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Reviews: Nintendo Wii

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Tiger Woods PGA Tour 11

Sport

10.08.2010

Autor: Mario Kablau

 

 

Wie auf dem Golfplatz!

 

Nintendo hat es vor Jahren vorgemacht und nun überholt EA die Japaner in ihrem Toyota Aygo mal eben so mit einer Dodge Viper. So oder so ähnlich mutet der Vergleich zwischen Golf in Wii Sports und dem im neuen Tiger Woods Spiel an. Zwar hat Nintendo in Wii Sports Resort noch einmal nachgelegt und ebenso Wii MotionPlus Unterstützung eingebaut, jedoch hat EA einen völlig anderen Ansatz: das umfangreichste und realistischste Golf-Spiel aller Zeiten zu programmieren. Und diesem Ziel sind sie mit Tiger Woods 11 einen großen Schritt näher gekommen.

 

Spielt man das Spiel zum ersten Mal, dann fällt einem sofort auf, dass man den Golfspieler nun nicht mehr von außen steuert, sondern in seine Haut geschlüpft ist. Der Titel ist also gewissermaßen ein Ego-Shooter, bloß schießt man mit Golfbällen statt mit Kugeln. Diese Ansicht sorgt in Verbindung mit MotionPlus dafür, dass man sich wirklich so vorkommt wie ein echter Golfer. Das Einzige was noch fehlt, ist Head-Tracking, damit die Kamera dem Blick des Spielers und nicht dem Blick der Wiimote folgt.

 

Doch bevor das eigentliche Spiel losgeht, richtet man zunächst seinen Spieler ein. Dabei kann man quasi alles verändern: Angefangen bei Größe und Gewicht, geht es über Frisur und Haarfarbe über zu den Feinheiten des Gesichts. Doch nicht nur die Figur ist personalisierbar, auch die Steuerung lässt sich in fünf Stufen verändern, so dass sowohl blutige Anfänger als auch Tiger Woods persönlich genau so spielen wie es ihr Können ermöglicht.

 

Im einfachen All-Play-Modus wird der Spieler an allen Ecken und Ende unterstützt. So zeichnet das Spiel die Flugbahn des Balles unter Berücksichtigung von Wind und Boden vor, so dass man eigentlich nur noch schwingen muss, wenn man Schläger und Richtung gewählt hat; ebenso unterstützt das Spiel beim Putten. Geht man höher in den Standard- oder gar den Advance-Modus, dann muss man auch noch möglichst gerade und stilecht schlagen. Sonst fliegt der Ball überall hin, bloß nicht an den gewünschten Zielort. Für die neuen Modi Advance Plus und Tour Pro ist nicht nur MotionPlus zwingend erforderlich, sondern auch entweder viel Geduld oder bereits langjährige Golf-Erfahrung. In diesen beiden Stufen wird neben der Schwungebene auch die Drehung des Handgelenks berücksichtigt, so dass man wirklich präzise ausholen und schwingen muss, um den Ball in die Nähe des Ziels zu bringen.

 

Und meine Erfahrung zeigt, dass die beiden neuen Modi es echt in sich haben; einfach nur drauf los schwingen führt hier nie zum Ziel, allerdings tut es das auch weiter unten schon nicht. Wirklich für Einsteiger geeignet ist nur der Allplay-Modus, bei dem man noch ein bisschen das Gefühl hat ein Golf-Spiel zu spielen und nicht echtes Golf. Ich rate jedoch allen dazu, die letzteres erreichen wollen, gleich mit einer der beiden hohen Einstellungen zu beginnen. Ich habe mich damit echt schwer getan, nachdem ich einmal an Advanced – auch aus den Vorjahren – gewöhnt war.

 

Neben diesen Schwung-Einstellungen kann man in der neuen Version nun auch das Gameplay an sich leichter oder schwerer machen, so dass für wirklich jeden die perfekte Einstellung dabei sein sollte. Außerdem lässt sich die Ego-Ansicht True View auch abschalten, wenn man ganz klassisch spielen will. Zu guter letzt sammelt man auch noch Erfahrungspunkte wenn man spielt und macht seiner Golfer so von Turnier zu Turnier immer besser.

