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Reviews: Nintendo Wii

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Prince of Persia: Die vergessene Zeit

Action Adventure

19.06.2010

Zum Video-Review

Autor: Lukas Strübig

 

 

Vor einigen Jahren landete Ubisoft auf Konsolen und PC einen überraschenden Volltreffer mit dem Spiel "Prince of Persia: The Sands of Time", auf das zwei Fortsetzungen folgten. In der Geschichte ging es um den jungen Prinzen von Persien, der nach einem erfolgreichen Krieg gegen Indien von dessen Großvisier verraten wurde und mit dem Dolch der Zeit den Sand der Zeit entfesselte und damit einen Fluch über alle Bewohner des Schlosses legte, den es im Spiel zu brechen galt. Diese Geschichte hielten die Macher der "Fluch der Karibik" Trilogie für so gut, dass sie sie dieses Jahr als Film in die Kinos brachten.

 

Das zur selben Zeit erschienene Spiel "Die vergessene Zeit" der Prince of Persia Saga hat aber absolut überhaupt nichts mit dem Kinofilm zu tun, ist nur rein zufällig zum Kinostart in den Läden eingetrudelt und will auch nichts anderes als die Leere zwischen den ersten beiden Teilen der Sands of Time Trilogie füllen. Klar. Immerhin hatte man ja auch noch so viele Fragen... Aber was soll's.

 

Ob dieser geheime Lizenztitel nun aber dem Namen "Prince of Persia" würdig ist, sehen wir hier.

 

 

Die Story

 

Ich weiß, die Story ist hier nie ein wirkliches Kriterium und besonders Leute die mich kennen werden sagen, dass ich besonders wenig Wert auf Story lege. Und ja, das stimmt, es ist mir egal warum Mario von einer Plattform zur nächsten springt oder warum 'Soap' MacTavish und Captain Price gegen russische Ultranationalisten kämpfen. Es gibt aber auch Ausnahmen. Es ist mir zum Beispiel nicht egal, warum Commander Shephard auf einmal mit Cerberus zusammen arbeitet, wie Gordon Freeman die Combine bekämpft oder, um auf das Thema zurück zu kommen, warum der namenlose Prinz durch eine verwunsche Festung springt.

 

Genau hier schwächelt das Spiel. Die Story ist sehr dürr. Dem Prinzen des persischen Großreiches war es nämlich wohl nicht genug, mit Aussicht auf einen der mächtigsten Throne der Weltgeschichte ein ruhiges, luxuriöses Leben zu genießen. Stattdessen kauft er sich auf einem Markt einen Djinn namens Sarah und lässt sich von ihr in ein Land führen, das er alleine regieren soll. Dieses Land eröffnet sich ihm in der Form von Izdihar, einem einst mächtigen Reich, das, wie sollte es auch anders sein, nur leider seit letzter Zeit etwas verflucht ist. Sein Ziel ist es nun, das Land von seinem Fluch zu befreien, um es selbst zu regieren.

 

Und hier zeigt sich das Problem der Story: In der Sands of Time Trilogie ging es darum, dass der Prinz aus Übermut Fehler begeht, die er wieder gut machen muss. Die ganze Handlung ist durchtränkt mit Reue und Schuld, bis zum bitteren Ende. Von alldem spürt man in Die vergessene Zeit nichts. Der Prinz hat auf seiner Reise nichts zu verlieren, man spürt keine Hast, keine Gefahr, ja nicht einmal den Ansporn, weiter zu machen. Dazu passt auch, dass man nur sehr langsam weiter kommt. Denn das bisschen Story, die das Spiel hat, wurde auf mehrere Stunden Gameplay gedehnt. Ich finde so etwas ja gut und das ist es auch hier, jedoch kann man seine Sprung- und Laufrätsel nicht genießen, wenn man nur durch sie hindurch hastet, um endlich wieder in der Handlung vorwärts zu kommen.

 

Weiter befremdlich wirkt das Spiel durch seinen Protagonisten. Erinnert ihr euch an den arroganten Snob aus The Sands of Time? Oder an den aggressiven Schlächter aus Warrior Within? Hier erkennt man keinen von ihnen, der Prinz ist sogar ein richtiges Weichei, was es mir schwer macht zu glauben, dass es wirklich der Prinz ist, den wir alle kennen. Eine Charakterentwicklung von einem Snob zu einem Brutalo bin ich jederzeit bereit zu glauben, jedoch ist die Charakterentwicklung von einem Snob zu einem Weichei zu einem Brutalo einfach nur lächerlich. Man kann also sagen, dass die Story der größte Schwachpunkt des Spiels ist. Zum Glück, möchte ich hinzu fügen.

 

 

Gameplay

 

Ubisofts Entscheidung, aus dem in 2D hüpfenden Prinzen einen Mega-Akrobaten zu machen, gehört wohl zu den besten Entscheidungen der menschlichen Weltgeschichte. Dieses Konzept des an Wände entlang Rennens und sich an Vorsprüngen und Rissen Festhaltens geht auch hier wieder auf. Zu Beginn wird der geneigte Fan positiv überrascht sein, dass die Sprungpassagen sehr nah an die Qualität der alten Spiele heran kommt. Teilweise trifft man auf einige neue, tolle Ideen, die das etwas angestaubte Prinzip aufpolieren. Leider gibt es auch neue Ideen, die zwar gut, aber in der Ausführung nicht ganz ausgereift sind. So muss man beispielsweise länger auf einem Schalter stehen bleiben, über dem ein Balken hin und her schwingt. Das Ganze endet dann in einer Seilchenspring-Passage, an die man sich aufgrund der nicht optimalen Kameraperspektive noch gewöhnen muss.

