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Reviews: Nintendo Wii

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Tournament of Legends

Beat 'em Up

21.07.2010

Autor: Lukas Strübig

 

 

Legendary Epic oder Epic Fail?

 

Müsste ich aufgrund des Spieles "The Conduit" ein viel zu verfrühtes und beißend sarkastisches Fazit über den Entwickler High Voltage Software abgeben, würde ich sagen: "Hey, die Jungs haben gute Ideen, ruf mich an, wenn sie sie umsetzen können." Ein besonders gutes Beispiel dafür ist ihr Beat 'em Up "Tournament of Legends", das seine guten Ideen leider mit einer nicht ganz so guten Umsetzung verwässert.

 

Begonnen hat das Projekt unter dem Namen "Gladiator A.D." war deutlich düsterer, realistischer und einfarbiger war als das Endprodukt. Entweder High Voltage - oder SEGA - kamen dann auf die Idee, den Realismus fallen zu lassen und stattdessen alle berühmten Mythen der Antike zusammen zu werfen und zu sehen, wer von denen nun am stärksten ist. Doch obwohl sich das Konzept so geändert hat, spürt man immer noch den Funken des Urprojekts.

 

 

Gameplay - Kung Fu kann doch jeder!

 

Anfang dieser Gen war das Beat 'em Up Genre so gut wie tot. Das einzige Prügelspiel, auf das sich einheitlich noch gefreut wurde, war Super Smash Bros. Brawl und das ist mit anderen Größen wie Tekken oder Street Fighter nicht zu vergleichen. Und genau die beiden letzteren, vor allem Street Fighter, haben in der letzten Zeit wieder eine kleine Welle an Kampfspielen los getreten, die aber alle nur japanische Kampfkunst zelebrieren.

 

"Nicht mit uns!", rief da High Voltage und brachte ein Spiel heraus, das auf den antiken Gladiatorenkämpfen basiert. Und das Argument sitzt, denn tatsächlich ist dieses Spiel mal etwas Neues. Das Gameplay fühlt sich daher auch erfrischend an.

 

Schon alleine die Grundregeln haben sich geändert. Gekämpft wird zwar immer noch in Runden, hier "Akte" genannt, allerdings ist es möglich, einen Kampf schon im ersten Akt zu gewinnen. Denn hat man die Energieleiste seines Gegners geleert ist hier keinesfalls Schluss. Während der Verlierer am Boden liegt und sich mit einem kleinen Quick Time Event wieder aufrappeln muss, stolziert der Sieger vor ihm auf und ab, klopft große Sprüche und kann seinerseits mit QTEs einen Teil seiner Energieleiste wiederherstellen. Läuft tatsächlich mal die Rundenzeit ab, ziehen sich beide Kämpfer in ihre Ecke zurück und können dort, ebenfalls mit QTEs nicht nur ihre Lebensergie regenerieren sondern auch ihre Rüstung reparieren, die während des Kampfes teilweise böse demoliert wird.

 

Und das Konzept geht auf! Anstatt also möglichst viele Combos raus zu hauen, um seinen Gegner, so lange er in der Luft ist, zuzuspammen, umkreist man sich hier, sucht nach nach dem richtigen Augenblick, um anzugreifen und versucht, seinen Gegner einzuschätzen. Es erinnert wirklich sehr an die alten Gladiatorenkämpfe und unterscheidet sich stark von der japanophilen Konkurrenz. Aber was wäre das für ein Kampfspiel, indem alle Kämpfer das Gleiche können? Natürlich gibt es Spezialattacken, die mal vom Charakter, mal von seiner Waffe und mal von seiner Fähigkeit abhängen. Mit denen kann Marcus Antonius seinen Leuten befehlen, Pfeile auf den Gegner zu schießen, Jupiter eine Riesenfaust aus dem Boden Stampfen oder Narcia ihr Gegenüber versteinern.

 

Die Spezialattacken sind gut eingefügt, niemals zu mächtig und sogar ein wenig Kontext sensitiv. Falls die Walkyre Kara zum Beispiel von Stromschlägen gelähmt wird, kann sie diese Ladung mit ihrem Blitzschlag auf den Gegner zurück werfen. Dazu kommt es noch, dass man im Einspieler-Modus für jeden Charakter die Waffen und Fähigkeiten der anderen Kämpfer freischalten und im Zweispieler-Modus einsetzen kann. Ja, es erinnert an Soul Calibour, aber immerhin wurde sinnvoll geklaut.

 

Im Grundsatz gibt es zwei Modi, einmal den Story-Modus, der quasi nur ein Arcade Modus ist, an dessen Anfang und Ende eine kurze Geschichte des jeweiligen Protagonisten steht und einen Zweispieler-Modus. Online ist Tournament of Legends leider nicht spielbar.

 

Leider wird der Story-Modus auf Dauer etwas langweilig, denn die Kämpfe bieten nicht sehr viel Abwechslung. Spannend ist er aber irgendwie schon, denn die Geschichten um die Charaktere sind nicht uninteressant, basieren allesamt auf antiken Erzählungen und werden im Stil amerikanischer Comics erzählt. Im Endeffekt ist dabei kein Kämpfer wirklich einer der Guten, alle wollen sie den Gott des Todes, Thanatos, besiegen und wenn sie es endlich geschafft hat kommt die bittere Erkenntnis, dass sie das entweder lieber nicht getan hätten, oder es ihnen eh nichts nützt. Ich liebe einfach antike Tragödien!