 

Auf die Steuerung an sich gehe ich hier nicht gesondert ein, da sie durch die zahllosen Optionen sehr komplex und vielseitig ist. Dennoch geht alles nach einer kurzen Eingewöhnung sehr leicht von der Hand, da es eben dem echten Spiel gut nachempfunden ist. Die Tutorials erklären die Steuerung sehr gut und eingänglich, so dass auch Einsteiger an dieser Stelle wenig Probleme haben sollten ins Spiel zu finden. Das Einzige was wirklich schwer ist, ist die Gewöhnung an MotionPlus. Jeder Schlag muss möglichst präzise ausgeführt werden, sonst kommt man auf keinen grünen Zweig. Alleine die Beherrschung der Schlagstärke, die extrem feingliedrig ist, benötigt jede Menge Übung.

 

 

Golf in allen Facetten!

 

Neben der sehr gut funktionierenden Steuerung kommt es bei einem Golf-Spiel natürlich auf den Umfang an. Auch hier haben die Entwickler ganz tief in die Trickkiste gegriffen und für Einzel- als auch für Mehrspieler so viel auf die DVD gepackt, dass man sich ohne Probleme bis zum Erscheinen der 12er-Version damit beschäftigen kann. So bietet die Karriere zum Beispiel dutzende Turniere in einer bis zu 30-jährigen Laufbahn, in deren Verlauf man immer besser wird und daher auch vor immer härtere Aufgaben gestellt wird. Daneben lassen sich der legendäre Ryder Cup nachspielen und bei der Skills Challenge die wohl härtesten Aufgaben, die auf einen Golfer zukommen können, meistern.

 

Doch natürlich kann man auch einfach nur einen Parcour mit 18 Löchern spielen; entweder nach den ganz normalen Regeln gegen viele Gegner oder Mann gegen Mann, wobei es darum geht, mehr Löcher mit weniger Schlägen als der Gegner zu schaffen. Darüber hinaus gibt es weitere Modi für maximal vier Spieler, die man auch in Zweierteams bestreiten kann. So zum Beispiel Stableford, wo man Punkte bekommt, je nachdem mit welcher Wertung man ein Loch beendet und Skins, wo es pro Loch um Geld geht, das bei Gleichstand in den Jackpot für das nächste Loch wandert. Hier gibt es auch den Ryder Cup wieder, den man mit vier Spielern direkt gegeneinander bestreiten kann.

 

Des Weiteren bietet das Spiel noch einen Arcade-Modus, in dem man zum Beispiel Schläger des Gegners klauen darf, wenn man ein Loch gewinnt. Hier gibt es auch den sehr lustigen One-Ball Modus, in dem alle Kontrahenten mit demselben Ball spielen und derjenige das Loch gewinnt, der den Ball einlocht. Natürlich gibt es Vorgaben, wohin man den Ball spielen soll, um am Ball bleiben zu dürfen. Fehler werden mit Aussetzen bestraft. Darüber hinaus sind auch noch Mini-Games im Spiel, die allerhand abwechslungsreiche Aufgaben bieten. Abschließend war auf der Disk auch noch Platz für einige Partyspiele, darunter Mini-Golf mit vielen Themenplätzen. Es ist schon lustig, mit Tiger Woods Mini Golf zu spielen. Unterm Strich ist also für jeden etwas dabei.

 

Wenn man jedoch keine menschlichen Mitspieler hat, bietet sich der Online-Modus an, der ein Konto bei EA Online voraussetzt. Das kann man aber ganz leicht und direkt im Spiel anlegen und dann losgolfen. Hier finden sich neben ganz normalen Online-Spielen gegen Freunde auch zahllose Turniere und sogar Live-Events. Wenn gerade ein reales Turnier läuft, kann man sich direkt mit den Scores der Profis in der echten Welt messen. Lange Wartezeiten sind online nicht vorhanden, da man parallel zu den anderen Spielern golft und somit nicht nach jedem Loch ewig auf die anderen warten muss.

 

Der Online-Modus funktioniert bei mir super und war mein Hauptaufenthaltsort. Es macht einfach viel mehr Spaß, gegen echte Gegner zu spielen, auch wenn die Karriere sicher nicht zu verachten ist. Ich will aber lieber einfach ’ne Runde golfen, wenn ich Lust habe, und das geht online noch immer am allerbesten. Hier hat EA ganze Arbeit geleistet.

 

 

Die technische Seite!

 

Die Wii ist keine HD-Konsole und das merkt man dem Spiel leider deutlich an. Zwar sehen die Umgebungen sehr schön aus und wirken fast realistisch, jedoch gibt es überall ziemlich starkes Kantenflimmern und viele langweilige und niedrig aufgelöste Texturen. Insofern wird an dieser Stelle der Realismus deutlich ausgebremst. Dennoch muss man den Entwicklern zu Gute halten, dass sie sich große Mühe gegeben haben und das Spiel optisch ein Stück besser aussieht als der Vorgänger. Vor allem die Ego-Ansicht ist super gelungen und hat mir sehr viel Freude bereitet. Auch die Möglichkeiten, den eigenen Spieler zu individualisieren, finde ich extrem gelungen. Allerdings kriege ich es irgendwie nie hin, dass die Figur mir auch nur entfernt ähnlich sieht. Keine Ahnung, woran das liegt...