 

Apropos Kameraperspektive: Erinnert ihr euch, wie ihr damals durch schlechte Sicht eine Entfernung falsch eingeschätzt habt und so in den Tod gestürzt seid? Dies gehört nun der Vergangenheit an, da das Feature aus dem 2008er Prince of Persia zurück kehrt und euch anzeigt, wo ihr beim Absprung im Endeffekt landet. Manche sagen, das würde das Spiel "Casualisieren", ich sage aber, das hätte schon bei Sands of Time dabei sein sollen.

 

Natürlich schützt diese Erweiterung nicht vor Fehlern und so kommt es oft genug vor, dass man mal irgendwo herunter fällt. Früher aktivierte man einfach den Sand der Zeit und dreht selbige zurück, bis man wieder da stand, wo man vorher war. Das wurde leider entfernt. Stattdessen wird man nach einem Fall automatisch an den letzten sicheren Punkt des Spieles zurück gesetzt. Das macht zwar eigentlich keinen Unterschied zum vorherigen System, aber eine Rückspulanimation wäre trotzdem cool gewesen.

 

Später verliert das Spiel dann leider an Qualität. Man bekommt nämlich die "Kräfte des Schaffens" mit denen man überall wo man will Greifhaken anbringen und Wirbelstürme erzeugen kann, die einen etwas hoch heben. Das führt natürlich dazu, dass man eine unvollständige Levelstruktur vervollständigen muss, was zwar irgendwie cool klingt, sich aber so anfühlt, als würde man cheaten, vor allem bei der letzten Kraft, die einem erlaubt, in der Luft zu schweben. Es gibt dann Passagen, in denen man eine Wand hoch rennt, einen Harken erzeugt, dann abspringt, schwebt, wieder einen Harken erzeugt und von vorne beginnt. Ich meine, das ist einfach geplantes Glitching. Und so fühlt es sich auch an!

 

Der Kampf steht dieses Mal eher im Hintergrund und wurde daher vereinfacht. Es gibt kein Free Form Fighting mehr, sondern ein paar Zelda-Elemente. Zum Schlagen schüttelt man die Wiimote und kann so auch mit dem Nunchuk einige Combos ausführen. Eigentlich hätte man den Kampf auch raus lassen können, aber in einem Prince of Persia wird nun mal gekämpft!

 

Und es gibt genug Extras! Zum einen gibt es ein paar freischaltbare Zusatzlevels, die viel schwerer als das Hauptspiel sind und so einen guten Challenge Modus bieten, darunter ist auch das Original Prince of Persia aus dem Jahr 1989. Für weitere Langzeitmotivation wurden andere Kostüme wie das des Prinzen aus The Sands of Time und andere Schwerterskins hinzu gefügt, die man schon während des ersten Durchspielens freischalten kann. Dann gibt es noch "Heldentaten", die wie die Archievments der Xbox 360 funktionieren. Mir sind die ja relativ egal, aber manche fühlen sich dadurch angespornt.

 

 

Grafik und Sound

 

Die Welt von Izdihar ist eine Mischung aus dem bekannten Sands of Time-Setting und dem, was man in PoP 2008 sieht. Die ganze Gegend sieht sehr tot aus und hat nicht die Epicness von The Two Thrones, die Atmosphäre lässt sich mit der von Warrior Within vergleichen.

 

Grafisch ist Die vergessene Zeit jetzt kein Feuerwerk, aber dennoch äußerst solide. Der Prinz sieht deutlich besser aus als der aus der HD-Version. Man erkennt die Ähnlichkeit zu den Prinzen aus Sands of Time und Warrior Within. Die Texturen sind größtenteils sauber, die Umgebung ist nicht trist und die Beleuchtung macht auch keine Probleme. Das Design kann überzeugen, ist tropisch aber auch zugleich wie in 1.001 Nacht, auch gehen Gameplay und Design Hand in Hand, was die Atmosphäre verbessert.

 

Der Sound kann ebenfalls überzeugen, die Musik ist zwar nicht so gut wie in den Vorgängern, aber trotzdem episch, schön und passend. Die Stimmen der Charaktere sind meistens passend besetzt, nur der Prinz hat einen Sprecher, der einfach nicht mit seinen Vorgängern, Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio) und David Natan (Christian Bale), mithalten kann. Auch die Stimmenevolution wirkt völlig deplatziert, da er sich nicht ein bisschen nach den beiden anhört. Trotzdem macht auch er seinen Job gut, er passt einfach nur nicht.

 

 

Vielen Dank an Ubisoft für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Ich muss zugeben, ich bin überrascht. "Prince of Persia: Die vergessene Zeit" setzt fast auf demselben Niveau das fort, was Sands of Time begonnen hat, bricht qualitativ gegen Ende zwar etwas ein, macht aber sonst das meiste richtig. Der Fokus liegt nun sehr stark auf Rätseln und genau hier wird man gefordert. Prince of Persia Fans können getrost zugreifen, Leute, die mit der Reihe nicht vertraut sind werden auch ihren Spaß haben, denn Vorwissen wird nicht benötigt.

Grafik

gut

Sound

ok

Steuerung

ok

Spielspaß

gut

82%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

20.05.2010

Developer

Ubisoft

Publisher

Ubisoft

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1


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