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Reviews: Nintendo Wii

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Fragile Dreams: Farewell Ruins of the Moon

RPG

05.08.2010

Autor: Gunnar Schreiber

 

 

Prolog

 

Was wäre, wenn ihr der einzige Mensch auf der Erde wärt? Wie würdet ihr euch fühlen? Wie sähe euer Tagesablauf auf? Was wären eure Ängste, Hoffnungen und Wünsche? Und vor allem, was bringt das alles, wenn niemand da ist, mit dem man seine Gefühle teilen kann?

 

Genau diesen Fragen gehen die Entwickler von tri Crescendo, bekannt durch die Mitarbeit an Baten Kaitos und Eternal Sonata, in dem Wii exklusiven Rollenspiel Fragile Dreams: Farewell Ruins of the Moon nach und zaubern ein unvergleichliches Abenteuer voller Melancholie, aber auch Hoffnung auf Nintendos Heimkonsole.

 

Der Protagonist des Spiels ist ein 15 jähriger Junge mit dem Namen Seto. Er lebt mit seinem Großvater, einem Astronomen, irgendwo im Niemandsland. Es scheint fast so, als wenn Seto bisher keinen einzigen Menschen außer seinem Opa gesehen hat. Doch zu Anfang des Spiels ist seine einzige Bezugsperson tot. Hinterlassen hat er einen Abschiedsbrief, in dem er seinen Enkel bittet zum großen Turm im Osten zu gehen, da er dort weitere Überlebende vermutet.

 

Da Seto nichts mehr hält, macht er sich auf die Reise. Und tatsächlich: Gleich zu Anfang trifft er auf ein Mädchen mit silbernen Haaren. Sie erschrickt und läuft vor ihm weg. Aber dieser kurze Moment hat ausgereicht, um Setos Reise einen Sinn zu geben. Er will unbedingt das Mädchen wieder sehen. Und ganz nebenbei wird er noch herausfinden, was wirklich mit all den Menschen geschah.

 

 

Die Atmosphäre

 

Fragile Dreams lebt in erster Linie von der Atmosphäre. Denn weder das Gameplay, noch die nur sehr behäbig erzählte Geschichte können wirklich begeistern. Doch wird alles in einem beeindruckenden Gesamtpaket verpackt. Das beginnt schon gleich zu Anfang mit dem tollen, mit Gesang vorgetragenen Titelsong samt einem aufwendig produzierten Animevideo. Rising Star Games hat glücklicherweise auf eine übertriebene Lokalisation verzichtet und den japanischen Song im Spiel gelassen. Danach wird man nach und nach ins Spiel eingeführt, wobei die Dialoge richtig gut gesprochen werden, wahlweise in Englisch oder sogar in Japanisch.

 

Wie bereits zu Anfang geschrieben, ist Fragile Dreams in hohem Maße melancholisch, ja verbreitet fast schon eine depressive Stimmung. Diese wird auf verschiedene Art und Weise perfekt erzeugt: Da wäre einmal die Grafik zu nennen, die sehr detailliert die verfallene Welt darstellt und den Protagonisten zumeist an sehr dunkle Orte führt, wo nur seine Taschenlampe für ein wenig Licht sorgt. Die absolute Einsamkeit und Isolation wird aber auch durch das Leveldesign verstärkt. Gerade zum Ende hin wandelt man manchmal minutenlang durch verlassene Tunnel oder klettert unzählige Leitern rauf und runter. Auch wenn bei solchen Passagen durchaus Langeweile aufkommen kann, unterstreichen diese doch sehr geschickt das Gefühl, das Seto auf seinem einsamen Weg haben muss.

 

Seto ist aber nicht immer alleine. Ein paar Male trifft er auf Weggefährten. So findet er gleich zu Beginn einen mobilen PC, den er sich auf den Rücken schnallen kann und der ihm fortan mit Rat und Tat zur Seite steht. Aber passend zum Spiel, geben die Batterien recht bald den Geist auf. Und gerade als der Junge eine Art Freundschaft zu dem Gerät entwickelt hat, muss er es funktionslos zurücklassen.

 

Darüber hinaus findet man immer wieder verschiedene Objekte im Spiel, die früher mal den Bewohnern gehört haben. Manchmal bringen diese einfach nur Geld, oft erzählen sie aber eine kleine, teilweise emotionale Geschichte. Zu wissen, dass die Besitzer aber längst alle tot sind, verstärkt das beklemmende Gefühl.

 

Wer auf den Stil steht und sich von dieser Atmosphäre fangen lässt, der wird das Abenteuer in sich aufsaugen.

 

 

 

 

Das Gameplay

 

Fragile Dreams ist ein Action RPG, allerdings eines mit recht simplem Kampf- und Charakterverwaltungssystem. Seto kann prinzipiell drei verschiedene Waffentypen führen: Fernwaffen sowie Waffen mit mittlerer und mit kurzer Reichweite. Letztere sind meistens herumliegende Gegenstände wie Eisenrohre oder Besen. Erstere sind aber richtige Waffen wie Bögen und Armbruste. Alles, was Seto mit sich herumschleppt, nimmt Platz in einem Slotsystem weg. Folglich müsst ihr immer schauen, was ihr alles mit euch herumtragt. Das sollten neben den Waffen, auch diverse Heilgegenstände sein. Außerdem ist eine Taschenlampe immer dabei, da Seto sonst in vielen Bereichen blind umherirren müsste.