 

Musik und Sound brauche ich kaum erwähnen, beides ist ja nicht wirklich wichtig in einem solchen Spiel. Interessant finde ich jedoch die Kommentatoren, die allerdings, wie das ganze Spiel, nur englisch sprechen. Die Kommentare sind vielseitig und passen meist gut zur Situation. Mir gingen sie dann irgendwann aber doch auf den Geist, sobald sich die Sprüche öfter wiederholen.

 

 

Meckerecke!

 

Viel Grund zur Klage gibt es bei Tiger Woods 11 nicht. Was mich jedoch extrem stört, ist, dass es komplett auf Englisch ist. Nicht eine Zeile Text wurde übersetzt. Bei den Sprechern kann ich das ja noch nachvollziehen, aber bei allem Geschriebenen hört mein Verständnis auf. Vermutlich liegt das einfach daran, dass sich eine Lokalisierung nicht lohnt, jedoch kann ich mir genauso gut vorstellen, dass sich mehr Leute für das Spiel entscheiden würden, wenn es auf Deutsch wäre. Viele der Fachbegriffe wären so viel leichter verständlich und das ganze Spiel zugänglicher, was ja durch den All-Play-Modus scheinbar ein Ziel der Entwickler ist.

 

Ansonsten kann man eigentlich nur kritisieren, dass es eigentlich kein Spiel mehr ist, sondern ein extrem realistisches Golf-Erlebnis. Wer einfach nur ein bisschen Spaß haben will, wird mit dem Titel sicher nicht glücklich. Da sind andere wesentlich besser. Zwar hilft All-Play, jedoch ist das Spiel dennoch total überfrachtet, so dass sich Einsteiger nur schwer zurecht finden. Selbst ich, obwohl ich nun schon das vierte Jahr in Folge Tiger Woods auf der Wii spiele, habe hin und wieder Probleme, das Menü zu durchschauen. Der Segen des großen Umfangs ist gewissermaßen gleichzeitig auch der Fluch des Spiels.

 

Zuletzt habe ich mich nach der South Park Folge, die sich um das neue Tiger Woods Spiel dreht, darauf gefreut, dass auch hier plötzlich gehörnte Ehefrauen ins Bild laufen und den Golfer stilecht mit einem Golfschläger vermöbeln. Leider kommt es dazu nicht.

 

 

Vielen Dank an Electronic Arts für die Bereitstellung des Testmusters.


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Fazit

Tiger Woods PGA Tour 11 ist das wohl umfangreichste und realistischste Golf-Erlebnis, das ich je virtuell gespielt habe. Zahllose Modi und eine abwechslungsreiche sowie präzise Steuerung dank Wii MotionPlus, sorgen dafür, dass sich selbst die besten Profis, direkt wohl fühlen sollten. Die Schattenseite ist jedoch, dass es für Einsteiger trotz All-Play nur schwer zugänglich ist. Das ganze Spiel ist ziemlich voll gepackt und daher wirkt es nicht selten extrem überfrachtet. Einsteiger sollten also besser zu Wii Sports Resort greifen, auch wenn da der Umfang natürlich deutlich geringer ist. Technisch kann man kaum etwas bemängeln, lediglich die Sprecher gehen irgendwann auf die Nerven. Der einzige große Kritikpunkt ist die fehlende Übersetzung, was eine weitere Zugangshürde für Einsteiger darstellt. Im Großen und Ganzen ist es aber, nicht zuletzt wegen der coolen Ego-Ansicht, eine Verbesserung zum Vorgänger, die alleine den Kauf aber nicht wirklich rechtfertigt, wenn man Tiger Woods 10 schon besitzt. Wer das letzte Jahr ausgelassen hat, sollte nun aber dringend zuschlagen.

Grafik

gut

Sound

gut

Steuerung

super

Spielspaß

ok

83%

Singleplayer

84%

Multiplayer

Release

01.07.2010

Developer

Electronic Arts

Publisher

Electronic Arts

USK Freigabe

ohne Altersbeschränkung

Anzahl Spieler (Lokal)

1-4

Anzahl Spieler (Wi-Fi)

1-4


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