winkel. Man verliert hier einfach die Übersicht. Auch das Springen, was zum Glück nur Shinobu kann, ist sehr unpräzise.

 

 

Wir danken Koch Media / Rising Star Games für die Bereitstellung des Testmusters!


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Fazit

Was Quentin Tarantinos Filme seit Anfang der 90er für Hollywood sind, ist Suda 51 No More Heroes Reihe für die Videospielkultur. Abgefahrene Story, einzigartige Charaktere, überspitzte Dialoge und Gewaltdarstellungen, schwarzer Humor, Parodien und Sex – all das vereint No More Heroes Desperate Struggle und vermischt es mit einer Vielzahl an Gameplay-Ideen. Wer als erwachsener Zocker nach einem Videospielerlebnis abseits des Mainstreams sucht, der darf sich dieses Werk nicht entgehen lassen. Einzig die technische Umsetzung sowie vorhandener Monotonie beim Schnetzeln ganzer Gegnerhorden, schmälern etwas den Gesamteindruck und kosten somit eine Note im superben Bereich.

Grafik

ok

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

gut

86%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

28.05.2010

Developer

Grasshoppers

Publisher

Rising Star Games

USK Freigabe

18+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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