 

Im Multiplayer ist das Spiel deutlich besser, da die Steuerung leicht zu lernen ist und die Spezialattacken gut von der Hand gehen. Allein der geringe Umfang dämpft das Ganze, denn wer nicht so auf die Antike steht wie ich hat Probleme, aus den zehn Kämpfern einen heraus zu suchen, den er mag. Und auch hier ist die Luft schneller raus als bei sonstigen Genre-Vertretern, auch wenn der frische Wind und das neue Gameplay zu Anfang bei den meisten Leuten für Begeisterung sorgt.

 

Der Umfang dämpft den eigentlich guten Eindruck aber dennoch. Lediglich zehn Kämpfer und noch weniger Arenen sind eben nicht besonders viel, auch wenn die verschiedenen Fähigkeiten und Waffen eine gewisse Varietät einbringen.

 

Die Arenen sind dazu Gameplay technisch alle gleich und unterscheiden sich nur im Aussehen. In jeder Arena gibt es dazu eine Bestie, die den Kampf hin und wieder unterbricht und die Kämpfer angreift. Man muss ihr dann, ihr habt es bereits erraten, mit einem QTE ausweichen. Viele Kritiker meinten, das würde den Spielfluss unterbrechen, mich persönlich hat dies allerdings nicht so gestört. Obwohl ich mich bis heute Frage, was der Kraken im Kolosseum von Rom zu suchen hat... Aber was soll's.

 

Allerdings ist Tournament of Legends auch sonst nicht so gut, wie es sich hier liest. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber irgendwie fehlt dem Spiel Seele. Es fühlt sich an wie nebenher entwickelt, als hätte SEGA zu High Voltage gesagt "Mach das!" und High Voltage daraufhin nur: "Gut, wenn du willst." Dazu kommt noch, dass es keine wirklichen Extras gibt, die unerlässlich sind, um den Spieler zu ermutigen, weiterhin vor der Konsole sitzen zu bleiben.

 

 

Steuerung

 

Die Steuerung von Tournament of Legends ist sehr gewöhnungsbedürftig. Man kann das Spiel mit einem Classic Controller spielen und die meisten würden jetzt empfehlen, dies auch zu tun. Ich nicht!

 

Und das mag überraschend sein, da ich zuletzt im Review zu Naruto geschrieben habe, dass Gefuchtel und Kampfspiel nicht passt. Aber hier passt es eben doch. Denn durch das Fuchteln führt die Spielfigur einen Schlag aus, also hat man hier eine logische Verbindung zwischen Ursache und Wirkung. Ja, man muss sich daran gewöhnen, weil jeder Kämpfer eine eigene Schlaggeschwindigkeit hat, die sich natürlich nicht mit der des Spielers deckt. Aber das gleiche tritt beim Button Mashing auf, es fällt dort eben nur nicht so sehr auf.

 

Einzig bei den Quick Time Events muss man meckern. Während die Wichtigsten gut funktionieren, gibt es doch so einige Bewegungen, die nicht so leicht erfasst werden. Es hilft, wenn man den Pointer auf den Bildschirm richtet, aber das Problem wird dadurch nicht eliminiert.

 

 

Grafik

 

Auch grafisch gewinnt Tournament of Legends keinen Blumentopf. Die Texturen sind zwar sauber und die Effekte können sich auch sehen lassen. Auch die Charakter Modelle sind gut gemacht, das scheint High Voltage gut zu können, jedoch wirkt alles uninspiriert. Die Charaktere sehen irgendwie gut aus, aber irgendwie auch nicht. Ihr Design ist einfach nichts Besonderes, und bei einem Spiel, das sich so um Charaktere dreht ist das nunmal wichtig. Auch die Stages hat man schon in jeden Film gesehen, der die Antike thematisiert.

 

Der Sound kann da schon eher Punkten. Also, jetzt nicht diese schreckliche Musik die zum Glück so unscheinbar ist, dass man sie die meiste Zeit überhört, sondern viel mehr das Over the Top Voice Acting. Jeder der Charaktere hat zwei Sprüche für vor dem Kampf, zwei im Kampf und jeweils einen Siegespruch für jeden der anderen Kämpfer, inklusive sich selbst.

 

Diese Sprüche sind so gewollt kitschig, dass es sehr schade ist, dass ihr Humor jedem verwehrt bleibt, der nicht der englischen Sprache mächtig ist. Denn im gesamten Spiel gibt es keine deutschen Untertitel.

 

 

Vielen Dank an Sega für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Tournament of Legends macht es mir nicht leicht. Tatsächlich ist das Spiel nicht sehr gut. Es ist nicht einmal besonders gut. Die Steuerung ist nicht die beste, es ist nicht sehr schön und viel Umfang hat es auch nicht. Aber es ist endlich mal etwas Neues! Ich habe noch nie ein Beat 'em Up wie Tournament of Legends gespielt, und so wie es aussieht, werde ich es leider auch nie wieder, weil es sich nicht gut verkaufen wird. Wer also mal eine frische Brise im stehenden Beat 'em Up Genre spüren will, sollte es mal hiermit versuchen. Ich meine, es kostet nicht einmal 30 Euro.

Grafik

ok

Sound

ok

Steuerung

schwach

Spielspaß

ok

72%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

02.07.2010

Developer

High Voltage Software

Publisher

Sega

USK Freigabe

16+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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