 

Natürlich gibt es von allen Ausrüstungsgegenständen unterschiedliche Varianten, die mal mehr Schaden machen oder besser heilen und dementsprechend mehr oder weniger Slots benötigen. Beispielsweise gibt es auch unterschiedliche Taschenlampen, eine mit Grünlicht, welche sonst nicht sichtbare Schriften an Wänden lesbar macht.

 

Zum Glück wird die Zahl der verfügbaren Slots im Laufe des Abenteuers größer. Alles, was Seto nicht mehr griffbereit unterbringen kann, landet in seiner Tasche. Auf die hat man nur an Feuerstellen Zugriff. Die Feuerstellen spielen eh eine sehr wichtige Rolle. Dort kann man sich nicht nur umrüsten, sondern trifft hin und wieder auf einen fahrenden Händler mit einer Hühnchenmaske. Wirklich ein komischer Kauz, der aber nützliche Dinge anbietet. Da sich Waffen im Kampf abnutzen und kaputt gehen, ist es wichtig sich regelmäßig mit neuen einzudecken. An den Feuerstellen füllt ihr aber auch automatisch eure Lebensenergie wieder auf und dürft speichern. Praktisch ist dabei, dass ihr wirklich alle paar Meter auf eine solche Stelle trefft.

 

Aber kommen wir mal zum Kampfsystem. Dieses ist ähnlich simpel gehalten wie beispielsweise in einem Zelda-Spiel. Ihr kloppt mit der A-Taste auf eure Gegner ein. Drückt ihr den Knopf in rhythmischen Abständen, dann wird daraus auch mal eine Dreierkombo. Je nach Waffentyp dürft ihr diesen aufladen, indem ihr A gedrückt haltet. Hat Seto eine Fernwaffe ausgerüstet, dann zielt ihr mit dem Pointer auf die Widersacher.

 

Die Feinde, allesamt Geister von realen oder fiktiven Kreaturen, werden sichtbar, sobald ihr sie mit eurer Taschenlampe anscheint. Diese bewegt ihr ebenfalls intuitiv mit dem Pointer. Für besiegte Schergen gibt es genretypisch Erfahrungspunkte, so dass ihr sukzessive im Rang aufsteigt und sich eure Fähigkeiten verbessern. Neben den normalen Gegnern wartet ab und zu mal ein Boss auf euch, der eine etwas andere Taktik erwartet. Richtig knifflig oder schwer wird es hierbei aber nicht. Kleinere Rätsel und Geschicklichkeitsaufgaben runden das Gameplay ab.

 

Setos Reise dauert etwa 10 bis 15 Stunden, abhängig davon, wie viel ihr bereit seid die Welt zu erkunden und nach seltenen Objekten zu suchen.

 

 

Die Meckerecke

 

Prinzipiell gibt es einiges zu meckern. Da wären beispielsweise das simple Kampfsystem oder die teils monotonen Spielabschnitte zu nennen. Doch beide Punkte fallen nur dann ins Gewicht, wenn man nicht gänzlich von dem Stil, der Thematik und der Atmosphäre aufgesogen wird. Ich habe die Punkte zwar bemerkt, aber nicht als sonderlich negativ befunden, da sie mehr als Stilmittel denn als Fehler anmuten.

 

Deshalb kann man eigentlich objektiv nur über zwei Dinge meckern: Einmal finde ich die Spielzeit für ein japanisches Rollenspiel etwas zu kurz. Zum anderen spinnt der Pointer öfters, wenn man diesen außerhalb des Bildschirms positioniert. Achtet man allerdings darauf, hat man keine Probleme.


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Fazit

Fragile Dreams ist ein einzigartiges Abenteuer über das Ende der Menschheit, gespickt mit einer Menge Melancholie, depressiven Zügen, aber auch Hoffnung. Das Abenteuer versteht es nahezu perfekt die Einsamkeit des Protagonisten Seto sowie seinen Wunsch nach Geborgenheit und seiner Sehnsucht nach anderen Menschen mit Hilfe der Geschichte, der Dialoge, der audiovisuellen Umsetzung und des Gameplays zu verdeutlichen. Darüber, dass letzteres keinen Innovationspreis gewinnt, wird man sofort hinwegsehen, wenn man sich von der Thematik und Atmosphäre gefangen nehmen lässt. Springt der Funke allerdings nicht über, bleibt allenfalls ein solides Spiel übrig. Deshalb ist die Note diesmal auch nur als Richtwert zu verstehen und je nach Geschmack sind locker einige Prozentpunkte abzuziehen bzw. dazu zurechnen.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

83%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

19.03.2010

Developer

tri Crescendo

Publisher

Rising Star Games

USK Freigabe

12+


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